Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1911)
- Date
- 1911-03-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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beite 4. Frankfurter UraeWsKes Fcnnilienblatt. Nr. 9. Mission mit der bedeutsame» Aufgabe betraut worden ist. Denn sie gehört zu den fortschrittlicheren Ausschüssen und hietet darum nicht die Gefahr, daß sie den Gesetzentwurf überhaupt ablehnen wird. Andererseits ist die Befürchtung, daß diese Kommission, die in der Erledigung ihrer bisherigen Hauptaufgabe noch nicht vom Fleck gekommen ist, die Erörterung des Wohnrechtsgesetzes ad calendas graecas aufschieben könnte, durch die ihr gesetzte Monatsfrist beseitigt. So weit ist die vorläufige Situation für den Gesetzentwurf verhältnismäßig zufriedenstellend. Ungünstig hingegen ist der Umstand, daß die Beratung über diesen Gegenstand in eine Zeit leidenschaftlicher Kämpfe uni eine andere Spczialfrage fällt. Die Juden sind von jeher in Rußland der Sündenbock, sobald die Geister aufeinandcrplatzen. So gering auch der Prozentsatz der jüdischen Jugerid an den russischen Hochschulen und so minimal schon deswegen ihr Einfluß auf die Hochschulkrisis ist, unterliegt es doch 'keinem Zweifel, daß die jetzige haßerfüllte Atnwsphäre für eine humane Äsung der Judenfragc momentan nicht die geeigneten Voraussetzwigcn bietet. Durste doch erst vor kurzem .Lin Vertreter -der „echten Russen," Schulgin, in der Duma mit Judenpogromen drohen, falls die Gärung in der Studentenschaft nicht schwinden' sollte. Warschau. Ja einem Artikel, den die hiesige ,-Hazefirah" aus der Feder eines ihrer Jerusalemer Mitarbeiter veröffentlicht, wird der höchst unwürdige Zustand, in dem sich, die Kl agem aucr in Jerusalem befindet, lebhaft beklagt. Der Zugang zu dieser geheiligten Stätte führt durch äußerst schmutzige, von Arabern niedrigsten Standes bewohnte. Gäßchen. Die Anwohner verhöhnen und belästigen die Juden, die an der Klagemaucr um die Wiedcraufrichtung Zions beten, in der gemeinsten, unflätigsten Weise. Der Artikelschreiber führt aus, es sei beschämend für die Judenheit der Diaspora, daß bis heute nicht das Geringste versucht worden ist, um diesem schmachvollen Zustand ein Ende zu machen. Er fordert die jüdischen Wohlfahrtsgesellschaftcu und Palästinaorganisationen, wie überhaupt sämtliche wohlhabenden und einflußreichen jüdischen Kreise Europas und Amerikas auf, eine groß angelegte Aktion einzuleiten, um die H 8u scr un d Plätz e in der Umgebung der Klagemaucr aitzukaufen, den gesamten schmutzigen und verwahrlosten Gebäudekomplex niederzureißen und an dessen Stelle einen großen, freien, gutgepslasterten Platz zu schaffen, welcher der Würde und Heiligkeit des -Ortes angemessen lväre. Frankreich. Paris. Bon mehreren Blättern wird behauptet, daß die weitere Aufführung des Stückes „A Präs m o i" wegen der durch dieselben verursachten antisemitischen Ruhestörungen verboten werden soll. — Leon Daudet und G u st a v e T ä r y, die Arrangeure der Störungen, haben cs abgelehnt, sich mit Henry' B e r n - st ein, dem Verfasser des Stückes,- zu schlagen, da dieser angeblich vor dreizehn Jahren eine Duellforderung abgelchnt habe. Bernstein erklärte in einem offenen Schreiben, daß er seitdem,15 Duelle gehabt habe, und bezeichnetseine beiden Gegner als Feiglinge. Konstantinopel. Der glänzende Bortrag, den Dr. I a c o b s o n, Direktor .der Anglo Levantine Banking Company, in Saloniki über das', Thema Ottomanismus und Zionismus hielt, wird von der .gesamten türkischen Presse äußerst sympathisch besprochen. Die maßgebenden jungtürkischen Blätter heben hervor, daß die zionistische Organisation in ihrem Bestreben, produktive Elemente ins Land zu bringe», auf dje Untcrstützung aller Vaterlandsfreunde und namentlich der Regierung rechnen kömre. Türkei. Die „Frankfurter Ztg." schreibt bezüglich der wankenden Stellung des Finanzministers D s ch a - vid Bey: „Vielleicht ist eine merkwürdige antisemitische Aeußerung eines Abgeordneten der Opposition in der Kammer, der von der Notwendigkeit sprach, den „jüdischen Einfluß" zu beseitigen, ein Fingerzeig, der die Richtung angcbcn kann. Die Zersetzung in der Partei „Eintracht und Fortschritt" soll vor allem durch die Stellung zu her Dönmes-Frage hervorgernsc» sein. Dies sind die vor zweihundert Jahren zum Islam übergetretenen eingcwandcrten spanischen Juden, die, klein an Zahl, aber stark an Energie und Intelligenz, der Staatsumwälzung vom Jahre .1908 ihre n Stempel ^aufdrückten und in der neugestaltcten Türkei eine große Rolle spielen. Sie haben Eigenheiten der Sitten und Gebräuche gewahrt und sind dadurch den wahren Moslem verdächtig. Ihr Führer ist Dschavid Bey. Wenn diese Zusammenhänge richtig sind und wenn sie für die gegenwärtige Krisis wichtig. werden, so handelt es sich im letzten Ende um einen Rasscnstreit mit religiösem Nebencharaktcr. Geht der reine Moslem, hinter den sich naturgemäß der Reaktionär stecken wird, als Sieger daraus hervor, so kann der Freiheit bald dieletzte Stunde schlagen; behält der ursprüngliche Charakter der jungtürkischen Revolution, den man den freimaurerischen genannt hat, die Oberhand, so bleibt die Wunde des erträumten türkischen National 'taats,. die Rasscnverschiedenheit, offen." Aus -er Zukuust. Bon Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Egon lachte hell auf. „Das. kenne ich! Sv machst Du mir's doch oft, wenn Du glaubst, daß ich Dich küssen möchte. Dir geschieht ganz recht, jetzt bin ich gerächt, jetzt siehst Du, wie es' einen ärgert." Sie schüttelte lächelnd den Kopf- „Wenn Zwei dasselbe tun, ist es nicht imiyer dasselbe. Mich ärgert nicht, was der Papa tut, aber es schmerzt mich. Dich aber kann cs doch nicht schmerzen, wenn ich dasselbe tue." „Nein, es schmerzt mich nicht, cs gehörte doch zu den Bedingungen, unter denen Du mir Dein liebes Händchen zugesagl hast. Aber wenn auch — cs ärgert .einen doch." Sie schüttelte abermals lächelnd den Kopf. „Das ist nicht Dein Ernst! Du bist viel zu gut, über das, was ich tue, kannst Du Dich gar nicht ärgern." „Wie Du mich kennst," sagte er innig, „>vir sind aber auch gute Kameraden." „Das sind wir. — Wenn ich Dich jetzt nicht hätte, — ich weiß nicht, wie ich cs überdauern könnte." Egon errötete, er fühlte sein Herz klopfen bis hoch zum Halse hinauf. „Habe Dank für Deine lieben Worte," sagte er, indem er ihre Hand an seine Lippen drückte, „Du glaubst nicht, wie. glücklich sic mich machen. Und wegen des Papa mache Dir weiter keine Sorge»; Du wirst sehe», es wird bald besser werden." „Das wollen wir,hoffen, und wirklich gestern wollte ich mir beinahe einreden, daß es bereits etwas besser geworden wäre, und ich habe.mich beinahe gefreut, weil Minna mir gesagt hat, daß Papa sich sehr aufgeregt hat." „Weshalb denn?" -„Ach, eigentlich wegen nichts. Ich war bei Irma, wir haben uns sehr gut unterhalten und haben viel gelacht, denn wenn Irma sich wohl fühlt, ist sie voller lustiger Einfälle. Ws ich endlich fortgchcn wollte, begleitete sie mich bis zur Tür und plötzlich — ach, es war schrecklich! dergleichen habe ich noch nie gesehen. Und ihr. Vater war nicht zu Hause. Ich habe an den Schellenknopf gedrückt, daß alte im Hause zusammengclaufen sind. Ich habe zu dem Hausarzt geschickt und Doktor Blau aufsuchcn lassen und bin selbstverständlich dort geblieben, bis beide gekommen sind und bis Irma sich einigermaßen erholt hatte. Inzwischen war cs freilich ziemlich spät geworden, Papa war nach Hause gekommen, — und ich war nicht da. Minna sagt, so aufgeregt hätte sie den Papa noch nie gesehen. Das hat mir zwar leid getan, aber in Wirklichkeit hat mir Papas Besorgnis meinetwegen recht von Herzen wohlgetan, habe ich doch daraus ersehen, daß ich ihm noch nicht ganz gleichgiltig bin." — „Das hast Du geglaubt?" „Wirklich geglaubt habe ich's nicht, aber das Gegenteil habe ich doch auch nicht glauben können." „Nun, Tu wirst sehen, das wird sich bald ändern. Weißt Du nicht, Ivie es Irma heute geht?" „Gewiß, vormittags habe ich fragen lassen, und nachmittags bin ich selbst hingegangen. Aber ich bin nicht lange dort geblieben, denn sie darf nur sehr wenig sprechen.. Das Mädchen, das sie pslegt, ist ihr sehr zugetan, und sie hat es auch gern; aber es ist immer nur im Nebenzimmer und hat die Tür halb offen." „Und so liegt sie den ganzen Tag allein?" „O, sie ist dabei sehr vergnügt, alle Briefe ihres Bräutigams, es ist ein ganzer Haufen, hat sie auf dem Bette und liest sie wieder und immer wieder. Wenn sie nur bis zur nächsten Woche wieder frisch sein wird, dg soll er doch kommen." „Armer Junge! Der würde erschrecken, wenn er sie im Bett treffen würde. Was sagt denn ihr Vater?" ' „In ihrer Gegenwart sagt er,. die Sache hätte nichts zu sagen. Aber als er mich hinaus begleitet hat, da hat er ganz anders gesprochen, weit ernster." „Er hat die Sache längst für sehr ernst ange sehen, das hat er Viktor schon vor der Verlobung gesagt. An Heiraten ist noch lange nicht zu denken. ,^>as macht nichts; es genügt ihnen vollkommen, daß sie einander sicher sind. Das sagte auch Irma neulich in ihrer zuweilen scheinbar leichtfertigen Redeweise. Aber es ist nicht leichtfertig, es klingt nur so. Sie sagte, gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen; doch solange wir leben, gehören wir zusammen, wenn auch der eine in Berlin ist und der andere hier. Ich sagte, vom Tod möchte ich nichts hören. Da erwiderte sie lachend: liebes Kind,'an den Tod müssen wir alle glauben, Du so gut wie ich, und ich so gut wie Du. Eines vielleicht etwas früher, das andere später, darauf kommt es nicht an. Hauptsache ist, daß man seines Lebens froh geworden ist und andere froh gemacht hat. Das rst's." — „Das ist nicht leichtfertig," sagte Egon, „darin liegt viel Wahrheit." „Gewiß liegt darin viel Wahrheit; aber sie sagt cS in einem so leichten Ton." Er schüttelte den Kopf. „Es klingt vielmehr, als ob ihr Vater, trotz der Mühe, die er sich gibt, sie über den Ernst ihres Leidens nicht hat täuschen können." - „Das klingt so, wenn ich es ihr nacherzähle; wenn Du cs jedoch von ihr selbst hören und sie dabei sehen würdest, wie sie voller Lebenslust ist, >vas sie für Pläne macht —" „Ich will ihr wünschen, ihr und Viktor, daß sie alle Pläne ausführen mögen. Vorläufig wollen wir nur hoffen, daß sie bis zur nächsten Woche wieder aufstehen wird." Diese Hoffnung sollte sich verwirklichen. Als Jakobson in der nächsten Woche kam, fand er sie so frisch, so munter und so blühend wie in der Gesundheit Fülle. Nur des Doktors Aengstlichkeit, der um keinen Preis zngeben wollte, daß sic das heitere Frostwetter zu einer Schlittenfahrt benützten, machte ihn stutzig. Aber er ließ sich von seinem übermütigen Bräutchen leicht überzeugen, daß ihr überängstlicher Papa sie in Baumwolle wickeln möchte, wenn sie, ihrem Bernden nach, sich an einer Nordpolfahrt beteiligen könnte. Der Doktor lachte, ihn freute es, sic derart schlvadronieren zu hören, aber folgen mußte sie doch. Uebrigens war es ihrem Verlobten auch vollständig einerlei, wo er sich mit ihr befand, wenn er nur bei ihr sein konnte, sind so saßen sie denn in traulicher Unterhaltung in dem schönen 'reundlichen Wohnzimmer, in dem das .Knistern eines hellodernden Feuers die Gemütlichkeit noch erhöhte und scherzten und lachten und planten und Lauten Luftschlösser eines schöner als das andere! „Was hörst Du von Deiner Mutter?" fragte Jrnia, „wann hast Du zuletzt Brief von ihr gehabt?" ,„Heute Morgen. — Denke Dir nur, sie trägt sich mit dem Plane, vielleicht schon im nächsten Soinmer nach Deutschland zu übersicdeln, um bei mir zu sein. Bis' ich meine Studien beendet habe in Berlin auch bann hier." „Das wäre schön", jubelte Irma, „das. wäre wunderschön. Da würdest Du auch in den Sommerferien nicht nach Rußland fahren, sondern würdest sie mit Deiner Mutter hier verbringen, hier bei mir, das wäre wunderschön! — Du glaubst gar nicht, ivie lieb ich Deine Mutter jetzt schon habe." „Willst Du lesen, was sie schreibt?" „Wenn Du es 'gestattest!" (Fortsetzung folgt.) „Zu Geschenken eignen sich meine Overngläser, eldstecher,Lorgnons,Barometer. Thermometer. Brillen, ttncenez; Spezialwerkstätte lür Optik, Mechanik, Elektrotechnik. Pbhstkalische Lehrmittel" „I. W. Albert, Inh. Paul Wanderey, Haus Neptun, Ecke Reue Mainzerstr. und Weißstauenstt. 11. Tel. 7254, Amt I." Schlafzimmer-Einrichtungen Bettenfabrikation, Bett-Wäsche. Georg Amendt, Nachf. Bleidenstrassc 10. J. EMNIEL & SOHN Schillerstrosse 26. Spezial-Geschäft für Hain Zeieben-Utensillen. Holzbrand-.Kerbsehnltt-.Tarso-ii. Batik-Artikel. Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Lnach.) Samstag, den 4. März i— 4. Adar)';, Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 5 Uhr ‘40 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr — Min., in Berlin 6 Uhr 80 Min. Wochcnabschnitt: T e r u m o h. — Der Wochenabschnitt führt seinen Namen nach der Hebe, welche die Kinder Israel brachten, um davon., die Stiftshütte zu fertigen. Die Stiftshütte, auch tzlnhcl- Maued oder „Zelt der Zusammenkunft," ebenso kurz