Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1911)
- Date
- 1911-02-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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«eite 4. hatte, als ein leichtes Klopfen an seiner Tür ihn weckte. Gähnend legte er sich ans die andere Seite und fragte verdrießlich: „Was gibts?" „Ein Telegramm, Herr Hoffmann." „Auch der Mühe wert, einen so früh zu stören," brummte er vor sich hin, erhob sich jedoch trotzdem, schloß die Tür auf und nahm das zusammengefaltete Blatt in Empfang. Bevor er es aber auseinander riß, kehrte er zu der in Len Morgenstunden doppelt geliebten Lagerstätte zurück, ein halbes Stündchen konnte man immerhin noch ruhen. Aber zuvor mußte er doch sehen, was da jemand ihm mitgeteilt hatte. Kauni hockte er jedoch einen Blick auf die wenigen Worte der Depesche geworfen, als jede Lust zum Ruhen verflogen war. Mit lautem Jubelruf sprang er auf und machte sich eilends an seine Toilette. Dann wand er die Gebetriemen um Haupt und Arm und sprach das Morgengebet, und dann schickte er sich an, der Aufforderung des Freundes entsprechend, den Doktor Blau aufzusuchen. Als er aus seinem Schlafzimmer trat, trat ihm sein Bater entgegen. „Du schon so frühe auf, Egon, was ist los? und wohin willst Du?" Egon teilte es ihm in wenigen Worten »rit. „Du kannst Dir gar nicht denken, Papa, wie ich mich freue, und noch besonders, weil Lili den Rat gegeben hat, daß er in seine Heimat reisen soll. Lili, meiner Lili verdanken sic ihr Glück." Doktor Hoffmann nickte ihm lächelnd zu: „Ich kann mir Deine Freude sehr wohl denken, denn auch ich nehme herzlichen Anteil an dem Glücke Deines Freundes, und daß Du Dich freuest, daß Dein Prachtmädel den Rat gegeben hat, das verstehe ich auch. Aber daß Du jetzt schon zu dem Wau willst, es' ist halb Sieben, er wird noch nicht ans sein." „Was kümmert das mich?, soll er aufstehen, oder ^ncinethalben kann er liegen bleiben, ich gehe auch zu ihm, wenn er noch im Bette ist. Adieu Papa!" Fort rannte er, der Doktor blickte ihm lächelnd nach. Inzwischen hatte Egon den ziemlich weiten Weg bis zu der Wohnung des Zahnarztes mittelst der elektrischen Bahn in einigen Minuten zurückgelegt. Es schlug dreiviertel auf Sieben, als er bereits die Schelle der Wohnungstür in Bewegung gesetzt hatte und vor der alten Dienerin des Hauses stand. ,Hst der Herr Doktor zu Hanse?" fragte er gewohnheitsmäßig. Das Mädchen sah ihn befremdet an. „Natürlich ist der Herr Doktor zu Hause, aber vor Acht ordiniert er nicht." ,D«s weiß ich, aber ich verlange seine Ordination nicht, aber ich muß ihn sprechen, sogleich — sagen Sie ihm das." ,Mber ich bitte, es ist noch nicht Sieben, ich weiß nicht einmal, ob der Herr schon wacht." „So klopfen Sie an die Tür, dann wird er sicher wach sein. Und sagen Sie ihm, ich müßte ihn sofort sprechen, aber wiederkommen kann ich nicht. Hier geben Sie ihm meine Karte." Innerlich empört über den Zudringlichen, entsprach sie seinem Verlangen, jedoch schon nach wenigen Minuten kam sie zurück mit der höflichen Bitte, der Herr Hoffmann wolle sich gefälligst in's Ordinationszimmer begeben, der Herr Doktor werde sofort kommen. Es währte in der Tat nur weuige Minuten, als der Doktor, allerdings in Schlafrock und Pantoffeln, in das' Zimmer trat. „Guten Morgen Herr Hoffmann! Ich muß um Entschuldigung bitten, daß ich im Neglige erscheine, aber ich wollte Sie nicht lange warten lassen. Was verschafft mir denn zu dieser ungewohnten Stunde das Vergnügen Ihres Besuches?" „Guten Morgen, Herr Doktor! — Ich müßte eigentlich um Entschuldigung bitten, daß ich Sie so früh störe, aber das tue ich nicht, denn später kann ich nicht kommen, und ich hätte cs als Sünde betrachtet. Ihnen und Ihrem Fräulein Tochter die Freudenbotschaft länger vorzuhalten. Hier, lesen Sie, die Depesche habe ich soeben erhalten." Der Doktor schlug staunend die Hände zusammen und rief einmal über das andere: „Gott sei Dank! — Wenn er seine Mutter gesunden hat, dann wird mit Gottes Hilfe alles gut werden, dann wird mein armes Kind wieder aufleben, ich war ihretwegen schon sehr, sehr besorgt. — Aber woher ist dieses Telegramm? Wo ist Herr Jakobson? — Ich kann den Namen des Ortes nicht lesen." „Ich auch nicht," versetzte Egon, „cs wird vermutliche irgend ein Ort in der Nähe von Bjelostok sein." „Er ist in Rußland? — seit wann und zu welchem Zweck ist er dort?" „Bor ungefähr fünf Wochen ist er hingereist und zwar einzig und allein zu dem Zwecke, näheres über seine Familie zu erfahren. Aber das Glück muß ihn ganz unverhofft getroffen haben, noch gestern hatte ich einen gradezu hoffnungslosen Brief von ihm erhallen, daß alle seine Nachforschungen ver¬ Franksurter Jsraelrtistzes Familienölatt. ' ' Nr 5 gebens. Und nun heute Morgen diese Jubelbepesche! — Nicht wahr, Herr Doktor, Sie sehen ein, daß ich Sie um eine solche Depesche auch um Mitternacht hätte wecken lassen dürfen." „Gewiß, das hätten Sie dürfen. — Was nur meine Tochter für Augen machen wird?" „Das werden Sie gleich sehen," versetzte Egon, indem er aufstand, „eine freudige Nachricht kann man nicht zu früh mitteilcn. Auf Wiedersehen, Herr Doktor!" „Aber lieber Freund, weshalb wollen Sie denn schon fort? Trinken Sie eine Tasse mit uns und lassen Sie uns plaudern, ich habe noch eine Unmasse Fragen an Sic zu richten." (Fortsetzung folgt.) „Zu Geschenken eignen sich meine Operngläser, Feldstecher.Lorgnons, Barometer. Thermometer, Brillen, Pincenez; Sprzialwerkstättesür Optik, Mechanik, Elektrotechnik. Physikalische Lehrmittel" „I. W. Albert, Inh. Paul Wandetey, Haus Neptun. Ecke Neue Mainzerstr. und Weißftauenstr. 11. Tel. 7254. Amt I." 8etl1akL!mmer-LirlriedluQßen Lettellkabrikalion, Bett-Wäsche. Georg Äfliendt, Nacht Bleidenstrassc 10. Allgemeine Mitteilungen. Ri chtigeAlu minium-Be Handlung! So angenehm die Anwendung von Aluminiunr- Kochgeschirren auch ist, sö bietet doch die Frage ihrer sachgemäßen Reinigung vielen Hausfrauen noch Schwierigkeit und ist Anlaß zu Aerger. Die scharfen Putzmittel, die bei harten Metallen durchaus am Platze sind, eignen sich ganz und gar nicht für Aluminium. Denn eine Jnnenscheuerung mit derartigen Präparaten erzeugt mit der Zeit im Aluminium-Topf eine rauhe Wandung, was Änbrennen der Speise verursacht, so daß das Geschirr zmn Wegwerfen reif ist. Sand, Seife, Metall, Lappen, gar Drahtbürsten und andere hier und da aufgetauchte Reinigungsmittel erfüllen ebenso wenig ihren Zweck, wenn sic auch anfangs — weil scharf — blitzblank scheuern. Nur Leon Hardts Spezial-Alumini t-Auflösungs mittel sind für den angegebenen Zweck zu empfehlen; sie schonen die Kochtöpfc und lösen den Wasserstein, sowie die dunkle Schicht. Die Anwendung dieser Mittel ist die denkbar einfachste. Der „M o d e r n e A b e » d", den die BereinigungzurPflegevonLiteraturund Geselligkeit am Sonntag, den 5. Februar in der Frankfurt-Loge veranstaltet, beginnt pünktlich um 8 Uhr. Außer den Damen und Herren, deren Namen schon in der vorigen Nummer unseres Blattes bekannt gegeben worden sind, wirkt noch mit: Fran Evelyn Auerbach, die Gedichte ihres Gatten, des Herrn Alfred Auerbach, zum Vortrag bringen wird. Eine interessante Ausstellung, eine S a m m - lung französischer Karrikaturen, bringt uns die Kunsthandlung H. T r i t t le r, Goetheplatz 6/8. Guillaume, Leandre, Truchet, Veber, Avelet und andere gute Künstler sind vertreten, mit teils köstlich humorvollen, teils politischen Sujets. Die Litographien sind schön und wirksam in Farbtönen und Zeichnung. Dauer der Ausstellung bis 1. März. - Spenden. Bei der Nationalfonbskommission ai»a für den Jüdischen Nationalfonds ein - Sammlung Frl. Clemens Meyer: N. N. (K. 761) . 2,76 M. M. Levigard (K. 689) 10,10 „ I. L. Goitein (D. 593) 1,35 „ E. Lion (D. 572) 4,34 „ N. N. (D. 596). 3/— ,, C. Rosenberg (K. 1184) 0,71 >, B. Bamberger (D. 636) 1,50 „ N. N. (D. 1824) 1,35 „ D. Grünebaum (K. 805) 4.87 „ A. E. (D. 1836) 6- „ D. S. Schwarzschild (L. 570) 10,43 „ L. Dessau (D 571) 1,77 „ E. Meyer (D. 644) 3,62 „ S. Geis (D. 642) 3/50 // Dr. David (D. 580) 1,02 „ I. Weil (K. 822) 2,17 „ 58,49 M Sammlung Frl. Frankenthak, Grünesiraße: N. N. (K. 687) Fr. Hamburger (K. 827) N. N. (D. 635) Demuth (K. 798) N. N. (K. 811) N. N. (K. 686) N. N. (0. 1827) N. N. (K. 720) L. Goldschmidt (D. 625) Ä. Seligman», Röderbergweg (0. 636) N. N. (X. 800) B. Michael (D. 615) 0,31 Ji 3.50 ,, 3,— „ 6.50 „ 2,- „ 1,45 „ 0,11 „ 0,31 „ 2,55 „ 14,54 „ 0,10 „ _ 2.30^. 36,67 JL Staniol: Lilly und Else Rosenbauin (Mannheim), Sophie und Grctcl Landsberger (Heilbronn), H. Hamburger, Recha und Johanna Frenkel, Gretcl Lindenbaum (Frankfurt). Bei dem Frankfurter Jsr. Familienbl. gingen ein für die O P P e n h e i m e r s ch e S i e d l u n g s - genossenschaft: Fritz Ullmann, Verlorene Wette 1,— M. Marken: Johanna Löb, Kleine Obermainstr. 28. Dentocbes Detectiv Institut Frankfurt a. M. 2*11 58. 1. -Tel. 11391»- Beobachtungen pr. 8t. 1 Mk. Erm11' telnngen, Becherchen n. Auskünfte v. 5 Mk. an. Gewissenhafte Ausführung u. strengste Diskretion als mehrjähriger Polizeiu. Kriminalbeamte gesichert. J. EMMEL & SOHN Schillerstrasse 26. Spezial-Geschäft für Hain Zeiehen-UlensIIlen. Holzbrand-, Kerbsehnllt-,Tarso-u.Batlk-ÄrIlfceI. Wocheir-Kaleuder. (Zeisangaben nach dem Luach.) Samstag, den 4. Februar 6. Schwati Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 55 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a- M. 6 Uhr 15 Min., in Berlin 5 Uhr 40 Min. Wochcnabschnitt: Bau. — Die letzten drei Plagen! Auf Gottes Befehl kündigt Moses eine Heuschreckenplage an. Dabei gerät Pharao, der nur teilweis Konzessionen an Israel machen will, in Zorn und vertreibt Moses und Ahron von seinem Angesichte hinweg. Die Heuschrecken vernichten alles Grüne im .Feld. Ein Westwind führt die Heuschrecken wieder fort. Eine dreitägige Finsternis entsteht. Nur Israel hat Licht. Pharao will das Volk fortlassen, nur das Vieh soll zurückblcibcn. Moses widerspricht und scheidet erregt von Pharao, nachdem er noch die letzte Plage angekündigt: das Sterben der Er st geborenen. Um Mitternacht sollen alle Erstgeborenen, hoch und niedrig, dem Tode verfallen, ebenso die des Viehes. Dann wird Pharao das Volk förmlich f o r t d r ä n g e n. Vorher sollten sie jedoch das Pesachopfer, gebraten am Feuer, mit bitteren Kräutern und ungesäuerten Broten verzehren. Alle sollten hierbei reisefertig sein, die Schuhe an den Füßen, die Lenden gegürtelt, den Stab in der Hand, des Freiheitsruses gewärtig. — Die Plage traf ein, Israel zog in der Nacht des 14. Nissan frei aus, 600000 Manu ohne die Frauen und Kinder. Auch egyptisches Gesindel zog mit. 430 Jahre laug währte die Knechtschaft bezw. die Fremdherrschaft. — Es werden zum Schluß . einige Vorschriften für das Pesachfest mitgeteilt. — Die Sidra endet mit den beiden Abschnitten, welche laut Tradition auch in den Tefellin zu stehen haben: Kadeisch und W'hojo ki jewiacho. Inhalt beider sehr ähnlich: vom Auszug aus Egypten; die Heiligung der Erstgeborenen; von den Tesillin. . onen&acfter Druckluft-Anlage Telefon 123. Offonbach a. H. Telefon 123. Unübertroffene bewahrtest« Tapplchr 8lnl0UI10. Briefkasten. Frankfurt. Ihren Bericht können wir nicht aufnehmen, da Sie ihn anonym eingesandt haben. I. B. Das Frankfurter Rabbinat ist das Beth- Din der Frankfurter Gemeinde, das sich aus den Herren Rabbiner Dr. Nobel, Rabbinatsassessor Lipinsky und Jacob S. Posen zusammcnsetzt. Barrrrizwohs. Jose, Sohn des Herrn I. Rosenblatt, Fichtcstraße 7. Israel, Sohn des Herrn D. Spinadel, Seumcstraße 2 in der Synagoge Börneplatz. ,Otto, Sohn des Herrn Adolf Drechsler, Moselstratze 15, in der Synagoge Unterlindau 23. Arbeitonaeliweis der Frankflirt-Loge und des Israel HBIfsverelns. Sitzung: Montag und Donnerstag morgens 10—12, Langestrasse 30, I. Telephon 3728. Wir bitten herzlich, uns Vakanzen und jede Art von Arbeitsgelegenheit mitzuteilen, nm arbeitswillige Glaubensgenossen vor Not zu bewahren. Arbeitsnachweis-Ausschuss.