Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1911)
- Date
- 1911-01-20
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. s. Aeankfürter Uraelltisches Familienblatk. Seite 11. Kolonisation Palästinas," den Rabb. Dr. Eschelbacher-Berlin im Slustrage des .Vereins „Esra" in der Frankfurt-Loge hielt. Er begann bei den ersten Anfängen der wirtschaftlichen Neucntwickelung dieses Jahrhunderte lang öden Landes. Moses Moutefiore, der 1827 und 1810 Palästina besuchte, steht am Anfang dieser neuen Periode, Hirsch Kalischer-Thorn, Rabbi Elia Gutmacher-Grätz suchen die jüdische Oesfentlichkeit vergeblich für die Wiedererweckung des Landes zu interessieren, Ludwig August Frankl gründet die Lämelschule in Jerusalem, 1872 wird endlich die erste Kolonie (Pcthach Tikwah) gegründet, doch als 1882 die ersten grasten Pogrome in Rußland wüteten, da war die jüdische Oesfentlichkeit dem Gedanken, Juden wieder in Palästina anzusiedeln, noch vollständig fremd. Nach den Pogromen ging ein Trupp Studenten nach Palästina und bearbeitete in wahrhaft heroischer Weise den Boden. Doch alles war noch in dem engsten Rahmen und wäre cs noch lange geblieben, wenn nicht Baron Edmund v. Rothschild die Kolonien Pethach Tikwah und Rischon Le-Zion übernommen und in die .Kolonisation Palästinas, ohne sich durch Mißerfolge (ungetreue Beamte rc.) abschrecken zu lassen, über 50 Millionen Francs hineingesteckt hätte. Baron Edmund v. Rothschild ist es gewesen, der die Zukunft des Landes gerettet hat. In den 80er Jahren wurde auch die Organisation der Chowewe-Ziou und der Verein Esra gegründet, welch' letzteren Vereins großes Verdienst es ist, in Deutschland das Interesse für Palästina wachgeruse» und in immer stärkerem Maße gefördert zu haben. In ein weiteres Stadium kam dann die Entwicklung, als Baron Rothschild der Jca (Baron Hirsch-Stiftung) die Verwaltung der Kolonien übergab und diese dann die Kolonisten auf eigene Füße stellte. Redner würdigte sodann die Leistungen des Hilfsvereins der Deutschen Inden, der in seinen Schulen das Hebräische zur Unterrichtssprache machte, da — im Gegensatz zu Alliance Jsraälite Universelle — die Seßhastmachung der Jugend im Lande bezweckte, und besonders der zionistischen Institutionen (die Auglo Palestine Cy. ist eine ansehnliche finanzielle Macht), die auch der Nichtzionist fördern sollte. Diese Entwicklung der palästinensischen Kolonisation muß mit Bewunderung erfüllen, wenn man bedenkt, wie viele Hunderte von Millionen Deutschland für seine Kolonien anfwenden mußte. Die Nörgler bezüglich der Zukunft Palästinas sind außerhalb des Landes; wer einmal dort >var, spricht mit Begeisterung von ihm. Es wird immer mehr zu einem Knotenpunkt des großen Weltverkehrs werden. Nach dem Vortrage sprach als erster Redner Rabb. Dr. L a z a r n s, der besonders auf die Be- .mühungen des Esra zur Lösung der Arbeiterfrage in Palästina eingeht. Er schildert die^durchdachte praktische und rationelle Tätigkeit der Esra, die frei von aller Romantik ist, und fordert die Erschienenen auf, sich mit aller Kraft um die Gewinnung von Mitgliedern für den Esra zu bemühen. Zum Schluß sprach Rabb. Dr. H o r o v i tz. Man möge auch das ideelle Moment im Auge behalten, denn nur das Ideelle, Geistige führe zum Ziel; schon der Name „Esra" lveise auf den ideellen Zweck des Vereins hin. — Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß der schwache Besuch dieser wertvollen Veranstaltung für die Frankfurter Judenheit beschämend ist; selbst die zahlreichen Herren, die die Einladung unterschrieben hatten, waren zum großen Teil nicht anwesend. Frankfurt a. M. , Der „Montefioreverrin" bot in seiner letzten Mittwoch den 18. Januar stattgefundenen Versammlung seinen 'Mitgliedern zur Abwechslung ein etwas „schweres Menu," das aber, höchst schmackhaft und genußreich zugerichtet, wohl allen vorzüglich bekommen ist. Rabbiner Dr. Nobel -hielt einen in Inhalt und Form gleich vortrefflichen Vortrag über Arthur Schopen- . Hauer. Das .Referat, dem noch andere, die Stellung Schopenhauers zum Judentum betreffend, folgen sollen, behandelte die Grundlagen des philosophischen Systems chieses so lang verkannten nnd so oft überschätzten Denkers. In ebenso klarer wie schöner Weise setzte der ehrwürdige Redner die drei Deutungen des ersten Schopenhauerschen Grundsatzes: „Die Welt ist meine Vorstellung" auseinander. Die Welt, die wir Menschen sehen, ist nicht die wirkliche Welt, vielmehr müssen wir unterscheiden zwischen unserer Welt der Erscheinungen und der wahren Welt der „Dinge an sich." Die Welt der Dinge an sich steht unendlich höher als die der Phänomene; wir können sie gar nicht begreifen, daher die noch präzisere nnd kühnere Form des Grundsatzes: „Die Welt ist n u r meine Vorstellung". Endlich aber ist jene Welt an sich nicht nur höher organisiert als die unsere, sondern sie ist auch eine völlig andere, entgegengesetzte, „zwischen den beiden Welten klafft eine unüberbrückbare Kluft". In dieses schwere Menu einen leichteren Gang einschiebend, schilderte der ehrwürdige Redner kurz das Leben ves Philosophen, um daun zur Darstellung des zweiten Grundsatzes des Schopenhanerschen Systems uberzugehcn. Neben unserer Welt der Vorstellung, die wir durch den Intellekt wahrnehmen, existiert noch eine andere Welt in uns selbst, die des Willens. Der Wille beherrscht nicht nur uns, sondern die gesamte organische, ja auch unorganische Welt. Zwischen Intellekt und Wille herrscht ein grundlegender Unterschied; der Intellekt wird nach dem Gesetz der Kausalität regiert, daher seine Klarheit und seine Vernünftigkeit; der Wille ist frei von diesem Gesetze, daher ist er blind, grundlos und dumm. Aus diesem Gegensätze zwischen Intellekt und Wille ergibt sich die Notwendigkeit immer neuer Wünsche, die unerfüllbar sind, ergibt sich also letzten Grundes die Notwendigkeit vom ewigen Leiden der Welt; daher der philosophische Pessimismus dieses Deukers. Der tiefgründige Vortrag, der von einer mühelosen Beherrschung der schwierigsten philosophischen Probleme seitens des ehrwürdigen Redners zeugt, wurde mit großer Befriedigung und reichen! Beifall von den überaus zahlreichen Zuhörern ausgenommen. Frankfurts. M. Der „Montefiore-Verein' bereitet für nächsten Mittwoch, abends 9 Uhr, in der Frankfurt-Loge einen musikalischen A b e n d vor, der ein künstlerisches .Ereignis zu werden verspricht. Es soll an diesem Abend die Kunst Johann Sebastian Bachs, dieses gewaltigen, gerade in neuerer Zeit wieder besonders verehrten Musikers ans klassischer Zeit, den Mitgliedern und Freunden des Vereins nahe gebracht werden. Montag, abends 9 Uhr in der Adler-Loge, wird bereits ein cinsührender Vortrag mit Erläuterung am Klavier von dem Leiter des Abends, Herrn Rudi Weill, gehalten tverden, um mit dem Wesen der Bachschen Kunstform vertraut zu machen. Eine größere Anzahl von Akusikfreunden hiesiger Stadt hat sich zu dem geplanten Abxnd durch instrumentale oder gesangliche Mitwirkung in den Dienst des Vereins gestellt. Frankfurt a. M. „Talmud-Thora-Verein. Die ordentliche Mitgliederversammlung findet nächsten Sonntag im Anschluß an den Tehillim- Vortrag statt. Für den I ü d. N a t i o n a l s o n d s: Stammtisch Cafe Bauer vom 5. Ja». 1,55 Jk N. N>. q — Arnold Weil 2,— Sondheimcr, Eschenheimeranl. 1 (Nr. 646) 24,— JL Rosenheimer, Feststr. 2 (Nr. 603) 5,45 „ Wolpe, Bergerstr. 53 (Nr. 551) 1,— Kaplan, Musikantenweg 66 (Nr. 1834) 1,10 ,, Noßbaum, Kantstr. 11 (Nr. 820) 1,50 „ Goldschmidt, Hegelstr. 21 (Nr. 704) 4,— „ Gottheimer, Fischerseldstr. 5 (Nr. 1828) 0,80 „ Stern-Heß, Schützenstr. 10 (Nr. 555) 0,50 „ Grünebaum, Rccheneigrabenstr. 8 (Nr. 806 2,10 „ Aronsohn, Seumestr. 5 (Nr. 1826) 0,80 ,. Sa. 49,85 JL Generalagent einer alten großen u. vr rzüglich eingeführten Lebens-u. Unfallversich.-Ges. sucht Vertreter — auch stille u. gelegentliche Vermittler — gegen hohe Provisionen. Fachmännische Unterstützung bei Anbahnungen wird gerne gewährt. Für gut eingeführte Persönlichkeiten bietet sich günstige Gelegenheit zu schönem Nebenverdienste. Offerten unter Chiffre 1078 an die Expedition des Blattes erbeten. Vereins-Kalender. Freitag. Verein ,Mekor Chajint," nach Schluß des Äbendgottesdienstes im Hörsaal Friedberger Anlage: Mikro-Vortrag (Golde); 8Vs Uhr, Langestraße 18: Zwanglose Zusammenkunft. — „M ontefiore"-Verein, 8tys Uhr, Seilerstraße 22: Zwanglose Zusammenktmft. >— Talmud Thora"-Berein, nach Schluß des Abendgottesdienstes im Hörsaal Börnepl.: Bortrag Samstag. „M outesiore" - Verein. IU/i Uhr, Seilerstr. 22: Mischleh-Vortrag (Dr. B. May.) Sonntag. „Talmud T h o r a" - B e r e i n, 6 Uhr, Hörsaal, Börneplatz: Tehillim-Vortrag (Rabb. Dr. Nobel); 63/) Uhr: ordentl. Mitgliederversammlung. — Verein ,Mekor Chajim," 6 Uhr, Langestr. 18: Vorlesung aus Seser Jirmijohu (Dr. Joiep > Breuer) - I>vriah, 43/i Uhr, Heimesweg 25: Kursus. Montag. „M o n t e f i o r e" - B e r e i u, 9 Uhr, Seilerstr. 22: Erläuterungsvortrag für den -Bach- Abend. — Jwriah, 9 Uhr, Hermesweg 25: Kursus. Dienstag. Jüd. Frauen verein igung, 5 Uhr, Hörsaal Friedberger Anlage: Llusgewählte Psalmen (Dr. I. Bondi.) Mittwoch. Jüd. Frauen-V erei nigiin g und Verein „Nachlaß Zwi," 8he Uhr, Hörsaal Schützenstr. 12: Judentum und Weltkultuv im Kampf und Frieden (Rabb. Dr. Klein-Nürnberg.) — „M v n t e f i o r e" - Ve r e i u, 9 Uhr, Frankfurt- Loge: Musikalischer Bach-Abend. Spende«. In der letzten Spenderliste der Tachkemoni- Schule in Jaffa muß cs Marcus M. Oppenheimer (nnd nicht Marcus M. -Oppenheim) heißen. Bei dem Franks. Jsr. Familienblatt gingen ein für den Jüd. Rationalfonds: Zur Eintragung von S. P. Rabbinowitz s. A. ins Goldene Buch S. Rosenblum 1,— JL Zur Hochzeit Dr. David Dr. Forschmann 1,— „ Frau 2t. Wolpe nebst Tochter, Herr u. Frau D. L. Wolffsohu-Memel, Herr u. Frau S. Kristiaupoller ü 50 Pfg. 1,50 „ Sa. 3,50 JL Für die O p p e n h ei m e r s ch e Siedl ungsgenossenschaft in Palästina: Zur Erinnerung an R. 5,— JL Für die Tachtemoui-Schule in Jaffa: Familie Klein,' Chanuka-Spielabend 3,— „ Familie Klein, Silvester-Versteigerung von zwei Pfannkuchen 7,— „ Sa. 10,— JL Bei Joseph L. Oppenheimer, Handuerlandstr. 2, gingen ein für die Oppeuh e im 'sch e Siedlungs-Genossenschaft: N. N. 300,— JL Leopold Merzbach 100,— Frau Auguste Wohlfahrt 100,— Heinemami Birnbaum 80,— «a. 580,— JL Allgemeine Mitteilungen. In der Vereinigung zur Pflege von Literatur und Geselligkeit hat Dr. I. H. B o n d i, vielen aus dem Kreise der Mitglieder an ihn gelangten Wünschen in selbstloser Weise Rechnung tragend, die Dozentschaft übernommen. Unter seiner Leitung begann das Arbeitssemester in dem ncugemieteten Vereinslokale Cafe Tiergarten mit der Lektüre von Henrik Jbsen's „Volksfeind". — Die Vereinigung wird am 5. Februar im großen Saale der Frankfurt-Loge einen „Modernen Abeu d" veranstalten. Die künstlerische Leitung liegt in de» Händen A l f r e d Auerb a ch' s. Es gelangen n. a. die beiden Einakter „Der Graf" von Felix Salten und „Lore" von Otto Erich Hartleben zur Aufführung. Eintrittskarten zu 3, 2 und 1 JL sind bei dem Präsidenten Herrn Edwin Frank und durch Bestellkarte bei Herrn Martin Feist zu erhalten. Am 1. Februar, abends 8.1/3 Uhr, veranstaltet der Tenorsänger Joseph van Collem unter Mitwirkung der Konzertsängerin Leni Blum und des Konzertmeisters Rico Poppelsdorf in der Loge Carl am Mozartplatz einen Liederabend. Briefkasten. O. I., Kassa. Verein zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit, Frankfurt a. M., Schützenstr. 14. .spanisches Imporihans Jac.Colom,Ltobat&Co. w I Hauptgeschäft Zell 14, H Telephon 10 601. I Filiale: Ctr. Bockentimrstr. 50. M Telephon 9816. I FilfsIeJBabnliofplatnl3,Tel.l2423. „ Or.Escbenbelmentr.19i I Telephon 12176. 1 WelKSfiranenstr. Tel. 7977. I Ia. span. Orangen, pr. Feigen, Rosinen, Datteln, Nasse, I Bananen,Birnen, Ia. span. W ein'e. Billige Preise, reelle Bedienung. > Tiglloh Eingang bischer Ware. Lieferung frei Hans. Strümpfe Handschuhe beste Qualitäten — billigste Preise. 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