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Neue jüdische Presse · 1911-06-16 · Heft 24 (16.6.1911) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 24 (16.6.1911)
Date
1911-06-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Leite 5. Ät. 24. zu meiner Mutter zu kommen, sie Hat furchtbare Stiche in der Seite und kann kaum atmen." (St sagte freundlich : „Beruhigen Sie sich nur Fräulein Paula, ich! gehe. sofort mit Ihnen. Unterwegs erzählen Sie mir dann alles Weitere." Er benachrichtigte seine Frau, dann zog er rasch den Ueberzieher an und nahm seinen Hut. Kommen Sie. Wie lange spürt Ihre Mutter die Schmerzen?" „Als uh heute nrittag ins Geschäft ging, klagte sie über Frösteln, abwechselnd mit Hitze. Wie ich heim kam, war sie schon so krank. Meine Schwester half ihr beim. Entkleiden, und ich eilte zu Ihnen." . - Mittlerweilen waren sie an der Wohnung der Familie Friedmann angelangt, ein bescheidener zweiter Stock in einer ruhigen Straße, in der hauptsächlich kleinere Leute wohnten. Paula klingelte, ihre jüngere Schwester Gretchen öffnete. „Gott sei Dank, daß Sie gekommen sind, Herr Doktor." Das Mädchen ergriff die Lampe und leuchtete dem Arzt durch den dunkeln - Gang. Vor der Schlafzimmertür legte er Ueberzieher und Hut ab und trat ein. Das Zimmer, in denk eine peinliche Sauberkeit herrschte, war durch ein Kerzenstümpchen matt erhellt. „Guten Abend. Frau Fricdmann. Na, was haben wir denn?" Er ging ans Bell, in denk eine ältere Frau mit sanften, jetzt durch Schmerz verzogenen Zügen lag. „Ach Herr Doktor, die Schmerzen in der Seite." Er tröstete. „Nun, das wird schon tverdcn. Etwas mehr Licht bitte." Gretchen hollte eine Lampe, und loährcnd der Arzt die Kranke untersuchte, standen die Mädchen angsterfüllt am Bett. Er richtete sich auf. „Frau Fricdmann, Sic haben sich stark erkältet und müssen einige Tage das Bett hüten. Seien Sie brav und folgsam, dann sind Sie auch wieder rasch hergestellt." Die Kranke lächelte mühsam und .flüsterte: „Herr Doktor ich habe keine Zeit, int Bett zu bleiben. Darf ich morgen nicht aufstehen, wenn ich besser bin?" Der Arzt tat zornig. ,Menn Sie aufstehen wollen, komme ich nicht mehr wieder. Ihre Tochter Grete ist ein großes Midchcn, das kochen kann. Nun gute Nacht. Ich verschreibe Ihnen eine Medizin, die Sie wiederherstellt." Die Mädchen führten den Arzt in das Wohnzimmer. „Nun Herr Doktor?" „Ihre Mutter hat eine Lungenentzündung, aber erschrecken Sie nicht, sie ist nicht ausgedehnt. Mer wie ist es mit der Pflege, ist Ihr Vater nicht hier?" „Nein, Vater ist verreist." „Nun, dann hat Grete nicht viel Arbeit und kann sich der Mutter widmen. Sollte jedoch die Krankheit länger dauern, dann müssen Sie Hülfe haben," Frankfurter Israelitisches Familienblatk. Paula sagte: „Herr Doktor, wenn ich zu Hause bliebe, mich aus dem Geschäfte beurlaubte." „Das hat keinen Zweck, liebes Kind. Sie sind keine Krankenpflegerin, das will verstanden sein. Zum Aengstigen liegt kein Grund vor, ich wiederhole Ihnen das; jedoch darf in der Pflege nichts versäumt werden. Nun gute Nacht, ich komme morgen wieder." Er entfernte sich freundlich grüßend. Seiner Frau aber sagte er: „Frau Friedmann ist sehr krankich bitte Dich schon jetzt, den Mädchen behilflich zu sein. Die Gretchen ist ja noch ein Kind .von sechszehn Jahren, und Paula darf nicht aus dein Geschäft bleiben, die Leute sind auf das Gehalt des Mädchen angewiesen. Der Sohn Edgar ist ein überspannter Mensch, der Kaufmann war und dann sein Glück als Schauspieler versuchte. Jetzt beglückt er die Welt als Schriftsteller mit seiner sozialen Weisheit, ohne daß er einen Pfennig verdient." „Kann der Vater denn nicht die Familie erhalten?" „Leider nicht. Die Frauen rackern sich ab, um anständig dazustehen und keine Unterstützung zu bedürfen. Der Mte ist ein braver, frommer Mann, der alles, nur kein Geschäftsmann ist, man erzählt manche Anekdoten von ihm. Und die Weiber vergöttern ihn. Du kannst Dir ein Beispiel daran nehmen." „Als ob ich Dich nicht schon genug verwöhnte! Mer toartc, Tyrann. Uebrigens werde ich morgen zu Friedmann gehen. Ich habe' ja mit Paula zusaininen photographieren gelernt. Aber flüchtig wie ich bin, habe ich rasch aufgehört, während Paula auch fernerhin mit großem Eifer sich dieser Beschäftigung hingegeben hat." — Als der Doktor Frau Friedmann verlassen hatte, fiel sic in unruhigen Schlunnuer, und die Mädchen begaben sich in's Nebenzimmer. Gretchen ergriff die Hand ihrer Schwester. „Paula, wir werden cs wohl Vaterschreiben müssen." „Gewiß, wir wollen ihn aber nicht beunruhigen und ihn nicht veranlassen, zurückzukommeu. Er glaubt so sicher, ein gewinnbringendes Geschäft machen zu können, daß wir ihm keine Sorgen machen dürfen." ,^Venn die Krankheit jedoch zunehmen wird? Aus den tröstenden Worten des Arztes klang doch heraus, daß .der Falt ein schwerer ist." ,Menn wir cs nötig .finden, locrden wir Vater benachrichtigen; aber wir wollen ihm nicht Kummer machen, wenn wir cs vermeiden können. Aber so kann es nicht weiter gehen, Liebling. Vater verdient bei weitem nicht, was was wir gebrauchen, Edgar verdient überhaupt nichts, und mein Gehalt reicht leider nicht zum Unterhalt für uns alle. Du bist in der Haushaltung unentbehrlich, was sing Mutter ohne Dich an. Es liegt also mir ob, eine lohnendere Beschäftigung zu suchen." In Gretchens Augen perlten Tränen. „Paula, Lieb, was kannst Du tun. Du bist doch so fleißig.. Wenn Du müde und abgespannt aus dem Geschäft kommst, so studierst Du, und Sonntags malst Du den ganzen Tag, anstatt Dich anszuruhen oder spazieren zu gehen. Und bei Deiner unermüdlichen Tätigkeit hast Du die beständig nagende Sorgen, könnte ich es Dir doch erleichtern." „Kind, Du leistet genug — Mutter kann ja nichts mehr schaffen, nun führst Du das ganze Hauswesen, und das nrustergültig. Aber ich habe Kummer, weil Du über Dein häusliches Walten Deine geistige Ausbildung vernachlässigst. Du müßtest noch vieles lernen, denn mit dem Absolvieren der Töchterschule ist Deine Ausbildung noch nicht abgeschlossen." Gretchen erhob sich. „SBentt Mutter wieder hergestellt ist, wollen wir weiter darüber reden." „Gut. Ich will Dein Köpfchen heute nicht mit einer Idee belasten, niit der ich mich schon lange trage, und Hie ich zur Ausführung bringen werde." „Ja, was ist es denn?" In dem Augenblick wurde Geräusch im Nebenzimmer laut, und die Mädchen begaben sich zu zu ihrer Mutter. — _(Fortsetzung folgt.)_ „Fit-sure" Pincenez doublö, 14 k Goldauflage, Mk. 7.50, Nickel Mk. 5 50. Operngl., Feldst.. nur beste Fabrikate in großer Auswahl. Lomnons, Brillen, Pincenez; Spezialwerkstätte für Optik, Mechanik, Elektrotechnik. Physikalische Lehrmittel. „I. W. Albert, Inh. Paul Wanüerey, HauS Neptun, Ecke Neue Mainzerftr. u. Weißfrauenftr. 11. Tel. 7254, Amt I." LedlakLimmer-LillriedlunZen! Letteukadrikalion, Bett-W äsche. Georg Amendt, Nachf. . Bleidenstrasse 10. ueutacnes Beobachtungen pr. St. 1 Mk. ifirmit- 9aI AAlivr, telangen, Recherchen n. Auskünfte 1/lvuU» v. 5 Mk. an. Gewissenhafte Ans- Inatitnt führung n. strengste Diskretion als Frankfurt a. M. mehrjähriger Polizeitu Kriminal- _T;eu 11381. — beamte gesichert._ ftaiser Friedrich Quelle ■■ Offenbach a. X. —— Gegen Gicht und Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Frledrloh Stahl, Frankfurt a. M., Stallbnrgstr. 9» TeL 259 n. 714. Wocherr-Kaleuder. (ßeitattgaden nach bem Laach.) Samstag, den 17. Juni (= 21. Siwanh Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 50 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr 40 Min., in Berlin 9 Uhr 35 Mn. Wochenäbschnitt: Behaalaus'cho. — Die Weihe der Leviten, die, nachdem diese ihr Haar Neuzeitliche Portrait-Photographie. Heil! Eine Umwälzung Heu! in der modernen Portrait-Photographie ist das „Spiegel-Atelier“ Patentiert in allen Staaten. 3MB" Erstes und einziges Spiegel-Atelier am Platze. Atelier A. v. Glaser, i.: Ziegler, Küstiaae IS. 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