Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1911)
- Date
- 1911-02-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. * Paris. Julius Vernarb, Vorsitzender des Minen- und Metallarbeitervereins, und David Weil! wurde» zu Rittern der Ehrenlegion ernannt. London. Der am 8. Januar verstorbene Anton Dünkels von der Firma A. Dünkelsbuhler and Comp., hinterließ u. a. dem Kinder-Hospital in Fürth 1000 Pfund und der Israel. Waisen-Anstalt in Fürth 500 Pstmd. Rew-Aork. An Stelle von Cyrus L. Sulzberger ist Leop old Plaut zum Pr ä sidente n der Vereinigten jüdischen Wohltätigkeitsan st alten (United Hebrew Charitics) gewählt worden. G Mion. 0 Aus -er Zukunft. Don Friedrich Rott. Gortsetzung.) Doch als er abends wiederkam, traf er Lili und ihre Mutter zwar wie gewöhnlich im Garten und wie gewöhnlich reichte ihm Lili freundlich lächelnd ihre Hand, die er an seine Lippen drückte. Wer er erkannte sofort, daß ihr Lächeln erzwungen und daß sie von einer mühsam verhehlten Unruhe beherrscht war. Er hatte auch der Mutter die Hand geküßt, sich zu ihr gesetzt und eine leichte heitere Unterhaltung mit ihr begonnen; doch als nun auch Herr Meier und die Pflegerin hinzutraten, da wandte er sich an Lili mit der Frage, ob sie jetzt bereit wäre, spazieren zu gehen. Sie schüttelte verneinend den Kopf. „Um's Himmelswillen, warum nicht? Was habe ich verbrochen?" „Das weißt Du!" „Du willst mich strafen, weil ich Dich geküßt habe? Mama, ich bitte Dich, habe ich da etwas Unrechtes getan?" „Nein," versetzte die Kranke lächelnd, „Du hast nur von Deinem Bräutigamsrccht Gebrauch gemacht." Doch als Lili noch immer zögerte, winkte ihr der Vater und ging mit ihr einige Schritte seitwärts. „Du willst nicht sortgehen, weil Du wegen Mama besorgt bist. Aber der Arzt versichert, daß keine Gefahr vorhanden ist, Md außerdem dürfen wir Mama nicht merken lassen, wenn wir ihretwegen beunruhigt sind." Sie atmete schwer auf. „Ich bliebe doch lieber zu Hause." „Das wäre nicht recht, Kind. Mama könnte erraten, daß Du ihretwegen nicht ausgehen willst, das darf sie nicht." „Nun, wenn es denn sein muß. — Also Egon, Papa hat auch ein gutes Wort für Dich eingelegt, da will ich Gnade für Recht ergehen lassen.. Ich 'muß mir nur Hut und Handschuhe nehmen, in zwei Minuten bin ich wieder hier." „Jetzt mußt Du beichten, Lili," sagte Egon, als sie das Haus hinter sich hatten, „ich habe Dir's sofort angesehen, daß Du aufgeregt bist. In Mama's Befinden ist doch keine Aenderung eingetreten." „Doch, Mama hat heute zum ersten Male öftere Ohnmachtsanwandlungen gehabt. Ich bin sehr schwer sortgegangen; aber Papa ineint, Mama dürfe es nicht merken, daß wir besorgt sind." „Das ist gewiß richtig; was sagt denn der Arzt?" „Er sagt, es wäre keine Gefahr vorhanden; aber was er denkt, das kann ich natürlich nicht wissen." „Morgen wirst Du es wissen, Geliebte. Morgen werde ich zu ihm gehen und ihn auf Ehre und Gewissen alles eingehend fragen." „Ich danke Dir, Du bist so gut. — Aber wohin gehen wir?" ,Menn es ■ Dir recht ist, gehen wir zum Schweizerhaus. Doktor Blau möchte mich noch allerhand fragen, was ich vermutlich selbst nicht weiß; aber ich habe ihm gesagt, wenn er mit seiner Tochter heute Wend zum Schweizerhaus kommen würde, er würde uns wahrscheinlich treffen." „So lass' uns dorthin gehen; Irma Blau kennen zu lernen, würde mich interessieren." Als sie das Schweizerhaus erreicht hatten, fanden sie Doktor Blau und seine Tochter vor dem Hause an einem besonderen Tischchen, an dem siee zwei Plätze für die Erwarteten reserviert hatten. Egon machte sie mit seiner Braut bekannt, und bald befanden sich alle in lebhafter Unterhaltung. Lili's bescheidenes Abchehren ihres Ruhmes fand die heftigste Gegnerschaft ihres Verlobten. ,Mein Vater sagte es noch heute Mittag, Dein Vorschmg war so einfach, so niche liegend, daß er nicht begreife, daß wir nutzt längst auf diese Idee kamen. Mein Vater hat sich in dieser Angelegenheit bemüht, Herr Doktor Blau gleichfalls, also zwei Doktoren, die nichts bewirkt haben. Kommt da meine kleine Braut * Frankfurter FsraeWsZes Familienölatt. Nr. 7. und trifft im Nu den Nagel auf den Kvpf! Das ist wunderbar." „Durchaus nicht wunderbar. Kennst Du nicht das Dichtcrwort: Was der Verstand der Verständigen nicht sieht, das übt in seiner Einfalt ein kindlich Gemüt?" „Dein kindliches Gemüt ivill ich nicht antasten; aber Dein Rat war mit nichteu ein Ausfluß desselben, sondern — da Du von Deiner Weisheit nichts hören willst, so wollen wir sagen, er war das Ergebnis des Verstandes einer Hochverständigen." „Darin hat Herr Hoffmann recht," stimmte der Doktor bei, „wenn inan —" „Jetzt sangen Sie auch an, nein, das geht nicht, zwei gegen eine, das ist zu viel. Fräulein Blau, Sie müssen mir Helsen." „Ich weiß nicht, ob meine Hilfe'viel wert äst," versetzte das junge Mädchen lächelnd. „Ich weiß nur," fügte sie innig hinzu, „daß ich mich Ihnen vcerpflichtet fühlen werde, solange ich lebe." Sie nahm bei diesen Worten die Hand der anderen und drückte sie. Lili erschrak ob der Glut, die die weiche schmale Hand ausströmte. „Was -meinen Sie," wandte der Doktor sich an den jungen Mann, „wenn!vir eine Zigarre rauchen und drüben unter den Bäumen auf und ab gehen, die Damen werden hoffentlich entschuldigen." „Gehe nur, Väterchen," sagte Irma, „ich bin in bester Gesellschaft." „Ich gleichfalls," stimmte Lili bei, und in der Tat befanden sich beide sehr bald in lebhafter Unterhaltung und waren-sehr bald so vertrant mit einander, als hätten sie sich seit Jahren gekannt. Irma fühlte sich ihrer neuen Freundin iir Wirklichkeit zu hohem Dank verpflichtet, und Lili war gerührt bis in das Innerste ihres Herzens von dem lieblichen Wesen des zarten Mädchens, auf dessen bleiche Wangen die freudige Erregung ein wunderbar schönes Jncarnat hervorgezaubert hatte. Doch äks Egon ihrem Vater seine Freude aussprach über das frische Aussehen seiner Tochter, schüttelte dieser seufzend den Kops. „Der Schein trügt, gebe der Himmel, daß das Hebel nicht bereits zu weit torgeschritten ist. Ich habe sic sehr ungern mit her genommen; aber sie hat so dringend darum gebeten, daß ich fürchtete, die Versagung ihres Wunsches könne ihre Erregung noch mehr steigern. Aber sie soll bald nach Hause, unser Wagen wird in einer Viertelstunde hier sein, darum bitte, Herr Hoffmann, teilen Sie mir jetzt eingehend mit, was Ihnen über den Aufenthalt Ihres Freundes in Rußland bekannt ist. lieber die Verhältnisse seiner Mutter wissen Sic vermutlich nichts?" „Nicht das Geringste, und ich vermute, daß er bis gestern auch nichts davon gewußt hat. Die Begegnung niit seiner Mutter inuß ihn ganz unerwartet getroffen habe». Uebrigens werden wir sicherlich sehr bald Näheres erfahren." „Wann erwarten Sie einen Brief von ihm?" „Der Brief, den er heute geschrieben hat, dürfte kaum vor Sonntag hier sein. Uebrigens lvcrden Sie vermutlich gleichzeitig von ihm' einen Brief erhalten." „Jedenfalls lvird Ihr Brief ausführlicher sein als der an mich gerichtete; es iväre mir deshalb sehr angenehm, .wenn, wir uns vielleicht Sonntag gegen Wend wieder irgcndtvo treffen würden. Entweder hier, oder vielleicht im .Stadtwald —" „Also meinethalben im Stadtwald, im ersten Restaurant." Sie unterhielten sich noch.ein Weilchen, dann kehrten sie zu den jungen Mädchen zurück. — Egon hatte richtig prophezeiht, Sonntag kamen Briefe von Jakobson. In dem Brief an Irmas Vater sprach er die Vermutung aus, daß derselbe bereits durch seinen Freund von dem ihm gewordenen Glücke Kenntnis erhalten habe und bat in wenigen, aber innigen Worten um die Hand seiner Tochter, an die er einige Zeilen einzulcgcn sich erlaubte. Egon erhielt einen ausführlichen Brief, in dem er initteiltc, wie er seine Mutter getroffen hatte. Er schrieb unter anderem: „— — Ich habe mich in den letzten Jahren iimner für einen Pechvogel gehalten; nun aber sehe ich ein, daß ich ein Glückskind bin. Ich fühle mich zuweilen gradezu glückestrunken und möchte stundenlang nichts anderes sagen, nichts anderes denken, als das eine Wort: Mutter! — Ist cs nicht seltsam,' Dil lveißt, lvie oft und wie schmerzlich ich mich gesehnt habe. Näheres über meine Herkunft, über meine F-amilie zu erfahren; aber nach meiner Mutter habe ich mich nie gesehnt, habe nie an meine Mutter gedacht, habe auch nie gedacht, daß eiiie Frau mich an meiner Achnlichkeit mit meinem Vater erkennen würde, habe mich iminer nur bemüht, bärtige Männer, die ich an ihren Phisiognomien als Juden erkannte, auf mich, aufmerksam zu machen. —, Und nun hat meine Dintter mich erkannt — meine Mutter! — meine Mutter! — Ach, Du müßest sie sehen, wie — nein, ich kann sic «Dir nicht schildern, die Sprache ist zu arm, wenigstens mein Wortschatz. Wer Du wirst sie sehen; sie hat mir versprochen, in einigen Jahren, ivenn ich meine Studien beendet und mich, etabliert und mein holdes Mädchen heimgeführt haben werbe, daß sie dann zu niir ziehen wird. Einige Wochen muß ich noch hier bei meiner Miltter bleiben. Daun aber, jedenfalls noch vor den Herbstfeiertagen komme ich zu Euch und bleibe während derselben in D., bis ich wieder nach Berlin muß. Das Passahfest denke ich auch bei Euch zu begehen und erst in den Soinmerferien wieder her zu meiner Mutter. Und wenn ich dann am Ende des zweiten Semesters fertig sein und inich in D. etablieren werde, dann lvird .meine Mutter auch dorthin kommen, um mir mein Heim einzurichten und bei mir zu bleiben — bei uns —; so sind wir übcrcingekommen." (Fortsetzung folgt.) „Zu Geschenken eignen sich meine Operngläser, Feldstecher.Lorgnons, Barometer. Th ermometer, Brillen, Ptncenez; Spezialwerkstätte für Optik, Mechanik, Elektrotechnik. Physikalische Lehrmittel" „I. W. Albert, Inh. Panl Wandere»), Haus Neptun, Ecke Neue Mainzerstr. und Weißfrauenstr. 11. Tel. 7354, Amt I." Schlafzimmer-Einrichtungen Bettenfabrikation, Bett-W äsche. Georg Amendt, Nachf. Bleidenstrasse 10. Spenden. 300,— JL 500,— Für die Jos. W. H a ck e n b r o ch - S t i s t u n g der hebräischen Mittelschule „T a ch k e - moni" in Jaffa gingen bei Herrn Kommerzienrat L. Fei st - Frankfurt a. M. ein: lll. Ausweis. Dr. B. Levy-Hamburg Herr u. Frau Julius Moellcr-Altona, Leon Levy, L. M. Dilrlacher, Frau Dr. B. Levy, Sally M. Mainz-Hamburg h 100.— Jk Fanny Schwab-Fraukfurt, Frau M. Durlachcr, Hugo Mainz, Moritz S. Wolfs, Felix Levy, Leopold Hirsch-Hamburg, Julius Hollander-Altona, Samuel Mainzer - Mannheim, Jakob Straus- Franksurt, Frau M. Rau-Fürth ä 50 Jk Otto Franck, Moritz Ezechel-Hamburg, Dr. Victor-Wandsbek, Joseph Weichselbaum- Bcrlin, Jakob Levi, Herrmann Hirsch- Frankfurt, Rüben Cohn, Henri Freudmann-AntwerPen 5 20 Jk Ludwig Mathiason, W. Segelbaum, Sam. Durlacher, Emil v. Sou, Emil Lypstadt-Hamburg, Simon Maier-Mülhausen, stud. med. Fritz Feuchtwanger- Straßburg, Moses Kahn-Baisingen, N. N., I. S. ä 10 Jk Dr. Burchardt - Hamburg, Prof. Dr. Schuster-Berlin, Marcus Feuchtwanger- F-ürth, Maurits Prins - Amsterdam ü 30 Jk Dr. Kalmus-Hamburg, Otto " Wallach- Frankfurt, Louis Marx, Abr. Erbbacher- Baisingen h 5 Jk Gesammelt anläßlich der Brismiloh Schimon ben Mcir Hackenbroch Jacques Fisher-Haag Frau Karl Bing-Hamburg Siegfried Levy-Hamburg Sally Guggenheini n. Frau-Berlin Jakob Rosenheim-Frankfnrt Ferdinand Kahn-Baisingen Louis Kahn jr.-Frankfnrt Levi Eisemnann-Basel Spiclgewinn 500,- 160,— 100,- 120,- des 20,- 65,— 15,- 6- 60,— 25,- 25- 7- 23,— 8- 4,50 Bereits veröffentlicht 1938,50 Jk 10079,82 „ 12 017,32 Jk Deutsches , Beobachtungen pr. St. 1 Mk. Ermit- PfPrlllTtelungen, Recherchen n. Auskünfte vll/vU w y. g Mk. an. Gewissenhafte Ausführung u. strengste Diskretion als mehrjähriger Polizeiu. Kriminalbeamte gesichert. Jk Institut , Frankfurt a. M. Zoll 53. 1 ■ Tel. 11391- J. EMINIEL & SOHN Schillerstra88e 26. Spezial'Gesehirt für Hai-Q Zeichen-Utensilien. Holzbrand-, Her bsebnllt-,Tarso-u.Batlk-irllkeI. Woche«-Kale«der. (Zeitangaben nach dem Iiuach.) Samstag, den 18. Februar (= 20. Schwati: Sabbat-Anfang ln Frankfurt a. M. 5 Uhr 15 Mn. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M 6 Uhr 35 Mn., ln Berlin 6 Uhr 05 Min. Wochenabschnitt: Jisrau. — Jisrau führt seinem Schwiegersohn Moses.Frau und Kinder zu.