Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1911)
- Date
- 1911-03-31
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. - gtartlfaiiet FsraeWWeS FamMenklalk. Nr. 13. pelt oder stelzt das Kind, und' üppigen Prunk entfaltet die „Dame" von der zierlichen Stiefelette an bis zur höchsten Reiherfeder des verwegenen Hutes! Nun, haben sich unsere Weisen einmal träumen lassen und haben in den Zeiten unserer Altvorderen auch eine herrliche Erfüllung dieses Traumes mitgemacht, daß die bescheidene Einfachheit und die züchtige Zurückhaltung Israels feinste Tugend und größter Stolz seien. Sie sind nicht müde geworden, darauf hinzuweisen, daß die Keuschheit ein Lebensnerv des jüdisch e n Frau eng esch l echts sei. Heute aber sind unsere Frauen wantÄnde Kleiderleiber aus den Schaufenstern der MRrewarenhäuser — verzeihen Sie das trotz seiner Gerechtigkeit harte Bild —, suchen sich in auffälligen Toiletten zu überbieten und verwischen damit zugleich allmählich jeden Unterschied zwischen arnr und reich im Auftreten. Das hat zunächst eine sittlich und -in zweiter Linie eine sozial höchst bedenkliche Seite: Es wird von frühester Jugend an eine Gewohnheit großgezogen, ich hätte bald gesagt großgezüchtet, ausschließlich auf Aeußerlichkeiten zu achten, Augenmerk und Wertschätzung leoiglich auf Aeußerlichkeiten zu richten. Was prunkt, prahlt, manchmal wohl auch protzt, erlangt Ansehen, erhält freundlichen Gruß und wird als ebenbürtig anerkannt, mag sich auch noch, so viel Hohlheit und Lieblosigkeit unter den wallenden Federbüschen und den samtenen Roben verbergen. Und doch sind anspruchsvolle Leute zuweilen der Meinung gewesen, daß der innere Mensch den richtigen Gradmesser für die Beurteilung und die Behandlung einer Persönlichkeit abgab, daß erworbene Kenntnisse, verfeinerte Herzensbildung, ein. hochentwickelter Intellekt und tapfere -Charakterabschleifung ungeheuer viel höhere Rangstufen gewähren als mit dem oft schwer verdienten Gelde der Eltern oder des Gatten erstandene kostbare Toiletten. De die Achtung und Begutachtung der Welt nun ein freilich nicht zu unterschätzender und heute sogar vielfach überschätzter Faktor ist, so ist men allerseits emsig daraus bedacht, sie zu erringen und aufs Sorgsamste zu pflegen, was zu ihrer Erringung führen kann. Man vernachlässigt also oft von der Kindheit an seelische Werte, deren Behütung und Entwicklung doch größtes Glück und reinste Aufgabe der Eltern sind und bringt ein verzerrtes, cinseitigcsund entstelltes Weltbild in die Gemüter. Dabei indessen blcibt's nicht stehen; hat einmal der böse Trieb irgendwo eingehakt, so läßt er nicht; wieder los. Kleider machen Leute, schöne Kleider machen schöne Leute. Gesagt, getan, man sucht sich zu „verschönern", und dieser Verschöncrungstrieb erweckt die Gefallsucht. Diese ihrerseits ist der erste und schon recht klotzige Schritt zu dem Feuer, mit dein man erst spielt, bis es fressend um sich greift und das ganze Haus in Brand zu stecken droht: der sinnlichen Begehrlichkeit. Sic sehen, lieber Freund, daß man doch nicht so ganz gleichmütig bei dieser Prunksucht bleiben kann, wenn sic unsere jüdischen Häuser erfaßt. Und nun kommt die soziale, nicht minder bedenkliche Seite. Man muß mittun, ob man von vornehercin will oder nicht. Man inuß mittun, ob man's hat oder nicht hat. Schließlich ist man nicht mit Hornhaut bewaffnet, schließlich schmerzt's, wenn Frau oder Tochter als' Geschöpfe niederen Ranges betrachtet werden, wenn sie keines Grußes oder nur eines steif-kopfnickenden Grußes gewürdigt werde». Man ist's wohl auch seiner Stellung schuldig oder den Kreisen, in denen man verkehrt, sich nicht „lumpen" zu lassen, standesgemäß zu erscheinen. Nun ist das. Leben heute teuer genug, für den Mittelstand nahezu unerschwinglich teuer. Den allgemeinen Ausgaben gesellen sich bei uns Juden noch besondere zu, die wir im Bewußtsein der Erfüllung unserer Pflichten gerne bestreiten, die wir aber immerhin bestreiten nrüssen. Ich brauche Ihnen das ja nicht besonders zu exemplifizieren. Der auf sich selbst gestellte Kleinbürger ist so in einer Zwangslage, aus der er keinen Ausweg, weiß, lieberschlägt er sein Budget, so ist er nicht berechtigt und nicht ynstande, bedeutende Summen für die; Bekleidung der Damen seiner Familie aufzuwenden. Aber man verlangt sie von ihm und er darf nicht knausern. Ich wüßte Ihnen manche Fainilie namhaft zu machen, bei der der Hausvater, der seine beste und intensivste Kraft aufwendet, um sich über Wasser zu halten, stöhnt und zusammenzubrcchen droht unter der ihm durch die Mode der Welt auferlegten Bürde, die in seinen Umständen riesigen Summen für Kleider und Hüte zu erschwingen. Ausgaben und Einnahmen balancieren bei ihm nicht, er lebt mithin über seine Verhältnisse und steuert über kurz oder lang, wenn nicht ein unvorhergesehener Glücksfall eintritt, dem Untergang zu. Auch Beispiele für diese Kategorie könnte ich Ihnen bezeichnen, die Sie dann aus der Kenntnis unserer süddeutschen Großstadt gewiß ergänzen würden. Sie werden mir zugebe», lieber Freund, das sind ungesunde Zustände, sowohl in sittlicher wie in wirtschaftlicher Hinsicht. Sic werden mir ferner zugcstchcn, daß diese Zustände ganz besonders für uns Juden ungesund sind, und daß wir. damit eine schwerere Verantwortung auf uns laden, als wir tragen können. Vielleicht allerdings, daß Sie mir entgegenhalten, man - dürfe schließlich niemandem verwehren, mit seinem Gelde zu schalten und zu walten, wie's ihn» oder ihr beliebt, und jeder trage seine eigene Haut zu Markte. Aber ich würde Ihnen auch hierin entschieden widersprechen. Für uns Juden soll das Geld seine Hauptbedeutung nur als Mittel zu höheren Zwecken haben, lind cs harren hunderte brennender, drängender Fragen innerhalb des Judentums, innerhalb der Iudenheit ihrer Lösung, die, im tiefsten Grunde betrachtet, nur Geldfragen sind. Aus der Enge seiner Einzelpersönlichkeit sich hcrausweiten zum Begriffe der Gesamtheit, sich seines überlieferten Gutes bedienen, um die jüdische Allgemeircheit auf ihrem schlveren Wege vorwärts zu bringen: °bäs wäre eine erlaubte, würdige und gewünschte Anwendung. Hunderttausend!: unserer Brüder und Schwestern lugen in bitterer, endloser Not in steter, marternder Todesangst nach Befreiung aus. Und da sollte sich bei uns Juden, .dem Volke der Barmherzigkeit, frevelhafte Willkür brcitspreizen dürfen, sollten hunderttausende fiir Tand und Flitter vergeudet werden dürfen, die jenen Brot und Licht geben könnten? Einmal, lieber Freund, muß Bresche gebrochen, einmal mannhaft ein offenes Wort ausgesprochen werden, das vielen schon lange im Herzen bohrt, einmal muß mutig geschwommen werden gegen de n S tr om. Bentaebi« Beobachtungen pr. St 1 Mk. Ermit- AlPAnVtelnngen, Recherchen n. Auskünfte vtvUUl v. 5 Mk. an. Gewissenhafte Ans führnnx u. strengste Diskretion als mehrjähriger Polizeiu. Kriminalbeamte gesichert Frankfurt a. M. Zell 63.1 Tel. 11301_ gezählt: Ganz- oder Cmvoropfer, Sündopfer, Schuldopser, Dänkopfer, Friedensopfer pnd verschiedene Mehlopfer. Auch sind die Sünden genannt, wegen derer Sühn- oder Schüldopfer zu bringen war. (Eidesaussage, Veruntreuung heiligen Guts, Entweihung des Heiligtums im Zustande körperlicher Unreinheit usw.) — Meder’s mechanische und Drucklnft -Teppich - Reinigung. Tel. 4642. Inh. Heinrioh Trösch» Bergerstr. 149. Rücklieferung nach 24 Stunden. - . H AS SIA S PRU DE L E •VILBEL' Kur-u.TafeWiit>i>M r: C.W.HOFFMANN Frankfurt?»« lumboldtstrass(^Q^^^^^^relefor^369^^ Sprechfaul Das diesmalige I a hl r b u ch des Verbandes der Vereine für jnd. Geschichte und Literatur in Deutschland gibt lebhaften Grund zur Beanstandung. Ich will ganz darüber hinwegsehen, daß man nur Platz für hervorragende Führer der liberalen Richtung hat, allein das kann man doch von den Herausgebern verlangen, daß sie anderseits auch den Gefühlen des traditionell-gläubigen Teils ihrer Mitglieder mehr Rechnung tragen. Das haben sie mit der Novelle „Vcrföhnungstag" von Hauschner nicht nur nicht getan, sie haben sogar durch Aufnahme dieser Novelle vielfach Entrüstung hervorgerufen. WaS soll man dazu sagen, Ivemi man da liest, daß eine Familie am Vorabend des heiligsten Festes sich durch Kalbsbraten und Käse für den Fasttag rüstet, — und dann, wie überhaupt dieses ,,Fasten". im Laufe der Erzählung geschildert wird! Während man allseits im Judentum gegen Taufen und Mischehen mobil macht, ist hier eine Auffassung wahrzunehmen, die Mischehen versöhnlich gegenübertritt. Möchte die Leitung des Verbandes der Literaturvereine in Zukunft derartigen Leistungen ihr Jahrbuch verschließen. . Zioni. Spenden. Beim Frkft. Jsr. Familienbl. gingen für die OPPenh eime r' s ch cS i c dlu n g s g en o ss e nschaft ein: Alfred Goldstein, Felix Schlesinger anstatt Telegramm zur Hochzeit Dr. May/Sarah Mayer ' 1,— JL Sammlung 9,25 „ ferner für den Jüd. Nationalfonds: Auf den Namen von Frl. Nanny Auer-. bach-Köln nach ihrem Vortrage gesammelt durch L. P. 2 Oelbäume 12,— JL. Damen-Taghcmdcn u. Beinkleider Ufachthemden, jNachtjacken Unterröche — Solide eratklaaalgo Fabrikate Heuer tfc Schoen Rossmarkt 1. J. EMMEL & SOHN Schillerstrasse 26. Spezial'Gesehlft für Malo Zeiehen-DUnsillen. Holzürand-, Kerbsehnltt-, Tarsoa. Batik-irflkel. Wachen-Kalender. (Zeitangaben nach dem Luacb.) Samstag, den 1. April l— 3 Nissan Sabbat-Anfang in Frankfurt o. M. 6 Uhr 25 Min Sabbat-Ausgang in Frankfurt a M. 7Uhr 45 Min., in Berlin 7 Uhr 20 Min. Wöchenabschnitt: Wajikro. — Die verschiedenen Arten von Opfern und die Vorschriften für dieselben. Es gab freiwillige und Pslichtopfer, Gemeinde- und private Opfer, je nach dem Opfergegenstande, Tier- und Mehlopfer (Speiseopser), auch Wein- und Gußopfer. Ws Opfertiere fiiib Rinder, Stiere, Kalb, Ziege und Tauben genannt. Die Mehlopfcr konnten gebacken und in verschiedener nbereitung gebracht werden oder auch als reines kehl. Das Sprengen des Opserblutes gegen den' Altar war Hauptsache, nicht das Schlachten. Manche Opfer wurdcii ganz auf dem Altarfener verbrannt, von andern wurden verschiedene Teile von den Priestern gegessen, das übrige, verbrannt. Es sind anf- Karnlliennachrichte». Gebürtem. Eine Tochter, Herrn Gustav Hochseld (Simonsohn), Hamburg. Einen Sohn, Herrn Mendel Vogel (Landau), Frankfurt, Banmweg 15. Einen Sohn, Herrn Karl Rosenberg (Dreifuß), Homburg v. d. H. verlebte. Selma Tuchler, Berlin '— Max Gronema»», Ncustettin. Irma Sturmthal, Paderborn — Siegfr. Moses, Berlin. Else Sta.rgardt, Landsberg — James Cohn, Hamburg. Jeanette Hausmann, Mainbernheim — Ferdinand Oestreicher, Frankfurt, Mcrianstr. 27. Alice Cahn, Frankfurt, Fcldbergstr. 14 — Jacques Cahn, Sternstr. 28. Anna Rosenthal, Wiesbaden — Heinrich Lorsch, Hanau. - Bella Fürth, Frankfurt, Eschenheimer Anlage 31a — Manfred Bock, Frankfurt. . . Hilda Sommerfeld, Darmstadt — Sally M. Rosenthal, Straßburg. Sidony Schuster, Obcr-Secnicn — Ludwig Weil, Okriftel. Rosa Hirsch, Hüls — Alfred Frank, Köln.