Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1911)
- Date
- 1911-01-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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lamtltenßtattes. Mage M ilc. 1 des Icanlifttttec IfmeEitififien. AdMNkMNWMWM auf das „Frankfurter Israelit. Familienblalt" nehmen sämtliche Postanstalten des Jn- und Auslandes zu MK. IM linkt. Lieferuns frei iusWusj für das erste Vierteljahr 1911 entgegen. — Streifbandzusendung für Deutschland und Oesteneich- Ungarn Jüiatf 150, für die übrigen Lander Mt. 2.— vierteljährlich. Zum Jubtläum Ben Jehudas. Zu dem vorwöchentlicheu Artikel über Elicscr Ben Jehuda Uird uns geschrieben: In der Würdigung, die Ben Kvheleth in der vorwöchentlicheu Nummer dieses Blattes Ben Jehuda angedeihen läßt, bezeichnet er "als die zwei Seiten seiner Tätigkeit den Kampf für den jüdischen Nationalismus und den Kampf gegen die jüdische Religion. Er verurteilt den letzteren als töricht und verderblich und verherrlicht den crsteren als die Kultur des jüdischen Volles fördernd. Im ganzen aber meint er, man müsse die große „unvergleichliche" Persönlichkeit Ben Jehudas nehmen, wie sie ist, und bezeichnet es sogar als »»jüdisch, den ganzen Ben Jehuda wegen seines fanatischen Religionshasses abzulehnen. Wenn es auch sehr - unwahrscheinlich ist, daß ich den Kreis derer, die den jüdi,chen Nationalismus höher stellen als die jüdische Religion, überzeugen werde, so möchte ich doch zu den Ausführungen Ben Äoheleths, die geeignet sind, Verwirrung zu stiften, einige kurze Bemerkungen machen. Wenn die Wirksamkeit eines Mannes sich nach zwei Richtungen äußert, von denen die eine mir nützlich, die andere aber schädlich erscheint, so erhebt sich die Frage: Können die beiden Seiten. seines Wirkens überhaupt getrennt werden, oder ist nicht vielmehr, um mit den Worten unserer Weisen zu reden, jozo sechorau behesseidau? In unserem Falle: Iß ein jüdischer Nationalismus, der'sich zu der Religion/ in einen feindlichen Gegensatz stellt und sie fanatisch bekämpft, überhaupt lebensfähig und existenzberechtigt? Und wenn die Antwort auf diese Frage nur ein ganz entschiedenes Nein sein kann, dann ist mich das Urteil über Ben Jehuda als historische Persönlichkeit gesprochen. Er mag noch so sehr bemüht sein, durch seine wissenschaftlichen Arbeiten, durch seine Propagierung der nationalen Idee die jüdische Kultur zu fördern; ihre Hauptgrnndlage, auf der sie fußt, mit der sic durch tausenv Bande verknüpft ist, sucht er zu zerstören. Während er also die jüdische Kultur .neu. zu beleben und fortzuentwickcln sucht, will er ihr zugleich den Lebensfaden durchschneiden. Es ist eigentümlich, daß Ben Jehuda seinem Lobredner „nicht minder groß erscheint, weil wir nicht mit allem in ihn: einverstanden sind." Nein, seine prinzipielle Feindschaft gegen alles Religiöse nimmt seiner Tätigkeit überhaupt ihren Wert. Möglich, daß seine wissenschaftlichen Leistungen dem Jichentum zugute kommen; es gibt ja sogar literarische Antisemiten, die durch philolog'.,che und historische Arbeiten der jüdischen Wissenscha-'r genützt haben. Aber als Persönlichkeit betrachtet, kann Ben Jehuda nur als ein Zerstörer des Judentums bezeichnet werden. Dazu kommt als besonderes Moment noch hinzu, daß seine Tätigkeit sich in Palästina abspielt. In Palästina war bisher die Religion der Mittelpunkt alles' jüdischen Fühlens und Denkens, aller jüdischen Kultur. Auch solche, die für sich selber nicht religiös waren, scheuten sich, auf dem altheiligen Böden der jüdischen Tradition die Religion öffentlich zu verhöhnen und zu beschimpfen. Mit dem Beginn der Tätigkeit Ben Jehudas ist das anders.geworden. Das ist auch , eine „unsterbliche" Tat, aber eine solche die ihrem Urheber nur zu einer Herostratus-Berühmtheit verhelfen wird. Er hat damit zugleich den .Grund gelegt zu den erbittertsten Kämpfen innerhalb der Judenheit selbst, und die Frucht dieser seiner Tätigkeit muß sich zeigen, wenn der Traum eines selbständigen jüdischen Gemeinwesens einmal zur Wirklichkeit werden sollte. Denn wenn der Kampf gegen die jüdische Religion außerhalb Palästinas von außen her geführt wurde und meistens auch äußere Ursachen hatte, wird hier von innen heraus die Axt an die Wurzel des Judentums gelegt, wird im Namen der jüdischen Kultur der wichtigste Kulturfaktor des Judentums unterminiert und zerstört. Eine Persönlichkeit mit solchen Tendenzen verherrlichen, das kann nur derjenige, dem die Nationalität alles, die Religion — nun) sagen wir, sehr wmrig bedeutet. U. Wir haben diese Zuschrift unserem Mitarbeiter zugehen lassen, der uns folgendes erlvidert: Die Zuschrift des Herrn U. verwechselt zwei verschiedene Gesichtspunkte, deren jeder für sich gesondert betrachtet' werden muß: einen rein theoretischen und einen praktischen, realen. Ich habe mich in meiner Würdigung Ben I Jehudas vornehmlich auf den praktischen Stand-1 Punkt gestellt und Ben Jehuda danach beurteilt. | Man beurteilt eine Persönlichkeit nach ihren Taten und Handlungen, All die Punkte, die ich für die Würdigung Ben Jehudas herangczogen habe, sind reine Tatsache n. Es ist Tatsache, daß Ben Jehuda der Wiedererwecker '.der hebräischen Sprache zur lebenden Alltagssprache ist; cs ist Tatsache, daß er eine unvergleichliche, überragende Persönlichkeit ist — man muß allerdings seinen Werdegang näher kennen, um dies zu crsasseu —, und es ist auch andererseits Tatsache, daß er bewußt auf die Untergrabung der jüdischen Religion hinarbeitet. Wenn ich nun eine Persönlichkeit zu beurteilen habe, die einerseits große, unvergängliche Verdienste sich erworben, andererseits aber auch starke Fehler begangen hat, dann gibt es gar keine andere Art der Beurteilung, als die, ihre Verdienste zu lobe» und ihre Fehler Zu tadeln. Das ist eine einfache logische Forderung, die auch Herr U. mir wohl nicht bestreiten wird. Gesetzt den Fall, ich wollte die unnötige Erwägung des Herrn v. anstelle», ob nicht ..jozo sechorau behesseidau", nun, dann ist es .für mich klar, daß Ben Jehuda schon seinen „hessed" bei weitem übertrifft. Denn schließlich hat er mit seiner antireligiösen Propaganda nur eineu geringen Erfolg gehabt, einen Erfolg, der lange nicht so groß ist, als es Herr U. hinzustellen versucht, einen Ersolg, der mit seinem Schaden gegenüber den unsterblichen Verdiensten dieses Mannes stark verblaßt und in der Beurteilung späterer Generationen, wo die Folgen von Ben Jehudas Kampf gegen die Religion längst verschwunden sein werden, seine Verdienste aber immer heller leuchten werden, gänzlich verschwinden lvird. Soweit zur rein praktischen, realen Beurteilung des Einzelfalles Ben Jehuda. Was die theoretische allgemeinere Frage betrifft, die Herr U. berührt, die Frage oer Stellungnahme in der Beurteilung eines antireligiös wirrenden Juden, so erachte ich und mit mir alle jüdisch und darum gerecht uird tolerant denkenden Juden es als selbstverständlich, daß wir eine Persönlichkeit niemals ganz ablehnen werden, weil sie nicht auf unserem religiösen Standpunkt steht, daß lute ihre antireligiöse Tätigkeit zwar als starkes Manko anrechnen, im übrigen aber ihre guten Seiten nicht minder warm loben werden. Dieser Standpunkt ist — wie gesagt — nicht der eines Juden, dem, wie Herr U. meint, „die Nationalität alles, die Religion sehr wenig" bedeutet — was bei mir den Tatsachen ebenso wenig entspricht, wie die Beurteilung Ben Jehudas seitens des Herrn U. —, sondern ist stets die Anschauung des Judentums gewesen, des Judentums, dessen größte Männer die Lehren eines „Acher" in den religiösen Kodex der Nation ausgenommen haben, des Judentums, dessen größter Ruhm in seiner unvergleichlichen Gerechtigkeit und Toleranz besteht. Palästina-Ausstellungen in Holland, Oesterreich und Rußland. In den letzten Monaten sind in verschiedenen Ländern bemerkenswerte Palästina - Ausstellungen von jüdischer Seite veranstaltet worden. — Der Plan zu der Palästina-Ausstellung in verschiedenen Städten Hollands stammte von einigen Zionisten. Es .schlossen sich ihnen bald andere an, und so wurde ein Komitee unter dem Vorsitz des Herrn A. S i m o n M z n. gebildet. Die Ausstellung wurde am .9. November in Rotterdam in Anwesenheit eines der Stadträte, des Synagogenvorstandes und eines auserlesenen Publikums feierlich eröffnet. Ein kleiner gemütlicher Saal, und überall an den Wänden und in der Mitte, äußerst geschmackvoll angeordnet, die Erzeugnisse aus Palästina. Namentlich der ,Mezalel" hatte sich großartig hervorgetan. Schöne Teppiche schmückten die Wände und fanden viel Bewunderung; in Schränken in der Mitte und die Wände entlang standen und lagen die kleinen Filigran- Arbeiten aus dem „Bezalel." Man wurde nicht milde, die Beßomimbüchsen und die Megilloth und all die kleinen Erzeugnisse fleißiger mühevoller Arbeit immer wieder zu betrachten. In einem andern Teil des Saales prangten die Schüsseln, kupferne und hölzerne, mit Perlmutter geschmückt, welche bei allen Beschauern die höchste Bewunderung hervorriefen. Am 22. November wurde die Ausstellung in Amsterdam eröffnet. Im Dezember kam sie nach Haag, und im Januar kommt sie noch nach Groningen. Montag den 19. Dezember stattete die Könitz iu-Mutt er und eine Stunde später die Königin in Begleitung des Prinzgemahls der Ausstellung in Haag einen Besuch ab. Die hohen Gäste weilten längere Zeit in den Ausstellungsräumen und sprachen sich über das Gesehene in Worten höchster Anerkennung aus. —> Ju Mähren und Schlesien veranstaltet das dortige zion. Distriktskomitee in den Monaten Dezember und Januar - Februar eine Reihe von Bezalclausftellnngeu in verschiedenen Städten. Die erste dieser Wanderausstellungen fand in der Zeit vom 3.—11. Dezember in Troppau statt. Der starke Besuch aus allen Kreisen der Troppauer Bevölkerung bewies, welches Verständnis den Schöpfungen der Schule allseits entgegengebracht lvird. Unter den Besuchern und Käufern war auch die nichtjüdische Bevölkerung zahlreich vertreten. Auch der Landespräsident von Schlesien und der Bürgermeister von Troppau statteten der Ausstellung längere Besuche ab und sprachen sich sehr lobend über die Leistungen der Kunstgewerbeschule aus. Dem „Bezalel" wurden während der Ansstellungswoche zahlreiche neue Mitglieder zugeführt. Mitte Dezember fand die Ausstellung in M ä h r. - O st r a u in den Sälen des städtischen Museums statt. In Bielitz war die Ausstellung vom 24. Dezember bis 2. Januar zu fehen. Jn Teschen findet sie vom 5.—10. Januar statt, in O l m ü tz vom 16.—22. Januar, in P r o ß n i tz vom 24.—31. Januar, in Brünn vom 5.—12. Februar und in I g l a u vom 18. bis 25. Februar. Das Ausstellungssortiment umfaßt sämtliche Erzeugnisse des .Mezalel," darunter nicht weniger als 76 Teppiche, eine Unmenge reizender Silberfiligranarbeiten, Schmucksachen für Herren und Damen, rituelle Gebrauchsgegenstäude, Kupfertabletts und Wandteller, mit Silber platiniert, inkustrierte Schüsseln und Holzrahmen, Kassettenrahmen, Basreliefs aus Zedern- und Ebenholz, Originalzeichnungen von ersten Künstlern, künstlerische Reproduktionen und viele hervorragende Schülerarbeiten. Nach den ganz außerordentlichen Erfolgen zu schließen, welche die Ausstellung in Troppau erzielte, wo die meisten Objekte drei- und vierfach verkauft wurden, steht auch in den andern Städten zu erwarten, daß durch den Verkauf dem Betriebsfonds des „Bezalel" ein namhafter Betrag zugeführt wird. — In Warschau wurde am 27. Dezember eine Bezalel-Ausstellung im Saale der Passage Simons eröffnet. Das Interesse für die Ausstellung in allen jüdischen Gesellschaftskreisen Warschaus und auch unter der nichtjüdischen Intelligenz ist ein sehr reges, wie der Besuch der ersten Tage bewies. Es wird geplant, die Ausstellung auch in andern größer» Städten Russisch- Polens abzuhalten. „N. I. K." Aus aller WeU. Deutsches Reich. Arankknrt a. M. Seit Beginn dickes Semesters ist am Philanthropin eine hebräische Unterricht s a n st a l t eingerichtet, die von den Rabbinen Dr. Lazarus und Dr. Salzberger geleitet wird. Tie Leiter dieser Anstalt arrangierten letzten Donnerstag in der Aula des Philanthropins eine Chanuka-Fetzer seitens der Schüler und Schülerinnen. Tie Feier wurde mit einer hübschen Chanuka- Hymne eröffnet. Ein Schüler zündete nach jüdischer Vorschrift die Lichter an. Primaner Fritz Blau hielt eine begeisterte und begeisternde Ansprache und forderte auf, die Makkabäer zur Richtschnur des Lebens zu machen und ohne aus 'äußeren Ersolg zu achten, ihren ruhmreichen Taten zu folgen. Nunmehr wechselten Rezitationen und Musik ab. Rührend und eindrucksvoll war das Auftreten von 9 Knäblein in weiß, die, die Chanukalichte darstellend, ein jeder. ein Chanuialicht in der Hand hielten- und abwechselnd die Chanuiageschichte vortrugen. Ein Schwank machte den Beschluß der schön und wirkungsvoll verlaufenen Feier. Heroorgehoten sei zum Schlüsse die glänzende Leistung des jungen, vielversprechenden Schülers Weißmaun, der den nrusikalischen Teil leitete. Personalien u Kleine Mitteilungen. Berlin.- Ravhael Loewenfeld, der bekannte Tolstoi-Biograph und Direktor des Schiller-Theaters, verschied im 56. Lebensjahre. — Geh. Kommerzienrat Emil Jacob erhielt den Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub. Lffenbach a. M. Bon den 2377 jüdischen Seelen, die Osfenbach bei der jüngsten Volkszählung zählte, sind 908 Russen, 863 Oesterreicher und 80 Ungarn. Mainz. Justizrat Max L o e b wurde zum Kreistags Mitglied gewählt. Stuttgart Hier verschied jüngst im 74. Lebensjahre Frau Babette Guuzenhauser geb. Hausmann, Witwe nach dem Rabbiner Dr. Gunzeuyauser in Mergentheim. Flensburg. Wamund 1850 noch üöer 600 Juden hier wohnten, find jetzt keine 100 jüdische Seelen