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Neue jüdische Presse · 1912-01-05 · Heft 1 (5.1.1912) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 1 (5.1.1912)
Date
1912-01-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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“ " zu Nr. 1 ries Frankfurter IsrueliMeu Fumilieuklattes. Gumpertz'sche Siechenhaus und Minka von Goldschmidl-Rothschild- Stiftung. Es ist bekannt, daß in den Hellen, luftigen Räumen des gesund und idyllisch gelegenen hiesigen GumvcrK'schen Siechen'hauses und Minka v. Göld- Gumpcrtz'schen Aiechenhauses schmidt-Rothschild-Stiftung ganz Hervorragendes geleistet wird,' uni den unglücklichen, mit schwersten Leiden Mimgesuchten Kranen die Schnierzen zu lindern.' Individuelle Behandlung nach Gesichtspunkten modernster Hygiene leistet in dieser Hinsicht das Denkbarmöglichste, nachdem in^ hochherzigster Weise Freifrau Mathilde Von Rothschild einen neuen Monumentalbau erstehdn ließ, bei dessen Einrichtung den vielen Neuerungen auf dem Gebiete der Krankenpflege in jeder Hinsicht Rechnung' getragen würde. Wie 'sehr aber auch die Anstaltsleitung bemüht ist, ihren Schutzbefohlenen den Aufenthalt angenehm und traulich zu machen und dafür Sorge trägt, daß die Gemütsstimmung der Kranken nicht allzu pessimistisch wird, .dies konnte man wieder einmal am jüngsten Chanuka sehen. Während der ganzen acht Tage herrschte eine weihevolle Stimmung in sämtlichen Räumen. Brachte doch jeder Tag den Patienten eine neue Wlenkung. Den Anfang niachte eine programmäßig geschlossene Feier am ersten Manzoeh Schabbos. Diese Feier wurde nach gemeinsamem Gottesdienste, Entzünden der Lichter und Moaus-Zur-Gesang durch eine gehaltvolle Ansprache des 1. Vorsitzenden, Herrn Jul. Goldschmiedt, eingeleitet, dessen zu Herzen gehende Worte gar manches Auge in Begeisterung aufleuchten ließen. Es folgten nun humoristische Berschen für jeden einzelnen der Patienten, die in liebevoller Weise eigens dazu »von einer Borstandsdame verfaßt waren. Hieraus folgte ein bezügliches Festspiel, aufgeführt von Patienten 'des Siechenhauses. Mit herzlichen Worten schilderten hierin die Kranken das .unermüdliche Wirken des Vorstandes, die Fürsorge des allbeliebten Chefarztes, Herrn Dr. IacobMeyer, und die hingcbungvolle Pflege der Schwester Oberin Rabel Spicro. Besonderen Beifall fanden sie bei ihren Leidensgenossen, als die Aufführung in herzlichen Dank ausklang für all das Gute, das ihnen von so vielen hilfsbereiten edlen Menschen bezeugt wurde. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, dieser jüdischen Musteranstalt auch iinmer wieder erneutes wohlwollendes Interesse aus allen Kreisen zuzuführen. Blick in einen Krankensaal des Gumpertz'schen Siechenhauses. Die X. Landeskonferenz der galizischen Juden. Tie am 2t. und 25. Dezember, zu Stanislan abgehaltciie Landeskonferenz kann mit ihren Resultaten vollauf zufrieden sein. Es galt, vor allem den Pessimismus, den die Wahl-Niederlage vom Juni zur Folge hatte, ausziiwetzen und die Stiminnng zu klären. Ties ist erreicht worden. Roch'vor der angesetzten Ervffuungsstniide war der große, schön dekorierte Jägersaal überfüllt. In aller Delegierten Augen drückte sich ein großes Erwarten aus. Jeder fühlte die Feierlichkeit und den Ernst der Stunde, ei» jeder ahnte, daß jetzt ein Stück jüdischer Geschichte gemacht und gelebt werde. Inmitten dieses Hinschwirrens zwischen Traum und Wirklichkeit erschien der Präsident, Herr Stand, auf der Tribüne. Er sprach über das Verhältnis der galizischen Zionisten zur Gesamtorgänisation, beleuchtete die Bedeutung und den Mitzen des Zionismus für die Türkei und behandelte die Stellung der zionistischen Organisation zu den Parteien und Organisationen innerhalb und außerhalb derselben, insbesondere in Galizien. Gleich nach dieser vom Beifall oft unterbrochenen Eröffnungsrede wurde zur Wahl des Präsidiums geschritten, in das n. a, die Herren Stand, Thon uiid Zipper hineinkamen. Aus dem von Dr. Ringel vorgelegten Rechenschaftsbericht erfuhren wir, daß in der abgelansenen ■ Berichtsperiode für Palästinazwecke und Rationalsonds rund die Summe vou 100 000 Kr. in Galizien aufgebracht wurde. Schekel wurden 0530 gesammelt, und 480 Aktien der Palestine Land Development Company wurden verkauft. Der. Gabelfonds behufs Erteilung eines Stipendiums für einen galizischen Schüler im Bezalet beträgt 1700 Kr. Auf die Gegcnwartsarbeit übergehend, ließ sich, her Bericht über die galizisch-zionistischen Banken aus, .erwähnte die Älbhaltung von mehr als 500 Volksversammlungen vor den Wahlen und konstatierte mit Befriedigung die fortgesetzte Wnrzelfassung des jüdischen Rationalismus unter den großen jüdischen Massen. Tie Debatte über den Rechenschaftsbericht war stellenweise sehr erhitzt. Alle Redner beklagten sich über die Taktik während der Wahlen und über die Vernachlässigung der rein zionistischen Agenden. Als Verteidiger des Zentralkomitees trat Tr. Zipper auf. Schließlich wurde das Absolutorium erteilt und dein abgetretenen Zentralkomitee das Vertrauen votiert. Tr. Spindel, der darauf das Palästinareferat hielt, gab einen geschichtlichen Ueberblick über die-Kolonisation Palästinas, aber der wirtschaftlichen Eignung wurde er nicht gerecht. Spindel, der Volksredner par exellence, blieb auch da seinem Wesen treu und wußte Gefühlstöne anzuschlagen, aber auf einer Landeskonferenz hätte es mehr eines wissenschastlichen Referates bedurft. Es zeigte sich aber nachher, daß Spindel wohl die Konferenz in bezug auf Palästinaarbeit als Volksversammlung betrachten durste. Rach der selbsteigenen Aussage des Vorsitzenden der Palastinakommission beriet diese nicht mehr als 44 Stunde. Es beherrschte eben die Landespolitik die ganze Arbeit der Konferenz; 3/i der Beratungen wurden diesem Metier geschenkt. Rach Tr. Spindel erstattete Dr. Reich sein Referat über die L a n d e s p o i i s i k. Es >var das ein großer Zettel von Verlangen und Wünschen, die wohl immer fromme Wünsche bleiben und nie realisierbar im Golnth sein werde». Ter Vormittag des zweiten Tages wurde mit der Debatte über die beiden Referate ausgefüllt. Einen heftigen Mcinungskampf rief besonders Reichs Referat hervor. Ein kleiner Teil der Delegierten war nämlich für die "Ausschaltung der Gegenwartsarbeit vom rein zionistischen Programme und für die Schaffung einer besonder» "Rationalpartei, die sich mit der Gegcnwartsarbeit zu befassen hätte. Die Wortführer dieser Anschauung waren Dr. Reich und Löbel Taubes. Dagegen verwahrte sich die überwiegende Majorität der Delegierte» mit Dr. Wald mann und Redakteur Frostig an der Spitze, und dieser Teil ging Sieger aus der sehr erhitzten Debatte hervor. Am Nachmittag las Dr. T h o n sein R e f c r über hebräische Kultur vor. Hier muß benicr werden, daß Tr. Thon dem sehr kompltzierten Stasi nickt nahe kain und auch, wie es scheint, nicht nd" kommen wollte. Ein Gebiet wie das der hebräisch... Shiltuc läßt sich nicht in einem Referate von 15 MinuÄD erschöpfen. /" In vorgerückter Nachtstunde schritt man zur AHA st i in m u n g. 25«'» aller Einnahmen wurden künftig deoö im galizischen Zentralkomitee bestehenden Palästm'aressojiM überwiesen; auf "Anregung seitens des Mitgliedes C. ,A. -C Dr. «sch. Lew in wurde beschlossen, äpM Kosten der galizischen Zionisten in Jerusalem ein BechlM Am (Bolkshaus) zu gründen. Das politisch-wirtschaftlich Programm wurde dem zukünstigen Komitee zum Studiu überwiesen. Einem jeden Zionisten wurde die Pfliä auferlegt, die hebräische Sprache zu studieren, sie j pflegen und zu verbreiten, die schon existierenden hebrä scheu schulen zu unterstützen und neue zu gründe» Ein Zentralkomitee, bestehend a>ls 8 Mitgliedern wiiri gewählt, ebenso ein Parteirat, bestehend aus 25 MH gliedern, der die Stelle des Bindegliedes und der b?' mittelnden Exekutive zwischen Landeskonferenz und Zentrq komitee vertreten soll. «Dtz Rach der Schlußrede des Herrn Stand, wurde iu«8g 12 ülhr uachts unter Wsingen der Hatikwah die X. Land^W konferenz der galizischen Zionisten geschlossen. Isaak Rappaport.:/..» «sy 8 Aus der zionistischen Bewegung, ijg Frankfurt a. M. Montag abend 8% Uhr wird Rabbir»Ej Dr. Cohn-Kiel im "Aufträge der hiesigen Zion. PeAM einigung im großen Saale der Frankfurt-Loge über bi#4 Thema: „M oderne Erzi eh u n gsproblem'cr^ sprechen. ■" Rabb. Dr. Cohn, der — wie bekannt — wegen ferner) Freimuts von dem Vorstand der Berliner jüdischen Gs^ meinde abgesetzt wurde, ist ein geistreicher, interessante " Redner. Seine Bedeutung beleuchtet die Tatsache, da er Mitarbeiter des Preußischen Jahrbuches ist. U Köln. Im Frauen-Diskutierklub der ziov Vereinigung sprach Dr. Klatzkin über die Eich fnhrnng in den Zionismus. In formvollendeteWH anziehender Weise führte er u. a. folgendes aus: «fe Der Zionismus ist, wie alles Große und Wahre, rä*«t§ fach. Wenn wir noch immer lange über ihn spreche^i müssen, so liegt es nicht an der Kompliziertheit Zionismus, sondern vielmehr daran, daß wir viel unserer Einfachheit eingebüßt haben und daher den eiipW, fachen zionistischen Gedanken nicht ohne Schwierigkeiten^ zu begreifen vermögen. Nicht Antisemitismus und materielle Judcnnot, nii der „gemeinsame" Feind und die „osteuropäischeu Ui glücklichen" geben dem Zionismus seine BerechtiguuHW Im Gegenteil dürfte man vielleicht sagen: gäbe es feiner®* "Antisemitismus, so hätte die Assimilation freie Bahn, und, der Zionismus wäre erst recht am Platze. Es ist die Forderung der Würde, die die letz Instanz des Zionismus bildet. Hier ist die Verbindung eines allgemein menschlichen und eines national-jüdischeWM Motivs: Würde ist ein ethischer Begriff. Die Zuversicht auf Erfolg unserer nationalen JdM beruht nicht auf reaktionären Voraussetzungen, sonder^M vielmehr auf der Tatsache des allgemein meiischlicheMD Fortschrittes, des Ausstieges zu immer höhere» GradeEH der Wahrhaftigkeit. Die Assimilation aber bedeutet einEW Lüge, eine Verleumdung der Eigenart und äst mithiHW ein moralisches Manko. So verstehen wir Herzl, deHM zum Judentum, man möchte sagen, nicht als Jude, sondermLzunächst als Mensch znrückgekehrt ist, der die Assimila^W tionslüge erkannt und im Erwachen der verletzten natiw-M nalen Würde einen Judenstaat forderte. Daher müssech^ wir sagen: Je feiner die Kultur, je größer der ethisch^/, Fortschritt der Wahrhaftigkeit, desto mehr "Aussichten unsere nationale Renaissance, die das Streben nach Be»/:j freiung und Würde znm Ausdruck bringt. Zum Schlüsse dankte Frau Dr. B od e n he im er denrZ-/ Redner für seinen äußerst interessanten, lehrreichen Vor--/ trag, an den sich auch eine rege Diskussion angeschlossen// hatte. Stettin. In einer von über 400 Personen besuchter^ y:"’ Versammlung der „Zion. Bereinigung" sprach Rechts-/.-- anwalt Dr. Klee- Berlin über das Thema: „D e r M e t -/I/ tern ich -Prozeß und seine Lehren für da &yj. deutsche Iudentu nt." Der Referent schilderte in nach Inhalt und Formvollendeter Weise das Milieu des Prozesses und ivieL -ldarauf hin, daß die Entwicklung des Berliner Juden/y tums, weil esfast ein Dritte 1 bet gesamten/'' ' jüdischen Bevölkerung Deutschlands aus-s Ä mache, die Entwicklung des Gesamtjudentums mitbestimme/ Der typische Berliner Westendjude bewahre nur nocHyf ans Pietät manches Jüdische. Bor dieser Pietät aber/// die bewußt alles Jüdische als etwas Ueberlebtes ansehep.4/ könne cs keine Pietät mehr geben, und daher sei die;. // junge Generation, die als jeunesse dorö auch Wirtschaft--^.- lich keine Sorgen mehr, kenne, jüdisch völlig entwurzelt/-^) Ob sie sich taufen lasse oder nicht, sei eiiutz.A Frage, die für sie an Bedeutung kaum der Frag noch der letzten Frackmode gleichkomme; sie Hab.e-4M nur noch den Wunsch, sich außerhalb des Judentums zir^M betätigen. ° liebet zehntausend jüdische Kinder Ber-H lins lernen kein Hebräisch, überhaupt entbehre^ die Kindererziehung alles Jüdischen. Ohne fest in den!« Anschauungen des Judentums zu wurzeln, such: sich dieZ jüdische Jugend die Kultur Europas zu eigen zu machend 0755

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