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Neue jüdische Presse · 1911-12-01 · Heft 47 (1.12.1911) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 47 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Frankfurter Israelitisches FannlienLlaü. Nr. 47. Reich-München referierte über Agitation. In großzügiger Weise entwickelte er ein Programm über die Agitations-Methoden und empfahl folgende Propaganda-Mittel: Gründung einer Zeitung für die jüdische Bevölkerung Bayerns, Veranstaltung von Vorträgen seitens bedeutender Persönlichkeiten für die Großstädte, Vortrags-Zyklen für die Land gemeinden, Veranstaltung von Kinder-Fcstspielen, Märchen- und Geschichtsvorlesungen, Vertrieb jüdischer Bücher, Ausstellung und Vertrieb von Palästina-Produkten. Ferner regte er an, die Gründung einer besonderen Kolonie in Palästina durch bayerische Juden. Sodann sprach Rechtsanwalt Dr. Strauß- München ausführlich über „Z i o n i s in u s u u d Gemeindepolitik in Bayern". Die Zionisten müßten sich mit der jüdischen Gemeindepolitik beschäftigen, weil sie einerseits auf diese Weise Einfluß gewinnen und zionistisch wirken können, und weil andererseits auch allgemein jüdische Interessen hierbei in Frage kommen. Als einzelne wichtige Postulate müßten aufgestellt werden: 1. Neugestaltung des Gemeindewahlrechts nach den Grundsätzen der Verhältniswahl, da bei diesem Wahlsystem auch Minoritäten Berücksichtigung finden, sowie das unbeschränkte aktive und passive Wahlrecht sämtlicher in- und ausländischer Gemcindemitglieder, sofern sie 1 Jahr in der Gemeinde wohnen. 2. Reform des gemeindlichen Steuerwesens nach den Grundsätzen einer progressiven Einkommensteuer. 3. Oeffentlichkeit der Gemeindesitzungen und regelmäßige Veröffentlichung derselben. 4. Ausgestaltung der sozialen Tätigkeit der Gemeinde. 5. Anerkennung des Rechtes aller Gemcindemitglieder auf Befriedigung ihrer religiösen. Bedürfnisse durch die Gesamtgemeinde. Hierauf referierte Rechtsanwalt Dr. M ü n z über das von ihm ausgcarhcitete Statut des Gruppen-V erbau des. Aus Grund des angenommenen Statutes wurde Nürnberg für die nächsten 3 Jahre als Sitz des Gruppenverbandes gestimmt. In den Vorstand wurden gewählt: aus Nürnberg: Gorski, Heinemann, Jacoby, Dr. Münz, Singer, cand. med. Lewin (letztere für die zionistische Jugcndgruppe Nürnberg); aus München: Reich, Dr. E. Strauß und Dr. Peisakowitz (letztere für die Jordania); für Regensburg: Natzler; für Würzburg: Dr. Sch lest inger; für Bamberg: I. Strauß; für Erlangen: Rpr. Sern. Zum Vorsitzenden des Grnppenvcrbandes wurde Rechtsanwalt Dr. I. Münz ernannt. Es sei noch herrorgehoben, daß für die Z w c ck e derzionistischen Agitation in Bayern von mehreren Herren ein Gesamtbetrag von über 1800 JL gezeichnet, und baß zum ehrenden Andenken an die verstorbene Gesinnungsgenossin Sara Wechsler ein ansehnlicher Betrag für ihre Eintragung ins goldene Buch gespendet wurde. Wie«. Ein ztonistischer Verband ehemaliger Akademiker ist in Gründung begriffen. Es handelt sich um die Zusammensassung von etwa 1500 Herren, die als Aerzte, Advokaten, Ingenieure nsw. zerstreut in der osterr. Monarchie leben. Bei der "sozialen Stellung dieser Herren und der Summe von Intelligenz, die sie repräsentieren, ist die Vereinsgründung ein bedeutsames Ereignis. New-Nork. Am 13. November wurde auf einem Meeting, das Professor Richard Gottheit präsidierte, die Gründung eines Zionistischen Vereins von Groß- New Jork beschlossen. . Aus der Lehrerwell. Frankfurt a. M. Vakanzen. — Krotoschin, Rabbiner, Einkommen 5500 JL; Bernburg, Rabbiner, Einkommen 3200 JL und freie Wohnung; Geldern, Lehrer und Kantor, Gehalt 1800 JL Mosbach (Baden). Am 10. Dezember feiert Bezirksrabbiner Dr. Löwen stein das ^jährige Amtsjubiläum. Stratzburg t. 8 Der Bezirkstag hat zur Unterhaltung der israelit. Gewerbeschule einen .Beitrag von 800 \4L bewilligt. Worms. Lehrer Samson Rothschild erhielt das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen mit der Krone. Wien. Oberkantor, kaiserl. Rat Josef Singer ist — 70 Jahre alt — verschieden. Kuust und Literatur. Tolstoi, der moderne Prophet, spricht in seinem hinterlassenen Drama „Der lebende Leichnam", eine Sprache, die tief ins Herz dringt. Er hielt das Drama nicht für bühnenreif; darin täuschte er sich aber, denn es ist auch in der Behandlung des Stoffes und im technischen Aufbau von voller Bühnenwirkung. 'Im hiesigen „Reuen Theater" hat das Stück eine Aufführung erlebt, von der man uneingeschränkt sagen kann, daß jeder der Darsteller seiner Rolle ganz entsprach und daß so die Gesamtdarstellung eine künstlerische Leistung darstellte, auf die das Neue Theater stolz sein darf. Antisemiten - S pregel. ReubSarbeüet unb wesentlich erweitert. Geb. 41 Berlin W. 35, Verein zur Wwehr des Antisemitismus. ' Das nahezu 30 Bogen starke Werk schildert nicht nur die Entwickelung des politischen Antisemitismus in Deutschland, sondern behandelt auch eingehend das Eindringen des Nassen- und Religionshasses in die akademischen Berufe, beleuchtet die durch den latenten Antisemitismus der staatlichen und Verwaltungsbehörden und den Kastengeist geförderte gesellschaftliche Abschließnng gewisser Schichten der Bevölkerung und widmet auch Heu verschiedenartigen Ausstrahlungen des wirtschaftlichen Antisemitismus eine längere kritische Betrachtung. Der wissenschaftliche Bankerott des Rassenantisemitismus, dessen publizistische Verfechter sich auf Schritt und Tritt einander widersprechen, wird anschaulich geschildert, ebenso die abgeschmackte Kvnfessionsschnüfselei des bekannten Weimarer Literaturpapstes und seiner Gefolgschast auf literarischem Gebiete. Die Charakteristik des politischen Antsemitismus ist dabei keineswegs zu kurz gekommen. Zum ersten Mal wird ferner die Stellung sämtlicher politischen Parteien und der hauptsächlichsten sogenannten nationalen Organisationen zum Antisemitisinns kurz skizziert. ,, Um allen denen) jdie in Wort und Schrift gegen den Antisemitisnius anzukämpsen haben, diese Aufgabe nach Möglichkeit zu erleichtern, sind die in der Presse und in den Versammlungen immer wiederkehrenden Beschuldigungen der Antisemiten gegen die Juden in eineni großen, nahezu 100 Seiten umfassenden Llbschnitt systematisch znsammengestellt und ist in jedem einzelnen Falle ihre Grundlosigkeit nachgewiesen. Den Beschluß des Werkes bildet eine zufammenfasscnde Darstellung der antisemitischen Bewegung im Auslande. Ein Vergleich des Inhalts der letzten im Jahre 1900 erschienenen Auslage mit der jetzigen Neubearbeitung kennzeichnet recht anschaulich die Wandlungen, die der Antisemitismus in dem letzten Dezennium durchgemacht hat. Kaiser Friedrich Quelle —. Ottenbach a. M. -— — Gegen Giclit und Bhenmatismns bewährt. 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