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Neue jüdische Presse · 1911-02-24 · Heft 8 (24.2.1911) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 8 (24.2.1911)
Date
1911-02-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. WarchsM FsrMtiM! WmNeMM. Nr. 8. unsere nichffüdischen „Freunde," jüdische Mnstler, die Mlf fremdem Boden wurzeln - und fremdes Gut verarbeiten, aber jüdische Kunst gibt cs nicht. (Siehe die Abhandlung über Weinhcimcrs „jüdische" Geschichte in der vorletzten Nmnmer dieser Blätter). Und mit einer gradezu verblüffenden Unparteilichkeit wird das in unseren eigenen Reihen nachigebetet, ohne zu bedenken, wie man dem Judentum dadurch schadet, und wie das ganz und gar nicht zu dem viel gepredigten jüdischen Selbstbewußtsein Haßt." Denn woher soll, jüdisches Selbstbewußtsein kommen, wenn jüdische Schriftsteller jüdische Künstler behandeln und trotzdem es ängstlich vermeiden, von jüdischer Kunst zu sprechen. Man denke sich einmal: ein polnischer Kunstkritiker spricht vor seinen Stammesgeiwsscn über „polnische Künstler", wird sich nicht bei dem Vortragenden Änd bei den Zuhörern der Begriff „polnische Mnstler" mit dem der „polnischen Sunjt" decken?" Grade weil die Kunst nicht so engherzig national oder konfessionell abgegrenzt ist und jedes noch so als national charakterisierte Kunstwerk fremde Einflüsse auftveist, dürfen auch wir jedes von einem jüdischen Künstler geschaffene Kunstwerk als zur jüdischen Kunst gehörig beanspruchen .und von einer jüdischen Kunst sprechen. Liegt die Schuld etwa an .den Schaffenden? Keineswegs! Der Mnstler, wie jeder Schaffende, will seine Arbeit an den Maim bringen und sieht sich gezwungen," selbst seine Werke als nicht spezifisch jüdisch zu bezeichnen. „Der jüdische Mnstler," sagt Lesser Ury, „füidet eher Förderung bei Christen als bei Juden. Der reiche Jude scheut zumeist vor jeder Dokumentierung seiner Abstammung, zurück, möchte die Gedanken seiner Besucher von dieser ablenken und" stapelt daher Mustwerke aller Art auf, nur" keine jüdischen, —, während mancher, Nichtjude die jungen Wüten des dreitausendjährigen Stammes zu 'schätzen und zu bewundern weiß." So ist es, -unsere Reichen und Großen tragen kein Verlangen nach! jüdischer Kunst. So wurde Pilichvwskis berühmtes, echtjüdisches Bild „Al chet," das in Wiesbaden ausgestellt "war, von einem christlichen Maler erworben, während in manchen jüdischen Häusern Madonnenbilder die einzigen Penaten der Judischkeit darstellen. S i r. - . Hamborg. Der Verein zur Gesundheitspflege schwacher israelitischer Kinder (Vorsitzender: Ludwig Mathiasou) .verpflegte im abgelaufenen Jahre in seinem Hospiz in Duhnen 311 Kinder je vier Wochen. Außerdem sandte er eine Anzahl Kinder nach den ihnen ärztlich verordneten Kurorten, ließ schwächlichen Kindern in der Schulpause Mlch und Eier..verabreichen und 50 Kinder einen orthopädischen Turnkursus 'durchmachen. Kolba. Am 14. Februar sprach hier im jüdisch - literarischen Frauenverein Frau Amalie Rvsenthaler aus' Frankfurt a. M. über ,^>,ie Entwickelung der jüdisch-deutschen Literatur von ihren .Anfängen bis zur -Jetztzeit." Ein zahlreiches Publikum' folgte mit größtem Interesse den sachlich-llaren und in gewählten Worten zum Ausdruck gebrachten Ausführungen der Vortragenden, der es gelang, in der knappen für einen Vortrag bemessenen Zeit eine anschauliche Darstellmig zu geben von dem allmählichen Entstehen der jüdischdeutschen Sprache, ihrem Rückgang in Deutschland feit Mendelssohn, ihrem Fortbestehen im Osten und bei den russischen Juden Amerikas und ihrer neuen Blütezeit seit Mi.tte des' 10. .Jahrhunderts. Der eingehenden Behandlung einiger. besonders. bedeutender jüdisch-deutscher Schriftsteller .und ihrer Werke folgten Gedichte von Rosenfell», Reisen u. a., die von der Vortragenden in sinnfälliger und zu Herzen gehender Weise rezitirt wurden. Durch starken Applaus und warme Worte dankte man der Vortragenden für den außerordentlich genußreichen Weich. TT Schneidemühl. Maxim Koplowitz aus Scharleh -sprach im hiesigen Verein für jüd. Geschichte und Literatur über Palästina vom handelswisfenschaftlichen Stand! punkte aus. Die Versammlung folgte de» Ausführungen des 20jährigen temperamentvollen und gewandten Redners mit sichtbarem Interesse. Im Verein für jüdische Geschicht und Literatur zu Thvrn hielt Redner einen ähnlichen Bortrag. © ,Es tut mir leid, Herr Hoffmann, daß ich Sic dermaßen erschreckt habe," sagte der Arzt, „aber Sie haben die Wahrheit verlangt —" Egon atmete, schwer auf. „Ist denn gar keine Hoffnung mehr vorhanden?" „Solange Atem ist, ist Hoffnung/' „Ums Himmclswillen, Herr Doktor, sagen Sie mir irgend etwas Tröstliches, was ich meiner Braut ägen könnte. Sie weiß, daß ich bei Ihnen bin und erwartet durch mich Beruhigung." „Ja, das hätten Sie mir gleich sagen müssen," dann hätte ich mich 'anders ausgesprochen. Man kann doch auch der Wahrheit ein Mäntelchen umhängen. Also sagen Sie Ihrer Fräulein 'Braut, daß ich die Hoffnung keineswegs aufgegeben habe. Besondern Wert lege ich darauf, daß die Kranke möglichst viel im Freien ist, wenn das hier nicht mehr tunlich ist, müßte sie nach dem Süden. — Und wenn es dazu kommen würde, dann würde ich in Wirklichkeit wieder hoffen." Wer es sollte nicht dahin kommen. Eine Reihe angstvoller Tage folgten, , die Kräfte der Kranken war ersichtlich im Sinken, Egon wagte nicht mehr, eine Braut zu ihren abendlichen "Spaziergängen aufzuforder», er verbrachte seine-freie, Zeit neben ihr im Krankenzimmer der Mutter. Auch Einmi und ihr Gatte waren herbei§eeilt. Es war in den späten Abendstunden, Mitternacht nicht fern; doch im Meierschen Hause dachte niemand daran, daß. die Nacht dem Schlafe bestimmt ist. Im Krankenzimmer herrschte nahezu. lautlose Stille, obgleich die ganze Familie hier beisammen war. — Die Kranke war bei vollem Bewußtsein und sich auch ihrer Lage voll bewußt. Hin und wieder chloß sie die Augen, schien zu schlummern, doch chon nach wenigen Minuten öffnete sie sie "wieder und blickte auf die" sie umgebenden Angehörigen, als wolle sie sich die geliebten Züge einprägcn bis in alle Ewigkeit; hin und wieder sprach sie auch flüsternd einige Worte. Jetzt umschlossen ihre zuckenden Finger die Hand des Gatten und gleichzeitig die ihrer jüngsten Tochter. »Hermann!" flüsterte sie, obgleich sie ihn sonst in anderer Gegenwart nie beim Namen-nannte, »Hermann!" Er neigte sich zu ihr, um auch ihre leisesten Worte nicht zu überhören. „Was möchtest Du, liebes Kind?"- - „Vergiß nicht — Du hast es mir versprochen —, daß sie cs nie erfährt —außer int Notfall —" „Sei unbesorgt! Ich vergesse nie, was ich versprochen habe-' Da änderte sich plötzlich der Ausdruck ihrer Züge; sie blickte empor in Lilis liebliches Angesicht, über das langsam einige Tränen glitten, und dann wandte sich ihr Auge dem" Gatten zu und dann wieder zu Lili und wieder zu dem Gatten, und ein seltsantes Lächeln zuckte tu» ihre bleichen Lippen. — „Wenn das sein könnte — wenn das sein könnte — ach, das wäre schön, — dann ginge ich ruhig fort — sprich Hermann —" Doch da änderte sich abermals der Ausdruck ihrer Züge, das Lächeln war geschwunden, war einem ängstlichen Zucken gewichen, während ihr Blick ans Egon siel. „O mein Gott! es geht nicht — ach, ach, es geht nicht, — und es wäre so schön gewesen —" Noch immer haftete ihr Blick auf Egon, so daß .er sich veranlaßt fühlte, näher zit ihr ztt treten. „Wünschest Du etwas, liebe Mama? — kann ich etwas für Dich tim?" Sic antwortete nicht sogleich, blickte noch immer zu ihm auf, der flehende Ausdruck ihres Antlitzes schwand, eine stille Resignation machte sich daraus geltend. „Es geht tiicht," hauchte sie, „Du liebst sie ja — mache sie glücklich." „Das verspreche ich," sagte er gepreßt, indem er sich neigte und die Hand, die sie ihm reichen zu wollen schielt, an seine Lippen führte. Dann aber verließ ihn die Fassung, Tränen entströmten seinen Augen, und eilends verließ er das Zimmer. Die Augen waren ihr wieder zngefallen, nach einiger Zeit blickte sie wieder auf. Egonwar aus seinen Platz zurückgekehrt, er saß ihr wieder gegenüber und wiederhaftete ihr Blick an ihm, und abermals flüsterte sie: „Es geht nicht — ach, es geht nicht, — und es wäre so schön gewesen." Das wiederholte sich noch mehrere mal, dann schlossen sich ihre Augen für immer, und ihr Mund verstummte. Aber sie atmete noch tnehrere Stunden, bis der Morgen graute; dann hauchte sie ihren letzten Atemzug. Aus -er Zukunft. Bon Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Egon hatte, seinem Versprechen gemäß, den Arzt ausgesucht und sich nach Dem Befinden seiner Schwiegermutter erkundigt. Doch er bereute beinahe, sein Wort gehalten zu haben, denn was er hörte, war unsäglich traurig. Der ArzH hatte nahezu alle Hoffnung ausgegeben. — Wie würde Lili das ertrag«!? — Und er hatte .gehofft, sie beruhigen zu können! - Blaß und verstört stand er da. Gesundheit, aber ihr Väter hatte es ihrem Verlobten im voraus gesagt, daß vor ihrer vollständigen Genesung an "ihre Heirat nicht zu denken wäre und bis zu ihrer vollständigen Genesung noch Jahre vergehen - könnten. „Wir werden warten," hatte Jakobson erwidert- „wir sind doch beide noch jung, und überdies wird hoffentlich "das Glück Jrma's Genesung fördern." Die Zeit schritt vor.- Die durch den Hintritt der Gattin und Mutter so schwer Getroffenen hatten sich allmählich wieder aufgerichtet. Doch Herr Meier war überaus wortkarg geworden, namentlich im Verkehr mit seiner Tochter. Er war zwar nie unhöflich gegensie und, wie ehedem, sorgsam bedacht auf alles, was ihre Gesundheit fördern konnte ober auch nur ihr Behagen. Aber zu einer längern eingehenden Unterhaltung war eszwischen ihnen schon seit Monaten nicht gekommen. - - Wie war das früher so anders gewesen, so ganz, ganz anders-. Weder mit seiner Gattin noch mit seiner älteren Tochter hat er sich so viel untertnit» inii- Äki. hi£ ikirii nfferhhinS’ NKiftia halten wie mit Lili, die ihm allerdings geistig auch'weit näher stand als die beiden andern. " Und nun plötzlich diese seltsame Entfremdung. Sie hatte wiederholt" mit Egon darüber gesprochen, der sich bemühte, ihr die Sache auszuredeu oder wenigstens zu erklären. „Mir kommt das gar nicht seltsam vor," behauptete er, „meine Mama hat mir erzählt, ihr Vater habe sich beim Ableben seines Vaters vorgcnommen, nie wieder auf einem gepolsterten Sessel zu sitzen,, vermutlich weil sein. Vater niit Vorliebe auf Polstersessel gcsessen hat. So wird es mit Deinem Papa auch sein', weil Deine Mama sich nicht" mehr an der Unterhaltung mit Dir erfreuen kann, darum gönnt er sich die Freude auch nicht. Sei versichert. Das ist's, nichts anderes, wird sich aber sicherlich in einiger Zeit verlieren." „Hoffentlich. Du kannst Dir "nicht denken, wie chmerzlich es mich berührt. Wenn ich Papa „Gute Nacht" sage und ihnt dabei die Hand reiche, so reicht er mir zwar auch die Hand, hält aber Dabei den Arm so stramm, daß es mir geradezu unmöglich wäre, mich wie ehedem zu ihm zu neigen und ihm die Stirn zum Kusse zu bieten." (Fortsetzung folgt.) Einige Tage vor den Herbstseiertagcn war Jakobson von seiner Reise zurückgekommen. Alle seine Bekannten staunten, wie sehr er sich zu seinem Vorteil verändert hatte. Er war immer ein schöner junger Mann gewesen; aber das Glück hatte seine Züge veredelt, und' er sah gradezu glückstrahlend aus. - Irma war überglücklich. Gleich am ersten Wend nach seiner Ankunft war ihre Verlobung im engsten Familienkreise gefeiert worden. Wer es war kein ungetrübtes Fest gewesen. Die zarte Braut, deren blasse Wangen die freudige Erregung zwar rosig gefärbt hätte, hatte zwar berückend schön ausgesehen, . wie, im Vollgenuß der „Zu Geschenken eignen sich meine Opemgläser, elbstecher.Lorgnons, Barometer. Thermometer, Brillen, lincenez; Spezialwerkstätte für Optik, Mechanik, Elektrotechnik. Physikalische Lehrmittel" „I. W. Albert, Inh. Paul Wanderey, Haus Neptun, Ecke Neue Mainzerstt. und Weißfrauenstr. 11. Tel. 7254, Amt I." : Taschentücher Giösste und reichste Auswahl Jn allen Preislagen. F. 0. Strubberg & Co. 25 Nene Mainzerstrasse 25. Krmst und Literatur. Ein n e u c r h eb r äi s ch er I u g e n d » schriftcnverlag. Zur Erinnerung an den vor dxei Jahren ans der Reise zum 8. Zionistcnkongreß plötzlich verstorbenen M. Zeitlin haben seine Hinterbliebenen eine literarische .Anstalt „Tnrgeman" begründet, deren Sitz in Odessa ist, und die von M. M. Ussischkin, Ch. N. Bialik und I. C h. R a w n i tz k i geleitet wird. Die Anstalt wird die besten Jngendschriften und volkstümlichen Erzählungen der Weltliteratur periodisch in gediegenen hebräischen Uebersetzung«! herausgeben. Tolstoi in hebräischer Uebersetzung. Der Verlag „Misrach ll-Maarabh" (Ost und West) in Wilna veranstaltet eine hebräische Ausgabe von Tolstois aus gewählten Schriften in 6 Bänden., Die Uebersetzung wird von David Frischmann, I. Ch. Rawnitzki, A. Drujanvw und I. D. Berkowitz besorgt. Als Anhang sollen der hebräischen Tolstoi-Ausgabe ' fünf Monographien bcigegebcn werden, nämlich: 1. Biographie Tolstois von I. Ch. Rawnitzki; 2. Tolstoi der Künstler von . Dr. Eliascheff; 3. Tolstoi der Philosoph von A. M. Boruchow; 4. Tolstoi der Bekenner von A. Kar me ly und 5. Tolstoi und sein Verhältnis zum Judentum von Achad-Haam. Der Ladenpreis wird sich auf 5 Rubel stellen. — Wie die Geschäftsstelle der hebräischen Wochenschrist .Haolain" mitteilt, ist sie in der Lage, ihren Jahresabonnenteii das Werk als Prämie um die Hälfte des Ladenpreises zu liefern. Arbeitsnachweis der Frankfurt-Loge und des Israel Hülfsvereins. Sitzung: Montag und Donnerstag morgens 10—12, Langestrasse 30, I. Telephon 3728. Wir bitten herzlich, uns Vakanzen und jede Art von Arbeitsgelegenheit mitzuteilen, um arbeitswillige Glaubensgenossen vor Not. zu bewahren. . Arbeitsnachweis-Ausschuss.

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