Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1911)
- Date
- 1911-03-17
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2692297-2692716-2692727--06047-2701022- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 11._• dem Verlobten zu und reichte ihin die Hand, die er an seine Lippen drückte. (Fortsetzung folgt.) „Zu Geschenken eignen sich meine Operngläser, Feldstecher.Lorgnons, Barometer. Thermometer. Brillen, Pincenez; Spezialwerkstätte für Optik, Mechanik, Elektro» technik. Physikalische Lehrmittel." „I. W. Albert, Inh. Paul Wandercy, Haus Neptun. Ecke Neue Mainzerstr. und Weißfrauenstr. 11. Tel. 7254, Amt I." Schlafzimmer-Einrichtungen Bettenfabrikation, Bett-Wäsche. Georg Aniendt, Xachf. Bleidenstrasse 10. " 'j Bunte Chronik. Das Regen-Bittgebet und das Klima in Palästina. In jedem Jahre wird bekanntlich von den ersten Tagen des Dczcnibcr ab (in diesem Jahr ab 4. Dezember) die Bitte um Niederschläge dem „Schmaunoh Ezroh"-Gebet für die Dauer des Winters eingeschaltet. Es ist dies die einzige Variation tu unserem Gebetbuch, die in keiner Beziehung zum jüdischen Festkalender steht, tveil hierbei nicht das Mondjahr, >ondern das Sonnenjahr maßgebend ist. Auch das bürgerliche Datum dafür ist nicht stets das Gleiche, da unsere Berechnung etwas von der des Gregorianischen Kalenders abweicht. Bemerkenswert ist nun, das; der Dezember in der Tat der n ie d er sch la gre i ch ste Monat in Palästina ist, was sich aus der jüngsten Veröffentlichung in der meteorologischen Zeitschrift über das Klima in Hebron crgiebt. Es fiel nämlich die grösste Regenmenge der letzten 15 Jahre im Dezember 1905 und zwar 357 Millimeter. Man kann ermessen, tvie groß die Summe ist, ivcnn man bedenkt, das; hier in Frankfurt im Verregnesten Monat der letzten 100 Jahre nur 267 Millimeter Regen fiel und im allgemeinen mehr als 150 Millimeter Regen im Monat schon eine große Seltenheit ist. Welche große Unterschiede in Palästina Vorkommen, ersieht man daraus, daß im Dezember 1906 nur 30 Millimeter Regen fiel, ein Beweis, wie begründet unsere Bitte um Regen auch noch heute ist. Wie lang und intensiv die T r o ck e n p e r i v d e in Palästina ist, besagt die Tabelle für Juli und August, in diesen Monaten hatte es in Hebron in den verflossenen 15 Jahren nicht ein einziges Mal und im Juni nur an einem Tag während dieser Zeitdauer geregnet, während beispielsweise hier in Frankfurt ein Monat ganz ohne Niederschläge noch nie vorkam. Auch die Aufzeichnungen über die Temperatnrgradc sind interessant; es zeigt sich, daß diese speziell in den Monaten Dezember und Januar im Durchschnitte wesentlich.höher als bei uns sind. L. L. Das jüdisch-gesellschaftliche Leben der 80 er Jahre in Petersburg. In der „Historisch-ethnographischen Gesellschaft" in Petersburg sprach jüngst Dr. I. L. Kantor über das obige Thema. Er schilderte den Einfluß der großen Schriftsteller Zivi Hirsch, Hakohen Rabinowitsch, Lewanda, Bnki beu Uogli, P. I. Lewinsohn, Bogorod >usw. Fast keiner dieser Männer hatte eine Schule besucht. Rabinowitsch hat bis an sein Lebensende nicht gut russisch sprechen können und war trotzdem mit dem damaligen Bildungsminister Deljanow, dem Erfinder der Prozentnorm für jüd. Schüler, befreundet. Interessant >var auch die Persönlichkeit Lewandas. Er besuchte die Rabbinerschule und zeigte große Begabung. In seiner Jugend war er Mitarbeiter der polnischen Zeitung „Wilenski Dnicunik". Nach dem Aufstand im Jahre 1863 ging er zu den Russen über, wofür ihn das polnische Gericht zum Tode verurteilte. Mit Hilfe der Frau eines der Gerichtsherren entfloh er aus dem Gefängnisse an dem Tage, da das Urteil hätte vollstrcckt werden sollen. Lewanda blieb bis an sein Lebensende ein treuer Jude und schloß sich nach den Pogromen in den 80er Jahren den Chowewci Zion an. Die Juden in den italienischen Kriegen. Im Jahre 1848 wurden die Freiwilligen aus Piemont meist den Bergsaglicri zugeteilt: man teilte sie in drei Kompagnien: die Studenten bildeten die 3. Kompagnie des 4. Bataillons, die Juden die 7. Kompagnie und die anderen Freiwilligen die 4. Kompagnie. Die sogenannte Hebräerkompagnic zeichnete sich ganz besonders aus. Sie war aus der Katastrophe, in welche das piemontesische Heer 'hineingeraten war, unversehrt hervorgegangen'und rettete dann in Mailand Karl Albert aus großer Gefahr. AE dann im Jahre 1849 der Krieg von neuem Mankfurter ZsraeKtiUrs gattiilienMaä. begann, überschritt die Hebräerkompagnie mit der 8. Kompagnie, unter Führung König Ulberts, den Ticino und kämpfte überaus tapfer bei der „Sforzesca". Zwei Tage später tat sie bei der „Bicocca" wahre Wunder von Tapferkeit. Inmitten der Kompagnie wurde General Perrone getötet und der heldenhafte Major Lyons durch eine Kanonenkugel Ichwer verwundet und aus dem Sattel geschleudert. Inter den: Rufe: „Rächen wir unfern Major!" stürzte sich die Hebräerkompagnie dann auf den Feind, den sie mit solchem Ungestüm augriff, daß er in wilder Flucht das Schlachtfeld verließ. Als die Hebräer dann erfuhren, daß in ihrer Nähe ein Infanterieregiment von Savona von der feindlichen Uebermacht hart bedrängt werde und seine Fahne bedroht sei, wandten sie sich mit großein Elan dem neuen Feinde zu. Hauptmann Cattaneo, der Führer der Kompagnie, wurde so schwer verwundet, daß er wenige Tage darauf starb: der Leutnant Ritter Radicati, der an seine Stelle trat, wurde getötet; von der ganzen Kompagnie kehrten nur etwa vierzig Bersaglieri unter der Führung des Unterleutnants Dr. Modena heim; aber die Fahne war gerettet! „Grande Jtalia". Kunst und Literatur. Erstes I ahr es - S up plem ent 1909/1910 (Band XXII) zu Meyers Großen« Konversations-Lexikon. 964 Seiten Text mit mehr als 1000 Abbildungen, Karten und Plänen im Text «nid auf 83 Bildertafeln (darunter 4 Farbendrucktafcln und 15 selbständige KarteN-Beilagen) sowie 10 Textbeilagen. In Halbleder gebunden 10 JL oder in Prachtband 12 Jt. (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.) Eine wichtige und wertvolle Fortführung hat der „Große Meyer" soeben in Gestalt des Ersten Jahres-Snpplements 1909/10 erfahren, dessen Inhalt in. erster Linie eine Anzahl Artikel bildet, die .in früheren Bänden Behandeltes' ergänzen und erneuern. Hierher gehören die zum Teil recht umfangreichen Beiträge über die neueste Staatcngeschichte und die bei den Erdteilen, Staaten und Kolonien aufgenommcnen geographischen Uebersichten. Auch die Enttoickelung der deutschen Großstädte hat eine ausführliche Berücksichtigung gefunden, was namentlich durch Zuteilung von übersichtlichen Stadtplänen der bedeutend getvachsenen Jndustrieorte Barmen, Bochum, Duisburg-Rnhrort und Elberfeld zum Ausdruck kommt. Sorgfältigste Vervollständigung haben ferner die biographische» Artikel und die Abhandlungen über die verschiedenen National- Literaturen erfahren. Außer diesen Ergänzungen wird noch eine reiche Fülle neuen Stoffes dargeboten. Wir verweisen aus die Artikel „Berufs- und Betriebszählung", „Deutsches Kapital im Auslande", „Eingemeindungen", „Gemeindefiuanzen", „Reichsfinanzreform", Modernes Städtewesen", „Vo.kZvertretung" und »-Welthandel". Ans dem Gebiet der Gesetzgebung seien die Artikel „Automobilversicheruug", „Bergrecht", „Jnstizreform", „Kriminalistik", „Versicherung", aus der Technik „Betonhäuser", „Dampfmaschine", „Dampfschiff", „Drahtlose Telegraphie", „Eisenbahnsignale", „Fernscher" und „Fernsprecher", „Klavierspielapparate", „Lustschisfahrt" und „Flugmaschinen", „Massenfabrikation" und „Seismometer" genannt. Von allgemein - naturwissenschaftlichen Zeitfragen greifen wir die „Deszendenztheorie", „Naturdenkmäler", „Naturkunde" und „Naturwissenschaftlicher Unterricht" heraus und stellen mit Genugtuung fest, daß weder die Diamantenfunde in Südafrika noch die Telegraphie der Naturvölker vergessen, daß Radioaktivität oder die Abstammung des Menschen ebenso wie die Tiersprache angemessen behandelt worden sind. Ein jüdisches I a h r b u ch. Den Freunden der jüdischen Literatur steht eine willkommene Ucberraschung bevor. Ein jüdisches Jahrbuch mit reichhaltigem Inhalt und in geschmackvoller Ausstattung wird demnächst der Oesfentlichkeit übergeben werden. Der akad. Verein „Emunah" in Czeruowitz der bei der Herausgabe dieses Werkes keine Mühe scheute, sieht nunmehr einen seiner Lieblingsgcdanken der Realisierung entgegengehen: Es soll allen Juden, die für jüdische Wissenschaft und aktuelle jüdische Fragen Interesse haben, ein Buch in die Hand gegeben iverden, ivelches die Stellungnahme bedeutender jüdischer Persönlichkeiten zu aktuellen Tagcsfragen und in gefälliger Abwechslung gelehrte Diskussionen bietet. Die bedeutendsten Männer der jüdischen Moderne werden im ersten Jahrgange zu Worte kommen und zwar: Dr. Maier Balaban (Selman, der Judenmeister aus Drohobycz), Dr. Nathan B i r n b a u m (Aussichten und Einblicke), Dr. Martin B u b e r (Die Mythen des Chassidismus), Dr. I. E l i a s ch o s f (Dr. Birnbaum und die jüdische Moderne), Dr. Leo Kellner (Das Rassenproblem), Dr. Ernst'Müller.(Einiges zum Probleme des Golus), Dr. Daniel Pasmanik(Die sieben Lügen des modernen Judentums), Dr. Samuel Nappaport (Harkavi), Dr. Max Rosenf e l d (Die nationale Autonomie der Juden in Oesterreich), Dr, Marek Scherlag (Franzos als Seite 5. Jude), Salomon Schiller (Achad-Naam), Dr. Ignatz Schipper (Die Entstehung des Ghettos in Polen), Reichsratabgeordneter Adolf Stand ßllordau, Mann der Tat und Redner Dr. Birnbaum), Dr. Osias Thon (Die gegenwärtige Lage im Zivuismus), Davis T r i e t s ch (Umschwung in der Türkei und die jüdischen Palästinabestrebungen). Eine neue hebräische Jugendzeitschrift in Palästina. Demnächst wird in Jaffa unter dem Namen „Aioledeth" eine neue illustrierte hebräische Monatsschrift für die reifere Jugend erscheinen. Die neue Monatsschrift wird von dem Verband hebräischer Lehrer in Palästina mit Unterstützung des Jugendschriftenverlags „Koheleth" herausgegeben. Der Abonnementspreis wird für Palästina 10 Frcs., fürs Ausland 13 Frcs. jährlich betragen. Dem Verwaltungsrat gehören A. Berlin, S. D. Levontin, Direktor der Anglo-Palestine Company, Mordechai ben Hillel Hakohen, B. Joffe, Nt. Scheinkin, M. Disengoff und P. Auerbach an. Adresse: „Aioledeth," Jaffa, österreichische Post. Deutsches Beobachtungen pr. 8t. 1 Mk. Ermit- DßlPrfiVtelungen, Recherchen u. Auskünfte GlvUUi v. 5 Mk. an. Gewissenhafte Aus- Institut führung u. strengste Diskretion als Frankfurt a. ~M. mehrjähriger Polizein. Kriminal- _Tai! n38i_beamte gesichert J. EMNIEL & SOHN Schillerstrasse 26. Spezlal-Gesehäft für Haiu Zeichen-Utensilien. Holzbrand-, Kerbsehnltt-.Tarso-u. Batlk-irllkeL Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Lnach.) Samstag, den 18. März 18 Adarr. Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 6 Uhr — Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 20 Min., in Berlin 6 Uhr 55 Min. Wochenabschnitt: Ki-Sisso. — Israel soll eine gleich heitliche Schekelsteuer bringen zur Stifts- Hütte. (Nach der Tradition zur Anfertigung der Silbersüße zu den Brettern bestimmt.) Am Eingang des Stiftzeltes soll ein kupfernes Waschbecken stehen. Aufzählung der Gewürze zur Bereitung des Salböls. Die verschiedenen Spezerien zur Herstellung des Räucherwerks. Nachahmung beider verboten. Das Gebot des Sabbat als Bundeszeichen. — Die Geschichte von der Anfertigung des goldenen Kalbes: Moses weilt auf dem Berge, um das übrige Gesetz zu empfangen. Das Volk wird ungeduldig, zweifelt an Moses Rückkehr und zwingt Ahrou zur großen Nationalsüude. Aus Ohrringen und anderem Schmuck .entsteht das goldene Kalb. Moses kehrt vom Berge zurück. In Entrüstung zerbricht er die Steintaseln. Gott will ^das Volk vernichten. Moses wünscht sich selbst den Tod. Die ergreifende Fürbitte Moses für Israel. Gott verzeiht das große Verbrechen. Der Gott treu gebliebene Stamm Levi schart sich um Moses; sie bestrafen die Sünder durch's Schtvert, Gott außerdem durch eine Seuche. Moses schlägt nun die Stiftshütte außerhalb des Lagers auf. Gott will nicht selbst das Volk mehr führen. . Moses fleht von neuem um Wohlwollen, Gott willfahrt ihm. — Moses steigt auf den Berg, um zuin zweiten Male steinerne Tafeln zu erhalten. (Moses' Fürbitte — Waj' chal — ist Thoravorlesung an den Hauptfasttage». Die Scherben per ersten Tafeln werden in der hl. Lade aufbewahrt zur Erinnerung.) Die Gebote der Fernhaltung von Vermischung mit den heidnischen Ureinwohnern Palästinas, der Pflicht der Wallfahrten und der Weihe der Erstgeborenen. — Moses Antlitz strahlt beim Abstieg vom Berge der Sonne gleich; er verhüllt sich, wenn er zum Volke redet. Parschas-Poroh: „Porsche Poro", der Alb schnitt von der „roten Kuh." ist rätselhaften Inhalts. (4. B. M. Kap. 19.) Wir hören von einer vollständig roten Kuh, die als Sühnopfer geschlachtet werden sollte, um dann zu Asche verbramrt zu werden. In den Brand warf man Zedernholz, Ysop und Karmesinfaden. Die Asche wurde in verschiedenen Urnen aufgehoben. Wenn nun jemand eine- Leiche berührte oder ein Grab, einen Leichenknochen. Leichenstaub oder Gefäße, die mit Toten in Berührung kamen, oder wer „mit einer Leiche unter einer nnd derselben Bedachung geweilt," der war „tome" (unrein) mindestens 7 Tage. Er wurde vom Priester „entfündigt" oder gereinigt: mau füllte ein Gefäg mit Ouellwäsfer, mischte darin von der ätsche der roten Kuh nnd besprengte mit dieser Mischung vermittelst Asop-Stengelchen den „Unreinen" am 3. und 7. Tage. Erst dann war der Genuß gewisser Ovfergaben oder eventl. der Eintritt ins Heiligtum gestattet. — Das Gebot der roten Kuh, das zu den sogenannten „Chukkim" gehört, führt an das größte Problem unseres Daseins: Leben und Tod. Dunkel wie,unser Kommen und Gehen, bleibt das Poro-Gesetz mit seine» eigentüm lichen Vorschriften. So z. B. wurden alle „tome" (unrein), welche die rote Kuh bei der Opferung