Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1911)
- Date
- 1911-06-30
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 frankfurter Israelitisches Uanrilienblatk. Nr. 26 steiler Dr. Sydney Lee, Komponist Frederic Cowen zu Rittern, Oberst David H arris, Mitglied des südafrikanischen Parlaments, zum Ritterkommandanten des Garter- Ordens und Generalprokurator Sir Rufus Jsaacs zum Wirklichen Geheimrat und Kommandanten des Viktoria-Ritterordens ernannt. A«s de« Vereitle«. Aranksurt a. M. „Montefiore"-Berein Nächsten Dienstag abends 8>/z Uhr, findet im Garten der Röderberg-Brauerei (Nöderbergweg 122) das diesjährige Som werfe st statt. Programm: Konzert der Infanterie-Kapelle, Rezitationen usw. und zum Schluß Tanz in dem Saale der Brauerei. Frankkurt a. M. „M ontefiore"- Verein. Die Turnspiel-Abteilung hat am vergangenen Sonntag, nachm. 4 Uhr, auf dem von der Stadtverwaltung freundlichst zur Verfügung gestellten Spielplätze im neuen Ostparke ihre Tätigkeit ausgenommen. Zur Leitung der Turnspiele ist der städtische Turnlehrer Kaul gewonnen worden. Die Beteiligung der jungen Leute war bereits am ersten Tage eine sehr große und wird zweifellos noch erheblich steigen, zumal den Teilnehmern keinerlei Kosten erwachsen und auch die Spiel-Utensilien vom Verein frei zur Verfügung gestellt werden.- Mit dieser Neueinrichtung hat der Montefiore- Verein abermals eine vorbildliche Tat geschaffen, die von den jüdischen Jugendvercineu hoffentlich, recht häufig nachgcahmt werden wird. Gelnhausen. Zu einer glänzenden, allen Teilnehmern unvergeßlichen Feier gestaltete sich das 200jährige Jubiläum der israelit. Beerdigungsbrüderschaft und des Wohltätigkeitsvereins (Chcwraus Gemilus Chasodim w'Kabronim), zu der sich außer der gesamten Gelnhäuser Judenheit zahlreiche Gäste von auswärts eingefunden hatten. Zwei zur Einladung versandte hübsch aüsgestattete Büchlein — die von unserem Lehrer Strauß verfaßte, durch die Munificcenz des Ehepaares M. .Tannenbaum u. Frau . Klara geb. Sichel-Frankfurt hcrausgegebene Festschrift und das gleichfalls von Lehrer Strauß verfaßte, durch die Munificenz der Frau Johanna Bobrecker-Cansas City gedruckte Weihe spiel —. Hatten schon vorher die Erwartungen aufs höchste gespannt. Ernst begann die Reche der Veranstaltungen. Auf dem Friedhöfe, der sich stimmungsvoll an den Ufern der Kinzig erstreckt und dessen bis 400 Jahre alten Steine in beredter Sprache von der Geschichte der Gelnhäuser Judenheit erzählen, galt cs, der verstorbenen Mitglieder zu gedenken. Provinzialrabbiner Bamberg er-Hanau, Lehrer Strauß und Arthur Meyer hielten der Nachdenklichkeit des Ortes gemäße Ansprachen. Ganz besonders die Worte des Herrn Meyer griffen in das Tiefste der Herzen und erpreßten aus zahlreichen Äugen Tränen. Die üblichen Gebete, Nundgang und Chorgesang beendeten den Akt auf der Stätte der Vergangenheit, dem sich nun der F c stgottesdienst in der altehrwürdigen Synagoge, deren wundervoller Oraun-hakaudesch ein Genuß für jedes künstlerisch geschulte Auge ist, anschloß. Das festlich geschmückte Gotteshaus war bis aufs letzte Plätzchen besetzt. Der Bürgermeister, Vertreter der Stadt und zahlreicher jüdischer Gemeinden der näheren Umgebung saßen als Ehrengäste in den vorderen Reihen. Provinzialrabbiner Dr. B a m - beiger hielt eine groß angelegte, meisterhafte Festpredigt. Der Chor der Gelnhäuser jüdischen Gemeinde zeigte das musikalische Können seines auf so vielen Gebieten erprobten Leiters Lehrer Strauß. Eine neue Ewige Lampe, gestiftet von Frau Wolf Stern-Hanau und ausgeführt von der Kunstwerkstätte der bekannten Silberwarenfirma Felix H o r o v i tz - Frankfurt, wurde entzündet; — möge sie stets über eine Gemeinde scheinen, in der traditionelles jüdisches Leben Stätte hat! Nachmittags 4i/» Uhr versammelten sich 104 Teilnehmer in der Turnhalle.zu dem Festmahle. Jakob Moritz, der Vorsteher der Kabronim- Chewra, eröfsnete die Tafel mit einer begeisterten, inhaltsreichen Ansprache, und zahlreiche geistvolle Toaste würzten das Mahl. . Dem Festmahle schloß sich eine Abendunterhaltung an. Mit einem flotten Marsch und der Ouvertüre der Norma, gespielt von der Gelakapelle, begann das Programm. Sodann ging das von Lehrer Strauß gedichtete Weihespiel „Judäa" über die Bretter. Seine Darstellerinnen — Sophie Hecht, Erna und Jenny Heilmann, Sitta Lorsch, Karla Moritz, Flora Scheuer und H c n n y Strauß — waren verständnisvolle Interpreten der feinsinnigen Dichtung. Elli Strauß (Klavier) und Sidta Lorsch spielten das Bruch'sche „Kolindrei" mit lebhaftem Beifall. Ein schönes Bild bot der von den Schülerinnen aufgeführte Blumen- und Schlcierreigen. Ausgezeichnet war das Liedcrspiel „Die wilde Toni" mit Frl. Strauß in der Titelrolle und Frl. Selmo Mo ritz und Referendar Sonn und Siegfried Strauß als Mitspielenden. Die Ouvertüre zu „Nebukadnezar" bildete den Schluß der Abendunterhaltung, der sichnoch ein BE anschloß. Die Feier gab vielen früheren und jetzigen Mitgliedern der besten Vereine und ihren Freunden Anlaß zu Stiftungen- So stifteten die beiden Vereine und frühere Mitglieder einen ko st baren Vorst a n g a u s w e i ß e m S a m t und die beiden F e n - st er an der Ostseite der Synagoge, Juda Heilmann eine künstlerisch gearbeitete Altardecke, Levi Abraham -Cassel eine hübsche Pultdecke, Max Stern-Darmstadt einen Kidusch- Becher, Nathan und Hermann Goldschmidt- Frankfurt a. M. je einen sehr kostbaren Becher, Louis Stern-Auerbach einen Almemor-S ch in uck. Nürnberg. Der Landesverein für israel. Kuttusgemciudeu in Bayern berücksichtigte in seinem abgelaufeiien Rechnungsjahre .84 Unterstützungsgesnche mit 8530 Jk und subventionierte sonstige im Rahmen des Vereinszweckes tätigen Vereine und Anstalten. Seine Petition um Erhöhung des Etats für. Zwecke des israel. Kultus wurde von den beiden Kammern der Regierung zur Würdigung übergebe». Seine Petition um gesetzliche Regelung der Rechtsverhältnisse der israel. Elcmcntarschulcn und., deren Lehrer wird in der nächsten Session des Landtages verhandelt werden. A«s der Lehrerwett. Kitzingen. Die Verwesung unseres Di st r i k t s - R a b b i ii ats bis zu seiner definitiven Besetzung wurde Distrikts-Rabbiner N a tha u Bamberger -Würzburg übertragen. Posen. Lehrer a. D. Hermann Wolfs, während 38 Jahre Lehrer in Wreschen, feiert am 4. .Juli seinen 70. G e b u r t s t a g. (L.) Ostrowo. Der jüd. Schulvorstand hat die Auflösung der jüdischen Schule und deren Verschmelzung mit der evangelischen abgelehut. Szeged tUngarn). Der hiesige Magistrat ersuchte den nach Wien berufenen Oberrabbiner Dr. L ö w, die Berufung abzulehnen, d. h. Szeged nicht zu verlassen. Dr. Löw hat infolgedessen den Wiener Posten abgelehnt. Kopenhagen. Oberrabbiner Dr. Tobias Lewenstein hat seinen Prozeß mit der Gemeinde gewonnen. Es sind ihm 50 000 Kronen und 10000 Kr. für die vergangenen zwei Jahre zugesprochen worden.. Alle Auständigdeukenden freuen sich mit dem verehrten Mann, dem so viel Unrecht zugefügt ivorden ist. Aus der zio«istischen Bewegung. Nürnberg - Fürkh. Am 22. ds. Mts. sprachen in der hiesigen Ortsgruppe Dr. Mossinsohn- Jaffa und Parteisekretärs B l u in e n f e l d - Berlin. Gegen das Auftreten Dr. Mossinso.hns hatten die misrachiistischen Mitglieder der Ortsgruppe, da dieser auf bibelkritischem Standpunkt steht und den Ruf radikaler Anschauungen hat, protestiert, und da die Ortsgruppe trotzdem Dr. Mossinsohn sprechen ließ, so traten die misrachistischen Mitglieder — 20 an der Zahl —, aus. Bern. Aniäßlich^des dreißigjährigen Schriststellerjubiläums des bekannten jüdisch-russischen Literaten Ben-Ami veranstaltete der Akademische Zionistcn-Bercin einen literarischen Abend mit Bankett, an dem der Jubilar selbst aus seinen Werken zwei Novellen vorlas, die einen stürmischen Beifall bei den Zuhörern hervorriefen. B««te Chronik. Der Jakobsstein als englischer KrönnngSstuhl. Während der Salbungszeremonie saß König Georg auf dem sogenannten „König Eduards-Stuhl", einem der merkwürdigsten Möbelstücke der Welt. Es ist ein Holzsitz auf einem großen Steinblock, der nach der Legende der Stein sei, auf dem Jakob schlief. Jedenfalls ist der Stein eine verehrte Reliquie in Schottland gewesen, lange ehe diese Monarchie mit England vereinigt war. Es ist zweifellos, daß erLden Miglichcn Thron bildete, auf dem die Könige Mm Schottland viereinhalb Jahrhunderte hindurch gekrönt wurden. Und 1296 entführte der englische jwnig Eduard I. anläßlich eines Einbruches in die nördlichen Königreiche den Stein und brachte ihn nach Westminstcr, wo er bis aus den heutigen Tag steht. Heiteres aus ernster Zeit. Ein „stiller Beobachter der Weltdummheiten", stellt dem Wiener „Montags-Journal" folgende Lesefrucht zur Verfügung: - „Schlußsteinlegung des Elisabcthheims. Anwesend ein Erzherzog, einige Minister, der Jud, der's Geld hergibt. Der Erzherzog führt den Hammerschlag, der. Domprälat weiht ein, der, jüdische Schwiegervater aus Rumänien, der düs Geldsauer verdient hat, dreht sich im Grab um. Und nun hat Wien eine. Sehenswürdigkeitmehr: . Eine^ katholische Kapelle, die ein Jud mitseinem..Geld erbaut hat. Vielleicht wird er sich nach Anlangc» des mitbczahlten Wels auch darin taufen lassen. . . Der Kaiser hat dem Stifter des Kaiserin Elisabeth-Heims, Konsul Felix Stiaßny den Adelsstand und dem Präsidenten des Heims, Oberfinanzrnt tans v. Lakeubacher de» Orden der Eisernen rone dritter Klasse verliehen." f. C. jStrubberg & Co. 25 Nene Mainzerstrasse 25. Spezial-Geschäft iQr elegante Damen- ■ - =■■■■' ■■■■' — Wäsche- Kunst uud Literatur. Methodik des jüdischen Rcligionsuntcrichtes von Rabbiner Dr. Heinrich Berger. 132 Seiten. 2.—. JL 1911. Leipzig, Gustav Engel. Der Titel wird manch' einen unsympathisch berühren; — konimt es doch beim Religionsunterricht weniger auf die Form als auf den Geist an! Wer auch der Verfasser erkennt das "an. „Die Ausgabe des Religionsunterrichtes ist, echtjüdische Persönlichkeiten heranzubilden, die das Judentum im Zusammenhänge' mit seiner großen und heiligen Vergangenheit erfassen und in religiös - sittlichem Sinne betätigen (Seite 4)." Und: „Der Lehrer, ob nun theologisch oder seminaristisch vorgebildct, muß bemüht sein, den Kindern nicht bloß jüdisches Wissen, sondern auch jüdischen Sinn, jüdischen Geist und jüdisches Leben beizubringen. Nicht durch sein Wort allein, sondern in erster Reihe durch, seine vom Geist des Judentmns durch glühte Tat soll er im Kreise seiner Schüler wirken. Darum genügt es . nicht, wenn er seinen Lehrstoff beherrscht, gründlich gelernt hat, was er lehren will. Was er lehrt, muß in ihm selbst Geist und Leben geworden sein (Seite 13)." Wer so schreibt, weiß die Bedeutung der Methodik innerhalb der ihr gebührenden Schranken zu halten. Bibel und Talmud tveisen aus den Wert eines methodischen Lehrens hin. Wenn uns heute, sobald wir den Ausdruck Methodik des Religionsunterrichts hören, eine Gänsehaut überläuft, so geschieht es, weil wir dabei unwillkürlich an die wässrige Form des sogenannten Katechismus, an die systematische Rcligionslehre denken. Doch von dieser als Unterrichtsgegenstand ist auch der Verfasser kein Freund. Für ihn besteht, .wie für jeden vernünftigen Religionslehrer, der jüdische Religionsunterricht aus den beiden Hauptfächern Geschichte und Hebräisch. Leider ist das Hebräische auch noch bei dem Verfasser ein Stiefkind. Im hebräischen Lehrplan soll „nicht' über das, was' zum Verständnis des Gottesdienstes notwendig ist, hinausgegangen werden," denn „die Kenntnis der Bibel, die ^Aneignung ihrer ethischen und religiösen Weltanschauung, die Bedeutung der altisraelitischen Propheten und Dichter können wir in jeder beliebigen Sprache vermitteln." - Der Verfasser scheint nicht zu wissen: Wer den Dichter will recht verstehen, muß in Dichters Lande gehen. Nur wenn die Sprache der Bibel in uns lebt, wird auch der Geist der Bibel in uns zum Leben erstehen können! Bezüglich der hebräischen Kursivschrift sagt Verfasser sogar, daß sie „ausschließlich Liebhaberei für eine veraltete Vcrständigungsform oder Spielerei" sei. Des Verfassers Buch! ist. für jeden Lehrer empfehlenswert; —. doch wir, wir rufen im Hinblick auf seinen Standpunkt zuM Hebräischen, derben gegenwärtig noch unter den Lehrern herrschenden Anschauungen, entspricht, aus: Wann wird für unsere Religionsschule der Reformator erstehen, der den .hebräischen Sprach- und' Schreibunterricht zu ihrer Unterlage Macht? S kl z z e n u n d S tu dien zu r-'G e s ch i ch t e d e r Inden in Polen von Dr. Majer Balab an. 128 Seiten, 3 Jk, geb. 4 Jk Berlin, ] Louis Lamm. Inhalt:! Isaak Nachmanowicz, ein polnischer Jude aus dem 16. Jähhunderrt. — Die Portugiesen in Lemberg-und Zawose. —.Die Steuerexekütion. — Dichtung und Wahrheit über den Eintagskönig von Polen, Saul Wahl. — Der Schwedenfähnrich. — Offizielles Protokoll der Fränkischadisputation in Lemberg. — Ein Auto da Fß in Lemberg im Jahre 1728. .— Die Brüder Abraham .und Michael Esophowicz Ritter von Leliwa. — Ein Prozeß der Le'mbergcr Judengemeinde mit den Jesuiten 1603 bis 1608. —.Die Sicherheit im Lemberger Ghetto. Der Verfasser , bringt reiches neues, Material zur Geschichte der Juden Polens und hat daraus lose aneinander gereihte Kulturbilder geschaffen. Das Buch ist ein sehr empfehlenswertes Geschenk für die herangewachscne Jugend! . The lYe.wlsh. Quart.erly Review, New-'Series.' Editetf by Gyrus Adler; and 8, Schechter. Volume 1 1910—1911. Philadelphia, The --Qrppöie.-CoJIege for hebrew;. andr cognate learningV. ‘ . . v