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Neue jüdische Presse · 1911-05-05 · Heft 18 (5.5.1911) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 18 (5.5.1911)
Date
1911-05-05
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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OciipCfcnntii' stellten. Der Mangel an beruflicher, körperlicher Arbeit müsse durch anßer- Keruslichc .körperliche Uebniigen ersetzt Werden, und imi ole gesamte Jüdenheit in diesem Sin» physisch zu regenerieren, müßten alle jüdischen Kräfte zur Propagierung der Idee des Turnens unter den Juden konzentriert werden. Dieser Gedanke habe , vor 10 Jahre» die Jüdische Tnrnerschaft geschaffen, bte - Ijeutc über 40 Vereine mit über 5000 Turnern umfasse. Redner weist die unbegründeten. ' Borwürfe Konfessioneller Absonderung zurück. Neberdies sei nur die Gründung einer T n r n a b t e i l u n g geplant, nwsür bereits Turnhalle sowie Turnlehrer gewonnen sind. Turnlehrer Rober Braun schilderte besonders den Wert des Turnens für Körper-, nnd Charakterbildung. ~~ .'Es wnrden söann Man A. Rosen bäum, ClemenseM ayc r sowie Zahnarzt Bruno Strauß, L. Goldschtnidt, A. Weil und Alfred Mayer in den Ausschuß gewählt. ' Es haben sich bisher 61 Mitglieder angemeldet.. Weitere Anmeldungen nimmt Frau L. Bamberger, Friedberger Anlage 29 entgegen. Bunte Chronik. Die Juden im französischen ' Nordafrika. In A l g i e r wohnen 60 000 Juden, die seil . 1870 französische Staatsbürger sind. Die meisten von ihnen sprechen französisch. Mit der Verbreitung der Zivilisation hat eine Abnahme des religiösen Gesühls und des Studiums des hebräischen Schrifttums platzgegrissen. Nur in den Städten mit aus Marokko eingewanderten Inden ist noch jüdisches Leben. .In Tunis,, das viel kleiner als Algier ist, , gibt... es. 120000 Juden, davon in der Hauptstadt Tunis allein 50000. Bei den tunesischen Inden bestehe» jüdisches Gesetz und jüdisches Wissen noch in Ehren, doch strebt die Jugend bereits nach französischer Kultur. So werden die 4000 Zöglinge der' Alliance-Schule in Tunis nnd die 2000 jüdischen Kinder, die die französische Schule besuchen, ganz im französischen Geiste erzogen. Die tunesischen Juden unterstehen der Gerichtsbarkeit des Bey, sind .. also keine französischen Staatsbürger. Der König von Italien und das Minjan. In einer Plauderei über seine Meise nach Italien gibt Max Szabolcsi eine Unterhaltung mit dem Oberrabbiner von Rom wieder, und erzählt da u. a.: ES' war nach der Geburt des jetzt dreijährigen Kronprinzen. Der Rabbiner hatte dieses Ereignis beim Gottesdienst gewürdigt und ~ wurde daraufhin zur Audienz befohlen. „Ich wollte Ihnen" —• das loac die Begrüßung — „meinen innigen Dank für den schönen Gottes-' dienst ausdrücken. Ihre Gemeinde lvar die erste in Italien, die für den Kronprinz betete." Der ■ Rabbiner sprach mit Innigkeit den Segen über den König, der beim Schluß „Anien" sagte und dem Rabbiner «inen Stuhl anbot. - Tann jchlng der König einen ganz intimen Ton an und fragte den Mabbiner zu seiner größten.Ueberraschung: „Nicht wahr, es war bei dieser Gelegenheit mehrfach „Minjan" in der Synagoge?" Die Verwunderung des Rabbiners machte Sr. Majestät sichtlich Vergnügen und, ohne die Antwort abzuwarten, setzte der König fort: „Ich sehe, daß es Sie überrascht, daß ich tveiß, was „MinjaN" ist. Ich will Jhiren erzählen, wie ich das erfahren habe. . . Zv? Zeit, da ich noch junger Offizier in der Türmer Garnison war, begegnete mir eines Morgens General Ottvlenghi, der mein unmittelbarer Borgesetzter war. M inächte auch sonst nicht das freundschaftlichste Gesicht; diesmal aber überbot er sich; er war grimmig. „Was geht vor? Generäl! Warum so mißmutig?" Worauf er mir antwortete: „Ich habe mich über die hiesige Jndenschaft außewrdentlich geärgert.' Ich war in der Synagoge und konnte nicht beten; ich hatte kein Minjaii." „Rim, lvarum' haben Sie > sich keins mitgebracht", fragte ich ganz naiv. „Hol/eit denken, wie es scheint," — klärte mich der General ans — „daß Atinjan ein Gebetbuch sei. Dabei ist es ganz was anderes. Es besteht .aus zehn erwachsenen Männern. <sind diese nicht beisammen, kann man keinen öffentlichen Gottesdienst halten." Damals habe ich erfahren, >vas das ist." Ter König erzählte dann lveiter, daß Ottoleiighi — wie ec dies später erfahren hat — immer, wen» cs nur anging, die Synagoge besuchte, und daß er dabei einer der tüchtigsten Generäle der italienischen Armee gewesen ist. „Ich habe den Alten geliebt" — sagte er zum Schluß — „Er war .streng, aber gerade denkend, fromm und edelsinnig." A u s den Memoiren der Baronin Jenny von Gnstedt. „Bon Anfang an verbrachte Mendelssohn*) den größten Teil des Tages im Goethe'schen Hanse. Er war wirklich Goethes David, denn er verscheuchte jede. Wolke von der Jupiterstirn unseres Dichters. Jedem, der damals Mendelssohn kannte, wird es begreiflich sein; trat er doch mit dem ganzen Zauber der Jugend, der Genialität, der glücklichen . Zuknnftsträume in unseren Freundeskreis. Es siel niemanden ein, wie das heute in anderen Städten der Fall sein würde, ihn seiner Abstammung wegen mißtrauisch zu betrachten. Der Gedanke wäre im damaligen Weimar immöglich gewesen nnd ist es auch im heutigen noch und wird «s .feilt, solange . die großen Traditionen nicht zur Fabel geworden sind. Goethe schätzte die Menschen nach ihrem Wert, Karl August hatte es stets getan nnd war von seiner einmal' gewonnenen Ueberzengung selbst durch Gegenbeweise nicht abznbringen gelvesen. Am herrlichsten befolgte unsere geliebte Großfürstin diesen Grundsatz, nnd wir alle hätten uns geschämt, nicht diesen großen Dorbildern nachzneifern. So gehörte Rahel, so gehörte Mendelssohn zu unserer anerkannten -Aristokratie." Kunst und Literatur. Eine Ausstellung hebräischer Bibeln. Anläßlich der Zentenarfeier der Bibelgesellschaft in England,- hat die englische Bibelgesellschaft in London eine Bibelausstellung veranstaltet, deren interessantester nnd wertvollster Teil unbeshrittencrmaßen die sogenannte Ginsbnrg-Kollektion hebräischer Bibelausgäben ist. Zn dieser Kollektion gehören n. a.: 1. Tie Editio Princeps des Pentateuch mit dem Targnni-Onkelos und Raschi-Kommentar als Randglosse». Sic ist in Bologna auf Pergament gedruckt, worden und trägt das Datum 1482. 2. Die zweite Ausgabe der Bibel Pergamentdruck. Neapel 1481. 3. Besonderes Interesse erweckt ein Exemplar der bei Bombay in Venedig 1525 gedruckten dritten Ausgabe.- Dieses Exemplar war einst Eigentum von Martin Luther, der es mit eigenhändigen Noten versehen hat. Luther machte die Bibel Bernhard Ziegler zum Geschenke. Luther scheint sehr schön hebräisch geschrieben zu haben. 4. Eine hebräische Bibel mit flotter lateinischer Uebersetznng von S. Atnenster (Basel 1534). Von dieser AnSgabe wird .behauptet, daß sie die Bibelversionen in England nnd der Schweiz am meisten beeinflußt habe. . . ' 5. Sehr interessant ist in dieser Kollektion eine Sammlung von Thorarollen. So ist eine Thorarolle au§ dem 13. Jahrhundert, in welcher jede Kolumne mit einem „Waw" beginnt. 6. Sehr kunstvoll ist eine „Megillah-Esther" auf Pergament, die zusammengefaltet die Form eines Baumstammes hiat. *) Felix Mendelssohn-Bartholdy. ~ : Rollen wurde in einem Keller bei Damaskus gesunde» und wird aus ein Alter von 400 Jahren geschätzt. Die Rolle imirde auf 60 Schassfellcn geschrieben und enthält 104 beschriebene Kolumnen. Eine andere Thorarolle aus Pergament ist so klein, daß sie, znsammengerollt, in der Tasche getragen werden kann. Eine Gcnizah-Rvll« stammt aus dem 10.—11. Jahrhundert nsw. Eingesandt. In der imposanten Bersamnilung» die Donnerstag Abend in Frankfurt a. M. in flammenden Kundgebungen gegen die Zurücksetzung der Juden im deutschen Heere Protest einlegte, streifte der erste Redner, Jnstizrcit.Bernhard Breslauer-Berlin, auch die Verhältnisse in den Heeren anderer Länder und bemerkte dabei n. a., daß, während die deutsche Armee keinen einzigen jüdischen Offizier zählt, Oesterreich, Italien, Frankreich, England und Amerika Hunderte von hohen und höchsten Offizieren jüdischen Glaubens hätten, ja, daß sogar in der russischen Armee im letzten Krieg jüdische Offiziere mit Anerkennung gefochten hätten. Es ist vielleicht bei dieser Gelegenheit für weitere Kreise von Interesse, von einer Verlobung zu berichten, die in diesen Tagen zwischen der Tochter einer angesehenen deutschen jüdischen Familie nnd einem italienischen jüdischen Artillerie-Offizier stattgefunden hat. Der Bräutigam ist der Sohn eines Bankiers in Turin, dessen Bruder der bekannte Senator und Präsident des Staatsratcs in Rom, Eminenz Giaccomo Malvano ist. Dieser leitete 40 Jahre hindurch als Generaldirektor im Ministerium des Aenßern die airswärtige Politik Italiens und ist ebenso Indo, wie seine Verwandten — der verstorbene Kriegsminister Ottvlenghi und der seitherige Finanzministcr und Ministerpräsident Luzzati. Sie alle haben dem Staate in ihren hohen Stellungen große Dienste geleistet. L. L, Brieftafte«. I. F. Das jüdische Sanatorium in Honiburg wird erst gegen Ende des Jahres eröffnet. Bd. . . . sky. Wir müssen bei Einsendungen, wenn sie für uns Interesse haben sollen, stets volle Namensunterschrist verlangen. Mehrere Lehrer in, Karlsruhe. Wir nehmen von Ihrer Mitteilung gern Kenntnis, daß der dortige Reichstagskandidat Dr. Ludwig Haas, zur Zeit Präsident der Friedrichsloge, ein offener Feind jedweden Renegatentums ist und stets — wie jüngst erst im Stadtrat bei Behandlung der Sonntagsruhe — warm für die jüdische» Interessen eintritt. — Wieso Dr. Haas da in die Liste der getauften Reichstagskandidaten hincingeraten ist, begreifen wir nicht; wir selbst hatten die Liste nach der Veröffentlichung anderer Blätter wiedergegeben. Bereius-Kaleuöer. Samstag. Verein „M e k o r Chajim", 12 Uhr, Hörsaal Friedberger Anlage: Vorlesung aus Seser «chemuel (Prof. A. Wehl); 4% Uhr, Hörsaal Friedberger Anlage: Mikro-Vortrag (Rektor B. Falk). Montag. V e r e i n f ü r j ü d. G e s ch i ch t e n n d Lit.eratnr, 7y» Uhr, Frankfurt-Loge: Generalversammlung. Meder’s mechanische und Drneklnft - Teppich - Reinigung. Tel. 4642. Inh. Heinrich Trosch, Bergerstr. 149. -Rücklieferung nach 24 Stunden. 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Ucberdies sind in der Ausstellung - auch midere-wertvolle Thorarolle» zu sel)en. Eine 'dieser

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