Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 49 (15.12.1911)
- Date
- 1911-12-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 49. Ein geradezu fabelhaftes Alter hätte jedoch Sanballat, der Pacha von Samarien, erreichen müssen, an dessen Söhne Delaja und Schemata eine Geldsendung gerichtet wurde, wie in demselben Briese erwähnt ist. Sanballat muhte also damals mindestens 40 Jahre zählen, und da derselbe, wie Josephus berichtet, zu Alexander dem Großen überging und von demselben dafür die .Bewilligung zum Bau eines Tempels auf Gerisim erhielt, welche die judenfreundlichen Perserköuige nicht geben wollten, so war der mindestens 448 Geborene bei Alexander mindestens 116 Jahre alt. In Wirklichkeit müßte er jedoch lange vor 448 geboren sein, da, wie Nehemia 13/28 berichtet, ein Bruder des Jochanan bereits Schwiegersohn des Sanballat geworden war, also mindestens um 448, was wiederum Sanballats Geburtsjahr um 40 Jahre zurückverschiebt und seine Lebenszeit aus 156 Jahre erhöht. Äußer dem allem ist der aus den Hohepriesterannalen geschöpfte Bericht des Josephus um so gewisser von historischer Genauigkeit, als er die furchtbare Katastrophe schildert, welche den Bagoas bewog, den Hohenpriester Jochanan zu bestrafen, in das Heiligtum einzudringen und den Opferdienst mit hohen Abgaben zu belegen. Dieselbe wird wohl auch die Hauptveranlassung für Esra's Zug nach Jerusalem gewesen sein, um der.furchtbaren Zerrüttung ein Ende zu machen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß Bagoas unter Artaxerxes Mnemon herrschte als Zeitgenosse Joch a u a n s und Sanballats, daß Esra's Zug also um 393 stattfand, Nehemia 380 in Jerusalem eintraf und der Abschluß der altjüdischen Geschichte im Canon ebenso wie der Mschluß der heiligen Schriften des Tenach selbst bis hart an die neue, durch Alexanders Eroberung geschafseue Umwälzung der Weltordnung hinabreicht. Die Mißverständnisse der ' alten Kritik sind namentlich durch den Umstand hervorgerufen worden, daß in Esra 4, 24 zwischen Cyrus und Darius Hhstaspes ein Artaxerxes eingeschoben erscheint, den man unumgänglich auf Artaxerxes Longimauus beziehen zu müssen glaubte, der aber kein anderer ist als Kambhses, der den Titel Artachsata, d. h mächtiger Herrscher, ebenso gut führte, wie Darius Ochos. Schließlich rückt auch der in dem Jedonjabriefe erwähnte Edle Juda's Änani an die richtige Stelle, der kein anderer ist, als der letzte von den Nachkommen Tavid's im Buche Chronik I, 3, 24 erwähnte Anani. Krakau. A h r'o n M a r c u s. Kunst und Literatur. Die Sprachen der Juden von Heinrich Loewe. 160 Seiten. Berlin, Jüdischer Verlag. Inhalt: 'Die Sprache der Heiniat. — Die Sprachen der Fremde. — Europäische Judensprachen. — Die jüdisch-deutsche Sprache in der Gegenwart. Entstehen und Vergehen der Judensprachen. — Hebräisch als jüdische Schriftsprache. — Die Schrift der Judensprachen. — Die Aussprache des Hebräischen. — Einwirkung der Juden auf nichtjüdische Sprachen. — das moderne Hebräisch. — Der Wert des Hebräischen für das jüdische Volkstum. — Anmerkungen. Heinrich Löwe ist einer jener wenigen westeuropäischen Zionisten, die da begriffen haben, daß die vorzüglichste Aufgabe des Zionismus die jüdisch-kulturelle ist, die der jüdisch-politischen vorangehen muß, ja entscheidend ist für ihren Entwicklungsgang. Politisieren ist leicht, Kulturarbeit leisten ist schwerer und erfordert das Wurzeln der Persönlichkeit in einem bewußten, lebendigen Judentume, wie wir es noch im Osten finden, oder mindestens ein Hineiuverseuken in die durch die Tradition und Geschichte bewahrte Deukungs- und Wesensart der jüdischen Volksseele. Frankfurter Israelisches Familienblatk. Die Feder Loewes vermag daher Arbeiten zu liefern, die unser Wissen von Juden und Judentum bereichern und unser jüdisches Bewußtsein stärken. Eine solche Arbeit ist auch die vorliegende mit dem im ersten Augenblick unverständlichen Titel „Die Sprachen der Juden". Die Sprache der Juden, — das wäre die hebräische. In den Sprachen der Juden jedoch bildet das Hebräische nur eine Periode, und wir müssen das jüdische Volk durch alle Zeiten und durch alle Länder begleiten. Denn das steht fest: wenn und wo sich das jüdische Volk vor Assimilierung bewahrt hat, war stets eine eigene, es von seiner nichtjüdischen Umgebung unterscheidend? Sprache daran schuld. So sind das Deutsche der Juden im Osten und das Spanische der Juden im Orient hervorragende Erhaltungsmittel gewesen und sind es noch, und so finden wir, daß z. B der östliche Jude in dein Augenblicke, da er in Rußland das Russische oder in Amerika das Englische sich zu eigen macht, es nur auf Kosten seiner jüdischen Eigenart, zu Gunsten seiner Assimiliernng tut. Man begreift nach diesem kurzen Hinweis, welche kulturelle Bedeutung der Arbeit Löwes innewohnt. A ul e r i k a. Ein Roman von Schalom Asch, 148 Seiten. 3 M. Berlin W, Verlag Neues Leben, Wilhelm Borngraeber. Die Handlung ist schnell erzählt. Meir, ein Gelehrter in dem russischen Städtchen Lechna, muß, gezwungen durch die Not, nach Amerika auswandern. Seine Familie läßt er vorläufig zurück. Trotz seiner aufreibenden Tätigkeit hinter der Nähmaschine und seiner unjüdischen jüdischen Umgebung bleibt er als Jude der Alte. Die Liebe zu seiner Familie, die ihm hier im fremden Erdteil erst richtig zum Bewußtsein kommt, und ganz besonders das Gefühl der Zärtlichkeit für seinen kleinen Liebling Iossele, der ihm durch! sein eifriges Thoralernen und seinen Ernst stets viel Freude bereitet hat, bestimmt ihn, sich Geld zu leihen und so seine Familie! viel früher zu sich kommen zu lassen, als cs seine Ersparnisse erlauben. Dem Iossele wird jedoch der Eintritt in das gelobte Land verwehrt, und er muß unter unsäglichen Leiden in die Heimat, in die „Verbannung" zurück. Die Neneingcwanderten werden im Augenblick, da sie die Luft Amerikas einatmen, andere Menschen. Das Jüdische irr und an ihnen unterliegt den auf sic einstürmenden neuen Eindrücken, und besonders die Schule nimmt gar schnell an den Kindern diesen Umwandlungsprozeß vor, der dann von den Kindern allmählich auch aus die Mutter und zuletzt auch ans den Vater übergreift. , Nach zwei Jahren schon kommt Iossele wieder nach Amerika, und diesmal wird er eingelassen. Sein tiefes Sehnen, mit dem Vater vereint zu werden, ist erfüllt; aber er fühlt sich fremd in seiner Familie, selbst der Vater ist ihm fremd geworden. Das alte, traute Heim in Lechna, in dem er mit seinem Vater stundenlang sich dem Thorastudium hingab, steht stets vor seiner sehnenden Seele. In dem Gewühl der Millionenstadt bleibt er einsam und freudlos, weil seine jüdische Seele verschmachtet. Er siecht dahin, bis der Tod ihn erlöst.- Es ist die gewaltige Tragik der Auswanderung und der Ausgewanderten, hie hier zu dem .Leser spricht. Amerika kennt keine Juden, cs kennt nur Arbeiter. Ällles, was der Einwanderer an Eigenart und Tradition mitbringt/ wird ,dem Moloch „Arbeit" geopfert. Die Freiheit ist jo eine teuer erkaufte, und sie hat ein Problem geschossen, das jedem, deni die jüdische Zukunft nicht gleichgültig ist, schwere Sorgen bereiten muß, denn es handelt sich hier um die Vernichtung der jüdischen idealen Werte von 2i/° Millionen unserer Brüder, die bereits in Amerika wohnen, und der Tausende, die jährlich neu nach, dorten kommen. — — — Sette 5 Schalom Asch hat mit seinem neuen Romane eine große Mission erfüllt. Möge seine Stimme in Israel gehört werden. E. G. Schweizer Stickereien F. C. Strubberg «& Co. nur 25 Neue Mainzerstrasse 25. SCHAIDT & SCHIEFER Telephon 13430. Im Trotz 88. Telephon 13430. Gas-, Wasser- und Heizungs-Anlagen. — Moderne Bäder nnd Closets. Reparaturen prompt hei zivilen Preisen. Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Lnacb.) Samstag, den 16. Dezember (=25. Kislevj: Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr — Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 15 Min. in Berlin 4 Uhr 42 Min. Wochenabschnitt: Wajeischew. — Jakob hatte Josef einen bunten Rock machen lassen. Ties erregte den Haß der Brüder, der sich noch mehr durch Josess Träume steigerte. Jakob sendet Josef aufs Feld, um sich nach den Brüdern umzusehen. Diese wollen Josef nmbringen, verlausen ihn aber schließ? lich an eine nach Aegypten ziehende Karawane und senden dem Vater den in Blut getauchten Rock Josefs. — Josef wird Diener bei dem Hofbeamten Potiphar, der ihn liebgewinnt und ihm sein ganzes Haus anvertraut. Die Herriu aber will lüstern Josef zur Sünde verführen, und da er widersteht, zeiht sie ihn der Verführung. Durch diese Verleumdung kommt Joses ins Gesüngnis. Doch auch dort ist Gott mit ihm. Er wird Aufseher über alle Gefangenen. Im Gefängnisse weilen auch der Oberschenk und der Oberbäcker des Königs. Josef deutet ihre Träume. Die Deutung wird Wahrheit. Der Schenk wird Ivieder in sein Amt eingesetzt, der Mundbäcker aufgehängt. Der undankbare Mundschenk vergißt Josefs. C h a n n k a. Freitag-Abend beginnt Channka. Geschichte. — Die Juden waren mit den Griechen in Berührung gekommen. Geblendet durch deren schöne Künste und Wissenschaften schämten sie sich, Inden zu sein, verleugneten ihr Volkstum und ihre Religion, verspotteten beides, drängten sich den Syrern auf und veranlaßten deren König Antiochus Epiphanes, gegen die Treugebliebenen unter ihnen vorzugehen. So wurden Sabbat-, Fest- und Neuniondseier, Miloh, Speisegesetze, Thorastudium usw. untersagt, Gottes Heiligtum durch Schweinefleisch entweiht. Biele starben den Märtyrertod, andere flohen. — Da sandte Gott durch die Priestersamilie der Makkabäer Hilfe und Rettung (167—164). Mattisjahu und seine 5 Söhne sammelten um sich alle wahren Juden, kämpften siegreich gegen große Uebermacht und zogen zuletzt nach Jerusalem, den Tempel neu zu weihen. Er wurde gereinigt und der goldnc Leuchter neu angezündet. Nur ein kleines Krüglein heiligen Oels war vorhanden, ans einen Tag hinreichend. Durch Gottes Fügung speiste es den Leuchter 8 Tage, bis neues Oel bereitet war. Daher der Weisen Anordnung, Lichter anzuzünden. Zeremonien. — Man zündet allabendlich Lichter an. Am ersten Abend ein Licht und so fort bis zur Zahl 8. - Am ersten Wend drei Brochaus: Lehadlik Ner, Scheoso nissiur» Schehcchijonu. An den anderen 'Abenden kein Schehechijonu. Man stelle das Licht ans Fenster. Es muß mindestens Vs Stunde brennen. Nachschütten nicht erlaubt. Die Brocho unmittelbar vor dem Anzünden sprechen. Am Freitag Abend erst Chanukadann Sabbatlicht. Sabbatausgang erst Hcnvdoloh. - MM B. Sachar & Co. 87 Zeil 87 „Elite'4 IHerrezilxutixia.gra.zin hocheleganter Niederlage; P. C. Habig, Borsalino, Willi. Pless, Wien, nnrrlinnnnr UoorniiT Percy Jones. efigiiscner naarniJi Seidenhute von Mk, 5.50 an Mark 0*50 neueste Form.