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Neue jüdische Presse · 1911-09-22 · Heft 38 (22.9.1911) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 38 (22.9.1911)
Date
1911-09-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Ki 38. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 5 „Weshalb?" . „Darüber ließe sich viel reden . . . und ich iveiß nicht einmal, ob sie das richtig verständen. Sie glauben, daß ein Verstorbener. keine Leiden hat? Seine Seele verspürt Leid. Sie fürchtet, — wozu sie also noch erschrecken? Wozu läuten? Ich sage Ihnen, es gab genug Verdruß . . . Die frommen und gelehrten Juden sagten, daraus >verde ein Unglück entstehen; aber es gab keins. Ich wundere inich nicht, daß es keins gab, so lange' man simple Leute, einfache Schneider, Schuster, Händler beerdigte, — aber einmal ereignete es sich, daß ein großer, sehr großer Rabbi starb!" „Weiß Bert' nicht, wie er geheißen hat?" „Ich iveiß es nicht, — genug, daß er ein großer Rabbiner war! Als er starb, mußte er gleich beerdigt werden, denn wie Sie wissen, ist es so bei uns Brmlch. Dieser Todesfall fand an einem Sonntag Vormittag statt. Merken Sie, was das bedeutet?" „Um diese Zeit findet bei uns Gottesdienst statt, und in jeder Kirche wird geläutet." „Das war eben das ganze Unglück! Als der Rabbiner auf den Kirchhof gebracht wurde, begann man eben in der Kirche zu läute». Sie verstehen! Alle erschraken, zitterten, denn sie errieten, cs Iverde etlvas geschehen. Und wissen Sie, was immer in der Welt passiert, ist für die Juden schlecht! Sie fürchteten! Verstehen Sic, warum sie fürchteten? Das ist eine ganz einfache Sache. Ein Rabbi ist eben ein Rabbi. Wenn die Glocken ihm lästig fallen, können sie Schaden nehmen, können sich losreiße», unbrauchbar zum Läuten werden! Und wenn die Glocken unbrauchbar werden, so werden die Leute sagen, die Juden seien Zauberer, — und bald wird inan Lärm schlagen mid eine „Gseire" wird entstehen." „Was ist das, eine Gseire?" „Sie wissen es nicht? Das ist ein solches Gesetz gegen die Jude», daß sic mit Schnaps nicht handeln dürfen oder sonstige Beschränkungen. Eine '„Gseire" ist eine große Schweinerei. Deshalb fürchteten die Inden und wußten nicht, was zu beginnen, ob stehen zu bleiben, zu 'gehen oder zu sparten ... cs kam -aber solch eine Macht, die unsichtbar ist und drängte die Juden, daß sie gehen, — und sie gingen. Unterdessen wurde das Glockengeläute immer stärker. Alle erivartete», daß etlvas eintreten werde." „Run?" „lind cs geschah! Hören Sie! Bor großer Furcht gingen die Juden nicht, sondern flogen wie die Vögel. . . Mittleriveile wurde es auf einmal still. . . ganz still, — und da richtete sich plötzlich der Rabbi auf der Bahre ans und sagte: „Stehen bleiben! Stehen bleiben!" „Haben Sie gehört! Alle blieben wie gebannt, tote angewurzelt stehen. (Schluß folgt.) „Fit-sure" Pincenez double, .14 k Goldauflage. Mk. 7.50, Nickel Mk. 5.50. Operngl., Feldst, nur beste Fabrikate in großer Auswahl. Lorgnons. Brillen, Pincenez; Spezialwerlstätte für Optik, Mechanik, Elektrotechnik. Physikalische Lehrmititel. „I. 88. Albert, Inh. Paul Wanderey, Haus Neptun. Ecke Neue Mainzerstr. u. Weißfrauenstr. l l. Tel. 7254, Amt I/, Schlafzimmer-Einrichtungen Bettenlabrikation, Bett-W äsche. Georg Amendt, Nachf. Bleidenstrasse 10. Kunst und Literatur. Die Inden in der modernen Rassentheorie von Dr. Max Besser. 30 Seiten. -l0 Pfennig. Köln, Jüd. Verlag. Die Broschüre behandelt in kurzen Strichen übersichtlich und klar das Gebiet der Rassenfrage und berücksichtigt dabei besonders die Beziehungen der Juden zur modernen Rasscntheorie. Da die Theorie der germanischen Rasse zu einem System herabsetzender, vernichtender Kritik gegen die jüdische Rasse benutzt wird, so hat ein jeder gebildete Jude das dringendste Interesse, diese Materie zu beherrschen. Wenn wir Inden in Deutschland unter einen, von den akademischen Kreisen ausgehenden Antisemitismus leiden, so sind die von Chamberlain großgezogenen Anschauungen über die Rassenbewertung zum guten Teil schuld daran. Doch wir haben dem gegenüber bisher Bogelstraußpolitik getrieben, um ja nicht das Vorhandensein einer jüdischen. Rasse ciiigestehen zu müssen. Diese Bogelstraußpolitik hat uns nichts genützt: genützt hätte es uns aber, wenn wir, unsere Rasse bejahend, uns auf unsere eigenen Werte besonnen hätten. Taschentücher empfehlen in grosser Auswahl und allen Preislagen F. 6. Strubberg & Co. 25 Nene Mainzerstrasse 25. Kaiser Friedrich Quelle —— Offenbach a. M. ■ — Gegen Gicht and Bhenmatismas bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Frledrloh Stahl, Frankfurt a. M., Stallbnrgstr. 9. Tel. 259 u. 714. Beobachtungen pr. St. 1 Mk. Krmitr oipefi 17. telungen, Recherchen u. Auskünfte ■IvIvVIl f v. 5 Mk. an. Gewissenhafte Aua-. •F Institut fohrung u. strengste Diskretion als ^razeUl63,tL*BÄ" Mehrjähriger Polizeiu. Kriminal? _xeL uaei. — beamte gesichert. Wocheu-Kaleuder. Festes-Beginu: Freitag Abend 5 Uhr *30 Min. Festes-Ende: Sonntag Abend 7 Uhr 05 Min. Mit R a usch - haschono h beginnt das Jahr 5672. Rach der Tradion ist Rausch-Haschonoh auch der Tag des Weltgerichts („Jaum Hadin"); iü der Thora wird er Tag des Blasens („Jaum Teruvh") genannt. Am Ransch-haschonoh wird unser Urteil gleichsam geschrieben, am Versöhnungstag besiegelt. Daher unser Nenjahrswnnsch: ,Fkesiwo wachasimvhtauwoh", gute Einschreibung und Versieglung. j Am Rausch-Haschonoh, mit dem die „Assercs jemei teschuwoh" (= 10 Bußtage) beginnen, gebe man sich nicht wie sonst irdischen Genüssen hin. Löblich -ist's, ganz „Thillim zu lesen. Beim. Kiddusch am Abend Schehechijonu, am 2. Zlbend eine neue Frucht dazu nehmen. Man genieße abends Honig und Süßapfel als Symbol eines „süßen" Jahres. Der Gottesdienst beginnt möglichst früh (6 Uhr). Die Festgebete sprechen von der Huldigung Gottes als Schöpfer, b) als Richter. Das große Mussafgebet enthält 9 Brochaus, darin „Olenu". Nach dem Schacharis die inhaltreichen Bitten „Ötoinu Malkenn"; auch nach Mincho-Schmono-E., und so während der ganzen 10 Bußtage, Sabbat und Erew-Jaum-Kippur ausgenommen. Schofa r b l as e n göttlich gebotene Pflicht) Tonarten traditionell. Nichts genießen vor de», Hören dieses Blasens, wie auch sonst nicht vor dem Beten. (Frauen und Schwache ausgenommen.) Bedeutung: Zeichen der Huldigung, Weckruf zur Buße) Erinnerung an den Widder bei Jsaks Opferung, Erinnerung an die Offenbarung. — Der Blasende sei ein würdiger Mann. Das Schofar entspreche den. gesetzlichen Vorschriften. Bis zur Dämmerung darf man's hören, wenn nicht früher möglich. Nach I Sammet 1 * * * * * * * * * * * * * * * * spielt bei der neuen Herbst- und Wintermode eine sehr grosse Rolle. loh habe diesem Artikel besondere Aufmerksamkeit geschenkt und empfehle m unerreichter Auswahl: Sammet-Kostüme Sammet-Mäntel Sammet-Kleider Sammet-Röcke Sammet-Binsen Blüsch-Mäntel Mas Braunthal Zeil neben der Hauptpost Grösstes Spezialhaus Frankfurts für Damen-Konfektion. 6 * * * * 4b 4b * * 4b * 4b 4k * *

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