Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1911)
- Date
- 1911-04-28
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17. Seite 3. hat, die Zuflucht vor Unterdrückung und Verfolgung im Anstande suchte». England muß jede Bennrnhignng der fremdländischen Bevölkerung vermeiden, insbesondere der jüdischen, die sich überwiegend aus fr i e d e n s l i e b e n d c n und das Gesetz achtenden Elementen zusainmensctzt." Schweiz. Zürich. Die hiesigen osteuropäischen Juden hegen den Wunsch, eine ' Lesehlaltc zu begründen. Von verschiedenen Seiten wurde der Antrag gestellt, das; sic sich den öffentlichen Schlveizer Lesehallen der Pestalozzigesellschaft anschlicßcn mögen. Vergangene Woche kain dieses Thema in einer Sitzung der B. B. Loge zur Verhandlung. Der Vertreter der zionistischen Ortsgruppe, Oberkantor Josef Messt n g e r, wies daraus hin, wie unlogisch cS wäre, solche heterogene Elemente wie osteuropäische Juden riud schweizer Aristcn in einer Lesehalle verschmelzen zu wollen; /eine Angliedcrüng an die Pestalozzi- Gesellschaft könnte unangenehme Folgen habe»; er ratedaher zur Gründung einer gesonderten jüdischen Lesehalle. Der Antrag ivurde angenommen. Palästina. Jerusalem. Die Eile, mit der die Wahlen der aschkeuasischeu Gemeinde betrieben werde», wird damit erklärt, das; Rabbi Jacob Meir, der neue Chnchaiu Baschi von Jerusalem, als ein Freund der Vereinigung der aschkeuasischen mit den sephardischen Juden gilt, und daß. die Führer der aschkenasischen Juden glauben, diese Vereinigung verhindern zu können, iuciut sie sich eine Gemeindeverwaltung gewählt haben. Amerika. Rew-Aork. Die Amtseinführung des bekannten Rabbiners Tr. I u d a h Leon Al a g n e s. Präsidenten der Rcwhorkcr Gemeinde und zionistischen Führers, als Rabbiner der „Bnai Jeschnrnn"- Synagoge, einer der reichsten und einflußreichsten Synagogengemeinschaften des Landes, gestaltete sich zu einer imposanten Vera n st a l t u n g. In seiner Predigt betonte Dr. Magnes als die wichtigste aller jüdischen Anfgaben die Erhaltung des jüdischen Volkes und die Umwandlung der Synagoge in ein religiöses Zentrum für alle Klassen der Jndcnheit, reich und arm. ansläudischc und inländische Juden. Sein jüdisches Bekenntnis formulierte Dr. Magnes wie folgt: „Ich glaube an den Gott Israels, ich glaube an die Thora Israels, ich glaube an das Volk Israel, an seine Erhaltung, seine Einheit, seine geistige Kraft und seine Hoffnungen. Ich glaube an die Erhaltung des Sabbats, der Spciscgesetze und der traditionellen Synagoge." Wenn man bedenkt, daß Dr. Magnes Refornirabbiner war, so ist die lkmlvandlnng, die sich in ihm als konscgunt denkenden Zionisten vollzogen hat, sehr bemcrkensivert. Rew-Aork. S u l z e r, der Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, hat im K o n g r e sz eine Resolution vorgclegt, laut welcher der, Vertrag von 1832 mit Rußland gekündigt iverden soll, da die russische Regierung amerikanischen Inden den Eintritt in Rußland verwehrt, auch wenn sie mit gehörig äusgefcrtigtcn Pässen versehen sind. Die Annahme der Resolution wird nicht bezweifelt. Personalien u. Kleine Mitteilungen. Frankfurt a. M. Landrichter Dr. Emil Baer wurde zum L a n d g e r i ch t s r a t ernannt. Mannheim. August Oppenheim. der die jüngst stattgehabte Tagung der Landesshnvde der badischen Inden präsidierte, ist — 69 Jahre alt — verschieden. Hamburg. Ernst Maaß, Inhaber der bekannten Verlagsbuchhandlung Leopold Boß, ist plötzlich verschieden. Stuttgart. Der König hat dem anläßlich seiner Silberhochzeit von der Stuttgarter Loge l>. O. B. B. gestifteten Fonds für isracl. Ferienkolonien 300 Jt. gespendet. —s Das angesehene Leopold Weil' schc Ehepaar in Ellwangen — Herr Leopold Weil war Jahrzehnte lang Vorstand des Wnrttenibcrger Buchdruckervereiiis —, erhielt anläßlich seiner goldene n Hochzeit vom König seine Bronze- P l a n k e t t e mit W i d m n n g. >b-) Czempin. Durch das Ableben ihrer Vorstandsmitglieder Hermann Sandbcrger und •V> e r in aiinSilbe r st e i n ist die hiesige Chewra Kadischa in Trauer versetzt worden. London. Der bekannte Kunsthändler Charles Wert heim er ist nach einer Operation ver- Ichreden. - Smyrna. Hier verschied Ritter von Benturo, Rechter ani italienischen Konsulsgericht. Die jüdische bevölkern,ig verliert in ihm eines ihrer angesehcn- -■ - ~ -- Frankfarker ZsraeWWes Fannlienbkakk. sie» Mitglieder, und er hat sich verschiedentlich um ihre Interessen verdient gemacht. New-Nork. In den letzten Tagen verschieden folgende angesehene jüdische Persönlichkeiten: Ehalles 'S. Adler, während vieler Jahre der republikanische Leiter des 8. Versammlungs-Distrikts, I ak o b Rothschild, Eigentümer des Hotel Majestic, und Dr. mcd. S i m o n M. B r a i n i n, Delegierter der Rabbinerkonferenz in Petersburg im Jahre 1892 und Mitglied der Gesellschaft zur Verbreitung von Kultur unter den Juden Rußlands, der 1895 von Riga (Rußland) nach Nelvhork verzog. Der „Tam". Aus den chassidlschen Geschichten von Jehndah Steinberg. (Deutsch von Ernst Müller). Wenn ihr greise Chassidim spreche» hört über den „Tam", fraget dann nicht, >ver das sei! Sonst würden sie über euch in Aerger geraten. Greise Chassidim geizen mit Reden. Sie schlveigen lieber ans ihrem Gefühle heraus, nick» darum sind sie sehr wortkarg. Der „Tam" — das war Reb Jtzik. Uicd der „Tam", so erzählt man, fühlte in seiner Seele nicht, daß er ein Zadik war. Viele Gläubige sprachen zu ihm) sagten, daß er ein großer Zadik ist. Er hörte es voller Verwunderung und konnte' sich doch nicht erdreisten, der Gemeinde Israels nicht zu glauben. „Können denn Jäkobssöhne —. der Himmel verhüte es — der Lüge geziehen werden? Gewiß zehre ich vom Verdienste der Vorfahren!" So pflegte er sich einen Grund zu bilden und ließ die Sache aus sich beruhen. Ter „Tam" war sehr behutsam gegen falsche Rede». Wenn man ihm Geschenke gab, so pflegte er sie widerwillig anzunehmen, um nicht einer Irreführung und einer Spur von Lüge beschuldigt zu werden. „In Wirklichkeit", pflegte er bei sich zu entscheide», „wünsche ich das Geld und brauche Geld. . . Werde ich cs nun nicht annehmen, dann iverden sie sagen, daß ich Geldgewinn hasse, und das Resultat wird sein, daß die Leute, der Himmel verhüte es, von mir betrogen sind." Einmal, so erzählt man, klagte ihm sein Weib, daß sie die nottvendigsten Lebensmittel brauche, und ebenso beklagte sich fein Diener über die knappen Zeiten. Ter Tam wollte über sein Weib und über den Diener einen Segen sprechen, daß ihnen der Allmächtige Mittel in Fülle schasse. . . Aber der Diener machte ihm erinnerlich, daß „kein Gefangener sich selbst ans dem Kerker befreien" und kein Zadik für sich und für sein Hmis wirken kann. „Tann will ich zu einem Zadik reisen, damit er mich segne", antivortetc der Tain in seiner Unschuld. Indes fanden Frau, und Diener cs für vorteilhafter, loenn er in solche Städte fahre, deren Eintrvhner der Mehrzahl nach seine Chassidim seien. Ihnen möge er seinen Segen übertrage», und von den „Lösungsgaben" werde er dann etwas Geld für den Hausgebrauch erübrigen. „Allerdings", stimmte der „Tain" zu, „die Mittel zum Leben sind an sich eine notwendige Sache, und die Juden des Allmächtigen zu besuchen, ist ganz sicher etwas Gutes und Würdiges." So mietete denn der Diener einen Wagen für eine Woche lang, und sie fuhren nach einer der entfernteren Städte. Darin stimmten der Diener und der Tain überein, jeder in seinem Sinne und auf seine Art. Ter Tam entschied bei sich so: „Meine Chassidim aus . den benachbarten Städten sehe ich iw nahen Zeiträumen, die in den entfernteren Städten hingegen nicht so häufig, darum ■ ist es' recht und billig, daß ich zu diesen fahre." Und der Diener dachte bei sich so: „In der Ferne ist der Name der Zadikim wie ein feines Oel. Ans größere Entfernung ist sein Ruhm größer als in den Nachbarstädtcn." Auch fürchtete er ein' wenig, der Tam könnte schon in der ersten Mittel, für eine Woche ausreichend, finden und sofort nach Hause znrnckkchrcn." So fuhren der Tanr und der Diener mit dein Fuhrmann hinweg und kanien bi» an das gewünschte Ziel; und da es nur noch zwei Meilen zur Stadt waren, riet der Diener zu halten und ein wenig anstznruhen, während er insgeheim den Fuhrmann in bie Stadt schickte, um dort kundzutun, daß der „Rabbi Jtzik Tam" auf deni Wege ist und ihres Entgegenkommens wartet. Ter Fuhrmann richtete die Sendung aus und kehrte bald wieder zu seinem? Wagen zurück. Der Tam begann in den Fuhrmann zu drängen, daß sie weiterfahren, denn er fürchtete, das Minchahgebet her Gemeinde zu versäumen. Der Diener hat jedesmal so, daß sie sich noch Verhalten mußten. Dann aber sah er, wie er die Augen hob, eine Menge, von Wagen den Abhang herunterkoinmen, und er verstand, daß man ihnen schon entgegenfährt. So setzte er sich in den Wagen, und sie fuhren. Der Tam blickte ans und sah viele Wagen, — eine große Kolonne näherte sich. „Wohin fahren diese Menschen?" fragte er verwundert einen, der vorüberfuhr. „Ten Zadik zu empfangen", antwortete dieser. „Den Zadik? Ist hier ein Zadik, und ich wußte es nicht? — Kehre um! „befiehlt er dem Fuhrmann. ... „Werden auch wir fahren! Und vielleicht sind wir gewürdigt, unter den ersten zu sein!" Der Fuhrmann reibt sich den Nacken und blickt ans den Diener. . . . Und inzwischen kmnen auch schon die Wagen nahe heran, einige der Chassidim sprangen von den Wagen und fingen an, sich dem Zadik zu nähern.. . . .. Sei/ einer au! Rechte Juden!, denkt der Tam bei sich, laufen sich die Beine wund. Groß wird ihr Lohn sein. Zinn, so will ich auch absteigen und zu Fuße gehen. Und er geht zu Fuße, zivischen den anderen. ■ Tie Chassidim laufen, —. er läuft auch. Die Chassidim jagen ihm nach. „Wohin läuft unser Meister? Wohin läuft unser Meister?" „Wohin? Den Zadik zu empfangen!" ..Welchen Zadik?" „Gewiß werdet ihr es mir sagen." So erzählen die alten Cassidinr von dem „Täm."_ „Fit-sure" Pincenez double, 14 k Goldauflage, Mk. 7.50, Nickel füll 5.50. Operngl., Feldst., nur beste Fabrikate in großer Auswahl. Lorgnons, Brillen, Pincenez; Spezialwerkstätte für Optik, Mechanik, Elektrotechnik. Phhfckalische Lehrmittel. „I. W. Albert, Inh. Paul Wanderey, Haus Neptun, Ecke Neue Mainzerstr. u. Weißftauenstr. II. Tel. 7254, Amt I." 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Rur der Priester hatte das Urteilen sprechen und zn bestimmen, ob der-betr. Aussatz als „reiner" oder „unreiner" anzusehen sei. Dazu -war oft eine Quarantäne von einer, zwei oder drei Wochen nötig, um die Symptome, die gleichfalls angegeben werden, zn beobachten. Der Unreine mußte außerhalb des Lagers weilen bis zur Reinheitserlangung. Ein „unreines Hans" macht den Eintretcndcn >cnd die Geräte dortselbst „tome". — Bei der „Reinigung" mußten verschiedene Opfer gebracht werden, wobei Zcdernholz, Psvp und Karmcsinfadcn Verwendung fanden, ähnlich wie beim Bereiten des Opfers der „roten Kuh". Tauben wurden über lebendigem Quellwasscr geschlachtet, Blut und Oel an Daumen, große Zehe und Ohrläppchen gestrichen. Wir wissen 'Grund und Bedeutung dieser Verordnungen nicht zu erklären! Fest steht, daß wir sie nicht als sanitäre Gesetze gegen Lepra und die Priester als.„Sanitätsbehörden" anznsehen haben. — Am Ende des Wochenabschnittcs Mezauro find jene Nciiihcitsgcsctze mitgcteilt, die cs mit leidenden Zuständen des menschlichen Körpers — J&et männlichen und weiblichen Personen — zn tun haben. Alle diese Verordnungen sollen zur Heiligkeit führen. Sic sind charakteristisch für Israels Welt- und Lebens-Anschauung. S ch ab b o s R a n s ch - C h a u d e s ch. Offenbacber Druckluft-Anlage Telefon 123. Offenbach a. M. Telefon.123. ffnübertroffene bewährteste Tapplchre Int gang. Für den Schulbedarf. Relsszenge, Reissbretter, Reissschienen, Winkel, Linear Zeichenblocks, Plastilin, Farbkasten, Pastelle etc. J. Emme! & Sohn, Schillerstrasse 26. ■ \ * i 1 i - •;