Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1911)
- Date
- 1911-06-09
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Frankfurter Israelitisches FarMienblat?. Nr. 23 Klausenburg (Ungarn). Adolf Hirsch der Präsident der ortlstd. Gemeinde, erhielt den Titel Königl. Rat. PlMs. Der bekannte Rechtsgelehrte Dr. Elie Fitonssi in Tunis, Mitglied der tunesischen konsultativen Konferenz und des obersten Ragierüngsrates, ist zum' Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. Antwerpen. Unsere Stadt zählt jetzt infolge starker Eiwvanderüng 12,000 gallische, 4000 ungarische und 8000 russische Juden, denen es meist kümmerlich geht. Rom. Unter den wenigen Werken der Bildhauerkunst im russischen Pavillon der römischen Weltausstellung nimmt die Büste des' französischen Chemikers Berthelot, ein Meisterwerk des aus Rußland stammenden, in Paris lebenden jüdischen Bildhauers Leopold BernstaMm, den hervorragendsten Platz ein. Bernstamm, der einem Besucher des russischen Pavillons mit Stolz zurief: „Sä) bin Silbe, Jude aus der Tiefe Meines Herzens!" wurde sowohl dem italienischen Königspaare als auch! denr russischen Großflirsten, anläßlich ihres Besuches der Ausstellung, als der „bedeutendste russische Künstler" der Gegenwart präsentiert: Bernstamm hat die Büsten mehrerer Monarchen und selbst die Büste des Papstes Leo XIH. und des Kardinals . Ranrpolla geschaffen. Auch' Li-Hung- Chang, der Bismarck des fernen Ostens, wollte seine Büste von Bernstainm haben. Rom. Bürgermeister Nathan erhielt den Großkordon des Mauritiusordens. Rew-Aork. Im 76. Lebensjahr verschied der Großindustrielle und PHilantrop N. Henry Rothschild, Mitbegründer des „Mount Sinai"- Hospitals. Ansder zionMschen vewegnng. Frankfurt a. M. Die zion. Ortsgruppe hat ihren Begründer und langjähriges verdienstvolles Vorstandsmitglied I. L. Goitein, der wegen Arbeitsüberbürd'ung aus dent Vorstande ausgeschiM» ist, zum Ehrenmitgliede gewählt. Darmstadt. In der hiesigen Ortsgruppe sprach Student Silberdig über den U0. Kongreß. Budapest. Am 4. Juni hielten die Misrachi- Zionisten in Taubers. Restauration ihre konstrtuir.en'de Landeskonferenz ab, in welcher das Misrachi - Landes - Orgänisationsstatut beschlossen und die Leitung gewählt wurde: Ink Tätigkeitsbericht erklärte . der bisherige Leiter der Organisation als die Ursache des im Vorjahre erfolgten Austrittes der Misrachisten aus der Ungar, zionist. Organisation die nicht entsprechende. Vertretung der Ungar. Misrachi-Zionisten innerhalb der Leitung. Als Zweck der zion. „Misrachi"-Weltföderation bezeichnete der Vorsitzende die Aufgabe, an der Durchführung des zion. Baseler Programms mitzuwirken, jäoch darüber zu wachen, daß bei dieser Durchführung das jüdischtraditionelle Religionsgesetz innerhalb der zionistischen Organisation respektiert und nicht verletzt werde. In das Landeskomitee wurden L. Lebowitsch', P. WeißbrauN, B: Schlange!, Professor Bo ko r und PH. Mayer gewählt. - Von wesentlichen Beschlüssen erwähnen wir: die Fortsetzung der bereits begonnenen Sammlung eines Kolonialfonds zur Ansiedelung gesetzestreuer Kolonisten in Erez Jisroel, die wirksame Unterstützung der Tachkemoni-Schule in Jaffa und.die Einleitung einer Aktion, um die Häuser in der unmittelbaren Nähe der o s e l - nt aarow i" anzukaufe», den Vorplatz vor derselben zu reinigen und zu erweitern, mn" dem heil. Platze die ihw entsprechende Reinlichkeit zu geben und die Besucher vor Belästigungen zu schützen. Rhltra (Ungarn). Hier verschied plötzlich eines der treuesten uird angesehensten Mitglieder des Misrachi, Herr Joses Reichfeld. Ans -er Lehrerwett. Frankfurt a. M.^ Wir pflegen in das Theater zu gehen und Bücher zu lesen, um die Tragik, die das Leben bietet, kennen zu lernen und vergessen dabei meist, daß das alles nur Surrogate sind, daß man die wahre, furchtbare, erschütternde Tragik, nur im Leben selbst finden kann. Die Tragödien des Lebens, die Tragödien des Alltags — kein Kunstwerk reicht an Größe und Furchtbarkeit an sie heran. Es ist eine dieser uiederdrückeirden, das Innerste ergreifenden Lebensträgödien, die vor wenigen Tagen in dem nahegelegeneu Bad Soden ihren erschütternden Abschluß gefukwen hat. In der dortigen Heilanstalt hauchte Aron MarschalkowiH seine Me Seele aus. Wenn ein Mann in der Bluts seines Lebens — der Verstorbene zählte 32 Fahre — seiner Gattin, seiner Familie, seinem Volke entrissen wird, dann ist dies allein schon eine Tragödie. Wenn aber ein Mann fern von den Seinigen, fern von seinem Lande — der Dahingegangene war aus Wilna Heilung suchend nach Soden gekommen — auf fremdem Boden scheiden muß und in fremder Erde ruhen muß, dann ist dies eine doppelte Tragödie. Wenn aber ein Mann, der reich an jüdischem Wissen — „boki beschas" — war, groß an Verstandesgaben, vorbildlich an Tugenden — und der Dahingeschiedene war ein solcher Alaun — dahingehen muß zu einer Zeit, da er noch viel mit seinen Gaben und Fähigkeiten leisten könnte, dann wird die Tragödie dreifach groß und dreifach furchtbar. Die Me Sorge, die man dem Verblichenen seitens der Verwaltung der Heilanstalt, sowie seitens der Chewräh Kadischah angedeihen ließ, die warmen Worte des Nachrufes, die Rabbiner Dr. Nobel an dem Sarge des Dähingegangenen gesprochen hat, unter anderem bat er den Verblichenen um Entschuldigung, daß man den ihm gebührenden Kowaud nicht erweisen konnte, dies zeugt von dem Edelmut derer, die es taten, mildert auch wohl ein wenig die große Tragik, aber die Tragödie selbst bleibt in ihrer ganzen Furchtbarkeit bestehen und ergreift die, die sie miterlebten — vornehmlich'die Gattin und Verwandten des Dähingegangenen — mit niederschmetternder Gewalt; und keines Menschen Wort vermag sie darüber hinwegzutragen; möge ein Höherer sie trösten und versöhnen. Köln. Zu sämtlichen Veranstaltungen gelegentlich der Anwesenheit des Kaisers und per Kaiserin war Rabbiner Dr. Frank geladen worden. Auch ivurde er den allerhöchsten Herrschaften vorgestellt und nrit einer Unterhaltung beehrt. Burgdorf (Hannover). Lehrer M. Löwen st ein feiert am 1. Juli sein 2ö jähriges Amtsjubiläum. Bucha« (Württbg l Lehrer a. d. Straßburger, Verfasser jüdischer Schulbücher und pädagogischer Arbeiten, feierte. seinen 75. Geburtstag. Prag. Dem Vernehmen nach ist Dr. Heinrich Brody, Direktor der „Talmud Thora"-Schüle, als Nachfolger Prof. Berliners an das Berliner Rabbinerseminar berufen worden. Eperjes (Ungarn) Rabb, Dr. M. Austerlitz ist mit dem Goldenen B.e rdienstkreuz mit der Krone ausgezeichnet worden.' Emde«. Mit Landrabbiner Dr. Jonas Löb, der Samstag nach längerem Leiden im Berliner israelit. Krankenheim, Elsasserstraße verschied, ist ein der sympathischsten Persönlichkeiten des deutschen Rabbinerstandes und einer dessen hervorragendsten talmudischen Gelehrten dahingegangen. Ein vornehmer Charakter, ein lieber, herzensguter Mensch und ein wahrhaft Werzeugungstreuer, begeisterter und begeistender .Jude, der es als seine edelste Aufgabe betrachtete, bei aller Friedensliebe stets freimütig und energisch für das Gesetz und die Pflichten des Judentums einzutrcten, so wird sein Andenken stets in allen wach bleiben, die das Glück hatten, in den Bannkreis dieses echten Rabbis zu treten. Wie seine Schwiegervater und Onkel, Oberrabbiner Dr. Löb s. A. in Altona, war er früh verwaist. Er genoß eine vorzügliche talmudische Ausbildung, lvurde Rabbiner in Rawitsch und übernahm dann die hiesige Landrabbinerstelle, die ihm sein Vorgänger Dr. Buchholz s. A., ein Mann des juste milieu, mit reichen Arbeitsmöglichkeiten Unterlässen hatte. Doch er hatte sich Samson Raphael Hirsch, der. auch einst Landrabbiner ln Ein den gewesen war, zum Vorbild genommen, und so wirkte er denn in dessen Ueberzeugungstreue, Selbstlosigkeit und Unermüdlichkcit. — Möge das verwaiste Emdencr Landrabbinat wieder einen Mann seiner Richtung und seines Charakters finden! Aus de» Vereine«. Frankfurt a. M. Wie uns aus dem Büro des >M ontefivre" - Bereins mitgeteilt wird, findet die erste. Führung durch die Frankfurter Sehenswürdigkeiten am' kommenden Sünntag unter liebenswürdiger Führung des Ingenieurs Dr. Fischer statt. Es soll der .neue Osthafen besichtigt werden. —> Zu dieser Veranstaltung sind die Mitglieder und deren Angehörigen zur Teilnahüie berechtigt. Zusammenkunft: Vormittag SVS Uhr. präzise vor der Stadtbibliothek (Obcrmainbrücke). Kunst n«d Literatur. Dia politische Geschichte der Fraukfurter Juden bis zum Jahre 1349 von Prof. Dr. I. Kracauer, Beilage zuin' Programm des Philanthropin. 46 Seiten. 1011. Die Geschichte der Frankfurter Inden beginnt um das Jahr 1150. Am 29. Mai 1241 würden sämtliche Frankfurter Juden niedergemetzelt. Nach kaum länger als einem Jahrzehnte beginnen iviedcr die Anfänge jüdischer Ansiedlung in Frankfurt, und bald hat Frankfurt wieder eine jübiftfjc Gemeinde. Doch auch die zweite Phase sollte gewaltsam unterbwchcn werden. Am' 24. Juli 1349 brannten die fanatischen Geißler das gesamte Judenquarticr nieder und töteten sämtliche Jüden. Bis zu diesem Zeitpunkte schildert die vorliegende verdienstvolle Arbeit Kracauers die politische Geschichte der Frankfurter Juden; möge sie recht viele Leser finden! Allgemeine Mitteilungen. Die Firma Hans Lemke (Mddastraße 58) übersendet uns einen - geschmackvoll ausgestattcteu Prospekt über eine neue Art Heiz uugsanlagen. Diese Anlagen eignen sich speziell für einzelne WohwEtagen, Büros, Läden, Säle, Turnhallen, Einfamilienhäuser, kleine Kirchen und Schuleir auf dem Laude. Besonders hcrvorzuheben ist in dem' Prospekt auch ein praktischer Spülapparat für Geschirr , der für jeden, selbst für den kleinsten Haushalt geeignet ist. Die K u n st h a n d l u n g T r i t t l c r (Goctheplatz 6/8), die sich mit rührigem Eifer beinüht, Kunstliebhabern und Sammlern allmonatlich Neues zu bieten, bringt diesen Monat' eine hervorragende, größere Kollektion des verstorbenen belgischen Mcisterradierers „F e l i c i e n R o P s" zur Ausstellung. Die Mannigfaches bietende Kollektion, etwas erotischen Inhalts, gibt uns ein fast vollkommenes Bild des reichen Schaffens dieses ungemein feinen und pikanten Großmeisters der Nadel. Die Blätter sind größtenteils sehr selten und werden von Sammlern eifrigst gesucht. Von großem künstlerischein Interesse ist auch eine Sammlung des Franzosen „Raffet", der in sein empfundenen Lithographien das Leben des großen Bonapartc schildert. Bewegte Schlachtenbilder der französischen Revolutions-Armee in Egypten und Afrika sind mit meisterhafter Hand gezeichnet. Spenden. Bei I. Wodowski, Offenbach gingen ein für den Jüd. Nationalfonds: Mitgliedervers. v. 4. Juni 2,40 JL Aus Büchsen: Jacob Weißmami 2 27 Ptaschnik Lerner 1.12 „ -0,50 „ Markise 0,30 „ Mitbrcit Miodowski 0,50 „ Glückes 1,—i „ Besserglück 0,40 „ Feiner 1,30 „ Beim Franks. Israel. Familienbl. gingen ein für den Iüd. Na tion alfvuds: S. Geis und Frau statt Depesche Vermählung Hanna Aköller/Willi Deutsch 0,50 Jk Fainilie S. H. Goldinann zur Verlobung Geis/Zilva 1,—> „ Ferner für den Bezalcl: Ch. Zilva und Jenny Geis anläßlich ihrer Verlobung 20,— „ VarrntzwohS. Julius, Sohn des Herrn Aron Trepp, Windeckstraße 56, in der Synagoge Friedbergeraulagc. Vereins-Kalender. Samstag. Verein „Mekor Chajim", 12 Uhr, Friedberger Anlage: Vorlesung ans Sefer Schemucl (Prof. A. Wehl); 4 Uhr: Mikro-Bortrag (Lcop. Lölveuthal.) —i „Mo ute f io re"- Vcrein, 6. Uhr, Seilerstr. 22: Vortrag über den Wochenabschnitt; Referat über den Hilfsvcrein der deutschen Juden (Felix Meyer.) Mittwoch. „Mvntefiore"-Berein, 9 Uhr, Seilerstr. 22: Verband der jüd. Jugendvereine Deutschlands (Felix. Meyer). Sigmnnd Singer, fflbei Inieplalz 23 jetzt Röderbergweg 32, empfiehlt; Stoffe für Herren* Anzüge und Paletots zu billigsten Preisen. Spezial-Atelierfür Scheitel nnd Perrücken JTrtedricli Schieler, Frankfurt a. M., Königstr; 85 Scheitel nnd Perrficken ln allen Preislagen. Ständig Neuheiten. ZSpfe-nnd Locken in grosser Auswahl. (5. Mühlfelder, Tapezierer und Dekorateur,. Frankfurt a. ■>, Rechneigrabenstrasse 7/18, Telephon 13563 empfiehlt sich fflr alle in des Fach einschlagenden Arbeiten. .Reelle, prompte Bedlennng. Prima Referenzen. . . .