Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 39 (29.9.1911)
- Date
- 1911-09-29
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Jte 39. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 5 '- ,Marunr?" ,^n allem imd bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit." - So plaudernd erreichten wir die Stelle, wo die Wege sich kreuzten. Berl sprang vom Wagen und schlug die Richtung nach seinem Geburtsstädtchen ein, und > ich fuhr «weiter. ~ Die von Berl erzählte Legend« kam mir nicht aus dem Sinn. Woher stammte sie? Wer hat sie hervorgebracht? So wie alle Legenden ist sie offenbar in einer regen Phantasie entstanden, und in mündlicher Ueberlieferung von Pater auf Sohn, von Generation zu Generation übergehend, wuchs sie und nahm neue Formen an. Woher stammte sie, wo ist ihr Anfang, wer hat sie zuerst verfaßt, und wer überlieferte jsie den Generationen? Das läßt sich schwer feststellen. Unter dem Landvolk entstehen phantastische Märchen und Sagen vorwiegend auf dem Hintergründe von Naturerscheinungen oder auf den Ruinen alter Wohnsitze und verfallener Burgen, deren Geschichte, von der Phantasie ausgeschmückt, durch die Zeit verändert und zum Teil in Liedern erhalten, Jahrhunderte überlebte. Ein gekürzter Baum, ein Steinblock von seltsamer Form, ein vorübersliegendes Aieteor, eine stürmische Nacht, Irrlichter auf Moorland, eine alte Bastei, ein vergessener Grabhügel — das sind mehr oder weniger die Quellen, aus denen die reiche Volksphantasie für sich! Motive schöpft. Vvlkslegenden sind mehr oder weniger bekannt, emsige Sammler, notieren ihren Inhalt nnd legen ihn. im gedruckten Worte fest. Diese Volkssphäre, welcher Berl entstammt, hat auch ihre Sagen und Legenden — hat ihrer die schwere Menge, aber sowohl ihre .Phantasie, wie auch der Charakter ist anders geartet. Das überirdische nnd mystische Element überwiegt in ihnen. Der Sammler solcher Legenden hat eine sehr schwierige Aufgabe, wenn er nicht aus Büchern, sondern aus dem Lebendigen Wort schöpfen will. Mißtrauen, Unlust und schließlich die nicht leicht verständliche Sprache (Jargon) sind ein fortwährendes Hindernis. '• Das überaus" interessante, geistige Vaterland solcher Berls hat vor dem fremden Beobachter hermetisch geschlossene Grenzen. Wenn es gelingt, etwas davon zu.erwischen, so geschieht es nur durch ein geschicktes Manöver, durch Kontrebande, verstohlen. Und doch, ist diese abgesonderte Welt überaus interessant. Die Legende pon der Kirche nnd dem alten Judensriedhof in Lublin habe ich durch Zufall gehört nnd sie, so wie. sie erzählt wurde, ohne Zugaben, ohne Aenderungen oder Ausschmückungen wiederholt. Berl gestand inir später, daß er eine Menge derartiger Historien, derartiger großer Ereignisse kenne, aber nicht jede Geschichte läßt sich erzählen. Berl ist nicht nmsonst ein gelehrter Mann, — er Sveiß viel, sehr viel. Simple, ordinäre Menschen würden seinen Erzählungen keinen Glauben schenken, unddeshalb zieht er es vor, seine kostbaren Schätze für höhere Geister nnd feinere Köpfe aufzubewahreu, die dafür Verständnis haben, daß die Gelehrsamkeit der größte Schatz ist — und die größte Gelehrsamkeit das, was niemand verstehen kann.... Ende. <1. W. Albert, Inh. P. Wanderey, Ecke Bfeue Malnxerstr. n. Wciss fraueustr. 11. Elektr. Kleinbelenchtung Taschenlampen. Bunte Chronik. Aus Heinrich Heines Briefe«. Aus einem Briefe Heine's an Immanuel Wohlwill, datiert 1. April 1823, sei folgende Stelle wiedergegeben: „Ich erwarte viel von (Zunz'ens) nächstens erscheinenden Predigten; freilich keine Erbauung und sanftmütige Seelenpslaster; aber etwas viel Besseres, eine Aufregung der Kraft. Eben an letzterer fehlt es in Israel. Einige Hühneraugenoperatenrs (Friedländer u. Co.) haben den Körper des Judentums von seinem fatalen Hautgcschwür durch Aderlaß zu heilen gesucht, und durch ihre 'Ungeschicklichkeit und spinnwebige Bernunftsbandagen muß Israel verbluten. Möge bald die Verblendung, aufhören, daß das Herrlichste in der Ohnmacht, in der Entäußerung der Kraftin der einseitigen Negation, im identischen Auerbachtume bestehe. Wir haben nicht mehr die Kraft/, einen Bart.zu tragen, zu fasten, zu hassen und aus Haß zu dulden: Das ist das Motiv unserer Reformation. .Die einen, die durch Komödianten ihre Bildung' und, Aufklärung empfangen, wollen dem Judentum neue Dekorationen und Kulissen geben, und' der Souffleur soll ein. weißes. Beffchen statt eines Bartes tragen; sie. wollen bas Weltlmeer in einniedliches Bassin von Papiermache gießen und wollendem Herkules auf der Kasseler Wilhelmshöhe das braune Jäckchen' des' kleinen Markus anziehen. Andere, wollen ein evangelisches Christentümchen unter jüdischer Firma. . ." J«dtscheMSdchent«Harem deSEmirS von Buchara. Der Emir von Buchara ist unter allen asiatischen Fürsten der einzige, dessen Harem auchheutenoch ejne ungemein große Zahl von Frauen aufweist. In den Mitteln, Frauen für seinen Harem zu gewinnen, ist der Emir durchaus nicht wählerisch Sv oft eine kaiserliche Majestät durch die Straßen fährt, müssen alle Frauen, denen erbegegnet, mit dem Gesicht zu ihm gewandt stehen bleiben, den Schleier lüfte», und 'ttkmt bie eine ober bie andere vom Emir durch einen- Gruß ausgezeichnet wirb, so bedeutet das so viel, daß sie für den Harem bestimmt ist. Die schönen Damen von Buchara wiirdigen aber meist die hohe Auszeichnung nicht und ivenden verschiedene Kniffe cm, umder Aufmerksamkeit des Harems zu entgehen. So sieht man gar oft Frauen auf Krücken'über die Straßen hinken, die zu dieser List nur griffen, um auf diese Weise sicher zu sein, nicht in den Harem kommandiert zu werden. Da der Emir durchaus keinen Unterschied macht, welchem Glauben die schöne Frau, die bei ihm Gefallen fand, angehört und die bucharischen. Jüdinnen sich durch besondere Schönheit und Anmut auszeichucn, so ist es. nicht verwunderlich, daß sich im Harem des Emir auch zahlreiche jüdische Mädchen befinden, die durch! die kaiserlichen Eintrciber in den Harem geschleppt wurden. Kunst und Literatur. Eine palästinensische Stipenbienstif- . tung. Herr Rabbinersohn in Kiew, der bekannte. Palästinasreund, plant die Gründung eines jüdischen Instituts für Palästinaforschung, in Jerusalem. Es 'ist ihm bereits gelungen, sich die Mitwirkung namhafter jüdischer Gelehrter und Finanzkreise bei der Durchführung dieses Vorhabens zu sichern. Ein Komitee, das zu diesem Zwecke gebildet wurde, zählt u. a. Air. Israel Abrahams, Prof. Wilh. Bacher, Prof. A. Berliner, Prof. Richard Gottheit, Prof. Jsr. Levi, Mr. Claude Montefiore und Dr. Poznanski zu seinen Mitgliedern. Dieses Komitee soll junge jüdische Gelehrte, die sich auf dem Gebiete der Palästiuakuude hervorgetan haben, zu länger» Studienreisen, nach Palästina veranlassen und ihre wissenschaftlichen Arbeiten überwachen. Um solche Studienreisen zu ermöglichen, hat Herr Rabbinersohn einstweilen zwei größere Stipendien ' gestiftet. Dieselben sind für junge jüdische Gelehrte bestimmt, welche an irgendeiner europäischen Universität einen akademischen Grad erlangt haben und 'auf jüdisch - wissenschastlichem , Gebiet, insbesondere auf dem Gebiet der Palästinaforschung, bereits mit Erfolg tätig waren.; Eines dieser beiden Stipendien ist schon jetzt vergeben. Es Wurde einem englisch-jüdischen Gelehrten, dem Absolventen des St. Catharine's College in Cambridge, Mr. Herbert Lvewe zuerkannt. Mr. Loewe hat sich bereit erklärt,'alljährlich einige Monate in Jerusalem zu verweilen, um seine archäologischen und« topographischen Studien an Ort und Stelle fortzusetzen. Geschichte der Judechin der Ob er Pfalz. HI.: Der Bezirk Rothenberg. Bon Rabbiner Dr. . M. Weinberg. 190 Seiten. JL 3,50. Sulzbürg (Oberpfalz), Selbstverlag. - 1499 die Juden aus Nürnberg vertrieben, 1519 aus Regensburg, dann dievöllige Vertreibung der Juden aus Bayern und endlich, aus der-Oberpfalz. Nur der Bezirk Rothenberg blieb von den Wogen des Judenhasses und der- Judenaustreibungen verschont, da die Ganerben ihre Juden schützten. Es ist klär, daß die -vier kleinen Gemeinden dieses Bezirkes'— die Gemeinden Schnaittach, Ottensoos, Hüftenbach, Förth — unter diesen Umständen zu besonderer Bedeutung gelangten und so dem Chronisten eine reiche und dankbare Ausbeute bieten. Dr. Weinberg hat die Geschichte dieser vier Gemeinden bis auf unsere Tage gegeben, mid diese Geschichte konnte keinen gewissenhafteren und liebevolleren Bearbeiter findend als sie in ihm gesunden hat. Hals schnitt, nicht Hirnzertrümme- « r un g. Eine Antwort aus die Back'sche Streitschrift: Schächten oder Betäuben? von Dr. . Eduard Biberfeld, Arzt rmd Rabbiner. 40 Seiten. 40 Pfg. Berlin C. 2, Louis' Lamm. Die Literatur für imd gegen das Schächten ist so sehr übersättigt, daß es eines besonderen Äerechtigungsnachweises bedarf, wenn es jemand unternimmt, diese, Literatur; um eine Neuerscheinung zu vermehren. UeberdieS' ist die Frage längst entschieden; als wirklicher Grund gegen das Schächten bleibt stets der Antisemitismus^. - -, All' das war dem Verfasser der vorliegenden Schrift bekannt. Daß er auf die Back'sche Streitschrift erwiderte, geschah daher nur, weil Back der 'Herausgeber der 24000 Aerzten zugehenden „Aerzt- .lichen Mitteilungen" ist und dieses bedeutsame Instrument zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung in seinem Sinne benutzt.; Back hat in Biberfeld seinen Meister gefunden. Wie ein Kartenhaus fällt die Back'sche Beweisführung zusammen, und was beim Leser übrig bleibt, ist die Ueberzcugung von der antiseinitischen Gesinnung Backs und einer Oberflächlichkeit dieses Herrn, die von selbst,.die Frage aufdrängt, ob die Interessen des „Verbandes der Aerzte Deutschlands zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen", dessen Organ die „Aerztlichen Mitteilungen" sind, in der Hand dieses Herrn gewahrt werden. Monatsschrift für Geschichte und Wissens.chaj t des Judentums, Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Herausgeber: Dr. M. Brann. 55. Jahrgang, 7. und 8. Heft. Breslau, Kocbner'sche Verlagsbuchhandlung. Inhalt: Die Ethik R. Saadias iDavid Rau) — 'Das Laubhüttenfest Chanuka (R. Lesczynsky) — Unechte Jeruschalmi-Zitate (B. Aptowitzer) — Die Tefilla für die Festtage (I. Elbogen) — Die Namen der Frankfurter Juden bis zum Jahre 1400 (I. Kracauer) — Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter (Simon Eppenstein) — Lebenszeit und Heimat des Isaak Or Sarna (H. Tykocinski) — Diverses. Tempelgebet-Aufschriften. Herausgegeben von Samn Neufeld, Buchdruckerei, Galanta (Ung.). Diese geschmackvollen Schilder stellen eine höchst dankenswerte Neuerung dar und werden daher sicherlich in vielen Synagogen zur Einfiihrung gelangen. Kaiser Friedrich Quelle —— Offenbach a. M. — Gegen Sicht nnd Bhenmattemna bewährt. -Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. M., Stallburgstr. 9. TeL 259 n. 714. i Beobachtungen pr. 8t. 1 Mk. ErmitalpAhü. telongen, Recherchen u. Auskünfte MulvUUY y. 5 Mt. an. Gewissenhafte Aus- W0 Institut fohrung u. strengste Diskretion als Frankfurt a. M. mehrjähriger Polizeiu. Kriminal- - 2*«!»?*«<**- - beamte gesichert» Wochen-Kalender. (Zeitangaben nach dem I>uach.) SamStag, den 30. September k— 8. Tischri): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 40 Min. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 55 Min. Woch'enabfchnitt: Haafinoh. — Eine poetische Darstellung der Geschichte und des hohen Berufes Israels. Llm Schlüsse des Wochenabschnittes ist von Möses Ende die Rede. Der Samstag heißt „S chabb os-S chnw.o" (Bußesabbat). Im Morgcngebet Einschaltungen, im Mussaf bei der Keduscho „Elanheichem". Jaum-Kippur Festesbeginn in Frankfurt Sonntag abend 6 Uhr. Anstatt durch Essen und Trinken ehrt man Jauin-Kippnr durch Licht und Kleidung. Daher die Jaum-Kippur-Kerze. Nicht wieder anzünden lassen, wemr ausgegangen. Man „benscht" die Kinder vor Synagogenbeginn. Tie Hausfrau zündet Lichter an mit Brocho „Lehadlik neir schel Jaum hakippurirn" und Schehecksijonu. Möntagmorgen beginnt der Gottesdienst in de» Meisten Gemeinden bereits um 6 Uhr. Den ganzen Tag zeige man heiligen Ernst, würdevolle Andacht. Genußenthaltung von Essen, Trinken, Waschen, Salben, Anziehen lederner Schuhe, Eheleben. In allen Schmono-Esrei die „Widdui" einschalten. Das Mussaf behandelt genauer den schweren Tagesdienst des hohen Priesters im Heiligtum. Unesano-Tokef .(Schicksalsbestimmung), -Olenugebet, öfteres Mederwerfen als Zeichen der Huldigung vor Gott (sogen. „Awando"). Nachmittags die Haftoro aus dem Buche Jona. Nach Mincho das Neila- oder Schlußgebet und danach Owinu-Malkenu. Bei Nacht die sogen. „Scheimaus." (Schema Israel usw.) Dann nach Maariw .Kiddnschf-Halwonoh." (Gebet beim neuen Mondlicht.) Schöner Brauch ist'», noch am Abend etwas für die Sukko zu richten, i ,Haum-Kippur"-Ende in Frankfurt ß Uhr 42 Min. Offenbacber Druckluft-Anlage Telefon 123. Oflsnbach a. H. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste TnanlchralnlPann. Plattfuss Fussschmerzen verschwinden In unseren patentanitl. gesell. A n gruluastlefel;- (Individuelle Anfertigung). Eberhard Malier 8 Sohne, Bet5^"“Sp‘4a