Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 39 (29.9.1911)
- Date
- 1911-09-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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MilNkUMtsdeftelluilgen auf das „Krantfurtev Israelit. Lamilienblalt" nehmen sämtliche Postanstalten des Jn- und Auslandes zu MK. 1,02 (mbl. Rieseruns frei ms Laus) für das vierte Vierteljahr 1911 entgegen. — Streifvandzusendung für Deutschland und Oesterreich- Ungarn Mark 1.50, für die übrigen Länder Mk. 2.— vierteljährlich. Indische und nichtjüdische Schlachtmethode. In meinem Aufsätze über rituelles Schächten und jüdische Flcisckcheschau habe ich drei Thesen ausgestellt: 1. Das rituell geschachtete Fleisch ist mit Sauerstoff g e sättigt, das -betäubte mit Kohlensäure. 2. Die Fleischbeschau der Juden geht strcngervor als diemoderne Fleischbeschau, indem die jüdischen Fleischbeschaner bei weitem mehr Veriverfe». 3. Infolge der Kohlensäure, mit der betäubtes Fleisch gesättigt ish, ist es möglich, daß es zu F lei fchver gistun gen kommt. keine Kontroverse einlassen möchte; denn beide stehen auf ganz verschiedenen Standpunkten. Die moderne Fleischbeschau geht von dem Standpunkte aus, ,,daß dem Volksvermögen von dem in dem Besitz an Schlachttieren bestehenden Kapital nicht mehr durch Konfiskation entzogen werden darf, als unbedingt zum Schutze der menschlichen Gesundheit notwendig ist." Zwar darf in den freien Verkehr das Fleisch, von solchen Tieren, die nicht vollständig gesund sind, nicht gegeben werden, weil der Käufer zu verlange» berechtigt ist, daß er im freien Verkehr nur das Fleisch von gesunden oder doch nur'mit unerheblichen Krankheiten belasteten Tiere, erhält; dagegen stehen dem Verkauf des bedingt tauglichen und minderwertigen Fleisches an besonderen Verkaufsstellen und unter Angaben des Mangels, sodaß der Käufer völlig über die Beschaffenheit des zu erwerbenden Fleisches unterrichtet ist, keine Bedenken entgegen. Irgend ein Unrecht erwächst durch die Einführung einer Freibank niemand, denn es steht jedem frei, Fleisch auf der Freibank zu kaufen oder nicht; Volenti non fit injuria (wenn einer will, so geschieht ihm kein Unrecht), Ich würde Herrn Klein-Lennep nochmals has genaue Studium von Ostertag, „Handbuch der Fleischbeschau" empfehlen. Die jüdische Fleischbeschau dagegen geht von dem Standpunkte aus, daß minderwertiges Fleisch überhaupt nicht in den Verkauf kommen darf; nur solches Fleisch das über jeden Zweifel der Brauchbarkeit erhaben ist, ist den Juden erlaubt. Hat einer kein Geld, Gelegenheiten der großen Fleischvergiftungen in den letzten Jahren in unseren täglichen großen Zeitungen eine Menge Artikel über die Fleischvergiftung lesen. Wo beschrieben steht, daß es einmal Toxine waren, das andere Mal Bakterium Coli usw., die man als Ursache der Fleischvergiftung gefunden hat. Diese letzten Ursachen sind eben weiter jnichts als der Casus belli — die letzte Veranlassung der Erkrankung. Aber ich frage, wieso kommen diese Bakterien in das Fleisch wieso ist es möglich daß vollständig gesunde Tiere, die in ganz genauer Weise (ich betone dies: ich persönlich war häufig Zeuge, .wie genau und minutiös die Herren Tierärzte in den verschiedenen Schlachthäusern die Tiere ,von Kopf bis Fuß untersuchter!) vor und nach der Schlachtung untersucht worden sind, den Boden für septikogämische Erkrankungen liefern? Da bin ich eben dazu gekomnien, als Causa belli die Kohlensäure, mit der das betäubte Fleisch beladen ist, verantwortlich zu machen. Da es nrm Herrn Kleini-Lennep so schlecht gelungen ist, mich in meinen Behauptungen zu wiederlegen, so greift er einige nebensächliche Behauptungen von meinem Artikel heraus, um sie in langen Ällrsführungen zu widerlegen. Da kommt er natürlich auf das beliebte Mittel der Schächtgegner, das Schächten als grausam hinzustellen, indem 11/2 bis 3 Minuten und darüber vergehen sollen, ehe das Tier die erlösende Ohnmacht umfängt. Der Mängel an Raum gestattet mir nicht, mich hierüber genauer anszulassen, nur das Wichtigste möchte ich bemerken. Vom Wirke« -es Httfsvereins der deutschen Inden. 4. Bild: HaushäUrmgS. schule Lumina in Galatz (Rumänien). Diese seit zehn Jahren bestehende Schule will ihre Schülerinnen ErwerSSberUfen zuführen. Zehn unbezahlte und zwei bezahlte Lehrerinnen und ein bezahlter Lehrer für Hebräisch unterrichten 195 Kinder in fünf Klassen. DieMittagskost ist für sämtliche Kinder während des ganzen Jahres unentgeltlich; außerdem werden die Kinder armer Ellern mit Schuhen u. Kleidern versehemDerJähresbeitrag des Hilfs» vereins^beträgt 1000 Franks. Diese, nrie man doch annehmen sollte, ziemlich einfachen und klaren Sätze entringen Herrn Klein- Lennep*) ei» Hohnlächeln und den Vorwurf, daß ich ' einerseits die moderne Fleischbeschau nicht verstehe, andrerseits durch geistige Jongleurstückcheir interessierte Laienkreise stutzig zu machen versuche, um . als Vertreter der Judenschaft mit Rücksicht ans die MeMiächstige Lesung der Schächtfrage im Reichstage im Trüben fischen zu können. Man sollte nun meinen, daß Herr Klein-Lennep entsprechend seinem Hohrrgelächter meinen Artikel , mit Leichtigkeit Wort für Wort wiederlegt-und -mich - eines besseren belehrt. Diese Ansicht ist nun irrig. Gegen meine erste These, daß bei dem rituell geschachteten Tiere im Gegensatz zum geschlagenen das Fleisch mit Dauerstoff beladen sei, wendet er überhaupt nichts ein; d. h. mit anderen 'Worten: er gibt mir glattweg recht. Meine zweite Behauptung, daß die jüdische Fleischbeschau strenger vorgeht als die moderne, ärgert Herrn Klein-Lennep schon etwas mehr, weshalb er mir den Rat gibt, vom Gebiete der modernen Fleischbeschau die Hände zu lassen., v.: v . Vor allem )nuü' ich, mich dagegen vertvahren, chaß ich'ber mrrWrHn MeisWescharz irgend welche Vorwürfe mache. Ich habe deutlich'gesagt, daß ich mich mit der modernen Fleischbeschau in - *) Herr Tierarzt Mein aus Lennep (der bekannte 'Schächtgegnerschreibt in Nr. 34 her deutschen Schlächbuttid Mehho^eitung eine 'wütende Entgegnung gegen meinen letzten Artikel über Schächten. sich vollkommen gesundes Fleisch zu kaufen, dann ißt er eben keins. Jedenfalls darf er kein miriderwertiges essen. Das ist der Grund, warnnr die jüdische Fleischbeschau strenger vorgeht. Ausführlich läßt sich Herr Klein-Lenrnep über meine dritte These ergehen: Hier weist er nach (nach der frdl. Feststellung, daß ich von den neuzeitlichen Forschungen auf diesem besonderen Gebiete der Fleischbeschau ganz und gar keine Ahnung habe), daß die Fleischvergistrurgen durch septikvgämische Erkrankungen mit Bildung von unzerstörbaren Toxinen oder durch Bakterien-Erkrankungen re. zustande kommen. „Solchen Zufälligkeiten ist aber jedes Fleisch ausgesetzt" und wiederum wird erwähnt, daß ich gegen die modern ausgebildeten Tierärzte und Fleischbeschauer Zweifel hege. Gegen diesen Borwrrrf muß ich doch nun in aller Form entschieden Front machen. Ich habe wörtlich gesagt: „Es steht fest, daß 'in unseren modernen Schlachthäusern jedes Tier genau untersucht wird." Ich habe der modernen Fleischbeschau als solcher überhaupt keine Borwürfe gemacht; ich habe nur behauptet, daß eben die jüdische Fleischbeschau von einem anderen Standpunkte ausgeht als die moderne, und daß dementsprechend bei den verschiedenen Systemen verschiedene -Endwerte herauskoinmen. Was nun die Fleischvergistungen betrifft, so hat Herr Klein-Lennep sehr gut mit kurzen Worten die verschiedenen Formen der Entstehung der Fleischvergiftungen beschrieben. Mer um das zu wissen, braucht man weder Tierarzt noch Arzt zu sein. Jeder Mensch konnte bei den verschiedenen Vor allem bestreite ich ja nicht, daß der Tierarzt ans diesem Gebiete Sachverständiger ist. Mer ich kann doch von Herrn Klein-Lennep verlangen, daß er zugibt, daß die Physiologen Und Hygieniker genau so Bescheid in dieser Frage wissen. .Da gehen eben diese Urteile weit auseinander. Ich brauche Herrrr Klein aus die Sammlung der Gutachten nicht aufmerksam zu machen, in welchen im Gegensatz zu den Schächtgegner» von den verschiedensten Männern der Wissenschast emwandsfrei nachgewiesen und behauptet worden ist, daß nur ganz kurze Zeit, höchstens 45 Sekunden vergehen, bis das Tier das Bewußtsein verliert. „Die auftretenden Atmungs- und allgemeinen Mrrskelkrämpse, die dem Laien als Beschauer so grausam erscheinen, sind lediglich Reslexkrämpse des völlig bewußtlosen Tieres." Sodann spricht 'Herr Klein über den Aus-, blntungszustand der Tiere mit verschiedenen Schlachtmethoden. Die persönliche Ansicht des Herrn Klein konnte ich nun aus seinen Ausführungen nicht recht entnehmen. Manchmal konnte man meinen, daß er der Ansicht sei, daß das geschächteke Tier nicht so gut ausblute als das betäubte, und baß das nach der Schießmethode getötete -Tier mir besten ausblüte. Ans der anderen Seiteasührt «..selbst -wieder Gutachten wr, aus denen hervorgeht, daß es-keinen Einfluß hat, nach welcher Methode Las Tier getötet wurde. Es tut mir leid, daß ich mich wiederholen muß und nochmals Herrn Kleiu-Lennep auf die genaue Durchsicht der neuesten -Arbeiten auf. diesem Gebiete aufmerksam machen muß. Und gerade diese ergeben (ich verweise , ans die Arbeiten von Hoth),