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Neue jüdische Presse · 1912-01-26 · Heft 4 (26.1.1912) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 4 (26.1.1912)
Date
1912-01-26
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4._.__ „Wegen meiner mag er sich darüber freuen; ich freue mich auch, wenn, ich auch vorerst im Anfang mit dem neuen Gärtner! mehr zu reden haben werde. Bevor er sich eingcwöhnt und alles versteht, was man redet, darüber vergeht wohl eine Zeit. Aber Hauptsache ist doch, dass einer guten Willen hat und das tut, was mau ihn, sagt." * Der neue Gärtner hatte auch den besten Willen und war fest entschlossen, alle Anordnungen des Herrn pünktlichst auszuführen, namentlich als er den schönen, wohlgepfelgtcn Garten sah, so schöir und wehlgepflegt, wie er noch keinen gescheit hatte, und als er vernahm, das; in demselben alles nach den 'Anordnungen geschehe, die der 'Besitzer an jedem Morgen persönlich dcni Gärtner 'kuirdzugeben Pflege. Früh am andern Morgen kanr Kalba Sabua hinunter in den taufrische,r Garten und nahm den ehrerbietigen Morgengruß seines neuen Bediensteten entgegen, der sich nicht enthalten konnte, seiner Bewunderung der prachtvollen Anlagen Ausdruck zu verleihen. Der Besitzer nickte ihm gönnerhaft zu. „Nun ja, die Anlagen sind prächtig, gefallen jedem. Denn das must man dem Akiba, meinem früheren Gärtner, lassen, er hat zwar von der Gärtnerei nicht viel verstanden, aber au jedem Morgen habe ich ihm gesagt, was im Laufe des Tages geschehen must, alles genau, was und wie und wo, und daraus habe ich mich verlassen können. Was ich gesagt habe, und wie ich's gesagt habe, so ist es geschehen. Das sicht man denl Garten auch an." Es begannen nun die Instruktionen, wie Kalba Sabua sie Akiba an jeden» Morgen erteilt hatte. Staunend lauschte der Ncnangestellte. den mit großem Selbstbewußtsein vorgetragencn Anordnungen seines Herrn und war kaum inlstande, hin und wieder ein leises Kopfschüttcln zu unterdrücken. -Daß man in dieser Weise einen Garten pflegen konnte, hatte er noch nie gehört, es war ihm geradezu unfaßbar. „Also Du weißt jetzt, was Du zu tun hast —" „Gewiß, Herr, jedes Deiner Worte habe ich mir cingcprägt und werde. es getreulich vollführen, — obgleich — ich kann cs nicht leugnen — ich derartiges noch nie gehört habe." „Das kann ich ,nir denken. Aber sage mir nur, hast Du schon einmal einen so schönen, wohtgepflcgtcn Garten gesehen wie diesen?" „Nein, das habe ich nicht." „Nun also, da siehst Du die Folgen der richtigen Pflege.. Wo die fehlt, kann solch Herrliches nicht erzielt werden. Also ich verlasse mich auf Dich." „Das kannst Du, Herr, waS Tn gesagt hast, wird geschehen," Sobald Kalba Sabua sich entfernt hätte, machte sich der neue Gärtner all die Ausführung der empfangenen Befehle. Daß er dabei ivicderholt den Kopf schüttelte, konnte man ihm allerdings nicht verübeln, denn wenn er auch, nicht hervorragend! in seinem Fache war, so mangelte cs ihm doch nicht vollständig au Sachkenntnis wie dciitjenigen, der die seltsamen Besehlc erteilt hatte. Der Erfolg war, wie jeder Sachkundige hätte Voraussagen können, ein elender. Alle die prachtvollen Blume» und Blüten ließen die duftenden Köpfchen hängen, und bevor sie zur nächtlichen Ruhe die Kelche schließen konnten, lagen sie entblättert am!' Boden. Der unglückliche Gärtner wollte nahezu verzweifeln. Ihn konnte allerdings keine Schuld treffen, er hatte die Anordnungen, seines Herrn pünktlichst ausgeführt; trotzdem zweifelte er nicht, daß er die Berantivortung für den grauenvollen Mißerfolg würde tragen müssen. Schlaflos wälzte er sich tvährend der ganzen Nacht auf seinem Lager, mit Angst und' Zagen sah er dem Morgen entgegen. Es ging jedoch für diesen einen Tag ungleich besser, als er erwartet hatte. Kalba Sabua hatte sich gestern bei eineni Festmahl eine Unpäßlichkeit gugczogen, er hatte eine überaus schlechte Nacht verbracht und tvar auf den Rat seiner Frau im Bette geblieben. Aber Me Pracht seines Gartens lag ihm sehr am Herzen; trotz seiner heftigen Schmerzen vergaß er es nicht, denr neuen Gartenpfleger Verhaltungsmaßregeln! znkommen zu lassen, die allerdings nur darin bestanden, i daß das gestrige Verfahren heute gcnauestens ivicderholt i werden müsse. Der unglückliche Gartenpfleger geriet! nutzer sich, er zweifelte nicht an einem abermaligen! Mißerfolg und wagte es dennoch nicht, dein ausdrückliche» Befehle seines Herrn cntgegenzuhandeln. Und überdies, war denn nicht auch ohnehin bereits alles verloren?. Darum entschloß er sich, mochte kommen, was Frankfurter Israelitisches Familienblatt. da wollte, den Befehl seines Herrn abermals zu vollziehen. Das hatte er versprochen, dazu war er verpflichtet, so konnte ihm! kein Mensch einen berechtigten Vorwurf machen. Als Kalba Sabua am folgenden Morgen seinen Garten betrat, glaubte er im ersten Moment den eigenen Augen nicht trauen zu dürfen. Doch als er sich nur allzubald überzeugte,, daß die Verwüstung, die er vor sich sah, nicht Spiel seiner Phantasie, sondern schale, nackte Wirklichkeit war, da kannte seine Wut und sein Toben keine Grenzen. „Schweig, Du infamer Lügner!" schrie' er dem llnglückseligen zu, der wieder und immer wieder versicherte, daß er den Anordnungen seines Herrn buchstäblich entsprochen habe. „Welcher Mensch kann Dir das glauben? Schaust Du denn nicht, was Du angerichtct hast? — Mein Garten! mein schöner, prächtiger Garten; wie liegt der noch ehegestern so herrliche nun ivie Trümmer in .einer Wüstenei da!" Bald schien er sich noch die spärlichen Haare auf seinem nahezu kahlen Scheitel ausraufe» zu wollen, bald sich auf den zitternd vor ihm stehenden Gartenpfleger stürzen zu »vollen. „Was stehst Du noch immer da. Du Nnglücksbringer? Du Hund! Du Esel! Du! — Tu! —" Die Sprache versagte ihm, er glaubte in seiner Wut ersticke»» zu müssen. i „Fort!" schrie er endlich, „fort. Du Jnsamer! — Und daß Du es nicht »vagst. Dich »vieder vor mir blicken zu lassen!" Der unschuldige Uebcltätcr rannte davon, so rasch ihn seine Füße tragen »vollten; der Verztvcifelnde Gartenbesitzer aber ging händeringend von einer Pflanze zur anderen, den angerichteteir Schaden betrachtend und beklagend, als gelte, cs einen» teuren, dahingeschieoenen Familiengliede. So trafen ihn seine Frau und seine Tochter, die von» Fenster aus seine verztveislungsvotlcir Gebärden gesehen und sein Jammern gehört hatten. Aber auch sie »varen bestürzt über die Verheerungen. „Hast Du denn nicht vorher mit ihm darüber gesprochen, »vie die Pflanzen gepflegt »verden sollen? Bisher bist Du doch alle Morgen hinuntergegangen und hast Deine Anordnungen getroffen?" fragte seine Frau. „Und Du meinst, bei dem neuen Gärtner hätte ich das nicht getan? Für solch einen Esel hältst Du mich? .Nicht einmal, zehnmal habe ich ihm gesagt, »vas er zu tun hat! Er hat mir z»var gesagt, daß er noch nie gehört hat, daß man die Gärtnerei so betreibt: aber ich habe ihn gefragt, ob er denn schon irgend»vo einen so prachtvollen Garten gesehen hat. Das hat er auch gesagt, daß er das noch nie gesehen hat, und heilig hat er mir versprochen, daß er genau tirn werde, »vas ich ihm anbeföhlcn habe. Und das Schönste ist, er behauptet, meine Anordnungen genau ausgeführt zu haben!" lieber Rahels intelligentes Gesicht huschte ein Ausdruck crtvachenden Verständnisses, — doch sie schwieg. Ihre Mutter aber sagte: „Da »väre cs doch besser geivesen. Du hättest Akiba's Vorschlag angenommen. Und ob es nicht das Beste »väre, ivenn Du ihn noch — —" „Schweig!" herrschte er sie a», „der Verruchte ist an allein schuld!" „Aber den Garten hat er Dir doch prächtig in Ordnung gehalten." „Das muß man ihm lassen; gefolgt hat er mir, »ras ich angeordnet habe, ist geschehen. Man hat's dein Garten auch angesehen; jeder hat gesagt, so etivas hat die Welt noch nicht gesehen." Rahel »vandte sich seit»värts, »in ihr Lächeln gu~ verbergen. Sie war bei der Unterhaltung ihres Vaters mit seinem ehemaligen Gartenpflcger oft gegenwärtig geivesen und hatte Kalba Sabuas recht »veitläufige Anscinandcrsetzungen mitangehört. — Auch Akibcr hatte stets aufmerksam zugehört und hatte nie auch nur mit einer Silbe »vidersprocheu, — aber gekümmert hatte er sich um die Befehle seines Herrn niemals. Also Kalba Sabua »var überzeugt, das; er die Pracht seines Gartens einzig und allein seinen weisen Anordnungen verdanke. Aber »vas nun? Es blieb nichts anderes übrig, er mußte nochmals einen Tag opfern, einen tüchtigen Gärtner zu suchen. Er fand auch einen, aber der augerichtete Schaden »var allzugroß, um rasch ausgebessert zu »verden, »md dem unvernünftigen Gartenbesitzer fehlte die erforderliche Geduld. So kam es, daß er schon nach roem'geir Wochen den ziveitcn Gärtner gleichfalls »oegjagte. Der dritte aber ging freiwillig schon nach »venigen Tagen, nach- Seite 5. »ent er die Unmöglichkeit erkannt hatte, den Gartenbesitzer zu befriedigen. Kalba Sabuas einsichtsvoller Frau gelang .es schließlich, ihn zu überzeugen, daß er hei der bereits vorgerückten Jahreszeit nichts Besseres tun könnt, als die Gartenfrage bis zum Frühjahr ruhen zu lassen. (Fortsetzung folgt.) nnTllt J. W. Altai, Ick P. Waotaei, U wr 1 I It Ecks N u_- Sainzerstr. u Waissf'auenstr. n. Elektr. Kl-inb'l-uchtunq Taschenlampen. Schlafzimmer-Einrichtungen Bettenfabrikation, Bett-Wäsche. Bleidenstrasse 10. Plattfuss “de™ Fussschmerzen verschwinden in unseren patentamtl. gesell. An gulusstlefel: (lndlvidne'le Anfertigung). Eberhard Müller g Sohne, BotÄfÄ 4a Kunst und Literatur. Die Ginzburg'sche Bibliothek. Für die Bibliothek des verstorbenen Baron David Ginzburg-Petersburg hat sich bisher noch kein Käufer gefunden. Gegemvärtig »vird im Austrage der Erben eine neue Katalogisierung mit einer Beschreibung und Inhaltsangabe der in der Bibliothek befindlichen Unica und .Handschriften durchgeführt. Die Vorschriften für die Trauerzeit von Rabb. Dr. Wolf, Cöl». 36 Seiten, 60 Pfg. Cöln, Verlag der Bibliothek des Jüdischen Bolksfreundes. Bei der krassen Unwissenheit weiter Kreise in jüdischen Dingen entspricht diese erläuternde Behandlung der Vorschriften für die Trauerzeit einein Bedürfnis. Von der hebräischen Enzyklopädie ,F)zar Jisrael", herausgcgeben von I. D. Eisenstein- Ncwyork, ist soeben der fünfte Band erschienen. nalser Frietlrlcu Quelle ■ Offenbacb a. L. ■■■ Oeges Gicht and Bhesmatlsmis bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Frledrioll Stahl, Frankfurt a. HL, Stallhnrgstr. 9. Tel 2Kft n 714. Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Loacb.) Samstag» den 27. Januar (=8. Scbwat»: Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 40 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 05 Min. in Berlin 5 Uhr 30 Min. Wochenabschnitt: Ban. — Die letzten drei Plagen! Lins Gottes Befehl kündigt Moses eine Heuschreckenplage an. Dabei gerät Pharao, der nur teilweis Konzessionen an Israel nrachen will, in Zorn und vertreibt Moses und Ahron von seinem 'Angesichte hinweg. Die Heuschrecken vernichten alles Grüne im Feld. Ein Westwind führt die Heuschrecken »nieder fort. Eine dreitägige Finsternis entsteht. Nur Israel hat Licht. Pharao »vill das Volk fortlasse», nur das Vieh soll zurückbleibcn. Moses widerspricht und scheidet erregt von Pharao, nachdem er noch die letzte Plage angekündigt: das Sterben der Erstgeborenen. Unr Mitternacht sollen alle Erstgeborenen, hoch und niedrig, dem Tode verfallen, ebenso die des Viehes. Dann wird Pharao das Volk förinlich fortdrängen. Vorher sollten sie jedoch das Pesachopfer, gebraten am Feuer, mit bitteren Kräutern und ungesäuerten Broten verzehren. Alle sollten hierbei reisefertig sein, die Schuhe an dm Füßen, die Lenden gegürtelt, den Stab in der Hand, des Freiheitsrnfcs gewärtig. — Die Plage traf «in, Israel zog in der Nacht des 14. Nissan frei aus, 600000 Manu ohne die Frauen und Kinder. Auch egyp-- tischcs Gesindel zog mit. 430 Jahre lang »»ährte die Knechtschaft bez»o. die Fremdherrschast. — Es werden zicnr Schluß einige Vorschriften für das Pesachfest mitgeteilt. — Die Sidra endet mit den beiden -Abschnitten, tvrlche laut Tradition auch in den Tesillin zu stehen haben: Kadeisch und W'hojo ki jeioiacho. Inhalt beider sehr ähnlich: vom Auszug ans Egypten: die Heiligung der Erstgeborenen; von den Tesillin. Wochengottesdienste in Frankfurt- Morgens: Synagoge Friedberger Anlage 6 Uhr 45 Min., Börneplatz 6 Uhr 55 Min., Hauptsynagogc und Königsteinerstratze 7 Uhr 30 Min. Abends: Synagoge Friedberger Anlage 5 Uhr, Börneplatz 4 Uhr 30 Min., Hauptsynagogc 4 Uhr, Königsteinerstraße ___7 Uhr. 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