Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1911)
- Date
- 1911-01-06
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. ' - mehr hier. Die meisten der Weggezogene» wohnen in Hamburg. -; Bonn. Max Herschel, Mitglied des Stadtausfchusses, bekannt als Uebersetzxr und Dichter auf dem Gwiete der jüd. Literatur, feierte seinen 70. Geburtstag. (L) Posen. Hierselbst verstarb Frau Rabbiner Dr. Popper im 82. Lebensjahre. Die Verblichene war ein wahrhaftes Musterbild echt jüdischer Frauen. Bei der Volkszählung, die im ganzen 156 696 Personen aufwies, waren 5611 Juden vorhanden. Die seit Jahrzehnten zu verzeichnenden ständigen Verringerungen des jüdischen Bevölkerungsteils ist soinit auch für das letzte Jahrfünft festzustellen. Das Anteil der jüdischen Bevölkerung betrug 1871: 12,97°/o, 1880: 10,91°,°, 1890: S,80°/o, 1900: 5,12°'o, 1905: 4,21°/°, 1910: 3,58°/°. Partikulier Louis Loser und seine Gattin, Henriette geh. Asch, feierten Hierselbst die goldene Hochzeit. . München. Den Charakter als Ko m merztenrnt erhielten: Grotzkansmann Max Ncnburger- München, Banldireltor Siegsr. Pflaum -Nürnberg und Fabrikbesitzer Adolf Hehniann- Fürth und den Charakter als Jnstizrat: Rechtsanwcckt Sieg fr. Wertheimer-Fürth. Guttstadr «Ostvr.). Adolf Schwarz, der langjährige Vorsteher unserer Gemeinde, ist — 48 Jahre alt — verschieden. Breslau. Mit dem Tode des Großindustriellen Julius Schottländer, der dieser Tage im Alter von 76 Jahren auf seinem Gute Habtlieb verschieden ist, verliert Breslau eine» großzügigen Philanthropen. So schenkte er der Stadt anläßlich seines 70. Geburtstages drei Millionen Mark für wohltätige Znecke und bald daraus den Südpark, den er auf seine Kosten angelegt hatte. Aber auch für die Interessen der Breslauer Judenheit ist sein Verlust ein schmerzlicher. Die Israel. Altersversorgungsanstalt und das Israel. Mädchenheim verdanken ihm ihr Entstehen. Schottländer hat ein Vermögen von 80 Millionen Mark hmtcrlassen. Den Grundstein zu diesem Vermögen hat bereits sein Vater gelegt, indem er de« Karlsbader Sprudel pachtete. An Schottländers Persönlichkeit war besonders seine große Anspruchslosigkeit und seine Liebenswürdigkeit zu rühmen. Jausbruck. Paul Wolter wurde zum Ober-Ingenieur und Bau-Oberkommissar der Staatsbahnen ernannt. Odessa. Mende eMore Seiorrm, der größte lebende hebräische und Jargonschriftsteller Rußlands, feiert am 8. Januar seinen 75. Geburtstag und 50jähriges Schriftsteller, jubiläum. Man rüstet sich in der russischen Judenheit zu große» Feierlichkeiten zu Ehren dieses Tages. Die jüdischen Zeitungen veranstalten Extraausgaben.*) New - Kork. ID er Verein jüdischer junger Leute (Pvung Men's Hebrew Association) erhielt durch Felix W. Marburg 60 000 Dollars zum Bau eines Klubhauses. Das Geld ist der Million Dollar entnommen, die L o u i s A.Heinsheimer für .gewisse jüd. Wohltätigkeitsanstalten hinterlietz, von diesen aber wegen der daran geknüpften Bedingung der gemeinsamen Verwaltung refüsiert. wurde. Aus der zionistische« Bewegung. Fraukfurt a. M. D-r Lichtbildervortrag d?s fwrn Dr. Friedmaun - Königsberg über Heber und Jeschiboh in der Zion, und Misrachi-Ortsgruppe war leider nur schwach besucht. Es ist das umsomehr zu bedauern, als der Vortrag und die Lichtbilder sicherlich vielen manche Anregung geboten hätte». Der Redner beleuchtete die Bedeutung von Chcder und Jeschiboh für ' die Erhaltung eines gesüirden traditionellen Judentums, wie durch sie jüdisches Empfinden und jüdisches Wissen bewahrt wurden, und zeigte dann, wie die russische Revolution in dieses erhaltende Ferment des Judentums eine Bresche schlug, die so groß ist, daß wir an der Zukunft des östlichen Judentums verzweifeln mußten, wenn nicht der erwachte Nationalismus Hoffnung geben würde. Frankfurt a M. Die Zi»n. Jugendgruppe veranstaltete ihren ersten jüdischen Geschichtskursus, der sich großer Beteiligung erfreute. Lehrer Baruch Stern, der Leiter des Kursus, sprach zunächst über die Quellen zur jüd. Geschichte. Dann hielten die beiden Mitglieder Harry Goitein und Menny Rapp die Geschichtsrcferate über die Periode JsBoto Verluste der staatlichen Selbstätändigkeit bis zur Rückkehr aus dem > abYkonischen Exil." Au die Vorträge schloß sich eine Diskussion, au der sich A. Perlmutter und Lehrer S t e r n. beteiligten. Köln. Für cre Dr. Franz'Oppenheimer'sche Siedlungsgenosseuschaft in Palästina sind bis Ende Dezember 102 000 Ji. gespendet worden. Inzwischen ist auch die Genossenschaft als „Erez-Jsrael"-Siedlungsgesell- *) Eine Würdigung dieses genialen Schriftstellers behalten wir. uns vor. Die Redakt. Dwckfurter JfraÄktisches Faurilienblaü. schaft m. b. H. rechtsgültig konstituiert worden. Für die Zwecke der Genossenschaft ist vom zionistischen Palästinaamt ein Landstück von 3000 Dunam in Galiläa erworben worden, das von der Siedlungsgesellschaft demnächst in Bewirtschaftung genommen werden wird. Ein auf den, Boden des Jüdischen Nationalfonds in Um-Djuni am Tibcriassce angestellter Vorversuch in kleinem Maßstabe ist außerordentlich gut gelungen. Es soll womöglich alsbald eine Zweite Genossenschaftssiedlnng aus einem Areal von 5—6000 Dunam ins Leben gerufen werden, weil die Aussichten, auf einem ausgedehntem Versuchsgut zum schnellen Erfolge zu gelangen, viel größer sind. Dazu kommt, daß, um aus der zunächst in Aussicht genommenen Arbeiter-Produktiv g env s s e n scha ft die richtige Siedln n g s g e n o s s e n s ch a f u zu entwickeln, die Abgabe von Land erforderlich werden wird, um Handwerker, Gärtner usw. anznsetzen. Dies wird'aber bei dem jetzigen Gesamtareal von 3000 Dunam nur in beschränktem Maße möglich sein. Ueberdies plant die Siedtungsgesellschaft die Begründung und Förderung kleinerer Arbeitergenossenschaften, die auf Nationalfondsland arbeiten und genossenschaftlich erzogenes, landwirtschaftlich geschultes Menschenmaterial für künftige Versuche liefern sollen. Nürnberg. Am 28. De-, fand die Generalversammlung der Zion. -Ortsgruppe statt. Aus dem Bericht ist zu erwähnen, daß die Ortsgruppe 1500 Ji für zion. Institutionen gesammelt hat. Me Mitgliederzahl hat sich im vergangenen Jahre nicht vergrößert. Aus besonderen Gründen konnten öffentliche Versammlungen nicht veranstaltet werden. Dochist zu erwähnen ein öffentlicher Bortrag des Parteisekretärs Blumenfeld anläßlich des bayer. Gruppenverbandstages im Sommer und ein Vortrag über „Palästina,"den Kantor Blitz, Dessau, hielt. In die Borstandschaft wurden gewählt: Zahnarzt Singer- Nürnberg (I. Vorsitz.), Kaufmann Max Gorski- Nürnberg (II. Vorsitz.), Direktor Rafalvwicz- Nürnberg (I. Schriftführer), Frl. Hambnrger- Nürnberg (II. Schriftführerin), Emil Oberndörfer-Fürth (Kassierer.) Ferner als N.-F. Commissäre: Heinrich Meier -Nürnberg u»d Philipp Heimann -Fürth. - * Am 31. Dez. veranstaltete die Ortsgruppe ihre Channka-Feier, die glänzend besucht war. Aus dem gut zusammengestellten Programm seien besonders erwähnt: Lebende Bilder aus dem jüd. Familienleben nach den Gemälden von Oppenheim. Diese Bilder mit dem dazu gesprochenen Prolog lösten eine stimmungsvolle Begeisterung aus. Auch das von Frau Wachsner-Gr. Strehlitz verfaßte Chanuka - Festspiel hat, trotz seiner inhaltlich starken Mängel, durch, gute Darbietung vielen Beifall gefunden. Zürich. Hier fand seit-ns der Zion Ortsgruppe eine glänzend arrangierte und glänzend verlaufene Makkabäerfeier statt. New-Nork. Der „Order Bnei Z onder Zehntauscnde von Mitgliedern zählt, hat die Gründung einer Aktiengesellschaft „Canäan Company" zur Schaffung eine rKolon ieamerikanischcr Juden in Palästina beschlossen. Die Company wird ihre Siedlungstätigkeit beginnen, sobald sich Aktienkapital die Höhe von .25 000 Dollar Erreicht haben wird. Der Preis eines Anteilscheines der Company beträgt 25 Dollar. Die Gelder der Canaan Conipany werden bei der Anglo-Palestine Conipany i» Jaffa zinsbringend angelegt werden. Aus de» Bereiueu. Frankfurt a. M. Vergangenen Donnerstag sprach 'Dr. Arthur Kahn-Charlottenburg im Verein „N a ch l a ß Z w i" über das Thenia „V e rschiedeu e Chanukah" und zwar in jenem unterhaltenden Plauderton, der nicht nur belehrt, sondern auch zu Herzen geht. Dr. Kahn ist weit in der Welt herumgekommen, sowohl räumlich, als zeitlich. Zeitlich, denn er gehört noch zur älteren Generation. Seine Jugend war noch die Zeit der Nervenruhe, des trauten jüdischen Familienlebens, der lieblichen Freude-und — des Chanukahöles. Die Zeit ist vorbei. Wir sind -jetzt Sklaven der nervenzerrüttenden Moderne, der Moderne mit ihrer kalten Technik und mit ihrem Losungswort: Zeit ist Geld. Wir haben unser Kinderherz verloren, dem es bei dem traulichen Channkahöllicht so warm wurde. Modern sind wir geworden: DaS Oellicht ist dem Wachslicht, ja dem elektrischen gewichen/ Aber nicht nur das: Wir debattieren über Häckel, Darwin, Boelsche, kurz üher was du willst (es braucht nur neulich in der Frankfurter Zeitung gestanden zu haben). Ja, wir sind gebildet! 0 sancta simplicitas! Das, was die wahre Bildung ist, die Herzensbildung, die haben wir verloren, verloren mit dem Oellicht, verloren mit dem jüdischen Interesse ....; Und ob man nun entzündet unter Glaubensbrüdern im wilden Westen, im Zwischendeck eines Riesendampsers, im phlegmatischen Orient oder in Nr. 1. der modernen zionistischen Makkabäerfeier (wirklich!), mehr oder weniger, so meint Dr. Kahn, kann man diese Entwickelung zur Verflachung unseres..inneren-' Juden konstatieren. Wir geben Herrn Dr. Kahn recht. Recht bis — auf seinen Antizionismus; beim er ist Antizionist, wenn er auch sich hierüber nicht offen erklärt hat. Wäre er Zionist, wahrlich er verstünde sich nicht nur gut auf die Diagnose, sondern auch auf das Heilmittel, Und die Medizin heißt, Herr Dr. Kahn, offener Nationalismus! W. Frankfurt a. M. In der Generalversammlung des Vereins zur Pflege jüdischen Wissens „Tifereth Bachurim" erstattete der Vorsitzende, Emil G o t t l i e b, den Jahresbericht. Danach erstreckte sich die Tätigkeit des Vereins auf 11 Vortragsabende mit anschließender Diskussion. Es wurden folgende Referate gehalten: „Jom Hakippurim von einst »nd jetzt"; „Jüdische Erziehungsideale"; „Pinchas Horovitz und seine Zeit"; „Religionsdisputationen zur Zeit des Talmuds'.'; „Die Juden unter Karl dem Großen"; „Rabbi Jehudah Hallevi"; „Das Karäertum"; „Die französische Revolution und ihre Folgen; ihr Einfluß ans die soziale Stellung der Inden" (2 Vorträge); „Die Selichoth und ihre Verfasser"; „Hillel". Die im November veranstaltete „Gemütliche Zusainmenkunst" in der Adlerlogc kann als wohlgelungen bezeichnet werden. Reges Interesse werde dem mit Beginn des Wintersemesters ins Leben getretenen Jjob-Schiur entgegengebracht, der der Leitung des Herrn Rabbiner Dr. I. Horovitz untersteht, und der allsonntäglich im -Vereinslokale um i,»9 Uhr abends ab gehalten wird. Bei der nach Verlesung des Jahresberichtes vorgenommenen Vorstandswahl legten Emil Gottlieb, Engen Neuberger und Max Mainz ihre Aemter nieder. In den Vorstand wurden neu gewählt L a - zar Jeidel und Beruh. Mokottoff, während Wilhelm Rosen zum ersten Vorsitzenden ernannt wurde. Das Amt des Schriftführers wird I. Sänger versehen. Wir wünschen den: Vereine „Tifereth Bachurim", der seit über einein Jahrzehnt es sich zur Aufgabe gesetzt hat, jüdisches Wissen im Kreise jüdischer junger Leute zu verbreiten, ein weiteres recht gedeihliches. Wirken; jedem, dem daran gelegen ist, sich auf dem weiten Gebiete jüdischen Wissens fortzubilden, sei der Verein empfohlen. Frankfurt a. M. Im Verein für jüd Geschichte und Literatur wird nächste» Montag Abend der hervorragende Palästinakenner David V ellin, Lehrer am Seminar in- Jerusalem, einen Vortrag mit Lichtbildern über „Palästinensische Kultnrbestrebungen einst und jetzt" halten. Infolgedessen ist der auf den 16. Januar festgesetzte Vortrag Dr. W. Hjanauer's auf einen späteren Termin verschoben worden. Frankfurt a. M. Tie Krankenkasse für israelit. Frauen und Mädchen hat beschlossen, von nun an Mitglieder ohne Berücksichtigung des Einkommens aufzunehmen. München. Das C'annukah-siest wu>de auch hier von verschiedenen Vereinen feierlich begangen Den Anfang machte der hebräische Sprachverein „Jvriach" mit hebräischen Vorträgen in Poesie und Prosa, welche die zahlreich Erschienenen sehr interessierten; konnte doch hier zuni ersten Male dem reinen Hebräisch ein Abend gewidmet werden. Der erst seit kurzem bestehende „Jüd. akadem. Knltiirverein," dessen Mitglieder sich zumeist aus russischen Studenten znsammensetzcn, bot ebenfalls einen genußreichen Wend. — In der „Toynbee-Hall" konnte man einen Vortrag über den geschichtlichen Ursprung des Makkabäer-Festes, sowie einige gute mnsikal. und deklamatorische Darbietungen hören. Vom 27. bis 29. Dezbr. tagte hier die dritte Delegiertenllersaimnlung*) des „Jüd. Fra neust u n d c s" f n r D e n t s ch l a n d, welche sich zahlreicher Beteiligung zu erfreuen chatte. —>‘ Am 28. Dez. fand eine große öffentliche Versammlung statt, welche von hunderte» von Personen besucht war. Frl. Sidonie Werner (Hamburg) sprach über „Erziechnngsfrage n." Die Redneriii, welche sich seit 25 Jahren ausschließlich der Erziehung und dem- Unterricht gewidmet hat, bot recht interessante Ausführungen, 'welche mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurden. Hoffentlich bleibt ihr Apell gegen den Jndifferenttsmns, der im Judentum leider so sehr um sich greift, nicht ungehört. Zioni. (si.lExmi Der jüd. »ranken- und Unterstütz ungSverein beging das Fest seines 125 löchrigen Bestehens. Aus der Lehrerwett. Kaiserslautern. Die Stadtbehörde bat — nachdem das bayerischeKnltnsministerinmdie Anstellung eines Israelitischen Bolksschnllehrers an der hiesigen Kvmmnnalschule für unzulässig erklärt hat — beschlossen, einen .Gemeindebeamten in der Mhaltsklasse ^.2200—3500 anzustellen, der zur Erteilung des israelitischen Religionsunterrichtes ge- *) Ausführlicher Bericht folgt D. Redakt.