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Neue jüdische Presse · 1911-03-31 · Heft 13 (31.3.1911) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 13 (31.3.1911)
Date
1911-03-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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ieitttip M flr. 13 des Ictmftftttfet Ifcaetitififteii fanulienfiytes. AbmnementsbekkllunM auf das „ Frankfurter Israelit. Familienblatt" nehmen sämtliche Postanstalten deS Jn- und Auslandes zu MK. 1,«2 linkt. Tieferuus frei ins Laus) für das zweite Bierteljahr 1911 entgegen. — Streifüandzufendung für Deutschland . und Oesterreich- Ungarn Mark 159, für die übrigen Länder Mk. 2.— vierteljährlich. Personalien u. Kleine Mitteilungen. Frankfurt a. M. Der Chor der Börneplah- Synagoge hat es längst verdient, einmal. einem größeren Publikum in das richtige Licht gestellt zu werden. Man würdigte von jeher uneingeschränkt seine Leistungen, aber man nahm sie als ein Selbstverständliches und dachte nie daran, daß Männer, die im Berufsleben stehen, hier rein der Sache halber vereint sind. Schon aus diesem Grunde war die Feier des 25jährigen Jubiläums des gleichfalls sein Amt nur des heiligen Zweckes halber ausübenden Chordirigeuten Lassar Seckbach zu begrüßen, denn so war weiteren Kreisen Gelegenheit gegeben, in die Maschinerie des Chors hineinzuschauen und die unermüdliche ideale Arbeit seiner Mitglieder würdigen zu lernen. Die Feier selbst verlief in harmonischer Weise. Zu dem akademischen Akte hatte sich ein so zahlreiches Publikum eingesunden, daß der Hörsaal überfüllt war. Chorgesang bildete Eröffnung und Schluß der Ansprachen, die den Jubilar feierten. Es sprachen Leop. Jgersheimer für den Gemeindevorstand und die Synagogeninspektion, einen prachtvollen silbernen Tafelaufsatz überreichend, Rabb. Dr. Nobel, der in seiner Rede eine geistvolle Erklärung des Wortes „Selah" gab, A. L e w i - s o h n, dessen Rede über die Entwickelung und Bedeutung des religiösen Chorgesangs durch ihren klaren Ausbau außerordentlich gefiel, und Kantor L e v i in, Namen der Synagogenbeamten. Am Abend fand sodann ein Bankett statt, zu den, sich 70 Personen eingefunden hatten,' und das unter der geschickten, humorvollen Leitung A. L e w i s o h n' s in sämtlichen Teilnehmern eine Stimmung heiteren Frohsinns auslöste. Frankfurt ». M. Architekt Wilh. Haller erhielt den 1. Preis von 2500 M bei dem unter Vorsitz des' Oberbürgermeisters stattgehabten Wettbewerb der .Eigenheim-Baugcsellschaft für die Bebauung des Holzhvusenparks. Frankfurt a. M. Louis Grebenau, Kassierer im Hause Beer, Sondheimer u. Co., feiert am 4. April sein 25j ähr iges In b iläum als Angestellter der Firma. Berlin. Dr. F. Feidelberg, Syndikus der Handelskammer, erhielt de» Roten Adlerorden 4. Klasse. Frankfurt a. M. Auch in diesem Jahre ist dafür Sorge getragen, daß zu Pes ach die armen russischen und galizischeu Inden in Osfenbach nach der Kopfzahl ihrer Familien ihren Bedarf an Mazzos gratis erhalten. Fürth.. Zum Oberarzt des städtischen Krankenhauses ist Dr. med. Frank ernannt worden. — Hofrat Alfred Nathan erhielt den Michaelsorden 3. Klasse als Dank des Prinzregenten für die 100000 M, die er jüngst zur Errichtung eines Erholungsheims für Angehörige der b achr. Armee spendete. Karlsruhe. Das Ergebnis der Wahlen zur Israelitischen Landessynode haben wir bereits berichtet. Die Wahlen vollzogen sich diesmal ohne besonderen Wahlkampf. Nur in Heidelberg-Stadt rangen Liberale und Konservative gegeneinander. Der bisherige konservative Vertreter unterlag dem Liberalen. Dagegen siegte mit großer Majorität der zionistische Kandidat Dr. PfLlzer-Weinheim über seinen liberalen Gegner in Heidelberg-Land. -Neben Dr. Psälzer.gehören der Synode wieder die beiden zionistischen Vertreter von Karlsruhe-Stadt, Bähr und Dr. L e v i s, gn. Auch unter den, gewählten Orthodoxen gehören zwei der zionistischen Bewegimg an, Dr. W ü r z b n r ger - Rappenau und Dr. Simon- Heidelberg.. Von dcy 21 weltlichen Sitzen der Synode sind im ganzen nur sechs den Liberalen zu ge fallen. Allerdings erhalten, siel Sukkurs durch die von den Rabbinern des Landes gewählten fünf geistlichen Mitglieder, die mit Ausnahme des Herrn Dr. Eschelbacher-Freiburg unverdächtig liberal sind. Immerhin bleiben die Liberalen in der Synode auch diesmal wieder in der Minorität. il.) Koschmin. Sanitätsrat Dr Moritz FuLs. seit 20 Jahren als Stadtrat und Mitglied verschiebe^ ner Kommissionen im Dienste der Stadt wirkend, ist — 62.-Jahr« alt — plötzlich; ».erschieße«. „ München. Im 42. Lebensjahre verschied Max Mai ent hau, Teilhaber der Gold« und Silberwarenfabrik Rosenau n. Co. Thorn. Hier wurde Bankdirektor Rudolf A s ch zum unbesoldete,, S t a d t r a t gewählt. Wien. Auf der Jubiläumsausstellung des K ü n st l e r h a „ s e s sind zahlreiche jüdische Künstler vertreten: Isidor Kaufmann („Sabbateingang", „Der Sohn des Thoraschreibers aus Wielkowice", „Tempelvater aus Przeworsk), Lazar Kr e st in („Jeurmeiiitenköpfe", „Morris Rosenfeld") und L. B. Eichhorn, I e h u d a E p - stein, Leopold Horowitz, David Ko hu, N i k o l a „ s S ch a t t e n st e i n und B. W. K r a „ s z mit nichtjüdischen Motiven. Budapest. Zwischen dem Redakteur des „Pesti. Naplä" und denk jüdischen Oberstuhlrichter Dr. Heinrich Wertheimstein in Belenyes (dem Schwager Rothschilds) hat wegen eines Artikels 'dieses Blattes gegen Wertheimstein ein Duell Ztattgefunden, welches einen unblutigen Verlauf nahin. j Vor dem Kassationshof ,m,rde dieser Tage folgender Fall verhandelt: Friedrich Groß, Kaufmann aus Szepeßzentgyörgy hatte mit dem Pestcr Großkaufmann Akos Hoffmann geschäftliche Differenzen, die für ihn ungünstig erledigt wurden. Um seinen Konkurrenten zu ärgern, schickte Groß am Jom Kippur eine offene Postkarte folgenden Inhalts: „Aus Anlaß des Herannahens des V c r s ö h u u „ g s t a g e s bete ich und meine Frau zum Himmel, daß Sie und ihre Frau von, Schlage gerührt werden." In erster Instanz >m,rde der fluchsüchtige Groß mit 200 Kronen bestraft. Infolge Appellation gelangte das 'Delikt zur letzten Instanz. Diese Kassierte das Urteil und sprach! Groß mit der Begründung frei, daß die angelvendcten Ausdrücke wohl brutal und grob seien, jedoch keine schimpfliche, darum chrcnbeleidigende Natur haben! Budapest. Dr. Jakob Schreyer wurde zum Hofrat ernannt. Er ist Präsident der vereinigten Handelskammern und hat sich als Kodifikator einen Namen gemacht. — Josef Blücher, der Leiter der Wohltätigkeitssektio» der Kultusgemeinde, hat seine Mutter, Frau Dr. Efraim Blücher geb. Toslau, verloren. Sie war eine durch echten jüdischen Herzensadel ausgezeichnete Frau und .hat am gesellschaftlich jüdischen Leben hervorragend teil genommen. Ihrem Einfluß ist die Gründung der jüdischen Kinderfcrieukolonien zuzuschreiben. Z i o u i. Paris. Der Senator Paul Strauß wurde zuM Präsidenten des Organisationsausschusses der französischen Abteilung der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden ernannt. . Paris. Die Liga gegen die menschliche Tuberkulose verlieh den, Arzte Dr. S. B e r n h e i m, Schwiegersohn des jüngst verstorbenen Arthur Moch in Hagenau, die große goldene Medaille.- Petersburg. . Bekanntlich wurde im vorigen Jahre die Feier des 50 j ä h r i g e n Schriftstellerjubiläums des bekannten jüdischen Gelehrten und-Orientalisten Dr. A. Harkavy infolge des Ablebens .von Baron David Günzburg verschoben, Nunmehr veröffentlicht das Festkomitee in ■ der jüdischen Presse eine Kommunique, wonach die offizielle Jubiläumsfeier am 1. April in der hiesigen großen Synagoge stattsinden wird. Serajewo. Rach den provisorischen Mitteilungen über die Ergebnisse der Volkszählung in Bosnien.und der Herzegowina leben dort gegenwärtig 11850 jüdische Seelen. Rom. Baron Siegfried Treves hat einen Preis von 20 000 Frs. für den besten Essay g e g e n den Autisemitismus aussetzt. Rew-Pork. Der Philanthrop Julius Rosenwal d in Chicago gab 25 000 Dollars für ein Rcger-Bildnngsinstitut. Es ist das bei der Verachtung, ine die weiße gegen die schwärze Bevölkerung hegt, eine eines Juden würdige Tai. Ans der sUmifftföeit vewe-rmg. Fraukftrrt a. M. DieZion. Jugend gruppe, die jetzt 104 Mitglieder zählt, hielt folgende Porträte in diesem Winter ab: Geschichte und Wesen desZionismus (Zahnarzt R. Nußbaum, Hanau), Zionismus und gesetzestreues Judentum (Lehrer B-.Stern, Sekretär I. I. Braun), Zionismus und Deutschtum (Fritz Sondheimer), Die Begriffe .Volk und Nation (Dr. jur. I. Gottlieb), Die soziale Lage der der Inden der Gegenwart im Lichte. der Statistik (Dr. jur.. I. Gottlieb), Die Juden in Palästina (Dr. jur. Siegfr. Schwarzschild), Zionismus und freies Menschentum (Parteisekretär K. Blumenfeld-Berlin), Was unserer Jugend nvttut (Dr. I. Forschmann) und Freies junges Judentum (Fräulein Nannh Auerbach- Köln). Reges Interesse fand ein Inngjüdisch er Abend mit Rezitationen aus der modernen jüdischen Literatur von Fräulein E. Kassel und Herrn S. R o s e » h e, m e r. Ein jüdischer G es ch i ch t s k n r s „ s unter Leitung Lehrers B. Stern iourde begonnen. Frankfurt a. M. Die Zion. Jugendgruppe hielt Donnerstag ihre letzte Versammlung in dieser Saison ab, zu der sich ein recht zahlreiches Publikum versammelt hatte. Nachdem der Vorsitzende, L. Perlmutter, mit einer längere», recht wirkungsvollen Ansprache, in der er, an verschiedene Ereignisse der letzten Wochen anknüpfend, den Zionismus als die einzige Lösung der Jndcnsrage zeigte, die Versammlung eröffnet hatte, ergriff Frl. % Auerbach- Cöln das Wort zu ihrem Bortrage über „Freies junges I u d e n t „ m". In ihrem Referate, das auf das Thema selbst nur wenig einging, entwarf die Rednerin ein Bild der jüdischen Jugend Westeuropas vor dem Zionismus und schilderte die neuen Ideale» die ihnen dieser gegeben habe. Reicher Beifall lohnte ihre Ausführungen. Zahnarzt N U ß b au m-Hanau hielt sodann 'ein kurzes Korreferat, in dein er aus die furchtbare Lage des jüdischen Volkes in der Gegenwart hinwies, die einzig und allein durch den Zionismus gebessert werden kann. In warmen Worten forderte er die Jugend zur Mitarbeit ans. In der Disk»ssiv n sprach N a ch n in G o l d - m a ii il über die jüdische Jugend der Gegenwart, deren Fehler im Osten cs ist, mit der Tradition der Väter gebrochen zu haben, int Westen aber aus salschverstandencr Pietät jedes Recht ans selbständige Geistesarbeit anfgeben zu »lüsseii geglaubt habe. Stuf die Bedeutung des Zionismus als K n l t u r b e w e g u n g übergehend, zeigte er, wie das große Problem-der modernen jüdischen Kultur die Art und Weise ihrer Vereinigung mit der europäischen Kultur sei. Das ganze 19. Jahrhundert hindurch habe das jüdische Volk diese Bereinigung hcrznstellen gesucht, im Westen durch die Reform und Assimilation, die in dein Anfgeben der jüdischen Kultur zugunsten der europäischen bestand, im Osten durch die H a skalah, die die Forderung aufstellte: „Sei Jude in deinen Zelten und Mensch (— Europäer) draußen!" Diese beiden Versuche seien verfehlt gewesen; erst der Zionisinns habe das Problem gelöst, indem er die Annahme der europäischen Kultur auf der festen Grundlage der ererbten jüdischen als den einzig richtigen Weg zeigte. Nach einem kurzen Schlußworte der Referentin schloß die Versammlung, die dem Vereine 28 neue Mitglieder gebracht hat. London. Die Anglo-Palestine Company wird — wie im Vorjahre — 41/60/o Dividende verteilen. Die von ihr an Häuserbaugesellschasten, Kolonisten und Leihgenossenschaften (deren cs in Palästina 30 mit über 1200 Mitgliedern gibt) gewährten Kredite betrugen 21148 Pfund (gegen 10 962 Pfund im Vorjahre). AuS den Vereinen. Frankfurt a. M. Die Bereinigung zur Pflege von Literatur und Geselligkeit teilt mit: Am Donnerstag Abend begann im Vereinslokale Cafe Tiergarten, unter der Leitung des Herrn Dr. I. H. Bondi, die Lektüre von Maeterlinck's Drama „Der Eindringling." Zum neuen Schriftführer wurde Julius Löwenthal, Jähnstraße 21 ernannt. Frankfurt a. M. Der Jahresbericht der Weiblichen Fürsorge (Vorsitzende: Bertha Pappenheün) gibt wiederum ein sprechendes Bild von der vielgestaltigen Tätigkeit dieser Organisation. Die „Fürsorgekommission" hielt wöchentlich ihre Sitzungen ab. Sie hatte etwa 150 J-älle zu bearbeiten, in erster Linie für den Almosenkasten und den Hilfsverein. Die „Beratungsstelle der Säuglingsfürsorge" kümmerte sich um 126 Kinder, und die „Säuglingsmilchkiiche" versah 138 Säuglinge mit Nahrung. Die „Kinderschutzkommission" hat, da sie mit dem Mangel an geeigneten jüdischen Pflegeeltern zu rechnen hat, den Plan gefaßt, in Isenburg ein Kinderhaus zu errichten, das Säuglingen und Kindern bis zum 6. Lebensjahre Aufnahme gewährt. Im vergangenen Jahre führte die Kommission die Aufsicht über 64 Kinder. An den „Stellennachweis für Frauen und Mädchen" wandten sich 901 Arbeitgeber und 990 Arbeitnehmer, davon 703 bezw. 680, die auf die Sabbatbeobächtnng'Wert legen. Der Stellenvermittlung ist nänmöhr. ein Zimmernachweis angegliedert worden. Die ^^Wohnungsfürsorgekommission" besichtigte etwa *160'Wohnungen. Dieser lokalen Arbeit schloß sich eine Tätigf e i-t- Ht r© a I i j t e « an, die sich auf das Hinsenden vomKindergärtnerinnen und Krankenschwestern undnNß-^die Bekämpfung des Mädchenhandels, erftreckktz-^rsZ M ' - ...

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