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Neue jüdische Presse · 1911-05-05 · Heft 18 (5.5.1911) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 18 (5.5.1911)
Date
1911-05-05
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 18. FwnHsMc IsEWsKes Familienblaii. Seite 5. sich ei» wenig die bewölkten, finsterit Gesichter, und die lvelken Lippe» scheinen , sich fast zn einem leisen Lächeln zn verziehen. Denn in jedem schmerznnd sorgenvollen Herzen glimmt ein schwächer Hoffnungsfunke auf: Vielleicht bringt der Fremde Glück! . . „Vielleicht würde sich bei ihm' eine Kopeke verdienen lassen!" . . . Vielleicht! . . . II. Heute spiele ich den Fremden im Städtchen. Es ist dies nun bereits das zweite Mal, bajj das Schicksal meinen Weg in diese morsche Hölle bahnt. Damals — vor Jahren — erschien mir das Städtchen in jener obengcschilderten Form. Heute aber finde ich das Städtchen in einem gar trostlosen Zustande. Todesstillc lagert allenthalben! Kein Laut ist vernehmbar. Keine Regimg eines lebendigen Wesens! Das Geflügel ist von der Strasse gänzlich verschwenden. Kein Hahn kräht, kein Hund bellt. Die Frauen recken nicht die Hälse, und die Männer lassen sich iricht sehen. Ja, alles' scheint sich versteckt zn haben und nicht das geringste Lebenszeichen von sich geben zn wollen. Und in der Tat! Man merkt cs', da st ein entsetzlicher Schrcckensbann alles umfangen hält. Und ich fühle instinktiv, bast etwas Unheimliches in dieser toten Atmosphäre schwebt. . . . Was ist geschehen?! Ich denke Mit Entsetzen an einen Pogrom. . . Da erinnere ich mich aber, in des' Städtchens Umgebung vernommen zn haben, das; cs „einsdlveilen still sek." —. Wohl werde hie ittib da ein wandernder Jude geplündert und seiner Habe bcrmrbt, dann und ivcinn auch genrordct. . . Mer dies sei längst alltäglich geworden. . . Allgemeine Ausschreitungen und Massacres jedoch „seien einstweilen nicht vorgemerkt." — Also kein Progroin. Was denn mag im Städtchen Vorgehen? — An der hölzernen Brücke, die über dem kleinen Bach in das' Städtchen führt, und die und) ich nun eben passiert, schlummert das graue, lebensmüde „Brückcnhänschen." Ich trete ein. Da wohnt der „Brückenjndc," dem ich meinen „Dreier", die Gebühr für das Passieren der Brücke, p entrichten habe. Er ist ein alter, gebrochener Mann. Ganz verstört, sein greises Haupt auf die zitternde Rechte gestützt, sitzt er an einem dreibeinigen, wackligen Tisch, der ein sagenhaftes Alter bereits erreicht zn haben scheint. Ich begrüße den alten Mann und versuche, ihm freundlich zuznlächcln. . . Er aber empfängt mich stumm und traurig. Nun frage ich: „Was ist denn geschehen? . . . Warum sind Sic, ist das ' ganze Städtchen heute so traurig, so niedergeschlagen? ..." Keine Antwort. Der arme Greis schlägt nur langsam - die glanzlosen Angen ans und streift mich mit einem langen, starren Blick. Dann öffnet er den Mund, als livollc er etwas sagen. Aber nichts' kommt von den entfärbten Lippen. Da ertönt ans einer dunklen Ecke eine dumpfe, thräncncrsticktc Stimme. Dort — auf einer Bank an dem Ziegclofcn kauert die alte „Brückenjüdin" »nt krampfhaft zusammcngcfaltetcn Händen. Sie antwortet mir statt des Alten: „Der Maloch-Hämowes"! . . . klagt sic bitter. Der „Maloch - Hamolves"! ... Er. ist da . . . bei uns. . . im Städtcl. . . . Ach. . ach. , er selber... der „Maloch-Hamowes" . . der Maloch- Hamowes!" . . . Verständnislos stehe ich da mit meinem „Wie?" auf den Lippen. Da zuckt plötzlich ein fürchterlicher Gedanke durch mein Hirn: Ich denke an den wirklichen „Maloch-Hamowes", an den gefürchteten „Todcsengel." — Und erschrocken frage ich: „Herrscht eine Krankheit, eine fatale $?ra»F» heit, etwa die „Cholera" im' Städtchen? . . ." Die „Brückenjüdin" schüttelt verneinend das Haupt. „Wer denn ist also dieser Maloch-Hamolves?" Darauf kann die arme Alte keine Antwort mehr geben; sie weint und schluchzt bitterlich. — .... Ich komme iif^cmeu Laden. Ein bleichsüchtiges Männlein rennt in ihm auf und Glieder. Cs ist dies der Besitzer des Ladens. Er ist offenbar sehr aufgeregt. . . Er monologisiert und brummt unverständliche Worte in seinen „Bart" hinein. Er hat mein Eintreten in den Laden gar nicht gemerkt. — Aus der nach dem Laden geöffneten und zn demselben gehörenden Kammer dringt ein schwerer, erstickender Husten. Eine anmutige junge Frau ist es, die diesen' schrecklichen Husten ausstößt. Da steht sie und scheuert den Boden unter bitterem Seufzen, das sich aber in den keuchenden Husten verliert. Auf ihren zarten, blassen Wangen brennen' zwei kleine, dunkelrote, drohende Flämmchen, die die zerstörte Lunge verraten und' die bereits in verderbender, vernichtender Funktion getretene Schwindsucht ankiinden. Wenn der Hüstcnanfall nachlästt, dann vernimmt ingii ein ii; 'erschütternder Resignation ausgehänchtes, dumpfes Stammeln: „Der Maloch-Hamowes" . . . der Maloch- Hamowes'! . . . Für ihn. . . alles für ihn! " Auf der Schwelle einer Seitcntür, die in die „Wohnstube" führt, stehen fünf kleine Kinder dicht aneinander gedrängt. 9kur zerrissene Hcmdchcn umhüllen ihre schinächtigen Leibchen. . . Und die halbnackten und wohl ganz hungrigen Kleinen wimmern kläglich. Doch niemand kümmert sich ruck sie. . . ' Ich verlange Cigarren. Dabei frage ich, was nur im Städtchen geschehen sei?! Der aufgeregte „Socher"*) unterbricht jäh sein Auf- und Abrennen —i und wirft mir einen scheuen Blick p. Dann, plötzlich ruft er laut und ärgerlich: „Was geschehen? . . . Wißt Jhrs denn nicht? Habt Ihr denn nicht gehört, dast der „Maloch- Hamolves" heute — — Ach. . . geht doch in Gottes Namen! . . . „Verdreht" uns heute nicht den Kopf mit Euren dummen Fragen. . . Wir haben genug. . . genug Zoroß!**) O! haben wir Zoroß! -- —" . , . Ich komme in einen zlveitcn Laden. In einen dritten. Dann wieder in eine Hütte. In noch eine, und' in noch eine. . . Uebcrall das' gleiche: Man klagt und jammert und weint bitterlich. . . Uird man ist ärgerlich und konfus. . . Und ans all dem Gejammer und der Verlvirrung höre ich nur den einen und denselben melancholischen .Refrain: „Der Maloch-Hamolves!" Wer mir dieser Teufel von „Ma lo ch-Hamvwes" sein mag? —. III- Endlich bin ich im „Gasthaus!" ... Es ist dies ein mittelgroßes, kahles Zimmer. Die schmnckloscn Wände sind voll unbestimmter Färbe. . . Die geschwärzte Decke droht, sich auf die „Gäste" p stürzen.; Ein monströses' Ungeheuer, das mau Tisch nennt, und vier lauge, farblose, den „Tisch" nmarmeilde Bänke bilden die Mobilien dieses einzigen „Hotels" des Städtchen. Mein Wirt ist jetzt sehr in Anspruch genommen. Gleich all deir armen Einwohnern des Städtchens. — Er bekundet daher gar kein Jntercsse für mich. Er ist bemüht, „Ordnung" in der Wirtschaft p schaffen. — Ans seiner tief gefurchten Stirn lagert eine finstere Wolke. Ja. sein ganzes' hageres Gesicht drückt Kummer ilnd Entsetzen aus. . . Bon Zeit p Zeit eilt er — seine Arbeit unterbrechend —; in ängstlicher Unruhe zum Fenster und läßt seinen zitternden Blick über die schmutzige Straße schloeifen. — Dann rennt er zu seiner Tätigkeit zurück, indem er, dabei schwer anfatinend, leise murmelt: „Noch nicht. . . noch nicht ... Er — kommt noch UM. 5,-* Durch des „Gastzimmers" lvcit geösfnete Tür starrt ein Tohuwabohu zn mir hinein. — Inmitten dieses Tohäwäbohus steht ein Herd. An dem Herd hantiert ein äbgearbeitetcs Weib. Und dieses Weib ächzt und' 'stöhnt. An seinen dichten Augenwimpern hängen dicke Träncntropfen. Und die Lippen bewegen sich: „Solch ein elendes, elendes Leben! ... So ein ülmmervollcs Dasein! .... Zoroß - . r und Zorotz . . . und Zoroß! . . . Tag und Nacht . . Ohne ein End'! . . . Ganz ohne ein End'! . . . Heute dies . . . morgen jenes . . . Ach! . . Und dieser „Maloch Hamolves" . . . Auch das armselige Brot gönnt er uns nicht. — O, Ribonanschel-olom! Müssen, wir für alle Welt leiden?! . . . Hast Du das Volk Israel Dir zu diesem Zwecke erkoren, cs zn foltern und mit ewigem Leiden zu sättigen?! . . ." Stuf dem Boden, mit Herde, inmitten des chaotischen Wirrwarrs kauern drei niedliche kleine Mädchen. In einer Fensternische steht — scheu zurückgezogen — ein kleiner, wunderschöner Kirabe. Das liebliche, zartrosige Gesichtchen ist von zwei klaren, lebenssprühendcir Acnglein erleuchtet. Und dieses leuchtende Angenpaar, es ist jetzt lveit aufgerissen und glotzt mich, den „Freindcir", unverwandt an. Ich nähere mich dem prächtigen „Chederjungen": Vielleicht gelingt es mir doch, bei diesem Aufschluß über den geheimnisvollen Vorgang im Städtchen zu erhalten. „Wie heißt Du, meiir lieber Junge," fragte ich. „Ich heiß' „Schlomoh," erwiderte der Kleine schüchtern und streckt mir seilt zartes, rechtes Händchen — Schaloi» - aleichem bietend — entgegen. Ich ergreife das Händchen und streichle cs: „Ein sehr schöner Nante!" Schlomohs rundes, niedliches Gesichtchen wird bei diesen meinen Worten pnrpnrrot. Und plötzlich ruft er mit srcndigem Pathos: „Gewiß! — Der schönste Name!" Ich mußte herzlich lachen: „Wieso der schönste?" „Weil . . . tvcil der weiseste aller Menschen, unser großer König, der Sohn des Königs Davids, auch Schlomoh geheißen hat!" rief Schlomoh hoch erfreut und trinmphietend. Diese frohe, silberhelle Kinderstimme inmitteir dieser Umgebung war mir wie ein aufheiternder, goldener Sonnenstrahl durch das düstere. *) Kaufmann. **) Nöte. finstere Gewölk. — Als ich aber den Kleinen nach dem Maloch Hämowes fragte, da erlosch bald auch dieser lichte Strahl, und traurig fing Schlomoh an, mir eilte lange Geschichte p erzählen. - (Fortsetzung folgt.) „Fit-sure" Pincenez double, 14 Ir Goldauslage, Mk. 7.50, Nickel Mk. 550. Operngl, Feldst., nur beste Fabrikate in großer Auswahl. Lorgnons. Brillen, Pincenez; Spezialwerkstätte sür Optik, Mechanik, Elektrotechnik. Physikalische Lehrmittel. „I. W. 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Die Vorgefundenen Papyri erlveitern unsere Kenntnis der Geschichte des Judentttnts grade für die wenig bekannte Zeit des 6. und 5. Jahrhunderts. Sie bereichern tmsere knltur- und rechtsgcschichtlichen Erkenntnisse, sind von Wichtigkeit für die Geschichte der aramäischen Sprache, für die Erklärung der zum Teil ja' nur aramäisch erhaltenen Bücher Esras und Daniel, sowie für die Klärung der Chronologie und der Kalenderfragen, und ihre Beziehungen zur „Chronik, zn Esras und Nehcniias, insbesondere der Parallelismns dieser Urkunden und die auf den Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels bezüglichen Doknmente im Buche Esras," sind derartig, „daß bereit Echtheit wohl niemand mehr bestreiten lvird." lieber die jüdische Gemeinde Elephantinc-Sycne selbst sei hier kurz folgendes angeführt: Der Grnndstock dieser aramäisch redenden Judengemcinde lvar eine jüdische Militärkolonic, an die sich andere jüdische Ansiedler angeschlossen hatten. Diese, wahrscheinlich infolge der Zerstörtmg Jerusalems nach Aegypten zersprengten Juden hielten treit ztt ihrem Gotte und hatten ihren eigenen Tempel, der 410 auf Veranlassung der ägyptischen Priester zerstört lmtrde. Sie standen in Beziehung mit ihren Brüdern im Heimatlande. Kaiser Friedrich Quelle — Offenbach a. X. - ■ ■ . Gegen Gicht and Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. X., Stallburgstr. 9. Tel. 259 n. 714. Deutsches Beobachtungen pr. St. 1 Mk. Ermit- DPtPPllWtelungen, Recherchen u. Auskünfte VlVUlll v. 5 Mk. an. Gewissenhafte Aus- Institut führung u. strengste Diskretion als Frankfurt a. M. mehrjähriger Polizeiu. Kriminal- _Tel* 11391._ beamte gesichert. Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Dusch.) Samstag, den 6. Mai (= 8. Ijar): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 25 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 45 Min., in Berlin 8 Uhr 27 Mn. Wocheuabschnitte: Acharci-maus und K'ed a n.s ch i ttt. — Die Opferhandlungen des Hohenpriesters am Janm-Kippnr. Er hatte für sich, für die amtierenden Priester, endlich für ganz Israel Sühnopfer ztt birngen und Sültdenbekcmttnis ztt sprechen. Einer der Sühnböcke sollte in die Wüste geschickt lverdeu. Räncherwerk ist darzubringen. Kein Opfer ist außerhalb der Stiftshütte darzubringen. Verbot des Blutgenusses, denn „das Blut ist das Leben", und ihr „sollt nicht das Leben mit dem Fleische verzehren."" —. Das Blut geschlachteten Wildes und Geflügels ist mit Erde ztt bedecken. — Beerwarnungen, die Gräueltaten und Unsittett der heidnischen Ureinwohner nicht nachzuahmen. „Sonst wird auch euch das Land aussveien." ES sind die für eheliche Verbindungen streng verbotenen Verwandtschaftsgrade aufgeführt. („Erwaus.") — Der Wochenabschnitt K e d a u s ch i nt ist einer der inhaltreichstcit im ganzen Pentateuch. Gebot der Sabbatheilignng, Verbot des Götzcndieitstes, Vorschriften für den Genuß der Opfer. Armenabgaben

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