Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1911)
- Date
- 1911-09-15
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2692297-2692716-2692753--06434-2701433- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Keite tb. Uran^ürier ZsraÄitischeZ Mmstienblatk. AK. 37. Reingewinn von 8000 Fr. Man ersieht daraus, daß die Produktionskosten beim Orangenbaum 680/0 der Einnahmen beanspruchen. Diese Kultur war übrigens sehr lukrativ. Infolgedessen hat auch die Kolonie Pethach-Tikwah, von deren Gärten im Umfange von 437 Im 108 ha bereits Früchte tragen, 370 000 Fr. allein aus dem Orangenbaum eingenommen. Neben den Apfelsinenpflanzungen besitzen die Kolonisten noch einige Weinberge, ausgedehnte Mandel- und Olivenwälder und betreiben außerdem viel Getreidebau. Obwohl aber 442 du gegen 302 im Vorjahre bestellt wurden, konnten aus dem Getreidebau nur 30 887 Fr. gegen den doppelten Betrag im Vorjahre vereinnahmt werden. Von den 780 lia Mandeln haben ISO ha Früchte im Werte von 66000 Fr. gebracht. Im Ganzen haben in Pethach-Tikwah 183 am Platze wohnende Besitzer 307 220 Fr. Brutto und 196 322 Fr. Netto eingenommen. Die Zukunft der Kolonie Pethach-Tikwah, welche jetzt schon 1681 Einwohner zählt, darf als sehr günstig bezeichnet werden, da in wenigen Jahren die angelegten Pflanzungen in voller Reife stehen und ihren Besitzern reichlichen Gewinn abwerfen werden. Namentlich bietet die Orangcnkultur glänzende Chancen. In den letzten Jahren sind nicht weniger als 630 ha neue Orangengärtcn von Juden geschaffen und Kapitalien in Höhe von 8 Millionen in denselben investiert worden. (Schluß folgt.) Aus der zionistischen Beweg«»«. Berlin. Sonntag fand hier eine vertrauliche Konferenz der Misrachi-Föderation statt, deren Tagesordnung nur einen Punkt hatte. Es sollte die Frage entschieden werden, ob die vom Kongreß angenommene Kulturresolution - den Austritt des Misrachi aus der zionistischen' Organisation verlange. Zu der Tagung hatten sich 33 Delegierte aus verschiedenen Ländern —: darunter Rabbiner R e ines,H. Färb st ein - Warschau, Iudelowitsch- Homel, Hermann Struck, Rabbiner Dr. Wilh. Levy, Redakteur Berlin-Berlin, Dr. Franck- Altona, Dr. I. Feuchtwanger -Frankfurt — eingefunden. Als Präsidium der.Konferenz wurden gewählt: Rabb. Reines, Struck, Dr. Franck, Rabb. Dr. Levy, Barth und Fahn. Es zeigten sich zwei Richtungen, die eine, die für Trennung stimmte — es waren das hauptsächlich die Es dem Lager der Trennungs-Orthodoxie hervorgegcmgenen Herren, wie die aus-Ungarn und Frankfurt —, die zweite, die für den. Verbleib des Misrachi innerhalb der zionistischen Organisation eintrat, da sie aus dem Boden der. Einheit Israels steht. Schon die Zusammensetzung des Präsidiums bewies, daß die Vertreter des Trennungsprinzipes in der Minderheit waren. Die Verhandlungen begannen des Vormittags um 11 Uhr und endeten des Nachts -nach 3 Uhr. Die Stimmung war eine ernste, von-der Bedeutung der Situation getragen. :... Den Bericht über die bisherige Tätigkeit des Misrachi erstattete Dr. I. Feuchtwanger, der Jahre hindurch in unermüdlicher und selbstloser Arbeit den Misrachi geleitet hat.'Er klagte die zion. Leitung an, daß sie gegen chr dem Misrachi gegebenes Versprechen die Kulturfrage nicht von der Tagesordnung des Kongresses abgesetzt habe: 'Diese Anklage ist daher unberechtigt, da Wolffsohn die Kulturfrage nicht auf die Tagesordnung gesetzt und das Mögliche getan hat, die Debatte über die Kultur zu verhindern. Dr. Feuchtwanger empfahl den Austritt. . Dr. Feuchtwanger drang mit seinen Anschauungen nicht durch, -die überwiegende Mehrheit stand fest aus dem Boden der Einheit, — und mit r/z Majorität wurde der Austritt aus der Organisation abgelchnt. Hiernach gab die Minderheit die Erklärung ihres Austrittes ab.*) Aus der Lehrerwelt. Fraukfnrt n. SW. Am v ergangenen Sabbat fand in her Synagoge der Israel- Männer- und Frauenkrankcnlasse eine erhebende Feier statt zu Ehren des Herrn Simon Unna, der. seit 23 Jahr cit als Scheliach Zibbur an diesem Mikdosch Meat wirkt. Der intime Raum der in ihrer architektonischen Wirkung wohl einzig dastehenden Synagoge, die ihre Pracht Freiherrlich von Rothschildfchcr Munisizcnz verdankt, war von einer festlich gestimmten Menge bis zum letzten Platz gefüllt, unter der die Vertreter der ältesten Frankfurter Familien, die heute noch den Grundstock der Besucher dieses Gotteshauses bilden, zu erblicken waren. Die große Liebe und Verehrung, die. dem Gefeierten in überaus reichem Maße entgegengebracht *) Siehe unter Rubrik: Aus den Ereignissen des TaglZ. wird, fand bereits in den. die Feier einleitenden Worten des Herrn Daniel A u g n st Worms, der nanicns der Verwaltung der beiden Krankenkassen sprach, warmen Ausdruck. Seine Worte klangen in ein Gebet aus, worin anlehnend an „paschkifoh Mimaun Kodschecho" der Segen des Himmels auf den Jubilar und dessen Familie herabgeflcht wurde. Nach der Rede iiberrcichte er dem Jubilar einen kunstvoll gearbeiteten, mit Dcukspruch und Widmung versehene» Pokal. Sodann verlas Herr Ed. Feist, der seit Jahrzehnten sowohl der Synagoge als auch den beiden Verwaltungen seine Kräfte in rcichstcin Maße zur Verfügung stellt, in schwungvoller Weise eine von poetischen Gedanken getragene Adresse. Namens der Synagogcnbesuchcr feierte Herr Max Adler mit ergreifenden und begeisternden Worten und in wahrhaft meisterhafter Form das große Wissen und das ideale Streben des Jubilars. Herr Unna dankte in sichtlicher Ergriffenheit in formvollendeter, zu Herzen gehender Rede für die ihm gewordenen Ehrungen. Unter zu Grundclegung einer Mischnahstelle führte er aus, wie die Jugend die Zeit der Ideale und der Lebcnsfreudigkeit, das Manncsalter nur von der Ausübung der ernsten Pflichten erfüllt sei und das Greifenalter die Ruhe ersehne, froh der erfüllten Lcbenspflicht. Durch die Anerkennung solcher Art jedoch könne die Berufssrende und der Idealismus bis ins höchste Alter erhalten bleiben. - Bei allen Zuhörern lösten die Worte des Jubilars tiefste Rührung aus. Die von herzlicher Liebe getragene schlichte, aber innige- Feier wird allen in dauernder Erinnerung bleiben. Fraukfurt a. SW. Vakanzen. — Erfelden, Lehrer, Kantor und Schächter per 1. November, Einkommen 1180 JL; Wenkhei in, Lehrer, Kantor und Schächter'per sofort, Einkommen über 1700 JL und freie Wohnung. Frankfurt a. SW., 14. September. Professor Dr. Oswald Cohn, Oberlehrer am Philanthropin, feiert heute sein 23 j ä h r i g e s A m t s - jubiläum. Wie«. Nach langem Leiden ist Oberkantor Bola Guttmann, eine Zierde seines Standes, verschieden— In Kr e msi er ist Dr. AlbertSchwciger, bisher in. Muras-Szombat, einstimmig zum Rabbiner gewählt worden. — Rausch-haschonoh feiert Oberkantor Singerm a n n in T r o p p a u sein 25 j ä h r i g c s Amtsjub-iläum. Prag. Hier starb Professor Siegfried Lederer, einer der bekanntesten Schulnränner und Gelehrten Prags, ein Vorkämpfer des Esperanto, im 81. Lebensjahre. Jerusalem. Seit einiger Zeit besteht hier unter dem Namen Chadar-Thora ein nach modernen pädagogischen Grundsätzen geleitetes CHeder, in dem neben den jüdischtraditionellen Unterrichtsgegenständen auch weltliche Elementarfächer gelehrt werden. Zum Leiter dieser Anstalt ist Dr: I. Marsch» k, bisher in Pethach- Tikwah, berufen worden. — Die sephardische Gemeinde in Safed hat den gewesenen Großraobiner von Damaskus, Alfandari, zum Chachambaschi gewählt. — Jsak Nahun, der Direktor der Allianceschulc in Kaifa, weilt in Konstantinopel, um den Großrabbincr im Namen der Haifaer Gemeinde zu ersuchen, einen Chachambaschi für Haifa zu ernennen, der die.'Interessen der jüdischen Bevölkerung bei den Behörden nachdrücklich wahrnehmen soll. Jaffa. Am 28. August fand in der Aula des hebräischen Gymnasiums die siebente Generalversammlung des Verbandes hebräischer Lehrer in Palästina statt. Etwa 150 Delegierte hätten sich eingefunden. Auch, der Direktor der jüdischen Gemeindeschule in Alexandrien und der Lehrer der Allianceschule in Aleppo nahmen an den Beratungen teil. Der Vorsitzende des Zentralkomitees, Josef I s a r k o w s ky, erstattete Bericht über die Tätigkeit - des Lehrerverbandcs im abgelaufenen Jahre. Er wies insbesondere auf die Gründung der ausgezeichneten pädagogischen^Zeitschrift „Hachinnuch" hin. Nach einer überaus leb^ haften und vielseitigen Aussprache wyrde )eui svostder Verbandsleitung vorgelegterhi. Atbeü8pläw 4f ür das nächste Jahr genehmigt. Es wjtrtzwr such; verschiedene Beschlüsse betreffs der. Aüsg'estaÜunff der Lchrerorganisation und der Gründung einer.speziellen Leih- und Sparkasse für die Mitglieder des Verbandes gefaßt. Aus den Vereinen. Frankfurt ».'SW. Im Centralv erein ifxae-I. e m>in de Mitglieder referierte Montag Abend Rechtsanwalt Dr. S. K a tz e n st c i n über 'den von einer Kommission des Ccntralvercins und des' Freisinnigen Vereins für jüd. Gemeindcleben gemeinsam ausgearbeiteten Entwurf eines neuen.Gemeinderegulativ. : Die hauptsächlichsten Neuerungen sind folgende: Der Vorstand der Israelitischen Gemeinde soll künftig vom Gemeindeausschuß gewählt werde»; bisher Ivnrde die Wahl in gemeinsamer Sitzung des Vorstandes- und Ausschusses vorgenommen. Der Gemeindeausschuß soll von 9 auf 18 Mitglieder erhöht werden, wahlberechtigt sollen jetzt auch, die weiblichen Mitglieder sein, die Gemcindcstcuern entrichten, wählbar sind allerdings nur die männlichen. Zn allen anderen unbesoldeten Aemtern in der Gemeindeverwaltung sollen auch die Ehefrauen der Gemcindcmitglieder wählbar fein. Die Wahlen solle» unmittelbar und geheim nach den Grundsätzen der Verhältniswahl 'stattfinde». Die Stimmabgabe soll aus Vorschlagslisten beschränkt bleiben. Das neue Regulativ wird der Regierung unterbreitet, die ersucht lverden soll, dem Landtag einen cntsprcchendcn Gesetzentwurf vorzulcgcu. Heidelberg. Im ve>stoffenen Jahre stand ter Verein jüdischer Akademiker im Zeichen einer aufstrebenden Entwicklung. Der Zugang neuer Mitglieder, sowie das Interesse an den Vereinsvcranstaltungen bewies, daß die. einigende Idee des gesctzestreuen Judentums auch in der Studentenschaft volles Verständnis gefunden hat. Es wurden mehrere Talmudre.-Kurse abgehalten, sowie folgende Vorträge: Religionsgespräche (Rabb. Dr. Schisser), Jonathan Eibenschütz (Rabb. Dr. Löwenstein), Nietzsches Weltanschauung und das Judcntum (S. Buttenwieser), Die Falaschas (Dr. Kahn) und Saphet zur Zeit Joseph b Kares (Rabb. Dr. Kramer). Wie alljährlich kam auch im letztjährigen Programm die Gemütlichkeit zu ihrem Recht. Es fanden zahlreiche Ausflüge in oie schöne Umgebung Heidelbergs statt. Auch die gemütlichen Abende fanden^ lebhaften Zuspruch. — Zuschriften während der Ferien find zu richte» an sind, chcnc. M. Weinbergcr, Wcberstraßc 6. Vereins-Kalender. Samstag. Verein „Mckor Chajiin", 12 Uhr Friedberger Anlage: Vorlesung aus Scscr Schemnel (Prof. A. Weyl); 4 Uhr, Fricdberger Anlage: Mikro- Vortrag (Leopold Schwab). Sonntag. Verein „Mekor Chajinc", 6»/» Uhr, Langestr. 18: Pintim (Dr. I. Breuer). Donnerstag. Jwriah, 8*/i Uhr, Hermcsweg 27: Hebräischer Sprachkursus. Briefkasten. Abonnent. Das Inserat zur Ablösung der Rausch-haschonoh-Gratulationen kostet in der gewünschten Form JL 2,50. Wenn Sie uns eine Liste Ihrer Verwandten cinsenden, sind lvir bereit, diese» die betreffende Nummer kostenlos zuzuscndeu. Kunst «ud Literatur. w Ter Vo.rbeter ut Vergangenheit, Gegenwart nnd Zukunft von I. B. Levy, Lehrer und Kantor in Frankfurt a. M. Hamburg, M. Leßmann. Auf einstimmigen Beschluß, des letzten Verbandstages der jüd. Lehrervereine i,m Deutschen Reiche ist dieser hervorragende Vortrag dem Druck übergeben lvorden. Es kann nicht dringend genug -gewünscht werden, daß er besonders von unseren Vorstehern gelesen werde. In gar vielen Gemeinden bedarf die Stellung des Vorbeters einer Aenderung. Besonders hinsichtlich der entwürdigenden Nebeneinuahmen. Man wird' die diesbezüglichen Ausführuugen Levys nur Wort für Wort unterschreiben können. Auch darin wird man mit ihm übcreinstimmen, daß der Vorbeter möglichst gleichzeitig Lehrer, sei, denn noch mehr als die Stimme ist das tiefe Verständnis des Gesagten Vorbedingung für dieses wichtige Anit, Sprecher der Gemeinde vor Gott zu sein. - , Feierstunden. Ei» Vortragsbüchlein. Band 8 der jiÜ»7 Volkbncherei. 66 Seiten. 30 Pfg. brosch., ' LM. Bolksschristqnpe.rlag, W. m. -.... Das -Ellul-tzor» tönt, die Wende senken schon Früh.ihre Schatten auf Stadt und Land, und immer zahlreicher werden die Mußestunden, die unter den: Dache verlebt werden. Da kommt nun die Zeit der geselligen Veranstaltungen in. der Familie und in den Vereinen heran. Man rezitiert, deklamiert und spielt Theater. . Doch was hören wir dameistens von den, Brettern zn uns sprechen? Selbst in den frommen Kreisen selten jüoische Motive, häufig sogar ausgesprochen antijüdische Gedanken. Eher etwas ganz Modernes von irgend einem ganz modernen Dichter deutscher Zunge, als Laute, aus denen die reinen Töne unserer Horebs-Aeole und Zions-Harfe tönen. ' > Es scheint, daß man in unseren frommen Kreisen diese» Mißstand fühlt imd sich k l^Miüht, ihm ab-