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Neue jüdische Presse · 1911-12-01 · Heft 47 (1.12.1911) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 47 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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zu Nr. 47 des Frankfurter IsraeliMeu Familieuktattes. Zum Andenken Hirsch Hildesheimers.*) Die ergreifende Totenklagc „Iluzwi Jisroel al bemausecho cholol, Du Zierde Israels, aus deinen Höhen dahingcrafft", die heute so vielfältig in Ohr und Seele drang, laßt mich hier an der Stätte, ml der Dr. Hirsch Hildesheimer sein heiligstes Glück gefunden, im stillen Frieden seines Hauses, noch einmal wiederholen. Bor meineni Angesicht steht sie, die tränenreiche Stunde, in der mein geliebter Bater lins entrissen wurde, in der er, der Verklärte, zu uns kam- und mit uns wie ilm einen Vater weinte. Wie sind sie mm beide dahin, wie sind sie gefallen, die Helden, die sich so lieb und treu im Leben waren, auch im Tode sind sie nicht getrennt. Mer das ist das Erschütternde, das; nicht nur die Männer uns genommen sind, der Gesamtheit Israels, sondern auch init ihnen die Massen begraben wurden, die sie so siegreich geführt haben. Run ist auch er gekommen an die Stätte, zu der wir alle lvallen müssen, früher oder später, und wieder ist's Nacht geworden in Israel. Auch Hildesheimer träumte ihn, beit herrlichen Traum des Daseins, von der Leiter, die ans Erden steht, deren Spitze in den Himmel ragt. Er war ein Mann der Wirklichkeit, des klaren Verständnisses für die Gegenwart, und doch im tiefsten Grunde seines Wesens ein Träumer, ein Idealist. Aber über der Leiter seines Lebens stand der Gott, der zu ihm sprach: „Ich bin der Gott deines Vaters, und ich behüte dich, wohin imnrer bu gehst." Das war das Bezeichnende des Mannes, bei aller Ausgeprägtheit lind selbständiger Eigenart seines Wesens, sein rührendes Verhältnis zu seinem Vater, der ihm immer vor Augen stand, in dessen Sinne und nach dessen Vorbild er seine großzügige Wirksainkcit entfaltet hat. Die Gemoro beinerkt zu dem Wort: „Das Land, ans dem du liegst, dir will ich cs geben", „lAelameck schekiploh haschem lechol erez jisroel wehenichoh tachas Jeakamv owinu kedei schetrehei nauchoh lichbausch Iewonovv“ daß Gott gleichsam das ganze heilige Land zusammenfaltete und es unter das Haupt des Erzvaters legte. Können wir das nicht wörtlich anwenden auf unfern teuren, verklärten Freund! Ja, das heilige Land, das ganze heilige Land war für ihn das Erez fiazwi, war gleichsam das Land Hirsch Hildesheimers. Ihm 'hatte er sein wissenschaftliches Interesse, seinen scharfen, durchdringenden Verstand linb seine liebreiche Seele zngewandt. Wer kannte es so wie er, und wer hätte so wie er teilgenominen an allem, was es anging, in Leid und Freud! Hirsch Hildesheimer war kein Zionist inr engeren Sinne der Partei; aber er war ein Zionist im weiteren, größeren «inne des Wortes, längst bevor es einen Zionismus gab. Und er blieb der größte Freund Zions bis zum Ende seines Lebens. Aber das Erez hazwi war für ihn nicht allein Palästina. Nein, seine Liebe galt dem ganzen, großen, heiligen Land des Judentums. Nichts in ihm war ihm fremd, keine Sorge, die die Allgemeinheit, die die Gesamtheit anging, gab's, an der er nicht teilgenommen hätte, mit der ganzen Lkrast seiner starkeil Persönlichkeit. Was die Abwehr verleumderischer Angriffe, namentlich gegen die Schechita, was das Rabbinrr- . Seminar, die großen und kleinen Hilfsorganisa- 'tionen und so viele, viele Vereine, was die jüdische Journalistik verloren haben, das ist heute in beredten Worten geschildert worden, und wer könnte schildern, was so viele einzelne, was die Armen in ihn: verloren haben! Das ganze heilige Land lag unter ihm, er hat sich auf alles gelegt und ist für alles eingetreten; alles Jüdische, alles Heilige, alles Große sand in ihm seinen Mittelpunkt, oft schlief auch er auf hartem Stein, oft ließ ihn die Sorge um das Wohl der Gesamtheit keinen Schlaf finden, oft widmete ec noch späte Nachtstunden der Arbeit zum Wohle Israels. Doch mehr als alles wird sehlen seine Persönlichkeit, der gütige, liebreiche Mensch mit seinen! warmen Enthusiasmus, diese reine Seele, der jeder Neid fern war, der Mann, der auch das kleinste fremde Verdienst anerkannte, ja bewunderte, und selbst so bescheiden, so schlicht blieb. Er wird fehlen dem überlieferten, traditionellen, gesetzestrenen Judentum vor allein, der Mann mit dem klaren, ofsenen Blick, der immer der große Sohn seines großen Vaters blieb und nie die großen Gesichtspunkte aus den Augen verlor. Ihm vor allein wird er fehlen, und auch die, welche cs zu seinen Lebzeiten noch nicht erkannt haben, werden einsehen, was er durch bie Universalität seiner *) Anläßlich des ersten Jahrzeitstages Dr. Hirsch Hildesheimer s. A. ist ein Gedenkbuch erschienen, das seine Biographie und die Nachrufe und Trauerreden bei seinem Tode enthält. Wir entnehinen diesem Buche auszugsweise die Trauerrede Rabbiners Dr. I. H o r o v i tz-Frankfurt a. M. ,D. Redakt. Wirksamkeit, durch seine alle Gegensätze überbrückende Menschenliebe, als ein echter Sohn Israel Hildesheimers, für die Gesamtheit geleistet hat, aber 'dadurch auch vor allem zum Segen deS gesetzestrcnen Judentums. Personalien u. Kleine Mitteilungen. Frankfurt a. M. Im Alter von 55 Jahren verschied Bankier Otto Höchberg, Vor> sitzendcr des Ausschusses der Börse und Mitglied der Handelskammer. — Alfred H a u ck feiert dieser Tage sein 25-jähriges Jubiläum als Mitglied des hiesigen Opernhauses. — Dr. Julius H ü lsen, Privatdozent an der Technischen Hochschule in Darmstadt, erhielt den Titel Professor und wurde mit der Abhaltung der kunstgeschichtlichen Vorträge an der König!. Zeichenakademie in Hanau beauftragt. Mainz. Dr. Otto Bing. Dr. Ern st Rein ach, Max Levi und Dr. Siegmund L e v i erhielten den Charakter als I u st i z r a t. Lffendach. Die Vorstandswahl der jüdischen Gemeinde ergab das folgende Resultat: Dr. G u g g e n heim, M a x K a m b e r g und Friedrich Stein. Fürth. Fabrikbesitzer Maier Bechmann erhielt den Titel Kommerzienrat. Dbermockstadt beiFrievberg. Meier Siesel ll., Veteran der Kriege von 1866 und 1870/7lund einer der geachtetsten Bürger unseres Ortes, feiert dieser Tage seinen 70. G c b u r t s t a g. Hepstenheim a. s W. Unsere neue Synagoge ist eingeweiht worden. Rabb. Dr. H o lz er- Worins hielt die Festrede. Dresden. Der jungst verstorbene Geh. Komnicrzienrat Georg A r u st ä d t hat bestimmt, daß nach dein Tode seiner Gattin der Nachlaß — mit einigen Ausnahmen — an die Stadt Dresden falle. Sofort zur Auszahlung an die Stadt gelangen 300 000 M. Diese Summe und der später anfallende Nachlaß soll als „Georg Arnstädt-Stistung" verwaltet werden. Die Zinsen sind bestimmt, zur Förderung der Gesundheitspflege, der Wissenschaft und K u n st und zur Unterstützung w ü r d i g e r 'Armer und älterer erwerbsloser Frauen. Auch die Dresdner Bank, deren langjähriger Generaldirektor der Verstorbene gewesen ist, ist mit einem 300 000 Mark - Legat bedacht worden, ferner die israelitische Religionsgemcinde mit 40 000 Mark, die Platen - Stiftung, das Ilnterstütznngsinstitut der Königl. musikalischen Kapelle und die Pensionskasse des Königl. Sächs. Hoftheaterchorcs mit je 15000 Mark, das Soldatenheim zu Dresden der Albert-Vcrcin mit je 10000 Mark. Bingen. Bankier Julius Landau. Präsident der jüd. Gemeinde, erhielt den Charakter als Kommerzienrat. Luckenwalde. Stadtrat Carl Goldschmidt. Besitzer des Eisernen Kreuzes, Borstandsinitglied der jüdischen. Gemeinde, ist oer sch reden. Simmern iRhempr.) Am 17. November ist unsere neue S y n a g o g c eingeweiht worden. Der Landrat, der evangelische und der katholische Pfarrer überbrachteu ihre Glückwünsche in warmen Ansprachen. Wien. Jn Tornocz rettete der Fruchthändler Moritz Ehrenthal mit Lebensgefahr die Insassen eines Wagens, dessen Pferde scheu geworden waren. Raab (Ungarn). Kommerzienrat Ignaz Schreiber hat der jüdischen Gemeinde den Betrag von 100 000 Kr. zur Errichtung eines Gebäudes, das als Volksküche und Asyl dienen soll, gespendet. Die Betriebskosten von jährlich 15 000 Kr. werden aus Stistnngen und aus Mitteln der Gemeinde, der Chewro Kachischa und des Frauenvereins aufgebracht. Lemberg. Bei der R e i ch s r a t s w a h l in D r o h o b y c z ist — wie vorauszusehen war — Dr. Lüwenstein, bei dessen ersten Wahl es bekanntlich zu blutigen Exzessen kam, glatt gewählt worden. Paris. Der österr.-ungar. Generalkonsul Baron Gustave Rothschild, einer der Chefs des hiesigen Hauses Rothschild, ist — 83 Jahre alt — verschieden. Er hinterläßt einen Sohn, Robert. Odessa. Stadihauplmann Tolmatscheff einer der gefährlichsten Judenfeinde Rußlands, ist unter Besörderung zum Generalleutnant verabschiedet worden. New-Uork. Charles Henry Israels, einer der angesehensten Architekten Newhorks, ist verschieden. AuS den Vereine«. Frankfurt a. M. Der gesellige Abend des Vereins „Tiferes Bachurim" im Saale des Kaufmännischen Vereins hatte die Mitglieder und Freunde des Vereins in großer Anzahl herbcigeführt. Land. Phil. Willi Müller hielt eine dein wissenschaftlichen Charakter des Vereins entsprechende Ansprache, und dann wechselten Rezitationen, Gesangs- und Lilaviervorträge mit einander ab. Die Leistungen Fräuleins Mathilde Oppenheimer und der Herren Karl C lutertanz, Wallach und S. Oppenheimer seien rühmend hervvrgehobcn. Frankfurt a M. .,Montefiore"-Berein. Der bereits im Winter-Programme angekündigte Vortragszyklus des Herrn Dr. B. M a y über das Thema: Religion und Moral wurde anr Dienstagabend eröffnet. Bekanntlich soll an diesen Wenden das Hauptgewicht auf die dem jeweils einleitenden Referate folgende Aussprache gelegt werden; daß die Bercinsleitung mit dieser Neueinrichtung das Richtige getrosfen hat, bewies schon anr ersten Abend die rege Beteiligung der anwesenden Damen und Herren an der Diskussion, welche sich den trefflichen Darlegungen des Referenten anreihte. Die weiteren Fortsetzungen dieser Veranstaltung finden an den nächsten Dienstagabenden im Vereinslokale statt; ebendort werden noch Anmeldungen zur Teilnahme an deni Zyklus entgegengenoinmeu. Die Einteilung desselben ist derart vorgesehen, daß jeder Abend ein für sich abgeschlossenes Ganzes bildet. Frankfurt a. M. Einer sehr dankenswerten Aufgabe unterzog sich in seinem gestrigen Vortrage der verdienstvolle Präsident des „Montefiore"- Bereins, Dr. med. G. Löffler, indem er in instruktiver Weise die über das Rassenproblem bestehenden Theorien skizzierte. Einleitend hatte er den Begriff Rasse fcstgestellt, und inr letzten Teile seines Vortrages suchte er die Ergebnisse des Vorangegangenen auf die Jndcnheit anznwenden. Frankfurt a. M. Samstag 4% Ubr findet Hermesweg 27 eine Besprechung wegen Festsetzung des hebräischen Sprachkursus statt. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a M. Der kostenlose Kursus über die Grundlagen des Zionismus hat init 12 Teilnehmern begonnen. Weitere Anmeldungen an das Franks. Israelit. Familienblatt erbeten. Frankfurt a. M. Zion. Bereinigung. Dr. Rudolf Leszinsky -Berlin, der Palästina bereist hat, gab Donnerstag abend, unterstützt durch vorzügliche Lichtbilder, ein lebendiges, das Interesse der Zuhörer bis zuletzt fesselndes Bild von dem jüdischen Kulturleben in Palästina. Der Gegenstand selbst ist in diesem Blatte des öfteren behandelt worden. Auch Redner stellte fest, daß sich in Palästina ein gewaltiger Umwandlungs- Prozeß vollzieht!— aus dem Golusjuden ist der freie, stolze, kraftstrotzende Bauer geworden, der das Hebräische wieder als Muttersprache spricht — und zeigte, wie dieser Prozeß allmählich alle sich ihm in der palästinensischen Judenheit entgegensetzenden Widerstände überwindet und sogar vor der Kultur- und Arbeitsfeindlichkeit der Jerusalemer Chalukah- Juden und den Assimilationsbestrebungen der Alliance nicht halt macht. Frankfurt a. M. Der zion. Gruppende rband für Hessen und Hessen-Nassau hat sich neu konstituiert und zwar wie folgt: Fritz Sondheimer (Vorsitzender), GeorgFrendenstein, Martin Levigard, Karl Rosenhcimer und Fritz Selka. Am 2. Weihnachtsfeiertag wird in Frankfurt ein Gruppenverbandstag stattsinden. Lffeubach. Zion. Ortsgruppe. — Auf der am 16. Dezember stattsindenden Makkabäerfeier wird Parteisekretär "R o s e n b a u m die Festrede halten. Es wird gebeten, Geschenke für die Tombola an Herrn Erbisfeld, Bernhardstr. 60 zu senden. Wiesbaden. Am 26. d. fand die erste Versammlung der neuorganisierten zion. Or t s - gruppe unter der Leitung des Lehrers 2. Jakob Rosenberg statt. Rechtsanw. Dr. Schwarzs ch i l d Frankfurt referierte in anschaulicher und instruktiver Weise über den X. Kongreß. Der 2. Redner Martin Levigard-Franksurt sprach packend über die allgemeine Lage der Inden in Ost und West imd über die Notwendigkeit der Schaffung eines Zentrums in Palästina. Beide Redner fanden bei dem zahlreich erschienenen Publikum begeisterte Ausnahme, was sich auch in der Anmeldung von 6 neuen Mitgliedern zeigte. Nürnberg. Am IS. ds. tagte hier der Gruppen- Verband der Zionisten Bayerns. Sämtliche Ortsgruppen waren vertreten. Nach herzlichen Begrüßungsworten seitens Zahnarztes Singer, des Vorsitzenden der Nürnberg» Fürther Ortsgruppe, wurde zur Leitung der Tagung Rechtsanwalt Dr. Strauß-München gewählt. Das erste Referat hielt Zahnarzt Singer- Nürnberg. Er behandelte die Entwicklung des Zionismus in Bayer n. 4288

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