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Neue jüdische Presse · 1910-12-30 · Heft 50 (30.12.1910) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 50 (30.12.1910)
Date
1910-12-30
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Frankfurter Israelitisches Familienblati. Nr. 50 Endlich wollte er in der dritten Reihe des Friedhofs Leigesetzt werden, da dort die Armen Legen, eine Verfügung, die von seiner seltenen SBefdjcibenfjeit und Menschenliebe Zeugnis ablegt. V. Verbandstag der Jüdischen Lehrervereine im Deutsche« Reich. (Schluß aus dem Hauptblatt). 1. Tag (Nachmittagssitzung). Es beginnt die Debatte über den gedruckt vorliegendeii Ber ich t des Vorsitzenden. Von dem Borstand wird verlangt, er solle sich mehr um die Förderung des israelitischen Religionslehrerstandes »Mühen; ferner möge er veranlassen, daß der D. J-G. - B. seine Leistungen vergrößere und daß die Wliance Jsraölite, die große Mittel für ein Schul- " toerl im Orient aufwende, ihre Mittel mehr den <n»en Gemeinden zuwendc. Bon Seiten des Bor- M«des und der Vertreter des D. I. G.-B. werden einzelnen Vorwürfe widerlegt, besonders wird . darauf hingewiesen, daß ohne Erlaß eines Organisationsgesetzes keine Hilfe zu schaffen sei; bis . , dahin sei es allerdings nötig, daß die Großgemcinden; / frLwillig den zurückgehenden Landgemeinden zu .. -Hilfe kommen müßten. Die Debatte wendet sich dazu, -Mch der Vertreter des D. I. G.-B. im Vorstande _•vAlDerbandes ein entschiedener Gegner der jüdischen?. .ÄWMchen Volksschulen sei und damit im Einklang fteft mit dem Vorstände des D. I. G.-B. Dieser -. Bertre^er des D. I. G.-B., Prof. Dr. Türk, ' vereidigt seinen Standpunkt in sehr entschiedener I^se. Es wird beschlossen, die Debatte darüber >7. morgen fortzusetzen. ....-Den Kassenbericht erstattet dann P r e ß - d uip g e r - Creglingen. •’r ■, Der Vorstand beantragt hierauf Erhöhung Beitrags der Einzelvereine von Per Mitglied auf eine Mark, w :VT4<ät af-Essen spricht gegen die Erhöhung, event. 2~itPSf£ er dafür gegen gewisse Kautelen. -L-V® ach- Halberstabt stellt den Antrag, einen Beivon 4.— JL zu zahlen, dafür soll das Vereins- <.l7^orKn gratis geliefert werden. p atz-Rexingen beantragt Schluß der Debatte, einhardt-Magdeburg erllärt den Antrag 77.DM Blach für undurchführbar. 7,.'?Der Antrag des Vorstandes wird an- -: r g-«M 0 M M e N. : .-.(Die Verhandlungen werden gegen Uhr rj «Mbrochen.) p;/ C' Abend versagt mlun g: Des Abends versammelten sich die Lehrer, etttet Einladung des Montefiore-Vereins fMend, im Stücke dieses Vereins, um dem Refevtz des Herrn Felix Meyer über die jüdifef- Jugendbewegung zu folgen. Redner We in seinem klaren Vortrage aus, welchen Um- Mtztz diese Bewegwrg in den wenigen Jahren ihres »Kehens angenommen hat — der Verband der M- Jugendvereine Deutschlands zählt bereits 66 ZWeine — upd welche Bedeutung für das Juden- IWt dieser Bewegung innewohnt. Er zeigte, daß von dem verewigten Rabbiner Dr. Horovitz IM7 gegründete Frankfurter Montefiore-Verein .WWrgUtig für die heutige Jugendbewegung ge- . stWen ist. Zum Schluß schlägt Redner im Auf- WW des Verbandes der jüd. Jugendvereine Hetztschlands die Annahme der folgenden Leitsätze .■ 7^0 den Verband der jüd. Lehrervereine vor: . Der Verband der jüdischen Lehrervcreine lim -Deutschen Reiche erblickt in den Bestrebungen jüdischen Jugend Vereine Deutschlands ein vor- ^Michcs Mittel, das jüdische Bewußtsein und die; Interessen der Heranwachsenden Jugend zu |wXnPC1t, ' J.v2. Der Verband der jüdischen Lehrervereine eylMehll daher seinen Mitgliedern, sich überall . jchHen Dienst der Jugendbewegung zu stellen. ,D Ä. Au lleineren, für Jugendvereinsgründung geeigneten Plätzen ist es wünschenswert, daß licht ^Lehrer die Jugendvereine dadurch zu ersetzen sMen, daß sie die reifere inännliche und weiblMe Jugend in den Gemeinden und deren Umgehung von Zeit zu Zeit um sich versammeln. Mi diesen zwanglosen Zusammenkünften sollen die .Ml^er. mit den Teilnehmern einzelne Partieen aus «r jüdischen Geschichte durchnehnien, jüdische Gegen- Mrxtsprobleme behandeln, anregende Artikel aus d«t jüdischen Zeitungen vorlcscn mrd besprechen, M geeignete Lektüre sorgen, überhaupt den gesamten jüdischen Jntercssenkreis der Tellnehmcr ly unpmckeiischer Weise zu fördern bemüht sein. - 4. Wo die örtlichen Verhältnisse es erheischen, soWem die Lehrer gemeinsame Seher- und Freitagabende vermr stallen, eventuell auch gemeinsame Spaziergänge unternehmen, h 5. Die Kosten dieser Veranstaltungen sollen fea Lehrern von den Gemeinden erstattet werden, Mt denen sie sich zu diesem Zwecke in Ber- Wchung setzen mögen. § ß. Die Gemeinden sollen von dem Dentsch- -. MMlillschen > Gemeindebmid ersucht werden, diese Bestrebungen nach jeder Richtung hin zu unterstützen. Dem Vorträge schloß sich eine angeregte Debatte an, in der Stein ha rd-Magdeburg, Becker- Wollsteiu, H o r w i tz - Cassel, P e r i tz - Königsberg, Auerbach-Berlin usw. sprachen. Es.wurden die Schwierigkellen, die schulentlassene Jugend zu vereinigen, besprochen. Die kleinen Gemeinden haben nur eine sehr geringe Anzahl junger Leute und sind bereits materiell so überlastet, daß sie in der Regel dem Lehrer die Kosten für die gesellige und fortbildende Vereinigung der jungen Leute nicht zahle» können. Erwünscht sei, daß die Lehrer in den kleinen Gemeinden darauf bedacht seien, daß die in die Großstadt gehenden jungen Leute sich den dortigen jüdischen Jugendvereinen anschließen. In den Großstädten seien die Jugendvcreine ein Mittel gegen die Seuche der Mischehe, da sie die jüdische Jugend gesellschaftlich zusammenfassen. DieFestauiführung des Philanthrvpins Zu Ehren des Verbandstages veranstaltete das Philanthropin am Dienstag eine Festaufsührung „Makkabäerszenen", verfaßt voni Mitglied des Schauspielhauses AlfredAuerbach und aufgeführt von Schülern und Schülerinnen der Anstalt. Das musikalische Arrangement hatte F. Rothschild, Lehrer am Philanthropiii, die Bühnenleitung Georg Kitz, Mitglied des hiesigen Schauspielhauses. Vor einer zu Hunderten zählenden, bis auf den letzten Platz die Aula füllenden Bersannnlung ging die Aufführung vor sich. Die Aufführung des'mit jüdischer Begeisterung wirkungsvoll geschriebenen Stückes war glänzend inszeniert und wurde von den jnngen Darstellern vortrefflich gespielt. Besonders hcrvorgehoben seien die vorzüglichen Leistungen der Frl. Carsch (Lea) und B i r k e n st e i n (Naeini). Die Aufführung inachte auf alle Zuschauer einen begeisternden Eindruck, der sich in lautem Beifall kundgab. Das Philauthropin hat inll der vorzüglichen Aufführung dieses überaus glücklich gewählten Stückes eine schöne Leistung vollbracht.*) Personalien «. Kleine Mitteilungen. Frankfurt a. M. Am 23 d. M. verschied nach schwerem Leiden H a n n ch e n Haas, die durch reiche Tugenden des Herzens und allezeit hilsbereitcs Wirken ausgezeichnete Gattin des H. Simon Haas. Ihr streng .gesetzestreuer Lebenswandel und die zahlreichen guten Werke sichern ihr sowohl in Darmstadt, ihrem früheren Wohnort, als auch in Frankfurt bei allen, die ihr edles Wesen kannten und schätzten, ein dauernd gesegnetes Andenken. Berlin. Sonntag veranstaltete das Rabbinerseminar eine Trauerfeier zu Ehren Dr. Hirsch Hildes hei in er's s, A Dr. I. W o h l - gemuth hielt die Gedenkrede. RüSeShcim. „Unser Leben. wahret 76 Jahre, und wenns hoch kommt, so sinds 80 Jahre, und wenn's köstlich gewesen ist, so ist's Mühe und Arbeit gewesen." Wenn dieser Vers des 90. Psalms seine Geltung noch hat, so war es der köstlichste Erdenlauf, den am 14. Dezember der Seniorches der Firma Jsaac Levitta, Herr Jsaac Levitta, im 75. Jahre in Rüdcsheim a. Nh. vollendete, denn es war ein Leben, das reich an Mühe und Arbeit war. Anr 2. August 1836 als Sohn des Gemeindevorstandes Feist Levitta und seiner Gattin Jendcl geb. Jsaac in Rüdesheinr geboren, verbrachte der Entschlafene sein ganzes Leben daselbst bis auf seine Lehrjahre in Bingen. Aus bescheidenen, doch durchaus nicht ärmlichen Verhältnissen war er hervorgegangen, er, der später einer der ersten, hochangesehensten Leute nicht nur seines Vaterstädtchens, sondern des ganzen Rheingaus werde» sollte. Sein Erwerb als Weinkommissionär brachte es mit sich, baß er überall im Rheingau mit allen Schichten der Bevölkerung, arm wie reich, hoch und niedrig zu tun hatte. Und nur wenn man das sich vor Augen hält, kann man das ungewöhnliche Ansehen und Vertrauen verstehen, das der Verewigte genoß. Denn wer mit ihm einmal zu tun hatte, der war begeistert von dem schlichten, graben, lauteren Charakter des Verblichenen. So ward Jsaac Levitta jedermanns Freund, und bald pflegte weder in der Hütte des Armen noch im Palaste des Neichen im Rheingau etwas wichtigeres zu geschehen ohne seinen Rat und Hülfe. Das Vertrauen seiner Mitbürger hatte den Verewigten, der die Früchte seiner Arbeit gern dem allgemeinen Wohle auch zugute kommen ließ, jahrzehntelang zum Mitglied .der Stadtverordneten-Versainmlung berufen, als deren Mitglied er sich hervorragende Verdienste erworben hat. Gleichfalls jahrzehntelang hat Jsaac Levitta den jüdischen Gemeinden Rüdesheim und Geisenheim vorgestanden. Er war ein Jude: treu, edel und wohltätig. Von seiner stillen Wohltätigkeit, die keinen Unterschied der Konfession kannte, können die Armen des Rheingaus berichten. Ihm, dem „Herrn Jsaac", wie sie ihn nannten, klagten sie ihre kleinen Nöten, und er mit seinem klaren Auge sah stets einen Weg und bot seine helfende Hand. Den Juden des Rhein- . gaus war die Hochachtung, die ihr Vorstand genoß, den die innigste Freundschast mit dem alten „Eisenkönig", Freiherr» von Stumm, verband, von Vorteil. Die majestätische Erscheinung ihres ersten Vorstandes, der stets seine Zugehörigkeit zum Judentum als Adel empfand, hob das Ansehen und Vertrauen der ganzen Judenheit des Rheingaus. Sein Glück nach außen stützte sich auf daS reinste Familienglück seines Hauses. Schon säst 3 Jahre hatte Jsaac Levitta an den Erscheinungen des Alters gelitten, als am 14. Dezember ihn ein sanfter Tod erlöste. Mit einem Kusse hat ihn der Ewige hinüber genommen zur ewigen Glückseligkeit, die allen Gerechten in Israel verheißen, ans einem Leben, das zwar reich an Arbeit, aber auch überreich an Erfolgen und Ehren war. Droben, von seiner selbstgcwählten Ruhestätte aus, überschaut er nun das rebengesegnete Rheingau, das Jsaac Levitta stets über alles geliebt und für dessen blühende Entwickelung er jederzeit seine ganze» Kräfte eingesetzt hatte. (L.) Posen. Herr SR anaffe, Vorsteher der Neuen Synagoge, feierte seinen 70. Geburtstag. — Der kürzlich in Philadelphia verstorbene Kaufmann Isaak Saller, vermachte der jüd. Gemeinde seiner Vaterstadt Filchnc 6000 M. In Wreschen wurde Marcus Meier zum Stadtverordneten gewählt und in L a b i - sch in Kaufmann He im an n Lew in in sein Amt als Beigeordneter eingeführt. — In Schönlanke wurden M. Badt, Moses Gold st ein, Julius Faß und H e i m a n n S a l i n g e r zu Repräsentanten der jüd. Gemeinde gewählt. Saargemünd. Das Grudchaux Heymann'sche Ehepaar feierte die g o l d e n c H o ch z e i t. Weimar. Hier verschied der bekannte Literarhistoriker und Kritiker Samuel Lublinski im 43. Lebensjahre. Budapest. Die ungarische stenographische Gesellschaft veranstaltete zu Ehren des 50jährigen Bestandes des F c n Y v e s y ' schen Systems eine großangelegte Feier, wobei sie dem Erfinder und Ehrenpräses des Vereins Adolf v. Fenyhessy, der ein braver Jude ist, begeisterte Ovationen darbrachte. Zioni. Prag. Guido Goldschmidt erhielt an Stelle des verstorbenen Hofrates Prof. Skraup primo loco die Berufung als Professor d e r Chemie an die Wiener Univ ersität. Sollte Prof. Goldschmidt der.Berufung Folge leisten, würde die Prager Universität durch seinen Abgang einen enipfindlichen Verlust erleiden. Professor Goldschmidt wurde vor zwei Jahren zum Rektor erwählt, nahm aber die Wahl nicht an. Meran. Das Kuratorium der Königs- Warte r st i f t u II g hat für die durch den Tod des verdienstvollen Gustav Ries s. A. frei gewordene Stelle eines Kurators durch einstimmige Wahl Hermann Pach, Mitinhaber der Firma Gebrüder Pach des bekannten Cafe Central, Wien, Herrengasse ernannt. London. Zum Vizepräsidenten der Vereinigten Synagogen wurde vou dem Exekutivkomitee Felix U. Davis und zum Schatzmeister Evelyn de Rothschild gewählt. Rom. Dr. Angelo Levi, Präsident der jüd. Gemeinde in Venedig, wurde zum Kommandeur des 'italienischen Kronenordens ernannt. — Louise Alorpurgo ist an der hiesigen Universität als P r,i v a t d o z e n t i n zugelassen worden. *) .Schlußbericht über die Verhandlungen, sowie Würdigung derselben,- nächste Stummer. D. Red. Ans der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Die Leiden hiesigen zionist. Ortsgruppen haben Dr. Alexander Friedman n - Königsberg zu einem Lichtbilder-. Vortrag über „C h e d c r und I c s ch i b o h" gewonnen, der Dienstag, den 3. Januar, abends 8% Uhr, im kleinen Saal des Kaufmännischen Bereinshauses, Eschenheüner Anlage, stattfindet. Der Redner, ein vorzüglicher Kenner der sozialen Zustände der Inden Osteuropas, hat sich bereits durch eine Reihe von Vorträgen in der Lessing-Loge in München und anderwärts vorteilhaft bekannt gemacht. Der Veranstaltung darf daher mit Interesse cntgcgeiigesehen werden. Karten sind im Vorverkauf bei Firnberg, Schillerstraße, sowie in de» hebräischen Buchhandlungen und au der Abendkasse zu haben. . _ Ans der Lehrerwett. Frankfurt a. M. Auf Wunsch vieler Mitglieder, die durch Chanuka am Erscheine» verhindert sind, wird die Generalversammlung des Bundes gesetzestreuer jüd Lehrer Deuts.chl a n d s verschoben. Der neue Termin wird demnächst in diesem Blatte veröffentlicht.

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