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Neue jüdische Presse · 1911-01-27 · Heft 4 (27.1.1911) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 4 (27.1.1911)
Date
1911-01-27
Page
Seite 5 (sequence 8)
Language
German
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9ti. 4. Seite 5 gegenstandslos geworden ist, weil für die Sprachkurse, die vor mehreren Wochen bereits ihren Anfang genommen haben, genügend Räume zur Verfügung gestellt worden sind, so glaube ich doch, auf die für die Ablehnung angegebenen Gründe noch einiges erwidern zu sollen. In letzter Zeit sind in einigen Groß- und Mittelstädten Deutschlands hebräische Sprachkurse eingerichtet worden, die von den Ortsgruppen der Organisation für hebräische Sprache, Hauptsitz Berlin, ansgehen. Diese Organisation hat durchaus nicht zionistischen Charakter. Die Hauptleitung der zionistischen Bewegung steht ihr vollständig fern und ist auch nicht iin Vorstand der Organisation vertreten. Andererseits sind leitende Persönlichkeiten der Sprachorganisation —. ich erinnere an den Orientalisten Professor Dr. Mittwoch in Berlin — nicht Zionisten. Daß sreilich grade zionistische Streife — aber durchaus nicht die Mehrheit der westeuropäischen Zionisten — sich für diese Kurse besonders interessieren, ist selbstverständlich und sollte von .alten Freunden der jüdischen Literatur begrüßt werden. Da in Breslau eine Ortsgruppe der Sprachorganisation noch nicht existiert, die Zentrale aber mehrfach den Wunsch nach Aufnahme der Arbeit auch in Breslau geäußert hat, so hat sich der Unterzeichnete, der allerdings gleichzeitig Vorsitzender der „Breslauer Zionistischen Vereinigung" ist, für das Zustandekommen mehrerer Sprachkurse interessiert . . .*) So wenig also die veranstaltende Organisation zionistischen Charakter hat, so wenig dienen die Unterrichtskurse an sich zionistischen Zwecken, am wenigsten einem solchen, der —: wie es in dem Schreiben des Vorstandes heißt — „mit dem deutschen Nationalgefühl unvereinbar" ist. Dabei soll die Frage, inwiefern der Zionismus überhaupt, selbst wenn er streng national aufgefaßt wird, mit deutsch - nationaler Empfindung kollidieren könnte, als laicht hierher gehörig aus der Besprechung völlig ausscheiden. Eine gründliche Kenntnis der hebräischen Sprache zu erwerben, ist bei der Vorbildung, die ans den Religionsschulen erworben werden kann, völlig ausgeschlossen, wie kein Rabbiner leugnen wird. Sie genügt bestenfalls zur Erreichung des Verständnisses der leichteren und mittelschweren Stücke des Gebetbuches und der ältesten religiösen Schriften. Es ,gibt aber auch eine spätere ebenfalls höchst wertvolle hebr. Literatur, die in dem Schreiben des Vorstandes völlig ignoriert wird, und die über Jehuda Halevy und Gabirol und über MaimonideS bis auf Bialiks Poesie und die hebräische Presse herabrcicht . . .*) Wenn der verehrt. Vorstand infolge unznreichender Orientierung zu seiner Entscheidung kani. so hätte ihn in seinen Erwägungen doch wenigstens die schon in meinem Schreiben vom 23. November angeführte Tatsache zu bedenken geben sollen, daß selbst die Berliner Gemeinde, deren Vertretung an Liberalismus und Antizionismns der hiesigen nicht nachsteht, unverzüglich eine ganze Anzahl Räumlichkeiten für mehrere hebräische Sprachkurse zur Verfügung gestellt hat." *) Von der Redaktion gekürzt. Bunte Chronik. Der Brand der Frankfurter Judengasse vor 200 Jahren. Am 14. Januar 1711 gegen 8 Nhr abends brach in der Jndengasse zu Frankfurt a. M., der heutigen Börnestraße, ein Brand aus, der in wenigen Stunden die gesamten Häuser der Judengasse" in Schutt und Asche verwandelte und deren 3000 Bewohner — 3000 Menschen in einer Straße! — obdachlos machte. Die reicheren Inden quartierten sich bei den Bürgern ein; wer keine „Stetigkeit" besaß, mußte auswandcrn, — und so zogen viele nach Hanau, Offenbach und Rödelheim. Da der Brand im Hanse des Oberrabbiners Naphtali Cohn ausgebrochen war, so kam dieser in Haft, aus derer erst im Mai befreit wurde. Der Tag des Brandes — 24. Tcwes — wird als Fasttag in der Erinnerung der Frankfurter Jndenheit bewahrt.*) Die Bibliothek Baron David GünzburgS. Die Bibliothek des jüngst verstorbenen Barons ist eine der reichhaltigsten und wertvollsten Privatbibliotheken der Welt. Besonders zeichnet sie sich durch seltene Bücher und Handschriften ans, unter denen sich eine große Sammlung spanischer, italienischer, proveuealischec und asrikanischer Machsorim befindet. Sic besitzt auch eine Sammlung handschristlicher Gedichte der hervorragendsten jüd. Dichter des Mittelalters und überdies Handschriften jemenitischer Gelehrter über philosophische und wissenschaftliche Fragen. Von den vielen Unica, welche die Bibliothek besitzt, sei hier ein Teil einer Talmudansgabe erwähnt, die anläßlich der Verbrennung der hebräischen Bücher in Paris aus den Flammen gerettet lvnrde, ferner eine Aus¬ *) Rabb. Dr. 9t o b e l machte in seinem letzten Vortrag auf den Gedenktag aufmerksam, und es fasteten infolge dessen etwa 50. Herren am setzten Dienstag. frankfurter Israelitisches FamilienKaü. gäbe des Talmud - Jeruschalmi mit Kommentaren von Aberbanel und Cyrillin usw.. Die Bibliothek darf laut letztwilliger Berlügung Baron Günzburgs nur in ihrer Gesamtheit verkauft werden. Es sind s. Zt. eine Million Rubel für ' sie geboten worden. Wie verlautet, will Jacob H. Schiff die Bibliothek für eine amerikanische jüdische Anstalt sichern. Judentum und Astrologie. lieber dieses Thema schreibt Geheimrat Prof. Ed. König im „Zeitgeist" u. a.: „Wenn wir nun so sehen, daß auch die großen Kulturnationen des Altertums voll Neigung zur Sterndenterei — und znm Gestirnkultus — waren, müssen wir uns da nicht über die Zurückhaltung wundern, die gegenüber solcher Neigung sich in der klassischen Litteratnr der Hebräer ausspricht? Bei ihnen aber hören wir sogar im Gedicht von Hiob, worin doch viele äußerst kühne Sätze über religiöse Probleme laut werden, den Haupthelden seiner Erhabenheit über jede Art pon Gestirnkultus mit Nachdruck betonen. Denn der Dichter läßt ihn folgende Fragen aussprechen (31, 26 f.): „Sah ich etwa das Licht (das heißt die Sonne) — in andächtiger Bewunderung — an, wenn es hell leuchtete, und den Mond, wenn er -prächtig daher wallete, nnd betörte sich etwa heimlich mein Herz und legte sich meine Hand — zum Kusse — an meinen Mund?" Also mit Stolz weiß er sich frei von der Sitte mancher Leute, den Gestirnen eine bewundernde Aufmerksamkeit zu widmen oder durch zugeworfene Kußhändchen eine Huldigung darzubringen. Ja, dieselbe Sternenwelt leuchtete über Babylonien und über Palästina. Aber in dem einen Lande schaute man bis an das Firmament, um durch dessen Veränderungen die Beschlüsse der Götter zu erforschen, und in dem anderen Lande war das Auge der Bannerträger des Volkes über das Firmanient hinaus dahin gelenkt, >vo der Weltgeist ist „der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht". Diese eigenartige Stellung der Hebräer zur Astrologie ist aber nicht etwa deshalb in Frage zu stellen, »veil man annehmen könnte, ein Volk des Altertums könne doch nicht isoliert sein. Nein, die Kulturverwandtschaft der Nationen ist nicht eine absolute. Die Aehnlichkeit zweier Kulturkreise darf nicht, obgleich dies in neuer Zeit dann und wann geschehen ist, zur Gleichheit gestempelt werden. Oder läßt sich das nicht gerade bei den Hebräern durch eine ganze Reihe einfacher Tatsachen zeigen? Hier seien einige Beweise! Schon die Schrift der Hebräer (und Phönizier) ist von der Keilschrift der Babylonier nnd Assyrer gänzlich verschieden und im Unterschied von ihr eine Buchstabenschrift, deren Erfindung nach Ed. Meyer (Geschichte des Altertums I, 2, 8 203) die große kulturgeschichtliche Errungenschaft der Aegypter war. Sodann die Schreibrichtung der Hebräer geht von rechts nach links, während die Babylonier und Assyrer umgedreht von links nach rechts, wie wir schreiben. Auch die hebräischen Sternnamen kommen nicht bei den Babyloniern vor! Auch hatten die Hebräer zuerst gleiche Monatsnamen mit den Phöniziern, aber die babylonischen Monatsnamen tauchen im hebräischen Schrifttum erst nach dem babylonischen Exil auf. Die Hebräer hatten weiterhin die Woche von sieben Tagen, während man in Babylonien „eine Einheit von fünf Tagen an Stelle der siebentägigen Woche" hatte. Folglich ist es gar nicht einmal auffallend, daß die Hebräer auch in Bezug ans die Astrologie eine selbständige Stellung einnahmen. L. SCHMIDT&SCHIEFER Telephon 13430. Im Trotz 88. Telephon 13430. Gas-, Wasser- und Heizungs-Anlagen. — Moderne i Bäder nnd Closets. Reparaturen prompt hei zivilen Preisen. Kunst und Literatur. Salomon Dembitzer: Verlorene Welten. Jargongedichte. Berlin, Dr. F. Ledermann. 1910. Das vorliegende Büchlein enthält Gedichte eines jungen galizischcn Jargondichters, der schon vor einigen Jahre» einen Band: „Lebensklängen" veröffentlicht hat. Die Gedichte sind in jenem traurigverzweifelten Tone gehalten, der uns seit Morris Rosenfeld so gut bekannt ist. Diese in ihrer grenzenlosen Verzweiflung uns fremde Stimmung ist es vornehmlich, die für den westeuropäischen Inden den Anziehungspunkt der Gedichte bildet, wenn es auch nicht zu leugnen ist, daß ihr Verfasser manche dichterische Begabung aufzuweisen hat. Wenn der Autor durch eifrige Selbstzucht sich weiter vervollkommenen wird, ist von ihm noch manche rcifere Frucht zu erwarten. Deutsches Beobachtangen pr. 8t. 1 Mk. Ermit- PlPrllTbelangen, Recherchen a. Anskflnfte vlvVUi v> 5 Mx an. Gewissenhafte Ausführung u. strengste Diskretion als mehrjähriger Polizein. Kriminalbeamte gesichert. D flr Institut Frankfurt a. M. Zell 68, L —- zeLuaai.— Kaiser Friedrich Quelle —— Offenbach a. X. - > ■ Gegen Gicht nnd Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. M., Stallbnrgstr. 9. Tel. 259 n. 714. J. EUMEL & SOHN Schillerstrasse 28. Spezial-Gesebät't für Mal-a Zelehen-Utensillen. Halzbrand-, Kerbsehnllt-, Tarson. BaUk-lrUkel. Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Luach.) Samstag, den 28. Januar t=28 Tewest Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 45 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 05 Min., in Berlin 5 Uhr 30 Min. Wochenabschnitt: Woöro. — Verheißung Gottes, das Volk Israel erlösen zu wollen. Der Stammbaum Moses und Ahrons wird aufgeführt. Moses nnd Ahron sollen gemeinschaftlich zu Pharao gehen. Sie verrichten dort das Wunderzeichen mit dem Stabe, der sich zur Schlange verwandelt. Alsdann ahme» es die Zauberkünstler Pharaos nach. Der König verstockt sein Herz. Die 10 Plagen beginnen. Zuerst verwandelt sich alles Wasser in Blut. Die Egypter graben nach gesundem Wasser, jedoch vergeblich. Als die Plage vorüber war, entließ der König doch nicht das Volk. Es kommen dann Frösche in ungeheurer Zahl aus dem Flusse. Auf Pharaos Bitte fleht Moses um die göttliche Gnade; die Plage weicht. Pharao verstockt sein Herz, es kommt die dritte Plage: Ungeziefer, aus dem Staub der Erde entstehend. Pharao erkennt darin den „Finger Gottes". Die vierte Plage bringt Gewild. Wiederum sieht Moses auf des Königs Wunsch zu Gott, das Gewild verschwindet. Alsdann entstehen an Menschen und Tieren Geschwüre. Pharao aber verstockt aufs neue sein Herz. _ Die nächste Plage ist P e st oder Viehseuche. Von Israels Vieh aber stirbt kein Stück, so daß Pharao wiedermn das Volk nicht entläßt. Als siebte Plage wird Hagelschlag angeküudigt, der mit nie gesehener Heftigkeit eintreten soll. Es wurde viel Vieh erschlagen, auch Menschen getötet, Bäume nnd alles Grüne vernichtet, nur einiges ausgenommen. Moses bittet um Abwendung der Plage, Pharaos Herz verstockt sich von neuem. — Montag ist Rausch - Chaudesch S ch w a t. Offenbacber Druckluft-Jlnlage Telefon 123. Ottenbach a. H. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste TepplChrelniflanff'. Allgemeine Mitteilungen. Im Kunstsalon Scham es ist gegenwärtig eine Kollektivausstellung des jungen jüdischen Malers Armin Stern von hier zu sehen, die der Beachtung aller Kunstfreunde würdig ist. Jedes Stück der zwölf Nummern umfassenden Kollektion zeigt solides zeichnerisches Können und tiefes künstlerisches Empfinden. Doch scheint Herr St. besonders stark im Figürlichen zu sein. Das Bild „Eine alte Frau" läßt bereits ben Meister ahnen. Nur wer sich der Kunst ganz hinzugeben vermag, wer intellektuell so völlig in das geschaute Objekt aufzugehen imstande ist, nur dem kanir es gelingen, so das Innere, das Intellektuelle, das seelische ans die Leinwand zu zaubern, wie es hier geschieht. Daran erkennt man den echten Künstler. Reifen persönlichen Geschmack verrät auch das Gegenstück dieses Bildes: die in Ton und Farbe ausgezeichnete Kinderstudie. Teinperament, sicheres Erfassen des Wesentlichen nnd Charakteristischen zeigt endlich das sehr gelungene Porträt eines Negers. Die Landschaften lassen einstweilen noch die „persönliche Note" vermissen, doch sind auch sie von guter plastischer Wirkung. Jedenfalls darf man der Weiterentwickelung des Künstlers mit Interesse cntgegensehen. _ Bei dem bereits in der vorigen Nummer unseres Blattes angekündigten „M o d e r n c n A b e n d", den die „Vereinigung zur Pflege von Literatur und Geselligkeit" am 5. Februar in der Frankfurt-Loge veranstaltet, wirken mit die Damen: E l s e A d l e r, Claire Bauer, Betty Birken st ein, Nelly Bamberger, Cilly Rapp, Marianne Rödelheim er und Alice Schwabacher, sowie die Herren: Dr. Alfred Carlebach, Edwin Frank, Hermann Herbst, Dr. Max Heidler, Fritz Lehr und Sally R o s e n h e i m e r. Die künstlerische Leitung liegt, wie bereits bekannt gegeben, in den Händen des Herrn Alfred Auerbach vom hiesigen Schauspielhaus. Die Nachfrage nach Karten ist bereits eine sehr rege. Im Interesse einer zweckmäßigen Verteilung wolle nran die Kartenbestellungen niöglichst bald an Herrn Martin Feist, Obcrmainanlage 30, gelangen lassen.

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