Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1911)
- Date
- 1911-09-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Mftge zn llt. 37 fe Frankfurter IfmeKfifriten lamitieufitottes. Mwm«tsdeKrllNM auf das „frankfurter Israelit, familienblatt" nehmen sämtliche Postanstalten des Jn- und Auslandes zu MK. 1,08 (Ittbi. Ueferuug frei tos Haus) für das pierte Vierteljahr 1911 entgegen. — Streifbandzusendung für Deutschland und Oesterreich- Ungarn Mark 1.59, für die übrigen Länder Mk. 2.— vierteljährlich. Sind auch jüdische Stimmen bei den nächsten Reichstagswahleu von ausschlaggebender Bedeutung? Von A r t u r S ch w e r i n e r. di icht selten hört man in unseren Kreisen, wenn man zum Wählen aufforoert: „Was sollen wir wählen, auf unsere Stimmen kommt es doch nicht an." Ganz abgesehen davon, daß dieser Standpunkt verwerflich ist, auch wenn die jüdischen Stimmen incht ins Gewicht fallen sollten, da es gerade für uns Juden In der Provinz Sachsen liegen die Dinge ähnlich. In Mülhausen, in Naumburg, in Halle und in Wittenberg sind die jüdischen Stimmen von sehr gewichtiger Bedeutung für die Wahl des Kandidaten. Unter den 24,000 Wählern in Wittenberg sind sicherlich 200 wahlberechtigte Juden, die Mann für Mann für den prächtigen Dove eingetreten sind und diesem zur Wahl verholfen haben, da Dove nur mit einer Majorität von 200 Stimmen gesiegt hat. In Hannover greifen wir nur den Wahlkreis Hildeshcim heraus. Dort erhalten Konservative, Nationallibcrale und Sozialdemokraten ungefähr die gleiche Stimmenanzahhl. Wenn die Hildesheimer Juden den Sozialdemokraten wählen und nicht den.. Nationalliberalen, dünn kommen die Sozialdemokraten in die Stichwahl. Ein gutes Beispiel, wie die jüdischen Wähler einen bedeutsamen Einfluß bei der Aufstellung eines nationalliberalen Kandidaten haben. Die wenigen Beispiele, die sich sehr vermehren ließen, zeigen klar, wie ausschlaggebend jüdische Stinimen bei den Wahlen sein 1049 000 im Borjahre. Bon diesem Betrage sind freilich noch die Steuern ungefähr in der Höhe von 207 000 Frcs. resp. 225 000 Frcs. abzuziehen.. Der Rest stellt die Produktionskosten dar» welche 878000 Frcs. gegen 824 000 im Borjahre betrugen. Solche Ausgabe für Arbeitslöhne sind umso bedauerlicher, als nichtjüdische Arbeiter mit einem Löwenanteil daran beteiligt sind. Im übrigen stellen die bedeutenden Bruttoeinnahmen denr Fortbestand und der weiteren Entwickelung des Kolonisationswerkes in Palästina ein günstiges Prog - n o ft i t o n. Trotz Mißwachs haben die Kolonisten eine Bruttoeinnahme von durchschnittlich 2593 Fr. pro Familie (im Vorjahre 3075 Fr.) echielt: Rach Abzug der Steuern behielten sie immer noch 2259 Frcs. pro Familie. Welche Ersparnisse an Produktionskosten noch erzielt werden könnten, beweist die Weinlese in Rechowoth, die alljährlich 12—15 000 Fr. Arbeitslöhne kostet. Die leichte Arbeit des Abschneidens der Traube» mit der Schere erfordert aber keine spezielle Vorkenntnisse und könnten auch von kleinen Kindern bestens besorgt werden. Statt aber mit Hilfe der eigenen Familienmitglieder 15 000 Fr. selber zn verdienen, wird dieser Betrag von fremden Arbeitern eingeheimst. Im Einzelnen sei hcrvorgehoben, daß die 66 Kolonisten von Rischon-le-Zion im Berichts- Bour Wirke« -es Hilfsvereins -er -rutsche« Jude». 3. Bild: Spenglereiabteilung der Handwerkerschule Ciocanul in Bukarest. lieber diese vom Hilfsverein subventionierte und beaufsichtigte Schulehaben wir bereits in der vorigen RummerdaS Wissenswerte mitgeteilt. können. Daraus folgt die Pflicht: „Juden, wählt, aber keinen Kandidaten unbesehen!" Ehrenpflicht sein muß, für unsere Gleichberechtigung wenigstens bei der Wahl zn demonstrieren, — auch abgesehen von diesem irrigen Standpunkt -kann zu Recht die Behauptung aufgestellt werden: Die jüdischen Stimmen wiegen gar nicht so leicht, wie man oft annimmt. Zum Beweis für diese Behauptung sehen wir uns einmal in Wahlkreisen auch außerhalb der Provinz Posen um. Daß die Juden in der Provinz Posen bei den Reichstagswahlen ausschlaggebend sind, ist schon oft bewiesen worden. Man braucht nur an den Grafen v. Westarp zu denken. Außerz in Mose^ .sind vor allem sin Schlesien die jüdisHew-Stiminen sehr wön-Ciustuß darauf, ivelcher Kandidat in die Stichwahl kommt.. In sechs Wahlkreisen des Regierungsbezirkes Liegnitz liegen die Verhältnisse so, daß Konservative, Freisinnige und Sozialdemokraten ungefähr die gleiche Stimmcnanzahl erhalten. Oft ist nur ein Stimmenunterschied von 30 bis 40 Stimmen ausschlaggebend, um einen Kandidaten mis der Stichwahl ausscheiden zu lassen. Rektor Kopsch hat beispielsweise nur mit 52 Stimmen Mehrheit gesiegt: Wären die jüdischen Wähler sin seinem- Wahlkreise. zu Hause geblieben, er wäre dem Konservativen unterlegen. Palästina. (Aus dem Jahresbericht der Jca pro 1910.) Von I. T u r o f f - Berlin. Jur vollen Gegensatz zum laufenden Jahre wie auch zum Jahre 1909 sind sin Palästina die Ergebnisse der landwirtschaftlichen Campagne im Jahre 1910 wenig erfreulich gewesen; nur die Orangengärtcn haben glänzende Resultate ergeben. Die Folgen der ungünstigen Ernte wären nicht so schwer empfrknden worden, wenn die Kolonisten es verstanden, hätten, ihre Unkosten zu kürzen. lieber die Höhe dieser Unkosten wird man solange auf Schätzungen angewiesen sein, bis die Jca auch über die jüdischen Kolonien Palästinas die gleichen instruktiven Tabellen wie über die in Argentinien veröffentlicht. Immerhin enthält der Bericht über 21 von der Jca kontrollierte Ansiedelungen, welche 25 000 da.umfassen und gegen 95 % der gesamten ländlichen Bevölkerung des jüdischen Palästina beherbergen, cräe Fülle von Material, mit dessen Hilfe Einnahmen und Ausgaben der Kolonisten sich annähernd feststellen..fassen. Danach, haben im Berichtsjahre 637 Koloniskai eine-Bruttoeinnahme von 1652 000 Frcs. gegen 610 Kolonisten und 1876 000 Frcs. im Vorjahre erzielt.'-Die Ausgaben beliefen sich auf 1085 000 Frcs. gegen Frcs. jahre nur 121213 Fr. gegen 170 000 Fr. im Vorjahre vereinnahmt haben. Die Ausgaben blieben sich in diesen beiden Jahren gleich; nämlich über 100000 Fr. Die Lage dieser Kolonie wird solange prekär bleiben, bis in wenigen Jahren Mandeln-, Oliven- und Orangenpflanzungen zu tragen beginnen und auch ihre Ländereien in den Dörfer» ■ Sarsend und Bedjen — im Umfange von 585 da — von den arabischen Ländereien getrennt sind und so zum Getreidebau nutzbar gemacht werden können. Gleich ungünstig waren die Verhältnisse von Rechowoth. Die Kolonie zählte 611 Einwohner mit 153 Familien, von denen 68 Land im Umfange von 699 da bearbeiten . . . Rur ein einziger von ihnen, weil Besitzer eines jungen Orangengartens von 24 da, hatte 15000 Fr. eingenvmmeir. Dsi-^-.^ übrigen vereinnahmten aus 2.6 lm Weinberge»Mud,: i 159 da Mandeln zusammen nur 73 736 Fr.'Brutto^ . Besser schon als den beiden letztgenannten Kolonien ist es der Kolonie G a d r a ergangen, die nur noch 38 da Weinberge besitzt und auf den Getreidebau angewiesen ist Auf dem Getrei.e.'and verei.inahmte sie 53 921 Fr. Die 29 Kolonisten der klein.» An'iele.u.ig W a a d el C h a n i n sind aus Laudmangcl gezwungen, sich einen Nebenverdienst als Arbeiter oder Wächter zu suche». Ihre noch jungen Anpflanzungen^ haben jedoch 5297 Fr. mehr als im Borjahre gebracht. (29 920 gegen 15 628 Fr.) Auch die Jca, welche in der Kolonie einen Orangeugarten für eigene Rechnung bewirtschaftet, hatte gute .infolge zu verzeichnen. Sie vereinnahmte '.5 000 Fr. gegen 15009 im Vorjahre und e zi.lte daöei euren