Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1911)
- Date
- 1911-07-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 30. da das Familienleben vernichtet wäre. Oder PS yrüßte ' jäes Haus das Glück haben, eine Tante Rosa zu finden." Frau Bruch! lächelte. „Berta, auch ich dachte viel über die Frauenbewegung nach, und meine Ansicht will ich Ihnen sagen. Wir sind Juden,- alles, was die Frauenbewegung Gutes bringt/ was die bedürftige Klasse auf eine höhere geistige und materielle Stufe hebt, müssen wir unfern Glaubensgenossinnen schaf- ,fen. Wenn wir den armen Judenmädchen, die nicht heiraten, gute 'Existenzmittel schassen und diejenigen, die heiraten, zu guten Hausfrauen machen, die ihrem Mann auch geistige Anregung geben können, dann lösen wir die Frauenfrage und dann unterstütze ich . Sie gern. — Berta, Sie 'haben ja auch in Broschüren gelesen, daß, die deutsche Bewegung verjndet ist. Ziehen Sie sich zurück, wo Sie nur geduldet sind, da man Ihre große Tätigkeit und Ihre Werbekraft nicht entbehren will, und widmen Sie Ihre Kraft deni Judentum. Sie werden dafür Zeit finden, weil Ihr Mann mit Ihnen in diesem Sinne arbeiten 'wird. llcbrigens, es freut mich daß Sie die Zügel des Hauswesens wieder ergreifen, denn ich muß zu meinen Elter» reisen, meine Mutter ist leidend und bedarf der Pflege. Meine Schwestern sind ..verheiratet und haben Familie, ich bin die einzige, die abkömmlich ist. Sie begreifen?" „Ja, ich verstehe. Sie find als eilt guter Geist bei uns erschienen und" wollen wie ein solcher verschwinden. 'Es wird aber noch einen Kämpf mit meinein Mann äbsetzen." ,Menn Ihr Manu Sie wiedergefunden hat, ist die Fremde überflüssig geworden. Ich werde die Kinder vermissen, jedoch'. . ." Frau Weil faßte ihre Hand und sagte herzlich: „Reisen Sie, wenn Sie wollen, aber vergessen Sie nicht, daß Ihr Heim bei uns ist. Sie kommen wieder, sobald Sie zu Hause entbehrlich sind, dann arbeiten wir an der jüdischen Fraueusrage > zusammen. Nicht wahr?" Frau Rosa entgegnete lächelnd: „Das wird sich alles finden, ich sage nicht zu, lehne aber auch nicht, ab." ,Laben Sie schon mit meinem Mann über Ihren Plan gesprochen? Nein? So überlassen Sie es mir! —: " Gute Nacht!" und sie verließ rasch Las Zimmer. Sie bemühte sich nicht, ihren Eintritt ins Schlafzimmer geräuschlos zu bewerkstelligen, und dies hatte den gewünschten Erfolg: ihr Mann wachte auf und erhob sich lebhaft. „Berta, ist etwas nicht in Ordnung?" „Heinrich, ich habe nach Klärchen gesehen, sie schläft gut. Aber Frau Bruch wird uns verlassen, sie muß nach Hause zu ihrer erkrankten Mutter.". „Davon weiß ich doch nichts, was fangen wir denn an?" „Heinrich, laß sie ruhig reisen und fortbleiben, solange sie will, bis sie als unsere Freundin nicht als meine Vertreterin zuriickkommt. Du und die Kinder werben sie nicht entbehren, ich' werde meine Pflicht als Deine Frau, als Mutter unserer Kinder in vollem Umfang und gern wieder erfüllen. — Oder willst Du mich auch fernerhin entbehren?" Er. zog sie in seine Arme und küßte sie, das war seine einzige Antwort. Ende. Tischoh-Beaw. Von Hermann G ntrad, Offenbach,*) Tischoh-Beaw. ... Wie ein gramerstickter Schrei kommt es aus dem gepreßten Herzen des Juden. Tischoh-Beaw — gleich Hammerschlägen pocht dieses Wort an seine Brust und reißt scheinbar längst zugeheilte Wunden auf. Vor seinem sinnenden Auge ziehen Bilder vorüber. . . Bilder, die er meinte schon längst vergessen zu haben, Bilder ans der Vergangenheit des jüdischen Volks. ... Draußen jubelt die Natur. . . . Vögel singen. . . jubilieren . . . flöten . Käfer schwirren. . . summen, und auf all' diese Pracht sendet die Sonne ihre goldenen, lebenspendenden Strahlen. Und wie der Jude hinansblickt auf das fröhliche Treiben, erinnert er sich, daß auch er einst jubeln und aus vollem Herzen singen durste, initeinstimmen in den Jubelgesang der Natur. .— Wieder mischen sich jene Bilder vor seinem Auge, wieder umschleichen sie ihn und legen sich wie Balsam auf sei» stolzer pochendes Herz. . . . Wieder erzählen sie ihm von jenen Tagen, da das jüdische Volk wie ein frischer Stamm noch grüne und frische Knospen trieb, und ihm schwillt das Herz vor Freude, 'wenn er nach jenen, ach so wenigen Tagen zurückschaut, da er, der selbstbewußte, freie Jude, auf seiner eigenen Scholle die Pflichten eines solchen ausüben durfte. Mer ach. . . , *) Der Mrfasser dieser Skizze ist erst 14 Fahre alt. Die Redakt. Framkfurker MraÄiüscheI FanMenblatk. Immer fahler werden dies« schönen Bilder vor seinen Augen, bis sie zuletzt in ein dunkles, herbstliches Grau verschwimmen. — Andere Bilder ziehen an ihm vorüber. . . Bilder voll Judenleid und Judenelend, Bilder von den qualvollsten Leiden, krampfhaftem Festhalten.und Auklammern, Bilder von dein Atärtyrertuin und der Aufopfenmg eines Volkes, um sich zu 'erhalten. . . . Wieder bricht das alte Leid von neuem empor. Wieder erinnert er sich seines Elends, wieder all' der Leiden des zerstreuten, jüdischen Volkes. Da .packt ihn eine unbeschreibliche Qual, und während ihm die Tränen unaufhaltsam aus den Angen brechen, kommt es krainpfhaft von den blutleeren Lippen: „Vater, wann ist's schon genug?" „Vater, wann ist's schon genug?" Noch einmal flüstern es die bleichen, zitternden Lippen, während er die ausdrucksvolle,! von Tränen geröteten Augen gen Himmel hebt. Er ist hetzt still, und . nichts verrät sein großes Leid,, aber nur zu deutlich sprechen die schwarzen, rätselhaften Angen bittend wie ein Kind: „Vater, wann ist's schon genug?!" „Fit-sure" Pincenez doublö, 14 k Goldauflage, Mk. 7.50, Nickel Mk. 5 50. 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Nun beginnt für ihn eine Zeit, in der er alle Stadien der Liebesleidenschaft durchkosten muß, bis er schließlich zu der Erkenntnis gelangt, daß das, was ec für sein Ideal hielt, ein überspanntes, berechnendes Mädchen war, das auf ihn wie ein Spielzeug, „das man gelegentlich lieb hat, gelegentlich wegwirft", herabsieht. — Der Verfasser schildert in anschaulicher, spannender Weise die Erlebnisse unseres jungen Helden und weiß dadurch den Leser stark zu interessieren. Doch hat es manchmal den Anschein, als wenn er, besonders im Anfänge, recht modern erscheinen möchte, wodurch die Schreibart etwas Gewundenes und Unnatürliches erhält. — Die Personen des Stückes sind böhmische Inden, die sich allerdings kaum ihres Judentums bewußt werden, wie man sie heutzutage leider allzuhäusig vorfindet. Hin und wieder werden jüdische.Probleme flüchtig gestreift, doch im großen ganzen verhält sich der Verfasser ziemlich passiv diesen! allen gegenüber. Eine s p a ii i o l i s ch e Z e i t u n g i n A in e r i k a. Seit kurzem erscheint in N e w y o r k unter dem Titel „L a A m e r i e a" (Oriental Spanish-Jcwish Journal) ein jüdisches Wochenblatt in spauiolischer Sprache. Die Zeitung, die von der Oriental Printin g and Publishing Co. herausgegeben wird, bringt auch 'kurze Artikel und Notizen im jüdisch-deutschen Jargon. Höchst interessant ist ein in der Feuilletonrubrik abgcdrucktes, für die praktischen Bedürfnisse der in Amerika lebenden spaniolischen Juden berechnetes späniolisch-englisch-deutschjüdisches Vokabular. D e r G r o ß e T h ü r i n g e r. Illustriertes Thüringer Kurs- und Verkehrsbuch für Sommer 1811. Zu beziehen gegen 20 Psg. von Wilhelm Loewy, . Erfurt 06. „Die Welt" als Tagblatt. Während der Dauer des X. Zionistenkongresses in Basel (9. bis 15. August a. c.) wird, wie in den früheren Jahren, auch' diesmal das zionistische Zentralorgan „Die Welt" in einer täglichen Sette 5. Kongreßausgabe erscheinen, die dem Zwecke einer ausführlichen und authentischen Berichterstattung über den Kongreß dienen soll. Verlag und Redaktion der „Welt" haben alle Maßnahmen getroffen, um durch diese Kongreßausgabe allen, die den Verhandlungen des X. Zionistenkongresses Interesse cntgegcnbringen, einen klaren lieberblick über sämtliche. Vorgänge des Kongresses zu bieten. Nähere Details über die Kongreßausgabe enthält der Anzeigenteil der heutigen Nummer. Bunte Chronik. Schwarz und Zeppelin. In seiner „Zukunft" sucht H a r d e n den Anteil Schwarz und Zeppelins an der Erfindung des lenkbaren Luftschiffes festzustellen. Er schreibt: „Der Holzhändler David Schwarz kam als erster auf den Gedanken, ein lenkbares Luftschiff ans starrem Stoff zu bauen. Er studierte, zeitweise als Arbeiter verkleidet, mehrere Aluttiininmfabriten und legte sein Projekt 1880 dem österreichischen Kriegs- Minister vor. Da die österreichische Regierung die notwendigen Geldmittel nicht zur Verfügung..stellen konnte, wurde Schwarz russischer Regierungsingcnicur und baute 1892 in Petersburg sein erstes Luftschiff, das aber nicht mit Gas gefüllt werden konnte, da schlechtes Material geliefert worden war. Schwarz wandte sich dann nach Berlin, wo sei» Projekt eines Alnminiumlenkballons von achtzig Metern Länge und zwölf Metern Breite gntgehcißcn wurde. Die Militärbehörde versprach, den Ballon bei erfüllten Erwartungen für 300,000 Mark anzukaufen. Am 13. Januar 1897 wurde Schwarz zum Probeslng telegraphisch von Wien nach Berlin berufen. Er starb kurz nach Empfang der Depesche auf offener Straße am Herzschlag. Seiner Witwe, Frau Melanie Schwarz, wurde aus Befehl des Kaisers die Vorarbeit und Demonstration im Luftschifferpark anvcrtraut. Das Luftschiff stieg am 3. November 1897 auf dem Tcmpelhvfer Feld auf. Die Führung war den Offizieren nicht erlaubt und deshalb einem jüngeren Maschinisten überlassen worden. Das Luftschiff wurde bei zu rascher Landung zerstört. Graf Zeppelin war bei diesem Probeflug zugegen. Sein Patent vom 31. Aug. 1895 spricht weder von Aluminium noch von einer Verbindung der beiden Gondeln, die vier Monate später einem Amerikaner patentiert wurde. Er hat erst nach Schwaizens Tode rin Luftschiff gebaut und Aluminium sowie Propeller von den gleichen Fabriken wie Schwarz bezogen. Am 10. Februar 1898 haben Graf Zeppelin und Kommerzienrat Karl Berg in Stuttgart mit Frau Schwarz zwei Verträge geschlossen. Durch den ersten Vertrag erwarb Herr Berg das Recht, über die „ihm mit den Schwarzschen Erben gemeinschaftlich gehörigen patentierten und nichtpatentierten Erfindungen" in Deutschland frei zu verfügen. Durch den zweiten Vertrag sicherte Graf Zeppelin der „Gesellschaft zur Förderung .der Luftschiffahrt" das Vorkaufsrecht für die den Schwarzschen Erben außerhalb des Deutschen Reiches zustehenden Rechte." Harden schließt mit den Worten: „Zeppelins Energieleistung soll nicht geschmälert noch die Selbstständigkeit seiner ersten Pläne bestritten werden. Erweislich und erwiesen ist aber, daß er erst lange nach Schwarz das Aluminium als Baumaterial gewählt und «chwarzens „Erfindimgen und Erfahrungen" durch Vertrag und um den Preis der Verpflichtung, die Erben des genialen Agrämers entschädigen zu lassen, seiner Gesellschaft gesichert hat." Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach a. M. - Segen dicht und Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. M., Stallburgstr. 8. Tel. 259 n. 714. Deutsches - Beobachtungen pr. St. 1 Mk. Ermit- BPtPPtilJtelungen, Recherchen n. Auskünfte vlVvUl v. 5 Mk. an. Gewissenhafte Aus- Institut führung u. strengste Diskretion als FraDk|furt a. M. mehrjähriger Polizei-n. Kriminal- _Tel. lisoi._ beamte gesichert. Wachen-Kalender. ^Zeitangaben nach dem Luach.) Samstag, den 29. Juli (= 4. Aw): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 40 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr 10 Min., in Berlin 8 Uhr 57 Mi». Wochenabschnitt: H a v e w o r i m. — Moses wirft einen Rückblick ans die Wüstenwaudernng, berührt die mannigfachen Verfehlungen, wie die Sünde der Kundschafter, des goldenen Kalbes, das Vergehen bei den Haderwassern, dasBerhalten gegen die stammverwandten Völker Edom, Moab und Ammon, die Besiegung der Riesenkönige Sichon und Og und Verleihung deren Länder an die dritthakb Stämme. Dieser Wochenabschnitt wird stets am Sabbat vor dem 9. Aw verlesen. Nach der Hastara des