Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1911)
- Date
- 1911-06-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Mene M 31t. 25 des fmnftfttttec IfmeRtpen famitienötattes, Abmuemntsiir-MMn auf das „Frankfurter Israelit. Familienblatt" nehmen sämtliche Postanstalten des Jn- und Auslandes zu MK. 1,02 tinkl. Tieseruug frei ins Haus) für das dritte Vierteljahr 1911 entgegen. — Streifbandzuscndung für Deutschland und Oesterreich- Ungarn Mark 159, für die übrigen Länder Mk. 2.— vierteljährlich. Raturforschung und Bibel. Ein Anthropologe, ein Biologe und ein Astronom haben sich vereinigt, um als Naturforscher zu zeigen, dast auch die Ergebnisse der Forschung, wenn man sie nur vorurteilsfrei betrachtet, durchaus nicht imstande sind, die Wahrheiten der Bibel zu erschüttern. Die großen Gedanken naturwissenschaftlichen Charakters, als da sind: Schöpfung, Sintflut, Herkunft des Lebens und seine Verbreitung im Weltall, die Abstammung des Menschen und anderes, behandeln die drei — ein jeder in seinein Fache — auf Grund der Forschungen und Entdeckungen der modernen Naturwissenschaft in einem Buche von 366' Seiten*) in besonderen Darstellungen, und wir wollen hier nun int einzelnen die Ergebnisse, p denen sie gekommen, an uns vorbeiziehen lassen. Die Existenz des heutigen Kosmos ist ein unzweideutiger Beweis der 2chöpfungskraft nnd Allmacht• der höchsten kosmischen I n t e l l i g e n z. Die in dein mosaischen Schöpfungsbericht uiedergelcgten Anschauungen kosmologischen Inhaltes enthalten nichts, was mit irgend einer positiven naturwissenschaftlichen Tatsache int Widerspruch stünde, vielmehr geben sie gewisse Grnndzüge einer Kosmologie, die auch in unseren modernen Hypothesen wiedcrkehren. Die Erde ist n nt der M e n s ch e n w i l - len geschaffen und für ihre Bedürfnisse zubcreitet. Tenn von allen Weltkörpern ist nur unsere Erde in der Verfassung, daß hier organisches Leben gedeihen kann, und cs besteht eine wunderbar fein abgeftimmte Harmonie zwischen der Erde als Wohuplatz und ihren Bewohnern. Auch die Physik der Erde, die Klimatologie, ist dazu gelangt, die Existenz einer großen Flut als einen meteorologisch » o t w e n d i g c n Vorgang i n der Erdgeschichte anzunehmen. Tie Ueberliefcrung der Genesis zeigt uns in deutlichster Weise durch die genaue Uebereinstimmung vieler Einzelheiten, daß dieser Vorgang auch der Geschichte der Menschheit angehört, die die Erinnerung daran in zahlreichen Sagen und Erzählungen bewahrt hat, die aber an Wert nicht mit der Ueberliefcrung der Genesis zu vergleichen firtfc. ZwischcnOrganischemundUnorgaii ische m besteht in morphologischer und funktioneller Hinsicht eine Grenze. Ter „Monismus des Kosmos" ist also hinfällig; vielmehr bewahrheitet sich die biblische Ueberlieferung, daß das organische Leben eine höhere Stufe im Aufbau der Schöpfung bedeutet, und daß mit der Erweckung des Lebens ettvas Neues in die Erscheinung trat. Tie Frage nach dem Ursprung des Lebens kann nur durch den Glauben an den Willensausfluß einer geistig wirkenden Kraft, eines Schöpfers, gelöst werden. Dieser Glaube entspricht dem Kausalitätsbedürfnis der Vernunft. Unvorstellbar ist dagegen die Anschaltung, daß ein so harntonisch ineinandergreifendes Gefüge wie das Weltall nichts *) Natur und Bibel in der Harntonie Offenbarungen. Ein Handbuch moderner Forschung in Verbindung mit Professor Dr. Otto Hamann und Dr. Karl Hauser herausgegeben von Dr. Jo hannes R iem. Mt 17 Bilder-, tafeln, Hamburg, Agentur des Rauhen Hauses. weiter als das Produkt aufeinander wirkender Stoffe und Kräfte sein soll; diese sehen wir, wo sie regellos, sich selbst überlassen, ekngrcifen, immer nur zerstören, nicntals aufbaucn. Zweckmäßigkeit des organischen Natnrgeschchens. Tie Natur ist so überreich an Zweckeinrichtnngen, daß wir die uns in ihren Zwecken noch verborgenen Vorgänge getrost so lange ans sich beruhen lassen können, bis wir in ihre, Erkenntnis tief genug eingedrungen sind. Tie Entwicklungslehre steht nicht mit dem Schöpfungsbericht der Bibel i m Widerspruch. Auch die Bibel gibt innerhalb der Schöpfung eine Reihenfolge an, welche derjenigen der Entwicklungslehre im allgemeinen entspricht. lieber die treibenden Kräfte vermag die Entwicklungslehre nichts Reales uns zu sagen, sondern bleibt, da alle mechanistischen Erklärungsversuche versagen, an der Grenze des Metaphysischen stehen. Diese Lücke kann nur der Planmäßig wirkende Gott ersetzen. Tic Versuche, Mensch und Affe in allernächste V e r w a n d t s ch a f t z n r ü ckc n, sind f c h l g e sch l a g c u. Man sinoct im ganzen Tierreich nicht wieder so viele und zugleich so wichtige Unterscheidungsmerkmale wie zwischen dem Menschen und dem Affen. Tie Vorfahrenkette des Menschen ist freigehalten von allem Tierischen. — — — Wie aus diesen Ergebnissen hervorgeht, hat das Werk, das von Christen für Christen geschrieben ist, auch für uns Inden weitgehendes Interesse, dars also auch für unsere Kreise zur ernsten Lektüre und zum Nachdenken cmpohlen iverdcn. „Sephath Kaudesch". Uebnngsbnch für den ersten Unterricht im llebcrsetzen hebräischer Gebete.*) Eine Selbstankündigung vom Verfasser I. Herzberg, Bromberg. Es ist nichts Ungcwöhiilichcs mehr, dast neu erschienene Schriften von deren Verfassern selbst angekündigt werden. - Der Verfasser ist so in der Lage, der Oeffcntlichkeit kund LN tun, was ihn zur Abfassung seines Buches veranlastt hat. Er kann ferner seine Anschauungen, falls sic von den bisher üblichen abweichen, begründen und somit vielfachen Mißverständnissen von vornherein Vorbeugen. Es kann nicht in Abrede gestellt werden, daß die Beurteilung einer Schrift von anderer Seite, von so schätzbaren und sachkundigen Fachmännern sie .auch herrühren mag, ini Grunde doch stets das Gepräge des Subjektiven an sich trägt, dem Urteil der Oeffentlichkeit vorgreift und somit die weitesten Kreise oft in ungerechter und nicht selten unberechtigter Weise in ihrem Urteil beeinflußt. Tenn gar zu oft gehen die Ansichten über den Wert oder Un'Ivert eines Buches selbst unter den erfahrensten und bewährtesten Fachmännern weit auseinander. Dies ist ganz besonders bei einem Schulbnche der Fall, bezüglich dessen in den meisten Fällen die Wünsche und Ansichten verschieden sind. Es soll jedoch keinesivegs behaitptet werden, dast die Kritik eines Dritten' unter allen Umständen etwa parteiisch sei. Aber sie gibt, das kann nicht bestritten werden, das Urteil eines Einzelnen wieder, das' sich der selbständig denkende Fachmann, der sich auf dem dornenvollen Wege einer eigenen, vieljahrigen Praxis schon zu eigenen, für ihn feststehenden Grimdsätzen durchgeritngeu hat, wohl unter keinen Umständen aufdrängen lassen wird, vielmehr wird er auf Grund eigener Prüfung eine.Eittscheidung über den Wert oder Unwert eines Buches, das für den Unterricht bestimmt ist, treffen. Aus diesen Erwägungen heraus habe ich mich dann entschlossen, mein neues hebräisches Uebungsbuch in diesem Blatte selbst anzukündigen und seine Veröffentlichung zu begründen. Mein Buch soll, wie schon angedeutet wurde, als Hilfsmittel für den ersten Unterricht im Ucbersetzen hebräischer Gebete dienen. Mittels 32 Uebungsstücke, die das Buch darbietet, sollen die Kinder, die eben die hebräische Fibel beendet haben, und: denen nun das Gebetbuch in die Hand gegeben werden soll, in die Sprache dieses Buches eingeführt tverden; es soll das Gebetbuch ergänzen *) Verlag von I. Käuffmänn, Frankfurt a. M. und begleiten und aus seine Benutzung jeweilig vorberciten und .so die große Kluft, die offenbar zwischen Fibel und Stddur gähnt, überbrücken. Da der eigentliche Unterrichtsstoff gegeben ist. konnte es sich bei der Answahl dessen, was den etwa 7—9 jährigen Kindern zu bieten ist, lediglich darnin handeln, in erster Reihe einzelne Sätzchen, die einen in sich abgeschlossenen Gedanken enthalten, dem ersten Unterricht zu Grunde zu legen. ' Je weiten der Unterricht vorwärts schreitet, desto größer - wird die Uebung, und ich war bemüht, mit bisher schon Gelerntem Neues zu verbinden, damit die Kinder alte Bekannte antreffen. lieber das Abstrakte, das die Uebnngen darbieten, muß hinweggesehe» werden, und der Lehrer muß alle seine Kunst anfbieten, die vorkommenden abstrakten Begriffe, soweit dies eben möglich und angebracht ist, dem Verständnis "der Kleinen näher zu rücken. Jede Uebung zerfällt in drei Teile. Durch eine Ueberschrift, die ganz kurz den Hauptinhalt andeutet, soll die auch für den Gebetnbersetzungs- Unterricht unbedingt erforderliche religiöse S t i m m u n g geweckt werden. Denn jede G e - betüb.ersetzungsstunde soll eine weihevolle Re l lg i o ns stund e sein. Das Gebetübersctzen steht im Dienste des Religionsunterrichtes, dessen Hattptgrundpfeiler es darsteilt. Das Kind soll den Gott, den es 'erkannt und lieben gelernt hat, mit Andacht anbeten lernen. Zur Weckung einer weihevollen Stimmung bieten sich uns zahlreiche Anknüpfungspunkte sowohl im Leben, als auch in der bibl. Geschichte dar. Die Ucb e r sch rif te n sind derart gefaßt, dast sie in Beziehungen zu einander stehen, sodaß größtenteils der Inhalt eines folgenden Uebnngsstückcs sich ans demjenigen des ihm vorangehenden herleitcn, bizw erweitern läßt. Ich unterlieg es jedoch, näher anzugeben, welchem Teile der Gebetordnung das Uebungsftück entnommen ist. Es fehlen also die Bezeichnungen: „Abendgebet", „Rach:- gebet", „Aus dem Hauptgebct", „Gebete beim Aus- und Einheben der Thora" usw. Diese z. T. abstrakten Bezeichnungen haben m. E. für die Kleinen gar keinen Wert. Das Ucbungsstück soll dem Lernenden vorläufig als ein in sich abgeschlossenes Ganzes gelten. Dem Kinde soll und must es einstweilen gleich sein, welche Stelle das gelernte Gebetstück in der Gebetordnung einnimmt, und wann es beim Gottesdienste gesprochen wird. Wenn aber z. B. über dem ersten. Teile des Achtzehngebetes statt „plus dem Hauptgebete" die Ueberschrift steht: ,PWir beten zu Gott als den Gott unserer Väter Wraham, Isaak und Jakob," so werden beim Kinde sofort mannigfache Gedanken, die sich auf die ihm schon bekannten Erzväter beziehen, ausgelöst, und dem Lehrer sind die verschiedensten Anknüpfungspunkte geboten. Erst durch das, mit Hülfe der Ueberschrift angebahnte Verständnis des Gebetinhaltes soll das Kind auf den Zweck des Gebetes hingewiesen werden, und nach Beendigung des Uebnngsstückes kann der Lehrer die Gebetordnung, also den Siddur, zur Hand nehmen, um zu zeigen, wo das Gebet dort seinen Platz hat, und nun wird das Kind hier das Gebet mit um so größerem Interesse übersetzen. Dem durchzunehnienden Gebetstücke folgt unter b) die deutsche Ucbertragung der vorkommenden Wörter unter Vorführung ihrer Bestandteile. Das Kind sieht das Wort entstehen, sodaß ihm seine Zusammensetzung, bezw. sein 'Aufbau zum Bewußtsein kommt. Ich habe diese Einrichtung getroffen, um ein besonderes Vokabularium, 'das an die Selbsttätigkeit der Kleinen auf der unteren Stufe denn doch allzugroße Anforderungen stellt, als überflüssig erscheinen zu lassen. Von solchen Kindern, die kaum einen Einblick in ihre eigene deutsche Muttersprache getan haben, können wir unmöglich ein selbständiges Analysieren, bezw. Synthetisieren verlangen. Dem Kinde darf und kann auf dieser Stufe noch nicht zugemutet werden, die geistige Speise aus' den Bestandteilen sich selbst zusammen zu setzen und.mundgerecht zu machen. Hierzu bedarf es noch einer langen Zeit der Anleitung. Kehrt eine Vokabel in einem der folgenden Uebungsstücke wieder, so ist daneben eine Zahl gesetzt, die auf dasjenige llebungsstück hinweist, in welchem die Vokabel zum ersten Male erscheint und übertragen wird. Dadurch ist 'der Lehrer auch nicht an die Reihefolge, die das Ilebungsbuch innehält, gebunden. Zudem ist es ihm ermöglicht, das eine oder andere Stück nach eigener Wahl auszulassen. Unter c) folgen Uebungssätze, die zumeist dem Gebetbuch entnommen sind, oder an Hessen Inhalt sich anlehnen. Das Ilebungsbuch soll als eine Brücke dienen, die das Kind auf das Siddurgebiet hinüberführt; daher ist es angebracht, daß es auf seinem Wege auf dieser Brücke schon solche Stosfteile kennen lernt, hie es auf dem Siddurgebiete zu erwarten hat, damit sie ihm als Bekannte und Vertraute dort erscheinen, die es mit Freude und Interesse begrüßt. Daher konnte ich mich nicht entschließen, kleine