Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1911)
- Date
- 1911-09-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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MliW Zll Sit. 38 des Icfltifefntfet IsmeliUMk FaMMkM. Gin Weltverbaud -er Thoratrenen.! Ein Ruf ist erschallt und. hat in tausenden | Herzen Widerhall gesunden, hat auf tausende befreiend gewirkt. Denn tausende in der Schar unserer Thoratreuen haben seit,Jahren mit bangen Gefühlen von allen Seiten den Abfall gesehen; aber «alle Versuche, ihm entgegenzuarbeiten, kamen zu keinen! befriedigenden Ergebnis. Nirgends haben die 'Thoratreuen zugenoinliicii, meist aber sind sie weniger und weniger geworden, geringer an Zahl und geringer an inneren jüdischen Werten. Die Häuser, in denen am Sabbat die Hand ruht und auch an den Werktagen die Worte der Thora die Triebkraft aller Gedanken sind, die jüdischen Häuser, in denen eine jüdische Luft weht, sind im Westen eine seltene Erscheinung geworden. und haben sich auch im Osten, dem Zentrum jüdischen Wissens und jüdischen Lebens, von Jahr zu Jahr vermindert. Ist doch selbst, >vo der Sabbat noch Iveilt, die jüdische Atmosphäre häufig schon im Schwinden, da - durch den Einfluß der nichtjüdischcn Hingebung nach und nach das jüdische Denken dem nichtjüdischen weicht! So mußte denn in allen, denen die Thora ivirklich heilig ist, ein mächtiges Sehnen nach einer hoffnungsvollen Wendung der Dinge entstehen, und es ivar klar, daß der Ruf, einen Weltverband der Thoratreuen zu gründen, wie eine erlösende Zauberformel wirken mußte. In der Vereinigung liegt Macht. Diese Macht ausznübcn, ’ war oft genug die Stunde; aber der denkende Thoratreue mußte resigniert sehen, wie diese Macht nicht in Akckon treten konnte, weil eben die Bereinigung fehlte. Zl/» Millionen Juden wanderteü von dem Osten nach dem Westen — und assimilierten sich ineist in kurzer Zeit. Wohl halfen die Thoratrenen gemeinsam niit der großen jüd. Gesamtheit philanthropisch; doch jüdisch-erzieherisch blieben sie untätig und versäumten es so, ihre Pflicht zur Aufhaltung des Assimilierungsprozesses zu tun. Das sind Fehler, die nicht mehr gut gemacht werden können. Aber jetzt hat der Assimilierungsprozeß.auch, die im Osten zurückgebliebene Judenheit ergriffen, dazu schlägt 'die jetzt auch im Osten eingeführte Sonntagsruhe auch in die jüdische Gesetzesbeobachtnng schwere Scharten, sodaß wenigstens hier noch der energischste Versuch zur Rettung gemacht werden muß; und deshalb — Vereinigung aller Thoratreuen! Freilich ist der Ruf in einen! Augenblick erklungen, der berechtigte Zweifel auskommen läßt, ob seine Rufer eine Bereinigung aller Thoratreuen unbeschadet deren jüdisch-politischen Anschauungen wollen. Es kann keinen Zusammenschluß zur gemeinsamen Arbeit zur Folge haben, ivenn man zu gleicher Zeit Thoratreue deshalb zurückstößt, weil sie-, auf deni Boden.der Einheit Israels stehend,. der Aufforderung, der zionistischen Bewegung untreu zu werden, nicht folgen. Innerhalb'der Thoratreuen gibt cs Bekanntlich in bezug auf deren jüdisch-politische Anschauungen zwei Richtungen von ganz entgegengesetzter Taktik, und nur dann, tvenn die Richtung der Trennung von den Nicht-Thoratreuen die . andere Richtung, die sich auf die Einheit und das Zusammenarbeiten mit diesen gründet, gleich schätzt, tvenn ein Rabbiner Dr. Breuer mit einem Rabbiner Tr, Nobel Schulter an Schulter zu arbeiten bereit ist, wenn also der zu gründende Weltverband jede Maßnahme zu unterlassen verbürgt, die innerhalb seiner Reihen Zersplitterung hineinträgt, nur dann kann dieser Weltverband ins Leben gerufen werden. Die Tätigkeit zur Erhaltung und Vertiefung der Thoratreue dort, Ivo sie noch weilt, eröffnet bereits — ehrlich gewollt — ein unendlich großes ''Arbeitsfeld. In der Einigung auf ein Programm, dem beide 'Richtungen "innerhalb der Thoratrenen zustimmen können, liegt die Schwierigkeit, die sich der .Verwirklichung der Idee entgegenstellt.. Und dieses.- Programm ist auch bei gutem Willen von beiden Seiten.nicht leicht zu fassen.'Das meiste hängt dabei von den Vertretern des Trennungs- Prinzips ab. Werden sie in dem geplanten Weltverbande ihr Prinzip zurückstellen und einzig eine Tätigkeit betreiben, die sich nur innerhalb der Grenzen erstreckt, die die Möglichkeit einer Spaltung der gesamten Judenheit in Thoratreue und in Thorauntreue ausschließt? Schon der Namen „Weltverband der Thoratrenen" ist deshalb unmöglich. Es kann sich nur um einen „Weltverband zur Erhaltung und Förderung des traditionell-gesetzestreuen Judentums" handeln. Die Thoratrenen haben es nötig, sich zu gemeinsamer Arbeit zu verbinden. Mögen sie einen Weg finden, der die gemeinsame Arbeit ermöglicht, denn nur dieser Weg kann zum Ziele führen!*) Dr. S. «ns der zionistische« Bewegung. Hamburg-Altona. (Offizieller Bericht des Zentra'- bureau der Föderation „Misrachi"). Am Sonntag, den 10. Sept. (17. Elul.) tagte in Merlin, Atlas-Hotel, die von dein Zentral-Komitee berufene außerordentliche Konferenz der Föderal i o n M k s r a ch i. Die Tagesordnung bildete die Stellungnahme der Föderation gegenüber den Beschlüssen des X. Kongresses. Das Zentralbureau hatte seine Stellungnahme in ztoei der Konferenz zur Entfcheidimg vorgelegteu Anträgen präzisiert. Diese Anträge lauteten: 1. Infolge der Fruchtlosigkeit seiner jahrelangen Bemühungen, dem jüdischen Rcligionsgesetz in der zionistischen Organisation praktische Geltung zu verschaffen und insbesondere durch die auf dem X. Kongreß beschlossene Einbeziehung kultureller, religiöse Fragen eng berührender Unternehmungen in das Arbeitsgebiet der zionistischen Organisation sieht der „Misrachi" die Voraussetzungen für seine Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation nicht mehr für gegeben und erklärt seinen Austritt aus ihr. 2. Der Misrachi hält an seinen bisherigen Grundsätzen fest und erklärt sich als selbständige Organisation. Entsprechend der Bedeutung der. Tagesordnung war die Konferenz von einer großen 'Anzahl Delegierten aus Deutschland, Rußland, Ungarn, Galizien, Holland, Belgien und der Schweiz besucht. In einem ausführlichen Referat begründete Herr Dr. Feuchtwanger aus Frankfurt a. 'M. die oben erwähnten Anträge. Die lebhafte und angeregte Debatte ergab im Prinzip volle Uebereinstiinninng der Delegierten. Es wurde allseitig anerkannt, daß durch die nunmehr' vom Kongreß santiouierten Kultur-Bestrebungen die Sachlage insofern verändert sei, als der Boden neutraler Arbeit tvirtschaftlicher und sozialer Natur aufgegeben und die Möglichkeit gemeinschaftlicher und friedlicher Arbeit erheblich erschwert worden sei. Die Anträge des Zentralbureaus wurden durch. Majoritätsbeschluß abgclehnt in einem Stimmenverhältnis von 22:12 bei einer Stinrmenthaltung. Bestimmend für das Votum der Mehrheit war die Ueberzeugung, daß die Verantwortung für die.Entwicklung der Kultur in Palästina in traditioncll-gesetzcstreuem Geiste fortbestehe, daß gerade in diesen: Zeitpunkte diese Bestrebungen in einer der parlamentarischen Struktur der Bewegung entsprechenden festgefügten Organisation ihren Ausdruck finden müssen, und daß dieser die Grundsätze des traditionell-gesetzestreuen Judentums vertretenden' Fraktion die Pflicht der Fürsorge für die Erfüllung der in Resolution 2 der Kulturbeschlüsse erklärten Grundsätze obliege. Diese Ueberzeügimg fand in der von der Majorität angenommenen Resolution dahin Ausdruck, daß der Misrachi unverändert an seinem Programm festhält, und fest entschlossen ist, seiner Erfüllung mit vermehrter Energie nachzustreben. Die Konferenz nahm fast einstimmig den von der Minorität eingebrachten, dem Frieden und der gemeinsamen Arbeit dienenden Bermittlungsvorschlag an uni) beschloß, sofort in Verhandlung mit dem E. 'dl. C. einzutreten behufs genauer Feststellung von Garantien im Sinne, der Resolution 2 der Kongreßbeschlüsse und beauftragte das Zentral- Burean, den Standpunkt und die Interessen des Misrachi in energischer Weise zu wahren. Der Beschluß der Frankfurter Konferenz wurde erneuert und die Leitung der Föderation nach: Hamburg- Altona verlegt. In das Zentral-Bureau wurden die Herren Dr. Frank, Rechtsanwalt David und Referendar M ö l le r gewählt. . Der neugetvählten Leitung wurde das Recht der Kooptation gewährt. Die endgültige Zusammensetzung des Zentral-BureaitZoll s. Zt. bekannt gegeben werden.. Zuschriften find zu richten an Dr. "Frank, Altona, Markstraße^33. .*) Die Frage, die der geschätzte Schreiber behandellchat, ist von weittragender Bedeutung sowohl für das Judentum wie. für. die Judenheit und .bedarf der eingehendsten Erörterung. .Wir Werder», in einer der nächsten Munünern Gelegenheit nehmen, darauf znrückzukommen. D. . Redakt, Hamburg - Altona. In einer stark besuchten Versammlung der Schekelzahler von Hamburz- Altona erstatteten am 14, September die Delegierten Tr. H a l p e r n und Dr. H u l d s ch i n e r ihr Referat über den X. Zionistenkongreß und Landau einen Bericht über die Verhandlungen der Agrarkreditkommission. Eine Diskussion fand nicht statt. Zum Schluß nahm die Versammlung folgende ihr vom Vorstand worgelegte Resolution einstimmig an: „Die Zionistische Ortsgruppe Hamburg-Altona begrüßt die neue Leitung und verspricht eifrige Mitarbeit. Gleichzeitig stimmt sie mit Befriedigung der dankenden Anerkennung bei, die der Kongreß unscrm hochverdienten David Wolffsohn für seine hingebungsvolle und erfolgreiche Tätig- - keit votiert hat." Nürnberg. Am i7. d. Mts. veranstaltete die Mis'rachigrnppe Nürnberg-Fürth eine öffentliche Versaminlung zur Berichterstattung über die außerordentliche Tagung des „Misrachi" in Berlin, ans welcher die Delegierten dieser Gruppe bekanntlich ihren Austritt ans der zionistischen Organisation erklärten. Der Versammlung wurde naturgemäß von den Zionisten mit Spannung entgegengesehen, sie hatten sich — zum ersten Male wieder seit der Affäre Mojsinsohn — zahlreich bei den Misrachisten eingefunden. Die Berichterstattung war kurz, die Diskussion dagegen lebhaft und erregt. Dr. M ü n z - Nürnberg appellierte mit Nachdruck an die zionistische Gesinnung der Misrachisten, er geißelte das Verhalten der „Freunde" des Misrachi, besonders das des „Israelit". Der Austritt, selbst wenn er begründet sei, hätte hinausgeschoben werden müssen, bis wirklich die geplante Kulturarbeit hierzu Grund gäbe. Heute stehe der Beschluß noch erst aus dem Papier. Max G o r s k i - Nürnberg konstatierte,' daß seine Voraussage, die unrichtige Leitung der Misrachi-Förderation werde die Misrachisten zum Austritt führen, sich bewahrheitet, habe. Um diesen Konflikt nicht mitmachen zu müssen, sei er vor längerer Zeit aus der Misrachi-Föderation ausgetreten. Scharf wendet er sich gegen den Trennungsstandpunkt der süddeutschen Orthodoxie, die es rerstanden habe, den Trennungsgedanken auch auf den Zionismus zu übertragen, — jedoch ohne Erfolg. Die Misrachi-Konferenz habe gezeigt, daß der Trennungsgedanke keinen Platz finden dürfe im Zionismus, der die Einheit des Judentuins vertritt. Die Misrachisten sollten nicht austreten, sondern mit Nachdruck ihren Standpunkt in überzeugender Weise vertreten. Wer vor dem Gegner flieht, zeigt, daß sein Standpunkt ein schwacher ist. Ordenstein-Mrnberg ersuchte ebenfalls die Misrachisten znni Verbleiben in der Organisation und schilderte den Eindruck, den der 'Austritt aus die Assimilation machen müßte. Für den Austritt sprachen Dr. Rosenblüth - Fürth und Dr. Bamberger-Nürnberg. Ein bindender Beschluß für die Ortsgruppe wurde nicht gefaßt,' diese besteht nach wie vor. Ein erheblicher Teil der Mitglieder wird nicht austreten, und andere, schwankende, können zum Verbleiben veranlaßt werden. Der neuen Leitung der Misrachi-Föderation bleibt es Vorbehalten, hier wirksam zu arbeiten. Bafel. Die Generalversammlung der Zion. Bereinigung war zahlreicher denn je besucht. Der Bericht konstatierte eine Zunahme von 35 Mitgliedern. Zum Präsidenten wurde Dr. S. Brunschwig gewählt. Es wurde einstimmig die folgende von A. Zivh eingebrachte Resolution angenommen und telegraphisch an die Misrachikonfcrenz in Berlin abgesandt: „Die anläßlich einer Versammlung der „Zion. Bereinigung Basel" anwesenden Zionisten appellieren an das°zionistischeSolida- ' ritätsgesühl des Misrachi und sprechen die Erwartung ans, daß der in Aussicht gestellte und von feindlicher Seite erhoffte Austritt aus der zionistischen Organisation unterbleibt." Zürich. Das ,.Jfr. Wochenbl.". das mt dem Resultat der Misrachikonferenz zufrieden ist, schreibt u. a. in einem Bericht über diese: „Seit Wochen wurde seitens orthodoxer Kreise, die bis dato vom Misrachi nichts wissen wollten, Stimmung für den Austritt gemacht und ihm in Aussicht gestellt, daß die Gesamtorthodoxie sich sofort dem Misrachi anschließt, sobald er aus der zionistischen Organisation austritt. Es bleibt allerdings -die Frage offen, warum die Orthodoxie nicht bisher eine selbständige Organisation für Arbeit^ in Palästina geschaffen hat. Einen mächtigen Einfluß -auf die Versammlung übte das Persönliche Erscheinen des berühmten, greisen Gaon Reines, der seine Stimme gegen > den Austritt erhob, ebenso wurde ein Schreiben des bedeutenden Rabbiners Schmelkes (Galizien) ver- , lesen, dev sich ebenfalls gegen den Austritt aus- I sprach." i t i