Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1911)
- Date
- 1911-07-21
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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■^asjr Seite 10. Franffurter Israelitische FamAienblatk. Nr. 29 Er kam schon 1845 nach England, wurde nach absolvierten Studien Lehrer am Jews' College und war seit 1864 Prediger an der Bahswater-Syuagoge, seit 1879 Oberrabbiner von England. Seine ausgedehnte sozialpolitische und literarische Tätigkeit zu würdigen, sei einem besonderen Artikel überlassen. Lomsa lRußland). Der Gaon Rabbi Elieser Simcho Rabbinvwitz, zuerst hier und dann Jahrzehntelang in Kaüvarei wirkend, ist im Alter von 90 Jahre verschieden. Rabbi Rabbinowitz war der erste examinierte Rabbiner Rußlands. Selten groß war seine Liebe zur Wahrheit. Diese Wahrheitsliebe gab ihm s. Zt. den Mut, Pegen den hiesigen Gouverneur aufzutretcn, und hierdurch' mußte er Lomsa verlassen und nach Kalwarei gehen. New-Pork. In St. Paul (Minnesota) sand unter dem Vorsitze Rabbiners Max Heller die Zentr alkonserenz amerikanischer Rabbiner', eine Organisation her Resormrabbiner Amerikas, statt. Aus de« Vereine«. Frankfurt a. M. Jüd. Bibliothek und Lesehalle. — Infolge Revision der Bibliothek Werden die Entleiher ersucht, ihre Bücher bis Ende dieses Monats abzuliefern. . Frankfurt a. M. Aus dem Büro des ,.M outef i o r e" - D e r e i n s wird uns geschrieben: In der Serie der mit so großer Beteiligung veranstalteten Besichtigungen der Frankfurter Sehenswürdigkeiten soll in der ersten Hälfte des Augusts, wieder an einem Sonntag Bormittag, eine dritte Führung und zwar diesmal durch: die Altstadt und den alten jüdischen Friedhof unter der bewährten Leitung des Architekten Herrn Dr. Jul. Hülsen stattfinden. Unsere Mitglieder und deren Angehörige werden hierdurch' zur Teilnahme eingeladen. Wir bitten, sich zu diesem Zwecke auf unserem Büro, Seilerstr. 22 in die Liste eintragen zu lassen. <—. Der Tag und Treffpunkt wird im Tageskalender dieses Blattes rechtzeitig bekannt gegeben. - London. Die Bereinigung der jüdischliterarischen Gesellschaften (Union of Uewish Literary Societies) und die Gesellschaft für jüdische Geschichte (Hewish Historical Society) hielten dieser Tage ihre Generalversammlungen ab. Die Berichte beider Gesellschaften sind wenig erfteulicher Natur, denn chre Tätigkeit ist eine so minimale, daß sie in beiden Gesellschaften zusammen nicht über ein halbes Dutzend Beranstaltungen im Jahre hinauskommen. Bnnte Chronik. Die Juden in Jamaica. Rabbiner Abraham E. Dobrin aus Kingston (Jamaica), der ältesten Judengemeinde der westlichen Hemisphäre, schildert die Lage der Juden in Jamaica wie folgt: Wie in ganz Westindien, ist auch in Jamaica die jüdische Bevölkerung in steter Abnahme begriffen. In St. Thomas gab es einst eine große blühende Judengemeinde, heute sind nur noch spärliche Ueberreste vorhanden. I» Surinam sind die Verhältnisse nicht besser. Die Juden werden durch die Mischehen von der übrigen Bevölkerung aufgesogen. Das merbvürdigste an der Sache ist, daß die alten portugiesischen Juden, die zu stolz waren, ihre Kinder an englische Juden zu verheiraten, es als eine Ehre ansehen, sich mit christlichen Familien afrikanischen Ursprungs zu verschwägern. Man begegnet hier einer großen Zahl farbiger Familien, die den Familiennamen Mendes da Costa, Morais, Gideon. Delgado ufw. fuhren und auf ihre jüdische Abkunft stolz sind, aber selbst keine Juden sind. Die letzte Volkszählung gibt 2800 Jirdeu in Jamaica an, nach meiner Schätzung dürften es kaum 1000 bis 1200 sein. Mau kann Neger sehen, in deren Adern jüdisches Blut fließt, rurd die sich bei der Zählung als Juden einträgen lassen.. Theodor Herzl als Schulkamerad. Anläßlich der Wiederkehr des Todestages Theodor Herzls teilt Josef N. Schrecker der „Ungarl. Jüd. Ztg." folgendes mit: An jener Stelle der Pfeifergdsse (Siputca), wo . sich jetzt das vornehme Kanzleigebäude der Budapefter isr. Kultusgemeindc befindet,- stand noch in den -sechziger Jahren die isr., Normalschule. Das bescheidene ebenerdige Gebäude barg in den Jahren 1866—67 auch: den späteren berühmten Schriftsteller und begeisterten Vorkämpfer des Zionismus, Theodor Herzl in sich. Die Tatsache, daß ich durch zwei Jahre auf einer Schulbank neben Herzl saß, erfüllt mich mit stets wachsendem Stolze, und dieser diktiert mir die nachfolgenden Zeilen, die Theodor Herzl als Knaben schildern sollen. Das ganze Äwsen Theodors verriet eine Distinktion, die ihn nicht allein aus der großen Schar seiner Mitschüler scharf hervorhob, sondern auch den Lehrkörper nötigte, in ihm' eine Ausnahmserscheiuung zu würdigen. Theodor war ein Knabe von seltener Schönheit; noch heute sehe ich ihn mit seinem, lvie eine Kamee so fein geschnittenen Gesichte, mit seinen großen ausdrucksvollen Augen lebendig vor mir stehen, und unvergeßlich bleibt mir die anmutige Mischung von Bescheidenheit und Vornehmheit, die in seinem Benehmen lag. Er war der beste Kamerad, den cs je gab und schon im zarten Knabenalter ein ebenso intellektueller als instinktiver Beschützer der Schwachen. Diese Züge, sowie die Art seines Aufhorchens und Beobachtcns erinnern mich lebhaft an den kleinen Woz-Dickens, den uachherigen berühmten Schilderer Der Menschen. Obgleich Herzl unter weit günstigeren Lebensverhältnissen aufwuchs als sein ungeahntes Vorbild, laßt sich in der Tat eine sehr bemerkenswerte Charakter- und Hcrzensverwandschaft dieser beiden Heroen des Geistes konstatieren. Ich kann nicht sagen, daß ich an dem Knaben Herzl solche Erscheinungen wahrgenommen hätte, die in ihm den späteren begeisterten Kämpfer für den selbständigen jüdischen Staat ahnen ließen, aber daß er schon als. Knabe alle Merkmale künftiger Größe an sich trug, das haben schon seine kleinen Mitschüler enipfunden, die zu ihm in Liebe und Verehrung emporblickten. Kunst und Literatur. / Preisausschreiben. Der „Montefiore"-Verein in Frankfurt a. M. erläßt ein Preisausschreiben für ein Drama, dessen Stoff dem Gebiete der ■ jüdischen Geschichte entnommen ist oder gegenwärtige Ideen kczw. Geschehnisse behandelt. Bedingung ist,' daß die Aufführung des Dramas die Dauer von einer Stunde nicht überschreite, und daß es sich parteipolitischer und parteireligiöser Tendenzen enthalte. Preis: 150 Jk Endtermin der Einreichung: 15. Oktober. Jüdisches Volksliedcrbuch. Im Verlage Meier Hübner-Nadworna (Galizien), der kürzlich seine weitbekannten Liederbücher „Schirei Zijaun" in 4. Auflage herausgegeben hat, ist soeben ein „Jüdisches Volkslicderbuch" erschienen, das eine Sammlung der populärsten jüdischen Volkslieder enthält. Bücher-Katalog. 344 Seiten. S. Wronkcr u. Co., Frankfurt a. M. In vornehmem Gewände, geschmackvollem Druck und übersichtlicher Zusammenstellung präsentiert sich der Katalog der Firma. S. Wronker u. Co., jedem Bücherfreunde ein bald unentbehrlich - werdendes Handbuch bietend. ' Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege. 1911. 254 Seiten. 2 Jk Büro des Deutsch-Israelit. Gememdebundes, Berlin IV. 35, Steglitzerstr. 85. Wie macht man sein Testament kostenlos selbst? 96 S. Jk 1,10. Gesetzverlag L. Schwarz „. Comp., Berlin S. 14, Drcsdenerstr. 8(( Vereins-Kalender. Samstag. Verein „Mekor Chajim", 1 Uhr, Friedb. Anlage: Mikro-Vortrag (Schachnowitz). —: „M ontefiore"-Verein, 6 Uhr, Seiler straße 22: Gesellige Zusammenkunft. Mittwoch. „Montefiore"--Verein, 9 Uhr, Seilerstr. 22: Ursprung, Wesen und Tragweite des Antisemitismus (Felix Zlotnitzi). Allgemeine Mitteilungen. Hageubecks indische BölkerschNu in Frankfurt.. —> Diese indische Truppe bietet den Beschauern vieles von de» Künsten des Heimatlandes. Handwerker und Kunsthandwerker Nötigen dem Besucher Bewunderung ab über die Kunstsertigkeit, mit der sie ihre Arbeiten trotz ihrer primitiven Werkzeuge Herstellen. Man sieht da Töpfer, Tonbemaler, Weber, Sticker, Holzschnitzer, Holzslechter und Drechsler, Metall- und Schmuckarbeiter. Die Erzeugnisse indischen Gewerbefleißes werden in mehreren Buden feilgehalten, und wer es über sich bringt, indische Süßigkeiten zu genießen, die vor seinen Augen hergestellt werden, der hat auch, hierzu Gelegenheit. Daneben zeigen Gaukler und Zairbcrer ihre verblüffenden, bekanntlich gerade in Indien zu unerreichter Vollendung gediehenen Fahrmarktskünste. Daß die Schlangen bei diesen Produktionen nicht fehlen, versteht .sich bet Indiern von selbst. Der Einzug eines indischen Fürsterr wird vorgcführt, der einen Abglanz indischen Pompes zeigt. Akrobaten treten' auf, Zauberer lassen eine Frau verschwinden. Jongleure arbeiten irr eigenartiger Weise mit Tellern. Elefanten zeigen sich als willige Arbeiter und geben sich für 30 Pfg. den Kindern als Reittier her. Bärenringkämpse werde» aufgesührt, Bajaderen tanzen, Asfendressenrc treten auf, und an einer Bamüusstangc werden Indiens Turnkünste gezeigt. —, Das ist ein Teil dessen, was Hageubecks Indier ihren Besuchern vorführen, und man wird hieraus ersehen, daß es sich lohnt, einmal einen Blick in diese fremde Welt zu werfen. Briefkasten. Haigcrloch. Ans Ihrer Anfrage ist nicht ersichtlich, ob zu den Veränderungen aus dem jüdischen Friedhöfe, ein befördlicher Zwang vorliegt. Die Fortsetzung des vorwöchentlichen Leitartikels „Der X. Zionistenkongreß" erscheint in der nächsten Nunnner. Dam en-Tagliemden u. Beinkleider Nachthemden, Nachtjacken Unterröcke Solide erstklassige Fabrikate — Heuer «fa Sclioen Rossmarkt 1. üleder’s mechanische lind Druckluft - Teppich - Reinigung. Tel. 4642. Inh. Heinrich Trosch, Bergerstr. 149. . .= . Rücklieferung nach 24 Standen. -- B. Oppenheim Hchfs. Inh.: Louis Döring, Zell 4. 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