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Neue jüdische Presse · 1911-10-06 · Heft 40 (6.10.1911) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 40 (6.10.1911)
Date
1911-10-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Lonvoru Im Alter von 96 Jahren verschied klier Salomo n Schloß, der erste Schatzmeister der Bereinigten Synagogen und Mitbegründer der Neuen Westend-Synagoge. Er hatte eine seltene Sammlung spanischer jüdischer Bücher und silberner Ritualien. Rew-Nork. Rose Pitinoff, die 16jährige Tochter eines jüdischen Emigranten aus Rußland, hat vorige Woche in Manhattan (Newyork) mit ihrer hervorragenden S chwimmleistung großes Aufsehen erregt. Sie schwainnr von Manhattan bis Coney Island — eine Strecke von 21 Meilen — in acht Stunden. New-Aork. Dr. Simon Flexner, Direktor mn Rockeseller-Jnstitut für medizinische Forschungen, erhielt für seine Leistungen aus dem Gebiete der praktischen Medizin den alle fünf Jahre einmal zu verteilenden 500 Dollars-Preis der Edinburgh-Universität. Rew-Nork. Bürgermeister Gaynor erüffnete persönlich das an der 2. Avenue errichtete j üdische Theater. Aus de« Vereinen. Berlin. Die Bereinigung jüd. Akademiker (J'»I B. I.?£), deren Ziel es ist, als Sammelpunkt der gesctzestreuen Studenten in Berlin, ihre Mitglieder zu glaubensstarken Juden heranzubilden, hat auch' i>" verflossenen Soinmcrscmcster eine energische Wirksamkeit betrieben. An den wöchentlichen Vcrsanrmlnngsabcnden wurde» folgende Vorträge gehalten: „Moderne Werte" (Dr. Biberfeld), „Die Beteiligung der Juden an den literarischen Salons" (Bibliothekar G u st. Hildesheimer), „Geschichtsforschung im Judentum" (cand. Phil. B r o m), „Die Stellung der Frau im Judentum" (Dr. Phil. Cah n), „Die Juden im Lichte der Kriminalstaiistik" (Tr. Phil. Segall) und „Eine Dissertatation über die Medizin der Juden aus dem Jahre 1765" (Tr. med. H o f m a n n). Für die jüngeren Mitglieder fand wiederum ein Faxen unterricht statt, der von cand. med. Bacharach erteilt wurde. Tie Vereinsschiurim waren dem Bedürfnisse entsprechend recht zahlreich eingerichtet. Rabbiner Dr. Munk leitete in dankenswerter Weise einen Talmud- und einen Tenach Schiur, ebenso den täglichen Ferienkursus. Zur Vervollkommnung auf anderen Gebieten (Tinim rc.) hatten sich außerdem verschiedene Gruppen gebildet. Neben der wissenschaftlichen Arbeit wurde die Geselligkeit durchs Veranstaltungen von Kneipen, Kegelabenden und Ausflügen gefördert, so daß die Tätigkeit des Vereins auch! in dieser Beziehung befriedigte. Ten neugewählten Vorstand bilden die Herren: Cand.'med. Bacharach (Vors.), Rabb. Dr. Munk (2. Vors.), find. jur. M. Oppenheimer (1. Schrists.), stud. Phil. Leo Deutschländer (2. Schristf. Berlin C. 2. Hcidcrcutergasse 4), der zu Auskünften jeder Art bereit ist. Köln a. Rh. Das Winterprogramm des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur sieht folgende Vorträge vor: „Jüdische Künstler des 19. Jahrhunderts" (Dozent Dr. Ernst Cohn-Wiener, Berlin), „Der Anteil der Juden am Ausbau der modernen Volkswirtschaft" (Rabb. Dr. M. Hoffmann. Randegg), „Die geistigen Vorkämpfer des deutschen Judentums im 19. Jahrhundert" (Rabb. Dr. Eppenstein, Briefen), „Bismarck und die Judenemanzipation"" (Dr. Moritz de Jonge- Köln), „Die Juden in der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts"' (Schauspieler AlfredAuerb a ch, Frankfurt) und „Die Emanzipationsbestrebungen der deutschen Juden im 19. Jahrhundert" (Rabb. Dr. Caro, Köln). Atan muß gestehen, daß dieses Programm sehr enttäuscht. Nicht ein Vortrag, der erzieherischen jüdischen Wert hat, indem er Erkenntnisse vom Wesen des Judentums, indem er jüdische Werte gibt. Ein Programm, das nicht Wenigstens einige Vorträge Wer die Bibel oder Teile derselben bringt, dürfte cs für einen jüdischen Literaturverein nicht geben! G leuilleton» © Im Kurort. Von M. D. Rivkin. Aus dem Russischen von I. M. S. Die Hoch-Saison. Der Spcisesaal war dicht gefüllt. Die befrackten Kellner liefen geschäftig im Saal umher und servierten die dampfenden Speisen. Der Herr Ober stand in der Mittd des Saales und überwachte befehlshaberisch seine Untergebenen, die seine strunmen Befehle verständig ausführten. Ter Eigentümer des Hotels, ein kleiner, dicker Herr, mit vor Fett verschwommenen Augen, stand teilnahmslos in der Nähe des Buffets. Es war Samstag. Die Herren Gäste zahlten an diesem Tage nicht, und der Herr Wirt Frankfurter Israelitisches FamAieiÄlatk. Nr. 40. wollte den Eindruck erwecken, daß er heute für seiii Geschäft nicht das geringste Interesse habe. Es war eine unerträglich^ Hitze. Die' großen Fenster tvaren weit geöffnet, aber kein Wind drang durch! sie in den gefüllten Raum, selbst die leichter: Tüllgardinen bewegten sich! nicht. Das Geklapper der Teller und Messer vernrischte sich mit dem lauten Gespräch der Herren, mit dem klingenden Gelächter einer jungen Dame und glich! einem brausenden Meere. Die breiten Kahlköpfe der Herren glänzten im Scheine der glühenden Sonne, höben sich besonders hervor aus der Menge der vielfarbigen Toiletten der Damen und der hellen Hütchhn der jungen Mädchen. Hie und da Erachte sich ein Käppchen aus dunklem Samnret mit einenr Knopf in der Mitte bemerkbar oder eine schwarze slachgcglättete Perrückc, aber sie verschwanden bald in dem Meere von Federn und Spitzen und Bändern aller möglichen und unmöglichen Farben. Der Lärm verstärkte sich) als das Essen zu Ende war. Ein Babel von Sprachen. Die verschiedensten Mundarten der deutschen Sprache vermengt mit den wohltöncnden Lauten des Französischen und dem affektierten Englisch der Glaubensgerwssen aus Amerika und England. Hie und da auch das litauische Jüdisch, das furchtsam Hervorkain, als ob cs.sich genierte, sich hier zrr zeigen, und das auch bald von den vereinten Kräften der deutschen, französischen und englischen Sprachen verdrängt wurde... ' Einer der englischen Herren, ein breitschultriger großgewachsener Mann mit einem dunkelblonden Bart ä la Salisbury, zog behaglich aus seiner Seitentasche ein seidenes Reisekäppchen, bedeckte seinen Kopf damit, leerte den Rest seines Weines und begann „Semiraus" zu singen. Er hatte eine tiefe, grrt geschulte Baßstimme, der aber jeder Ausdruck fehlte. Der ehrwürdige Kantor einer der größten Gemeinden Englands sang die alten Worte des Sabbath - Pismon von „Menucho wesimcho", wie er sic zu singen gewohnt war, mit derselben kalten? Würde, mit der er die Gebete sang in seiner großen Synagoge i»i fernen England, die seine Kunst mit einem fürstlichen Gehalt belohnte. Als er seinen'Gesang beendet hatte, betrachtete er siegesbewußt seine Nachbarn, die jedoch nicht aufhörten, laut zu sprechen. Er schenkte sich ein neues Glas Wein ein, das er mü einem Zug leerte, nahm das.Käppchen ab und legte es behutsam in die Scitentasche. Sein breiicr Kahlkops glänzte wieder in der Mcknge der schillernden Damentoiletten. Die Kellner begannen die Tische zu räumen. An einem langen Tisch in einer Ecke des Saales speisten nun die verspäteten Gäste, denen von ein paar müden, verdrießlich aussehenden KAlnern serviert 'wurde. Ein junger Herr mit einem Monocle, der soeben sei» Gemüse zu Ende gegessen hatte, zog eine Stinrmgabel aus der Westentasche und begann, dmnit ans seinen Teller zu schlagen, um die Uufmerkkcit der Gesellschaft auf sich zu lenken. Einige Herren sahen sich! um) in der Erwartung, etwas Neues zu hören. Mer der junge Herr beeilte sich nicht, zu singen. Er wischte sich sorgfältig seinen langen, gut gepflegten Schurrbart k la „Es ist erreicht!", zog dann ein feines seidenes Taschentuch hervor, mit dem er sein Haupt sorgfältig bedeckte, und dann erst begann er zu singen. Er sang das gleiche P^mön, bas der englische Kantor gesungen hatte, nur sang er es anders, auf deutsche Art. Es war der Kantor einer benachbarten Gemeinde, der den Ausländern zeigen wollte, wie hoch die Kunst der Chasonus in seinem Baterlande stand. Er verfügte über gute Stimmmittel; sein Heldentenor klang laut im großen Saal und begeisterte die Damen. Es war eine lustige Operettenmelodie, zu der jedoch die alten Worte des Sabbatliedes wenig Paßten. Er sang mit dem Selbstbewußtsein eines vom Publikum verhätschelten Bühnensterns, wobei sein Monocle auf seinem geröteten Gesicht den Takt schlug und der große Diamant in seiner Kravattcnnad.cl im Glanze der Sonne leuchtete. Ein Sturm von Applaus brach aus, als der junge Herr seinen Gesang beendete. Der Kellner, der hinter ihm stand, beeilte sich, ihm eine gebratene Ente zu servieren, als ob er ihn für seine Leistung belohnen wollte. Der Kantor steckte die Stimmgabel in die Tasche, trank wollüstig aus dein großen Bierglas und machte sich, nachdem das Händeklatschen aufgehört hatte, daran, die Ente zu verzehren. Sein Gegenüber, eine junge Dame .mit einer riesigen' weißen Feder, fixierte ihn unaufhörlich! . . . Das Gespräch der Tischgesellschaft wurde wieder ausgenommen, mit größerem Lärm und Lebhaftigkeit Als zuvor. Die leeren Flaschen wurden weggeräumt, und durch andere, volle ersetzt. Die Gäste, die von den Kellnern umgangen wurden, sahen neidisch auf die Glücklichen, die aus irgend cincin Grrmd sich ihrer Gunst zu erfreuen schienen. Plötzlich erklang in einer senken Ecke des großen Saales eine zarte melodische Stimme. Die Blicke alter Gäste richteten sich sofort nach der Ecke, aus der die Stimme klang und! deutlich- „Schir hamaalaus" sang. Es war ein arnrer, kränklicher Chasan aus dem cntfcnltcn Littaucn, der seine Lieder sang, die Lieder seiner Heimat Der anne, unansehnliche littanische Chasan mit dein alten zerknitterten Käppchen auf seinem Haupte hatte kaum die ersten Worte gesungtzn, da verstummt« der Bärin und das' laute Lachen und die Micks dieser lebensfrohen, dem Vergnügen ergebenen Gesellschaft richteten sich auf ihn, jedes Wort gierig verschlingend, jedem Laut mit Atemeinhalten lauschend. ' ■ ' . m 1 | I; I I M.! Er sang von der Wiederauferstehung Zivils, von den Träumen seines Volkes, von dein Haß der Völker, von dem unausbleiblichen Triumph der Gerechtigkeit. Seine weiche, aber leidenschaftliche! Stimme zitterte wie ein furchtsamer Gedanke, klang mächtig wie festes Vertrauen, weinte wie eine zerbrochene Harfe, forderte wie zum Kampfe. Alles, woraus fid) fein trübes Leben zusammenstcllte, das harte, trostlose Schicksal seiner unglücklichen Brüder, die Oede seines Landes, die Peitsche der Henker, die hohen Zuknnftsträume seiner Propheten, die große Hofsnung aus den Tag des Herrn, alles ergoß sich aus den weichen, süßen Klängen,, die aus seinem Herzen flössen und tief in das Herz der Gesellschaft drangen ... Es schien, als ob dieser 'kranke und halbverhungerte Mmin aus einem fernen Lande hicrhergekonimen wäre, um den Satten und 'Glücklichen, die sich hier aus alten Ecken der Welt versammelt hatten, um sich! dem Vergnügen zu ergeben, zu erzählen, wie unglücklich dort ihre Brüder leben, welchen Gefahren sie ausgeseht seren, und welche Schritte unternommen werden müßten, um sie vor dem Untergang zu retten und die großen Träunro des Volkes in Erfüllung zu bringen.... „Er geht hin rmd weint der Sämann mit seiner Last, jauchzend kommt er jedoch und trägt seine Garben ein," schloß der begeisterte Sänger mit einem nrächtigen Mord, der freridig und ansmunternb klang. 1! I (! I i! ’l! I Tiefe Stille herrschte im Saale. Die Kellrrer, die von den frenrden Klängen ergriffen waren, standen wie versteinert und wagten nicht, die feierliche Stimmung zu stören. Der dicke Wirt ließ sein fettes Gesicht hängen, und seine Arrgen zuckten nervös. Der englische Kantor seufzte laut auf, und die junge Dame mit 'der riesigen Feber wischte sich eine Träne mit ihrem kleinen, spitzemunrahmten Taschentuch J.W. Albert, Inh. P. Wanderey, Ecke Nene Btalnserstr. n. 'WetssCranenstr. 11. Elektr. Kleinbeleuchtuiig Taschenlampen. Schlafzimmer-Einrichtungen Bettenfabrikation, Bett-Wäsche. .Georg Aiiieiult, Nachf. L „ Bleidenstrasse 10. Kaiser Friedrich Quelle —— Offenbach a. M. - Gegen Olcbt und Rheumatismus bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. M., StaUbnrgstr. 9. Tel. 259 n. 714. Denteebes Beobachtungen pr. St; 1 Mk. Ermit- DaIophlTtelnngen, Recherchen u. Auskünfte vlvVUT v. 5 Mk. an. Gewissenhafte Ans- Instttnt führung n. strengste Diskretion als FrazeU*6s!:^mehrjähriger Polizeiu. Kriminal- _zeL mm._ beamte gesichert. Wocheu-Kaleuder. Snkkaus) Festes-Anfang Freitag abend 5 NHr 20 Min. (Franks. Zeit). Bedeutung: Snkkaus erinnert an den göttlichen Schütz in der Wüste und kehrt so Gottvcrtrauen. — Es heißt: „Regel" (-Wällfahrtsfest; wie zu Pesach und Schownairs hatten alte Männlichen nach Jerusalem zu wallfahren) und ,.C h a g - hovsiw (-Fest der Einlese, da die Feldfrüchte eingeheimst wurden). Die Snkko. Bedachung aus Pflanzenwrrchs, der vom Boden abgcschüitten sein muß. So gedeckt, daß man noch Sterne durchsreht. Während des Feshes sei die Snkko unsere Wohnung, in der wir unsere Mahlzeiten einnehmen und uns möglichst viel aushalten. Nach Krddnsch bezw. nach Mozc die Brocho „Leischef basukko". Frauen „entzünden" in der Snkko. Das Lulof. Beim Schütteln in der Rechten, mit dein Rückgrat vorin Gesicht. Essrog links. Am Jomiarrw zum Lulof Wasser nächschütten; am Halbfeiertag neues nehmen. Wer morgens nicht geschüttelt, kann's bis zrun Mend nachholen. Schabbvs unierblerbi das Schütteln. Die Gebete. Siehe Machsor. Ende des zlvöiten Tageß , Soüittäg ab'eich 6 Uhr 35 Min. (Franks. Zeit). Freitag: Haschaanoh-Rabbo. Ernstheiligen Charakters) in Beziehung gedacht zuinJaumkippur. In: der Vormacht das sogen. „Lernen",

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