Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1911)
- Date
- 1911-06-23
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Frankfurter Israelitisches Fannlienblatk. Nr. 25. Sätzchen aus dem Leben des Kindes zu geben, die doch nur einen seichten Inhalt haben. Zudem gestattet der gegebene Stoff, der einzig und allein der Ausgangspunkt des Uebersetzungsunterrichts bilden darf, nicht, solche Sätzchen zu bilden, und ich binntc es auch nicht über mich gewinnen; willkürlich außerhalb des begrenzten Stoffgebietes vorhandene Vokabeln heranzuziehen, um die Möglichkeit zur Schaffung von neuen Sätzen zu haben. Grammatische Hebungen wurden möglichst ver- ' mieden, und nur da wurden sprachliche Formen zerlegt, wo es zur Erkennung des Stammwortcs unumgänglich nötig war. Darum bringe ich auch keine eigentliche Formenreihen, ich wollte jeglichem Mechanismus und jeglicher Systematisierung aus dem Wege gehen. Denn wir wollen leinen Sprachunterricht, sondern einen Uebersetzungsunterricht betrechen. Wir wollen lediglich das Kind befähigen, den Schdurtext mit Verständnis zu lesen. Endlich werden stellenweise in einem „Zur Wiederholung" Lberschriebenen Stücke die vorher durchgenommenen Vokabeln zusammengestellt, um dem Lehrer die Möglichkeit zu geben, sich davon zu überzeugen,inwiewcit das Durchgenommene geistiges Eigentum der Kinder geworden ist. Nachdem ich nun in ganz' kurzen Zügen eine Charakteristik meines Buches gegeben, bitte ich alle diejenigen, welche den ersten Unterricht im Uebersetzen der Gebete zu erteilen haben, oder diesem Unterricht ein besonderes Interesse cntgegenbringen, cs selbst zu prüfen, und sich , ein Urteil über seine Existenzberechtigung zu geben. Ich gestehe es ein, daß, ich zum Teil neue Wege gehe, hoffe aber, daß dieselben eine Billi gung finden werden, und ich habe das' Vertrauen zu der Oesfentlichkeit, daß sie ohne Vorurteil und ohne Voreingenommenheit urteilen wird. Cavalla, ist zum Mitglied des hiesigen Appellationsgericht ernannt worden. Persoualieu «. Kleine Mitteilungen. Frankfurt a. M. Die jüngst im, 82. Lebensjahre verstorbene Frau Rosalie Schwarzschild geb. Kulp verdient an dieser Stelle Worte des Gedenkens. In ihren Kindern, die treu auf dem Boden des überlieferten Judentums stehen und angesehene Lebensstellungen einnehmen, hat sie gezeigt, daß sie eine echt jüdische Frau war. Sie selbst trat —> nach jüdischer Weise — nicht nach außen hervor, wenn auch ihre reiche Erfahrung und ihre Weltklugheit sie dazu befähigt hätten. Ihre Beisetzung war der Beweis von der hohen Wertschätzung, deren sie sich in weitesten Kreisen erfreut hat. M. Päppenheim. Fraukfurt a. M. Privatier Wolf Spatz und Frau Therese geb. Holzer (Feldbergstraße 5) feiern am 25. ds. Mts. die goldene Hochzeit. Prag. Max Köhler, Präsident der Effektenbörse und der Böhm. Unionbank, ist in den Ritterstand erhoben worden. Czernowitz. Die dieser Tage verstorbene Hebamme Pepi Blinder hinterließ dem israel. Waisenhanse 20000 Kronen. Laden -et Wien. GmSbesitzer Jakob Adler hat sein unbewegliches Vermögen im Werte von Nneht als einer Million Kronen nicht — wie gemeldet — der Alliance Jsraelite Universelle, sondern der Israelit. Alliance in Wien vermacht und zwar, zur Förderung ihrer erziehlichen Tätigkeit und ihrer Hilfswerke für verfolgte Juden. Budapest. Im Monat April sind in Ungarn 70 jüdisch-christliche Ehen geschlossen worden, —, ein Rekord! London. Lionel Abrahams ist zum stellvertretenden Staatssekretär lim Reichsamt für Indien ernannt worden. Florenz. Ingenieur Eduards Philippson wurde zum Groß-Osfizicr des Maurizins-Ordens ernannt und zwar in Anerkennung seiner großen Verdienste auf dem Gebiete der Regulierung der italienischen Auswanderung. Rom. Die bedeutendsten Buchverleger Italiens sind Juden: Trevis in Mailand, Bemporcd in Florenz, Lottes in Turin und Belforto in Lworno. — Bürgermeister Nathan erhielt das Großkrcuz des Maritius- und Lazarusordens. Amsterdam. I. C. Drucker-Lcndon stiftete dem hiesigen Staatsmuseum 13 der'wertvollsten Gemälde Joses Israels. Rew-Aork. Infolge andauernder Krankheit hat Rabbiner Dr. H. Pereira Mendes die von ihm seit 15 Jahren innegehabte Präsidentschaft der Bereinigung orthodoxer jüdischer Gemeinden niedergelegt. Jerusalem. Hier erscheinen zwei neue jüdische Wochenblätter: „Schulamith" und „Unser Bruder." — Die jüdischen Zeitungen protestieren dagegen, daß die „Chewra Kadischa", d. h. der Vorstand derselben, fidfy, weigert, Juden b ei sich anzustellen. Aus der Lehrerwett. Stuttgart. In der Jahresversammlung d cs Vereins der w ü r t t e m b c r g i s ch c it Rabbiner referierte Rabb. Dr. Kahn- Mergentheim über den Enttvurf einer „Kirchlichen Verfassung der israelit. Religionsgemeinschaft" und beantragte, die dlbändcrungsvorschläge der Rabbiner noch einmal i» einer Eingabe an den Ausschuß der erste» Kammer mitzuteilen. Sodann gab Rabb. Straßburger- Ulm eine Ucbersicht über die h i st o r i s ch c Ent Wicklung des gegenwärtigen Be sta n d cs der Rabbinatsstellen und Bczirksgcmeinden und zeigte, daß der Wirkungskreis der Rabbiner durchschnittlich gewachsen ist. Rabb. S ch w e i z e r - Weikersheim beschäftigte sich in seinem Referate mit den israelit. Konfess io ns schulen, die nach dem Bolksschulgcsctze sämllich mit dem nächsten 1. April aufhörcn müßten, zu bestehen. Hierüber soll der Obcrschulbehörde eine Denkschrift überreicht werden. Camverg. Lehrer a d. Ferdinand H ehmanns erhielt den Adler des Königl. Hausordens von Ho henz oller n. Breslau. Am 6. Juni fand die 30. General- Versammlung der P e n s i o n s k a s s c des „Vereins j ü d. Lehrer i n S ch! l c s i e n u n d Pose n" hier statt. Die Kasse hat 46 ordentliche Mitglieder und ein Kapital von 67 000 Jk Der bisher gezahlte Einheitssatz der Pensionen beträgt 200 JL Die Beratungen beschäftigten sich besonders nrit der Tatsache, daß die Regierung die Kasse nicht mehr als Rechtskasse .gelten lassen will. Zur Lösung der hierdurch entstandenen Schwierigkeiten kam die Versammlung nicht; eine im Januar abzuhaltende Generalversammlung soll darüber beschließen. Hohensalza. Zum Rabbiner der ),Beth Hamidrasch"-Gemeinde ist Dr. Halpcrsohn, ein Schüler des Berliner Nabbincrscminars, gewählt Vortrag halten. Thema: Das neue j ü - dische Leben in Palästina. Gäste (Herren und Damen) willkomnicn. Berlin. Das Zion. Zentralbüro «Cbarlottenburg. Bleibtrcustr. 43) gibt demnächst eine neue.Agit a t i o n s b r v s ch ü r e heraus. Die von Richard Lichtheim unter dem Titel „Das Programm des Zionismus" verfaßte Broschüre wird 48 Druckseiten stark sein und 30 Pfg. (bei 100 Exemplare 20 Pfg.) kosten. Breslau.. In der S ck ekelv ersamm lung der hiesigen Ortsgruppe sprachen Zahnarzt Schachtel und Parteisekretär Bluinen feld über das Thema „Die Situation im Zionisimis." New-Uork. In „The Iewilh Gazette" beschäftigt sich Dr. Schcnkarjahu Le Win mit den Aufgaben des nächsten Zionistenkong r c s s e s. Unter Habdill Hammid habe cs geheißen, man könne nichts arbeiten, obgleich damals die Erfüllung von Kulturaufgaben in Palästina viel leichter war als jetzt, tvo sich die Regierung lim Schulwesen usw. kümmert. Seit dem »cucn Regime schaue mau immer nur nach den Jungtürken in Koiistantinopel lind vernachlässige so viele dringende Arbeitsmöglichkeiten. Man inüsse sich mehr um die jüdische. Bevölkerung Palästinas, besonders aber um deren Jugend, kümmern und die Beziehungen zit der arabischen Bevölkerung zu festigen suchen. Auch der jüdischen Bevölkerung in denanderen Orientländern sei die iiitciisivste Aufinerksamkeit zu ividnien. Aber das gehe nur durch Kulturarbeit im weite st e u Sinuc des Wortes. worden. Wien. in Szeged ist zum Wiener Oberrabbiner Dr. Immanuel Löw (Ungarn), ein Orientalist von Weltruf, Rabbiner für den zweiten Bezirk berufen worden. - London. Unter Anwesenheit von etwa 103 Teilnehmern wurde hier eine dreitätige Konferenz der englischen Reverends (Rabbiner und Vertreter) abgehalten. In seiner Eröffnungsansprache bedauerte Oberrabbiner Dr. Adler den Streit zwischen den fremden (welche, nebenbei bemerkt, dieser Konferenz nicht angehiören) und den englischen Rabbinern und sprach sich gegen die Schaffung eines aus den größten^ Talmüdgelehrtcn der Welt zusammengesetzten Sinhedrins für die Entscheidung wichtiger religiöser Fragen aus, wie es von dem „Jcwisch Chronicle" angeregt worden. Unter Tränen teilte er der Versammlung zum Schluß seiner Worte intt, daß er sich nicht mehr kräftig genug fühle, sein Amt allein zu versehen und sich daher die Konferenz auch mit der Oberrabbinatsfrage beschäftigen möge. Tie Konferenz nahm' u. a. folgende, Resolutionen an: gegen die Blutb'eschul dignng in Rußland (Antrag Oberrabbincr Dr. Adler), zur Unterstützung der internationalenFriedensbewcgung (nach dem Referate M. Josephs), gegen die Tätigkeit der christlichen Mission unter den Juden (nach dem Referate Dr. Salis D a i ch e s), gegen das Sonntagsruhegesetz (nach dem Referate Josephs über die SabbaÜwobachtung). Der Vortrag S e g a l s über die A u f l c b u n g der hebräischen Sprache und die Zu kunft des Judentums rief eine sehr interessante Debatte hervor. Interessant war auch die Debatte über das zukünftige Qberrabbinat. Eine erhebliche Minorität mit Dr SaMuel Da ich es an der Spitze ist gegen ein Oberrabbinat, da dadurch! der Rabbiner zum Beamten degradiert und in der Stellung zu seiner Gemeinde geschädigt werde, worunter das Judentum leide; überdies habe das englische Rabbinerseminar ein Rabbinergeschlecht ohne jüdisches Wisse» herangezogen, und so, fehle der Nachsolger für Dr. Adler. Die Konferenz wählte ein Komitee, das sich mit den Gemcindevorständen in der An. gelcgenheit beraten soll. Es machten sich auf der Konferenz bei Rabbinern Stimmen vcrlautbar, sich von Borbctern zu trennen, d. h. eine besondere ganisation zu gründen. den den Or< Alls der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Dr. Mossinsohn vom hebräischen Gymnasiuin in Jaffa, als vorzüglicher und interessanter Redner bekannt, wird; im Aus- _ . trage der hiesigen Zion. Bereitiigung nächsten Jerusalem. Abraham ekfendi ,Benrubi,lDonnerstag abend 8SA Uhrinr lleinen ehemaliger Präsident des Handelsgerichts zu>Saale des Kaufmännischen Vereins einen Aus de« Vereinen. Stuttgart. Das Jüd. Schwesternheiin, ür das acht Schwestern tätig sind, vcreiniiahnitc in seinem letzten Berichtsjahre 9030 Jk an Beiträgen und 4532 Jk an Pflcgegcldern und verausgabte 17 020 Jk Sein Bausands beträgt 14 040 Jk Lereins-Kaicnder Samstag. „Montcfiore" - Berein, 6 Uhr, Seilcrstr. 22: Gesellige Zusammenkunft. Mittwoch. „M o n t e f i o r e" - B e r e i n, 9 Uhr, Seilcrstr. 22: Rabbi Jochänan bcn Sakkai (Max Mainz). Donnerstag. Zion. V e r e i n i g n n g, 8-/4 Uhr, Kaufm. Vereiilshäus: Vortrag von Dr. Mossinsohii- Juffa. Bunte Chronik. Ein jüdischer Husarcnofstzier. Der vor einigen Wochen in C z e r n o w i tz verstorbene Major a. D. Wolf Bardach Edler von Chlumberg hatte eine interessante Laufbahn, denn brachte es vom Gemeinen zum Offizier und zwar infolge seiner außergewöhnlichen Heldentaten. Als Sohn eines Schankwirts 1838 in einem Dorfe bei Strij geboren, floh er, als sein Vater ihn eines Samstags mit einer brennenden Zigarette antras und ihn dafür strafte. Er liest sich als Soldat anwerben. In der Schlacht bei Königsgrätz übernahin er als Feuerwerker das Kominando für einen gefallenen Oberleutnant und operierte dabei so geschickt, daß er den anstürmeildcn Feind lange aushielt und damit den eigenen Truppen Zeit zum Rückzug verschaffte. Erst nachdem dies geschehen war, ließ er seine Batterie zurückziehen. Er selbst wollte das Sattelwerk seines gefallenen Pferdes noch! mitnehmcii und verlor bei dieser Gelegenheit die Fühlung zu seiner Ballerte. Was er aber sah, war ein nnbespannter Wagen mit einer Kriegskass«, vor der cm Soldat Wacht hielt. Ihm und dem Soldaten gelang cs, die Kasse bei dunller Nacht glücklich nach Königsgrätz zu bringen. Auf Aufforderung des Erzherzogs Josef unterzog er sich dann mit SO Freiwilligen der schwierigen Ausgabe, den in der Nähe der Prager, Vorstadt zurückgebliebenen Train zu retten. Zur Biographie Gustav Mahlers. Zur Biographie Mahlers wirb der „Jüd. Ztg." folgendes mitgetcilt: Mahler, der Sohn eines jüdischen Likörfabrikantcn in Jglau, kam als Gymnasiast im Jahre 1875 in das Haus des Domänenverwalters Gustav Schwarz in Morawan. Dieser, ein Jude und großer Musikfreund, erkannte des jungen Mahlers Talent imd bemühte sich, seinen Vater zu bestimmen, ihn im_ Wiener Konservatorium ausbilden zu lassen. Schwarz selbst reiste mit dein jungen Mahler nach Wien, führte ihn dein' Prof. Epstein zu und erwirkte ihm durchdenselben' die, Aufnahme ins Konservatorium. Heute ist Schwarz ein Greis von 80 Jahren und beschließt seine Tage int Israelitischen Versorgungshalls in der Secgasse. Mit Stolz erfüllt es ihn, daß er Gustav Mahlers Talent entdeckt und die ersten Schritte getan hat, welche seinen heutigen Ruhm begründeten. Schwarz besitzt Briese von Wähler und seinen Eltern aus dem Jahre 1875, welche obige Angaben bestätigen.