Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1912)
- Date
- 1912-01-26
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4. Arotoschiu. Erzellenz von Sch warzkopff, der Oberpräsident der Provmz Posen, stattete unserer Synag o g e einen- Besuch, ab. ' Aus der Lehrerwett. Berlin. Dr. Eppenstein, Dozent am Rabbinerseminar, erhielt von den städtischen Körperschaften Briesens, wo er bisher als Rabbiner wirkte, ein kunstvoll aus gestattetes Album mit.Briefen er Ansichten verehrt. Burgprepvach. Die Israel. Präparanden- Schule zählte in ihrem 36. Schuljahre 37 Schüler. Durch dasvorzeitige Hinscheiden von vier Lehrern, hat die Anstalt große Lasten zu tragen; ihre Ausgaben im letzten Berichtsjahre betrugen allein für Lehrergehälter und Pensionen 10 700 Mark. Es ist daher eine materielle Förderung der Anstalt seitens weitere Kreise dringend erforderlich. Gailingen. Nach 25 jähriger Wirksamkeit an der hiesigen Gemeinde verschied Kantor und Religionslehrer Jakob Eisenmann. Würzburg. Reallehrer Freudenberger erhielt den Titel Professor und die Volksschullehrer Abraham Rau-Hirschaid und'Salomon Eisemann- Wertheim den Titel Hanptlehre r. Würzburg. Der Magistrat bewilligte für die i s r a e l. Erziehuugs-und U n t e r r i ch t s a n st a l t, die 140 Kinder unterrichtet, einen jährlichen Zuschuß in der Höhe von 10 000 M Bisher betrug der Zuschuß 7000 M. Sohra« (Oberschles). Lehrer Ravhael Plaut erhielt von der Königl. Regierung eine Remuneration von 90 als Anerkennung seiner Tätigkeit im Interesse der Eltern- und Volksabende und des deutschen Volksschulwesens. Aus de» Vereine«. Treysa, 8. Januar. Am verflossenen Sabbat war es dem „Israelit, grauend er ein", dem sämtliche Frauen unserer Gemeinde angehören, vergönnt, sein 25jähriges Bestehen festlich begehen zu können. Eingeleitet wurde die zweitägige Feier in der schön geschmückten Synagoge durch einen Festgottesdienst, bei dem Provinzialrabbiner Dr. Munk- Marburg die Festpredigt hielt. Abends fand im Bahnhofshvtel ein gemütliches Beisammensein der Vereinsmitglieder statt, das bei einer Menge ernster und heiterer Ansprachen einen sehr schönen .Verlauf nahm und zur Kräftigung des Vereinsgedankens wesentlich beigetragen haben dürfte. Seinen Abschluß fand das Fest am Sonntag Abeitd durch eine im Hotel „Zur Burg" veranstaltete Abendunterhaltung, zu der sich nahezu die ganze Gemeinde nebst vielen auswärtigen Gästen eingefunden hatte. An einen Prolog schlossen sich die Aufführung zweier Einakter, eines Kinderreigens und ein bis zum andern Morgen dauernder Ball. Zur Erinnerung an das Jubiläum schenkte der Frauenvcrein der Gemeinde ein schönes Porauches. Breslau. Am 3. Januar fand die II. ordentl. Mitgliederversammlung des Jüd. Jugendvereins statt. Der 2. Vorsitzende, Eugen Mittwoch, erörterte zunächst die Krisen im Vorstand. Einige Herren hatten bereits .ihr Borstandsamt niedergelegt, weil sie in der Einführung hebräischer Sprachkurse eine „Verletzung der Neutralität" zwischen zionistischen und uichtzionistischen Mitgliedern sahen. Außerdem hatte der 1. Vorsitzende, R.-Ä. Nothmann, Ende Dezember wegen mangelnden Interesses eines großen Teils der Mitglieder demissioniert und wollte eine Wieder- >vahl unter keinen Umständen annehmen. Der Generalversammlung war eine Borstandssitzung vorangegangen, in der ein Vertreter der Nichtzionisten erklärt hatte, er und seine Freunde würden im J--B. nur weiter Mitarbeiten, wenn die Zionisten sich von der Arbeit zurückziehen würden. Dementsprechend wurde in der Vorstandssitzung eine Vorschlagsliste für den zu wählenden Vorstand zusammengestellt, die unter den 14 Kandidaten nur e i n e n Zionisten enthielt.— Zur Generalversammlung erschienen die Vertreter dieser Liste in sehr geringer Zahl: während von den zirka 260 Mitgliedern des Vereins nur etwa 60 Zionisten sind, waren unter den etwa 80 Erschienenen 40—50 Zionisten. Die iyo(flc war, daß die vom früheren Vorstand vorbereitete Liste gar nicht erst der Versammlung präsentiert wurde. Dagegen schlug der frühere Vorsitzende eine Kvmprounßliste vor. Ueber diese kam es aber nicht zur Abirimmnng, nachdem von den „Liberalen" einer nach dem andern erllärte, eine Wahl nicht anzunehmen. Es!"urhe nunmehr festgestellt, daß die Zionisten die beste Absicht hatten, mit allen andern gemeinsam zu arbeiten, bseses aber von der Gegenseite nicht gewünscht werde. — ii» blieb also nichts übrig, als den von den „Liberalen" gmichten Vorschlag anzunehmen und einen zionistischen Vorstand zu wähle». Als 1. Vorsitzender wurde Zahnarzt Schachtel mit 48 Stimmen gewählt, während 14 leere Zettel abgegeben wurden und 20 Stimmen »ich zersplitterten. Herr Schachtel übernahm den Vorsitz mit der Erklarung, daß er notgedrungen das Amt annehme und >rch bemühen werde, den Verein nach bestem Können »eukal zu erhallen und zu leiten. Zum 2. Vorsitzenden wurde Referendar Dr. Badt gewählt. — Jetzt wurde von ^liberaler Seite Vertagung der Generalversammlung me1!?;08* und Anberaumung einer neuen, die über die Auslösung des Vereins entscheiden möge. Herr Mitt- Frankfurter Israelitisches Famslienblatr. w o ch charakterisierte das Verhalten dieser Liberalen, die zuerst selbst Zionisten zur Wahl Vorschlägen, durch Nichtannahme von Aemtern resp. Nichterscheinen, sie wählen lassen, um dann, nachdem dies geschehen ist, die Auflösung zu beantragen. Es gehe daraus hervor, daß sie lieber keinen Jugendverein wünschen, als einen an dem Zionisten Mitarbeiten wollen. — Darauf wurde der Vertagungsantrag mit überwiegender Majorität abgelehnt. '; ' I Die übrigen 12 Vorstandsmitglieder wurden durch eu bioo-Annahme gewählt. (L) Posen. Der Verein der Sabüatfreunde hielt eine Versammlung ab. Nachdem Dr. de Haas einen kurzen Bericht über den Hamburger Delegiertentag erstattet hatte, ergriff das Vorstandsmitglied Kaufmann P. P l e ß n e r das Wort, um ein großzügiges Bild von den Beratungen des Delegiertentages und. den Vereinsbestrebungen in: allgemeinen zu entrollen. Eingesandt. Der Jüdische Frauenbund betrachtet es als seine vornehmste Aufgabe, arbeitsuchenden Mädchen und Frauen durch seine Stellenvermittelungen Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen. Die genaue Kenntnis der lokalen Verhältnisse, der Anforderungen, die an Berufsausbildung und Leistungen gestellt werden, ermöglichen es den Stellenvermittelungen, den Arbeitnehmern mit Rat zur Seite zu stehen. Das vorgesteckte Ziel —> Arbeitgeber und Arbeitnehmer ganz zu befriedigen — kann aber nur erreicht werden, wenn sich überall, wo Glaubensgenossen in Deutschland wohnen, Männer und Frauen finden, die bereit sind, Auskünfte zu erteilen, Erkundigungen einzuziehe» und reisende Frauen und Mädchen mit Rat und Tat zu unterstützen. Es kommt häufig vor, daß Frauen und Mädchen in die großen Städte kommen, ohne Kenntnis irgendeines Berufes, mit knappen Mitteln, ohne sich einwandfreies Logis gesichert zu haben, um dann ratlos und weltfremd Ausbeutern und Ausbeuterinnen in die Hände zu fallen, die ihre Unerfahrenheit und Leichtgläubigkeit mißbrauchen. Dem könnte gesteuert werden, wenn überall, auch au den klciusteu Plätzen sich Männer und Frauen fänden, die bereit sind, mit den Stellenvermittelungen schriftlich in Verbindung zu treten, um die Arbeitsuchenden, bevor sie zuhause ihre Angehörigen verlassen, vor allerlei Gefahren und Ungemach zu schützen. Unsere Bitte Ueht nun dahin: uns durch die Gemeindevorständc Männer und Frauen namhaft zu mach en, d ie das Amt von Bertrancnspersonen übernehmen, und an die man sich gegebenen Falles um Auskünfte wenden kann. Die Tätigkeit, die ein. solches Amt erfordert, ist eine leichte und der Aufwand von Zeit, der verlangt wird, geringfügig gegenüber dem großen sozialen Nutzen, der erzielt werden kann. Gewiß wenden wir uns nicht vergeblich an die Väter und Mütter, die Brüder und Schwestern, die ihren Glaubensgenossen stets gerne beistehen, wenn es sich um Betättgmrg des Gemeinsinncs, nur ideelle Hilfeleisttmgen handelt. Die Unterzeichnete Ist bereit, Anmeldungen von Vertrauenspersonen entgegen zu nehmen und sämtlichen Stellenvermittelungen zu überweisen. Der Vorstand der Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Jüdischen Frauenbundes. Die Vorsitzende: > Frau Martha Schlesinger, Arndtstraße 49. Durch ein mir völlig unerllärliches Versehen, das dem Bureau der hiesigen jüdischem Gemeinde zur Last fällt, ist mir das peinliche Mißgeschick widerfahren, in der jüngsten Nummer des „Gemeindeblatts der Jüdischen Gemeinde zu Berlin" den Renegaten zugezählt zu werden, die im Dezember vorigen JahreS aus d e m I u d e n t u m . ausgetreten sind. Demgegenüber stelle ich. fest, daß ich am 5. Dezember v. I. aus religiösen Bedenken meinen Austrllt aus der jüdischen Gemeinde Berlin erllärt und mich der israelitischen Synagogengemeinde „Adaß JiSroel" angeschlossen habe. Berlin, den 15. Januar 1912. Dr. Moritz Zobel. Seit einigen Jahren arbeite ich an einer Sammlung von Biographien berühmter Juden aller Zeiten und Länder. Bis heute sind über 4Q0 solcher Biographien zusammengetragen) und gedenke ich, selbe im kommenden Frühjahr in einer volkstümlichen Form zu veröffentlichen. Seite 11 Der Mangel eines solchen Nachschlagewerkes hat sich schon lange fühlbar gemacht, und habe» sich bedeutende Männer durch Veröffentlichung ähnlicher Sammelwerke sehr verdient gemacht. — Leider fehlt diesen Werken die Popularität. Sie konnten den Zweck nicht erfüllen, durch richtige -Auswahl der Biographien bedeutendster Inden, sowie durch billigen Anschaffungspreis in die breiten Massen der jüdischen Bevölkerung zu dringen. Es sind meist Werke, die enttoeder zu umfangreich, zu luxiös ausgestattet, daher zu teuer sind oder nur eine gewisse Gruppe enthalten. Durch diese meine Sammlung soll dieser Einseitigkeit abgeholfen werden. Da ich aber gegenwärtig weitab von jedem Kulturzentruni wohne und mir kein so reiches Quellenmaterial zur Verfügung steht, als zur Bearbeittlng einer solchen Sammlung nötig ist, trete ich mit der höflichen Bllte an alle Kultnrfreunde heran, mir durch leihweise Ueberlassung von Geschichtswerken (mit Ausnahme von Ewald, Jost, Grätz), Zeitschriften, Familiendokumenten usw., welche dem Unternehmen nützlich sein könnten, die endliche Redaktion der Saiumlung möglich zu machen. Ebenso wäre ich für etwaige Winke im Interesse dieser doch recht guten Sache sehr dankbar. S ere th (Bukowina). S. Winrnger. Bunte Chronik. Die Abstammung Bret Harte's. Nach Mitteilungen des „Bookman" war der Großvater des bekannten amerikanischen Schriftstellers Bret Harte ein englischer Jude. Dieser, Bernard Hart, wanderte in sehr jugendlichem Alter nach Amerika aus und spielte im Newyorker Handels- und Gesellschaftslcben eine hervorragende Rolle. So gehörte er 22 Jahre lang dem Vorstand der Aktienbörse an, war lange Präsident des aus Kaufleuten bestehenden Klubs „The Honse of Lords". Miliz-Offizier, Mitglied der Freimaurerloge, der John Jacob Astor angehörte, usw. 1799 heiratete er heimlich eine Christin, Catherine Brett, in die er sich verliebt halle. Das Paar blieb aber nur ein Jahr beisammen. Nachdem der Ehe ein Kind, Henry Hart, entsprossen war, trennten sie sich, und später heiratete Hart eine Jüdin. Henry Hart war der Vater Bret Harte's. Knnft nnd Literatur. JLa Poesie lyrique hebraiqua Gante mporaine (1882—1910) par Nahnm Slousch. Paria 1911. Mercure de France. Habent sna fata libelli! Dieser Spruch bezieht sich eigentlich nur auf einzelne Bücher. Er darf aber mit gleichem Recht auch auf Komplexe von Büchern, auf Literaturen, angewendet werden. Literaturen, wie einzelne Werke und Schriftsteller, müssen „entdeckt", in die Gesellschaft „eingeführt" werden. Wer die moderne hebräische Literatur kennt, staunt über die gewaltige Entwicklinig derselben in den letzten zwei Jahrzehnten. Es sind in ihr Dichter nnd Erzähler entstanden, die den großen Weltliteraturen Ehre machen würden. Die Außenwelt hat jedoch herzlich wenig von dieser rapiden und gewaltigen Entfaltung erfahren. Die hebräische Literatur wartet noch auf ihren Brandes, der sie dem großen Publikum zuführen soll. Einige der wenigen, die sich diese Einführung zu ihrer Lebensaufgabe gemacht habe», ist Professor Slousch in Paris, der sich vor einigen Jahren durch sein Buch „La Renaissance de la Litterature hebraiqne" einen guten Ruf als Literarhistoriker erworben hat. Im vorliegenden Buch behandelt Dr. Slousch, nach einer kurzen allgeineinen Einleitung in die hebräische Poesie, die jüngste Phase in unsrer nationalen Dichtung, d. h. Bialik, Tschernichowsky, Schneer usw. Das Buch ist gut geschrieben und dazu angetan, dem Laien eine vollständige Einsicht in die Seele und die Technik dieser Dichtung zu geben. Aber auch dem Eingeweihten bietet das Buch einen wahren Schatz des -Neuen nnd Interessante», wenn er manche 'Ansicht etwas subjektiv finden wird. Dr. I. M. Salkind. Das Jubiläum des „Haschiloah". Tie vornehmste hebräische Zeitschrift, die von K. S. Wissotzky und Achad-Haam begründete und gegenwärtig unter der Redaktion von Tr. Joset Klausner erscheinende Monatsschrift „Haschiloah" feiert das Jubiläum ihres 15jährigen Bestehens nnd der Vollendung ihres 25. Bandes.