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Neue jüdische Presse · 1911-11-10 · Heft 44 (10.11.1911) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 44 (10.11.1911)
Date
1911-11-10
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 44. der altmodischen Haube; einen schönen. Hut sollst Du Dir anschlaffen mit vielen blauen und grünen Federn und dazu Kleider nach der . neuesten Modo, daß man ans den ersten Blick erkenne, daß Dil die Frau des Herrn Nagelsein bist." Herr Nagelfein schnappte nach Luft; die langen zivilisatorischen Auseinandersetzungen hatten ihn erschöpft und Frau Luise bemühte sich vergebens, einen tiefen Seufzer zu unterdrücken. Herr Nagelfein war eine hohe, knochige Gestalt in den Fünfzigern" mit einem alltäglichen, von einem rotblonden Backenbarte umrahmten Gesichte. Ans seinen Fingern glitzerten mehrere Brillanten, eine Goldkette baumelte ans der ge1* Minuten Seidentvjeste, und er hatte die Gewohnheit, seinen hierunterhängenden Zwicker von Zeit zu Zeit auf die Nase zu drücken, weil das, wie er sagte, seinem Aeußeren etwas „Jnstinktquiertes" verlieh. Er hatte in seiner Jugend nichts gelernt und verstand auch nichts, aber ein ,33crmögcn hatte er zusammengcbracht, — und tveun die Wacht des Geldes auch nirgends unterschätzt wird, in Galizien übt sie einen überwältigenden lEinfluß aus. Wie viele seiner geistesverwandten Standesgenössen wähnte Herr Nagelfein, „mit dem Strom der Zeit zu schtvimmen", dem „Zeitgeiste Rechnung zu tragen", — wenn er das Judenvicrtel verließ, nach der inneren Stadt zog, seine Tracht, wie er es nannte, zivilisierte, sich' schönes Mobiliar anschaffte und seine „altfränkischen" Bekannten aus der Judengasse mit Nichtachtung behandelte. .Seiner Frau aber war dieses Streben in der Seele zntvidcr, und ihr gläubiges Gemüt litt Tantalusqualen. Sie konnte seinen „modernen" Ideen kein Interesse entgegenbringen, pietätvoll wurzelte in ihrem Herzen das Andenken an 'die Vergangenheit, und wäre ihr Wille maßgebbend getvescn, sie würde vorgezogen haben, lieber in der niedrigen Stube der engen Gasse zu wohnen, als hier in den Salons des vornehmen Stadtviertels sich' so fremd zu fühlen. Ihre jetzige glänzende Umgebung kam ihr so wenig aicheimelud vor, daß sie eine Bangigkeit beschlich. Inmitten der Herrlichkeiten schlich sic wie ein Schatten dahin. Wurde sic doch so jäü, so unvermittelt aus ihrer alteir liebgetvordenen Umgebung herausgerissen, sollte so Plötzlich jede Verbindung mit ihrem Heim, .mit ihrer Wiegestätte anfgeben, — und all dies dem „Fortschritt/" zulieb! Wenn ihr Mail» diesen Ausdruck mißverstand und den Flitter für das innere Wesen nahm, so war alles danach angetan, ihr dieses Wort, von dessen Bedeutung sie sich natürlich auch keine richtige Vorstellung machen konnte, zu verleiden. Soviel tvußte sie, daß sie dieser Chimäre ihre bisherige Lebensweise, ihre Gewohnheiten opfern müsse; Grund genug also, daß die bloße Bezeichnung sie nervös machte. — Außerdem regte sich in ihr auch religiöses Bedenken. Es kam ihr da alles so unjüdisch vor, daß dieser fremde, eisige Hauch ihr die Luft benahm. . Ihr Mann hätte 'mit! dein langen Rock aUes, ivas ihr zur ztveiten Natur gclvorden tvar, abgestreift. Er wollte nichts mehr vom Sabbat, nichts von den alten Gebräuchen wissen. - Wenn sie ihm deswegen Vorstellungen machte, antwortete er mit leichtfertigen, ja geradezu zynischen Glossen, daß' sie im geheimen bittere Tränen vergoss Ihre „Perlenbindc", das Erbstück ihrer frommen Mutter, hatte sie schon längst ablegen müssen, und sie ruhte wie eine Reliquie in der Truhe. Jetzt verlangte er gar, daß sie die Perrücke, dieses letzte Ueberbleibscl aus der guten alten Zeit ablegc. Wohin soll das führen? Die jüdischen Namen sind schon längst verbannt, „christlich" ist die Parole. Und nun gar.ihr Sohn! Er, ihr Rüben, ihr Frankfurter Israelitisches Familicnblatt. Teuerstes auf Erden, das einzige Kind von sechsen, sucht nur christliche Gesellschaft auf, sein Vater unterstützt ihn dabei nach Kräften, und auf sein Geheiß soll er gar die Familie Pascheles meiden. Pascheles! An diesen Namen, den Namen ihrer Vertvandten, ist sie seit ihrer ersten Kindheit gewähnt, in ihrer Nähe ist sie herangewachsen, und ihre Jugendgespielin, die Altersgenossin, die Vertrante ihrer Mädchenträume, die leider vor zehn Jahre» schon Heimgegangene Sara war eine Pascheles von Hanse und hatte einen Vetter gleichen Namens geheiratet, der ihr gleich ins Grab -gefolgt war, ein einziges Kind, die schwarzäugige Mirjam hinterlassend. Ihr Raben ist mit Mirjam zusammen erzogen worden. Frau Sara hätte den sehnlichen Wunsch gehegt, daß aus den beiden ein Paar werden möge, — und sie, Frau Lea, war auch dainit einverstanden. War doch der Abstand, früher natürlich, kein bedeutender weder in sozialer noch in pekunärer Beziehung. Als Frau Sara -ans dem Sterbebette lag, Lea an ihrem Bette weinte, und die Kleinen drin im anstoßenden Zimmer ihre Tränen fließen ließe», wurden sie ans 'Sterbelager gerufen, die Verscheidende legte die kleiiren Händchen in einander, breitete ihre schwachen, zitternden Hände segnend über ihre Köpfe, und Frau Lea gab ihr in dieser traurig-feierlichen Stunde das Versprechen, die Kinder, sobald sie hcrangewachsen, mit einander zu verheiraten. — Und nun will ihr Mann auch diese heiligen Bande lösen. Lea stand auf, um das Zimmer zu verlassen. Sie will jetzt ihre alten- Bekannten in, der „Gasse" aufsnchen. So fühlt sie sich zu mutlos, zu gebeugt, um ihrenc Gemahl auf seine Programmrede etwas zu crtvidern. Das Sprechen ist auch ihre starke Seite nicht, sie ist eilte mehr passive, aber tieffühlende Natur und findet nicht den Mut, sich, gegen den Willen ihres Mannes öffentlich aufzulehnen, wenn ihre Anschauungen auch diametral auseinander gehen. Sie war von jeher daran getvöhnt, sich seiner Leitung anznvertrauen, umsomehr als früher gar kein Grund zu ernsten Meinungsverschiedenheiten vorhanden gewesen war. Erst seitdem diese unselige Fortschrittsmanic ihn erfaßt hat, kommt er ihr wie ausgewechselt vor; sie aber blieb dieselbe. Sie will ihn auch jetzt nicht durch einen Widerspruch reizen, und ihrein Herzen entsteigt ein Gebet, daß der Weltenherrscher' alles zum Guten tvenden möge. Herr Nagelfein greift nach einem Zeitungsblatte, setzt sich den Zwicker ans, schüttelt aber mehrmals das Haupt, als befriedige ihn die Lektüre nicht, und dies, wie wir vermuten, deshalb, weil er sie nicht recht versteht. (Fortsetzung folgt.) J. W. Albert, Inh. P. Wanderey, Ecbe Xene Sfalnzerstr. u. Weisafranenatr. 11« Elektr. Kleinbelenchtnng Taschenlampen. Wochen-Kalender. (Zeitangaben nach dem Lunch.) Samstag, den 11. November!—20 Cheschwani Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Ubr 20 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 35 Min. in Berlin 5 Uhr 05 Min. Wochenabschnitt: W a j e i r o. — Abrahams Gastfreundschaft und Menschenliebe. Drei Engel, die er für fremde Menschen hält, bewirtet er in Seite 5 herzlichster Art. Dabei wird ihm die bald bevorstehende Geburt Jsaks verkündet. Die Engel wenden sich von Abrahams Hütte Sodom und Amora zu. Beide Städte nebst deren Umgegend sollen wegen ihrer Sünden mit dem Untergänge bestrast werden. Auch hier zeigt sich die überaus große Hrrzensgüte Abrahams. Unaufgefordert betet er für die Sünder. Gott ist gnädig, will verzeihen, wenn 50, 45, 40, 30, 20 ja nur 10 Gerechte sich dort finden. Sodom und Amora gehen durch Schwefel und Feuer unter. Lot wird aber gerettet. Er zieht mit seinen Töchtern ins Gebirge. Mimclech, der Philisterkönig, raubt Tara. Auf Gottes nächtliche Mahnung aber gibt er sie wieder zurück, beteuert seine vollkommene Unschuld und überreicht Älbraham Geschenke. — Die Geburt Jsaks. Seine Entwöhnung wird durch ein großes Gastmahl begangen. — Hagars Sohn Jsmael pflegt verführerischen Umgang mit Jsak. Hagar und Jsmael werden aus Abrahams Haus entlassen. In der Wüste verkündet-ein Enget Gottes der Hagar, daß auch ihr Sohn zu eineni großen Volke werden soll. — Der Philistersürst Mimelech schließt mit Abraham einen Frcundschastsbuud. — Am Schlüsse der Sidra wird uns Älbrahams größte Prüfung geschildert. Er soll seinen Sohn Jsak opfern.. Er ist gehorsam, zieht mit Jsak zum Berge Morija, legt ihn aus einen Altar und will ihn schlachten. Im letzten Augenblick hält ihir der Zuruf Gottes von der Tat zurück. Gott segnet Mraham. Anstatt seines Sohnes opfert Abraham einen Widder. Durch besonderen „Mischeberach" tverdeu die „Scheni-Chamischi-w'scheni" (Halb-F asttage) verkündet. Zweierlei Gründe: Erstens wegen der Sünden, die wir etwa in Leichtfertigkeit an den vorausgegangenen Feiertagen begangen haben, besonders durch Entweihung der Chaulhamaued-Tagc. Gerade durch länger andauernde Freuden sündigt der Mensch. (Daher auch nach Schotvuaus diese Bußtage nicht, Iveil nur zwei Tage Jaumtauw.) — Zweiter Grund: wegen der in den llebergangsjahreszeiten (Herbst, Frühling) häufiger stattfindenden Erkrankungen. — Offenbacbtr Druckluft-Jltilage Telefon 123. Offanbach 9. H. Telefon 123. Un&bert-offene hewAhrtmte TapoICbralnloanO- Frankfurter Familiennachrichten. Geboren. E. Sohn, Berthold Adler (Hackelberg), Moltkestr. 64. — E. Sohn, Max Speier (Scharlach), Bäckerweg 11. — E. Sohn, Paul I. Adelsberger (Schloß), Liebigstr. 5. — E. Sohn, Stein (Wolf). Wittelsbachcr Allee 109. — Verlobte. Rosa Weiß, Börnestr. 18, mit Wilhelm Marx, Mannheim. — Elsa Frank, Sandweg 6, mit Dr. Sidney Lilienfeld, Rüsterstr. 2. Aufgeboten. Samuel Kupfer, Stuttgart, mit Elsa Levi, Friedrichstr. 27. — Moses Schloß, Sandtveg 49, mit Fanny Berg. — Salti NeuhauS mit Helene Durlachcr, Karlsruhe. — Jakob Haas. Kirchhain, mit Lina Adler, Hanauerlandstr. 12. — Dr. S. Katz, Zeit 2, mit 'Margarete Weinberg, Lauban. Verehelichte. Meier Nebcnzahl mit Alice Goldschmidt, Landweg 33. — Felix Schletzinger mit Hedwig Feuchtwanger, Adlerflychtstr. 15. — Dr. Max Sichel mit Friederike Tannenbaum, llnterlindau 55. — Jakob Schloß mit Emilie Goldschmidt, Ltegstr. 69. ]VEA T>TT±L;I_i xii vorteilhaften Preisen für jung© Damen und Mädchen. Für junge Damen: Flausch-Mäntel ...... M. 17.50 — 22 — 28 — 35 — 40 — 45 Englische Mäntel.M 17.50 — 20 — 25 — 32 — 38 — 42 Samt-Mäntel.M. 40 — 50 — 60 — 70 — 80. Für Mädchen: Flansch-Mäntel.M. 14.50 — 17.50 — 23 —28 —32 — 38 Tuch-Mäntel.M. 7.50 — 10 — 13 — 18 — 22 — 25 Samt-Mäntel.. . M. 12.50 — 17.50 — 25 — 30 - 36 — 42 cdens/teim & cfCerrmann ScRilhrplatz 4*6*2. Telefon 4201.

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