Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1911)
- Date
- 1911-06-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Mime m 9lt. 28ies IcanUfatfet UmekMen fanttMtaffes. Generalversammlung des Bundes gesetzess treuer jüd. Lehrer Deutschlands. Am 5. Mai fand die Generalversammlung des Bundes gesetzestrcuer jüdischer Lehrer Deutschlands statt, zu dem sich eine stattliche Anzahl von Mitgliedern eingefunden hatte. Direktor Dr. Lange eröffnete die Tagung mit kurzen Worten der Begrüßung. I. R o s e n he i m begrüßte den Verband namens des Vorstandes der Israel. Religionsgesellschaft. Zwischen beiden Organisationen bestehe ein enges Band. Das Thema, das im Mittelpunkt der diesjährigen Tagung steht, sei vo.n der größten Bedeutung und biete zugleich ein Feld, ans dem sich Gemeinde und Lehrer in gemeinsamer Arbeit zusammenfinden können. Der Vorsitzende Direktor Tr. Lange erstattete s »dann den Rechenschaftsbericht, aus dem hervorgeht, daß der Bund sich in andauernder günstiger Fortentwicklung befindet. Er umfaßt heute 250 Lehrer, also Hz der jüd. Lehrerschaft Deutschlands und könne daher nicht mehr als quantite ncgligcable betrachtet werden. Sowohl nach' außen hin — durch Unterstützung der Mitglieder gegenüber ihren Gemeinden in Streitfällen — wie auch nach innen hin — durch Pcnsionsnnd Jnvalidenkassc, durch Fortbildungskurse und Bibliothekcngründung, sowie durch Stellennachweis' — nimmt sich der Bund tatkräftig seiner Mitglieder an. Es ist ihm' gelungen, einen Sitz im Kuratorium des Kölner Lehrerseminars zu. erhalten. E. Ettlinger erstattet den Kassenbericht. Der Verein verfügt über ein Vermögen von nahezu 25 000 Jk In der folgenden 'Diskussion, an der sich Emaimct, Ganz, Dr. Rothschild, Schloß, G u t, S t e r n, H eine m a n n n. Dir. Dr. Lange beteiligen, erfolgt eine nähere Aussprache über die Bedingungen zur Erlangung der Pensions¬ und Jnvalidcnberechtigung, über die Gründe, die zur Verschiebung der diesjährigen Generalversammlung vom Winter auf jetzt geführt haben — was von den meisten Mitgliedern bedauert wird und künftig iricht mehr Vorkommen soll —, sowie über die Wahl des Ortes für den nächsten Verbandstag. Vorstand und Mitglieder sind sich einig, daß die nächste Generalversammlung nicht in Frankftirt .stattfinden soll.. - Dr. Rothschild- Halberstadt erstattet nun sein Referat über den „Einfluß des Lehrers auf die schulen'twachscne Ingend." Für den jüd. Lehrer handelt es sich in erster Linie darum, die schulentwachsene Jugend für das gesetzestreue JüdentuM zn erhalten, vornehmlich durch das Torahstudium. Redner bespricht eine Anzahl von Mitteln, die er. für erfolgreich hält, wie vor allem zwanglose Zusammenkünfte von Lehrern und der schulentwachsenen Jugend und Heranziehung der Jugend zur Beteiligung am Gemeindeleben. In der Großstadt handelt es sich vornehmlich darum, der Jugend, die von auswärts kom'mt, ein Heim zn bieten. Dies kann geschehen, indem man entweder die jungen Leute in Familien einführt oder durch Vereinsheime. Besonders sei dies an den Freitagabenden notwendig. Man hat ja an vielen Orten mit Veranstaltung solcher Freitagabendznsammenkünfte begonnen. Die Jngcndvercine müssen unbedingt auf gut jüdischer Grundlage beruhen, sonst haben sie gar keine Existenzberechtigung. Natürlich sei die Beeinflnßung der schulentwachsenen Jugend äußerst schwierig, und man müsse da viele Enttäuschungen erleben. Aber man dürfe sich dadurch nicht abschrecken lassen, denn es handelt sich nur unsere Jugend, um unsere Zukunft! Nach der mit vielem Beifall aufgenommciicn Rede folgt das Referat ' M. A. Löb über die „Versicherung der Privatbcamten." Redner schildert die Wandlung, die in der öffentlichen Meinung vor sich gegangen sei und die von den Anschauungen der Mänchesterschulc zu unseren heutigen sozialpolitischen Verhältnissen geführt haben. Er skizziert sodann den Privatbeamtenvcrsicherungsentwnrf, mit dem zum ersten Male etwas für die Privatbeamten geschehen soll. Zn ihnen zählen auch Lehrer und Erzieher, daher die Bedeutung des Entwurfes auch für die jüd. Lehrer. Die Rente ist allerdings vorläufig gering, aber man darf nicht außer acht lassen, daß der Entwurf einen Sprung ins Dunkle bedeutet. Ferner sei dadurch eines der Gründe hinfällig geworden, mit denen gewisse Vereine die Schaffung einer Zwangsorganisation der preußischen Judcnheit befürwortet haben. Der Referent schlägt vor, daß der Bund eine Kommission wähle, die untersuchen soll, welche Mitglieder für die neue Versicherung in Betracht kommen, welche Beiträge zu zahlen sein werden nsw. An das Referat, das großen Beifall fand, schließt sich eine Diskussion an, an der sich Löwenstein, Ganz, EhsrUtann, Gut,. M arku s und Leber Ina UN beteiligen. Gnt-Cöln stellt den Antrag auf Einwirkung auf die Vorsteher wegen Einkaufs in Kömmnnalkafsen und Enquete über Gehaltsangelegenheiten der Lehrer. . Dr. Rothschild- Halberstadt stellt den Antrag auf Einsetzung einer 5 gliederigen Kommission zu diesem' Zweck. Es werden gewählt Goldschmidt, Jülich, Steinberger-Frankfurt a. Main, H tincma n n - Bergen und K a u f - m a n n - Sprendlingen. Es folgt die Mittagspause mit dem von der Israel. Religionsgesellschaft gegebenen Essen. In der Nachm itta g s sitz nn g wird in die Diskussion über das Referat von Dr. Rothschild eingetretcn, an der sich Dr. Lange, K a tz e n st e i n, 'Ganz, G r n n e w a l d, E h r - Wald, Dr. Marx und Dr. Rothschild beteiligen. Es folgt die Festsetzung der Quote der Pcnsionskassc, die im Jahre 1011/12 100 Mark in Maximum betragen soll. Stern- Cöln erstattet ein Referat über das Cölner Rabbinersemiuar, dem Dr. Lange, L cb er man n und Freu denbe r ger einen warmen Appell zur Unterstützung dieses Seminars anschließen. * Ein Antrag aus Erhöhung des Beitrages, sotvie auf Abschaffung der Reisevergütung wird a b - gelehnt. Der Vortrag von Direktor Dr. Lange über die Bedeutung der Clihuredcn im Buche Jjob wird Niegen der vorgerückten Zeit ans die nächste Generalversammlung verschoben. Es wird eine Kommission, bestehend aus Rektor Falk, Dr. Kaufmann, Dr. Lange- Frankfurt sowie 2 auswärtigen Mitgliedern, gewählt, die die Gründung einer Verbandsbibliothek in die Wege leiten soll. Der Vorstand wird wiedergewählt. He inema n n-Bergen bringt ein Hoch auf den Vorstand aus. Mit einem Schlußwort des Vorstandes schließt die würdig verlaufene Tagung. Der Rabbirrervervand in Deutschland und der Organisatiousgefetz-Entwurf. In der diese Woche in Berlin tagenden Generalversammlung des Rabbinerverbands in Deutschland haben Rabb. Dr. Gschelb a ch c r-Berlin n. Rabb. Dr. V o g el st e i n - Stettin das Referat über den bekannten Oraanisationsgesek-Entwurf des Deutsch-Israel. Gemei»debund:s Die der Generalversammlung vorzulegenden Resolutionen lauten wie folgt: Zu 8 4 der Vorlage: Die Aufgabe einer jeden S ti n a g o gen ge'nte in d e ist cs, für das .religiöse Leben ihrer Mitglieder zu sorgen und für diesen Zweck diejenigen Einrichtungen zu unterhalten, die von dem jüdischen Religionsgesetze vorgeschrieben sind. Jede Synagogengeineinde erhält einen Vorstand und eine Gemeindevertretung, sowie zur Leitung ihrer religiösen Angelegenheiten einen Rabbiner. Dieser kann für mehrere Gemeinden zugleich tätig sein. Zu 8 27 und 28. Für alle Beschlüsse über religiöse Angelegenheiten, insbesondere für etwaige Aenimrungen in Kultus', Ritus und Religionsunterricht, ist die ll e b e r e inst im inung der Gemeindebehörden nn d des Rabbiners erforderlich. Wird eine solche Ucberei n stimmun g nicht erreicht, so ist die Entscheidung über die strittige Frage bis zn einer Neuwahl der Gemeindevertretung zn verschieben und für die beantragte Aendcrung ist sodann eine Mehrheit von dreiviertel der Mitglieder der Gemeindevertretung erforderlich. In denjenigen Gemeinden und Bezirken, in welchen nach den jetzigen Bestimmungen eine volle Uebcreinstimmung zwischen den Gemeindebehörden und dem Rabbiner für Aenderungen der erwähnten Art vorgeschrieben ist, bleibt diese Vorschrift auch ferner, bestehen. 8 62. Der Rabbiner hat die Aufgabe, die Lehren der jüdischen Riligion zn verkünden und für ihre Durchführung zu sorgen, danach bei der Ordnung und Leitung des Religionsunterrichtes, des Kultus und der rituellen Einrichtungen der Gemeinden mitzutvirken und deren einzelnen Mitgliedern in den sie betreffenden religiösen Angelegenheiten als Seelsorger zur Seite zu stehen. 8 63. Als Rabbiner'kann nur angestellt werden, wer die Prüfung als Rabbiner bestanden hvt und den Nachweis eines mindestens dreijährigen akademischen Studiums liefert. Zur Abnahme der Prüfung und zur Ausstellung von Zeugnissen über die Befähigung zur Bekleidung des Amtes eines Rabbiners sind berechtigt' 1. die in Deutschland bestehenden? Rabbinerbildungsansbaltcn. 2. die von denselben als gleichwertig anerkannten außerdeutschen Rabbinerbildungsanstalten. 3: die in den süddeutschen Staaten bestehtzüden, sowie die von den Rabbinerverbänden in Deutschland eingesetzten Prüfungskommissionen, ß 66. Die Anstellung des Rabbiners wird nach einer Probezeit von höchstens drei Jahren definitiv. Bon dieser Probezeit ist Abstand zn nehmen, wenn der gewählte Rabbiner vorher bereits in einer andern Gemeinde angestellt war. Nur in Gemeinden von - abnehmender Leistungsfähigkeit kann vertragsgemäß auch eine begrenzte Amtsdäuer, jedoch nicht kürzer als zwölf Jahre, stipuliert werden. 8 76. Die Teilnahme an dem jüdischen Religionsunterrichte, der an den öffentlichen Schulen eingerichtet ist, ist für alle jüdischen Schüler obligatorisch Ein Dispens davon kann nur denjenigen Schülern gewährt werden, welche eine besondere jüdische Religionsschule besuchen oder einen dem jüdischen Religionsunterrichte ihrer Klasse entsprechenden privaten Unterricht genießen. 8 77. Die Aufsicht über den Religionsunterricht liegt deM' Rabbiner ob. Er ist Mitglied der in den einzelnen Genteinden für die Leitung und Ordnung des Religionsunterrichtes eingesetzten Kommission. Die Einrichtung des Lehrplans und die Einführung neuer Lehr- und Lesebücher erfolgt in den öffentlichen Schulen durch die Schulaufsichtsbehörde nach Verständigung mit dem Rabbinate. Zur Frage der Organisation der jüdischen Gemeinden in einem Landesverbände: Die V er ein i g uit g der jüdischen Gemeinden in Preußen zu einer organisierten Religionsgemeinschaft zwecks Erfüllung der gemeinsamen, wie auch zur gegenseitigen Unterstützung in den jeder einzelnen Gemeinde obliegenden Aufgaben halten wir für ein dringendes Erfordernis. Da über die Organisation dieser Gemeinschaft und die einzelnen. Ausgaben ihrer Organe noch eine große Verschiedenheit der Meinung herrscht, so beschränken wir uns im' gegenwärtigen Stadium der Angelegenheit auf folgende Erklärung: 1. die religiöse Autonomie der einzelnen Gemeinden inuß auch bei einer solchen Organisation gewahrt bleiben. 2. Wie in. den einzelnen Gemeinden haben die Rabbiner auch in den Bezirks-Provinzial¬ oder Landesverbänden eine ihren Aufgaben entsprechende Vertretung zu beanspruchen. 3. Die Generalversammlung des Rabbinerverbändes beauftragt den geschäftsführenden Vorstand inr Sinne. obiger Resolutionen weiter tätig zu sein und dieselben bei der Kom- Mission zur Ausarbeitung des Gesetzentwurfs zur Anerkennung und Durchführung iiw Einzelnen zu bringen. Personalien tu Kleine Mitteilungen. Berlin. Das Jüd. KindergenesüNgsheim im Soolbad Elmen gewährte in seinem letzten Vereinsjahre 301 Kindern Pension und ärztliche Behandlung. — D r. I. P a g e l, Professor für Geschichte der Medizin an der hiesigen Universität, feierte seinen 60. Geburtstag. Bad Brückenau. Dieser Tage waren wir bei einer einfachen, jedoch sehr erhebenden Feier zugegen. Es fand nämlich die Einweihung der Dependance zu dem als erstklassigen Betrieb bekannten Hotel Kaufmann nach altem jüdischen Gebrauche statt. Dr. T ach au er -Würzburg, der sich vorübergehend hier aufhielt,, lernte den üblichen Perek Mischnajis, und die anwesenden Damen Und Herren sagten die entsprechenden Psalmen, worauf dmur das Abendgebet verrichtet wurde. Wien. Die einzige Tochter des verstorbenen Barons Albert Rothschild, Baronesse Valentine Rothschild wird sich im August mit dem Londoner Bankier Springer,?inem Verwandten des Wiener Großindustriellen Baron Gustav Springer, verheiraten. Die Mitgift der Braut wird auf 150 Millionen Kronen geschätzt. Prag. Dr. Alois P o l l a k, Vorsteher der Kultusgemeinde Königs. Weinbergen, ist — 51 Jahre alt — plötzlich verschieden. Vrekvnrg. Siamund Fi iS er, Bizemäsident der israelit. Religionsgemeinde, Präsident des volkswirtschaftlichen Klubs und Vizepräsident des Jndustriellenverbandes, erhielt das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens. Lemberg. Samuel d. Horowitz, Präsident, der Handelskammer und Mitglied des israel. Kultusrats, spendete anläßlich seines 70. Geburtstages und seines 25jährigen Jubiläums als H'andelskainmerinitglied 50,000 KV. für eine Wohltätigkeitsstiftung der Handelskammer und 100,000 Kronen für ein israelitisches SpsiäL