Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 48 (16.12.1910)
- Date
- 1910-12-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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H-daLtto» «nd chefchäflsD-tte: Srsnlcfurt s. M.. vilbelerstraße 4/6> LSe Lleichstraße P-r-fs« 10507. Herausgeber: Sa kg s f.K. , -..11 -—-““ Diese Zeitung erscheint wöchentlich Abonnementspreis pro Vierteljahr: In Frankfurt a. M. M. 1.— frei inS Haus. BÄ der Post abonniert im In» und Ausland Mk. 1,02 (einschließlich Bestellgebühr). Unter TtreifVand bezogen: Deutschland und Oesterreich » Ungarn Ml. 1,50, sonstige Länder Mk. 2.— I - i ■ ---- '- -—! Jnsertionspreisr: Die viergespaltene Petitzeile. 25 Pfg. Die Rellamezeile. 100 „ Platz- und Daten-Borschrift ohne Verbindlichkeit. Beilagen: Preis nach Uebereirckunst. 8. Jahrgang. Freitag, den 15. Kislew 5671 (16. Dezember 1910). Rr. 48. Inhalt des HauptblatteS. Artikel: Die Ursachen der Alliance-Krisis — Brief aus England. — Münchner jüd. Gemeinde- Wahlen. — Dr. Hirsch Hildesheimer s. A. — Aus aller Welt. — Feui lleton: Aus der Zukunft. — Wochen-Kalender. — Familiennachrichte n. Die Ursachen der Alliance-Krisis. Berlin, 12. Dezember 1910. Sehr geehrte Redaktion! Wie Ihren Lesern bekannt, fand am 30. November in Paris eine Sitzung des Zentral-Komitees d.e r A l l i a n c c I s - raßlite Universelle statt, in der die Wünsche der Deutschen Konferenz-Genreinschaft zur Beratung standen. Das Ergebnis der Beratungen war n ach stehende Entschließung, die in i t allen gegen die deutschen Stimmen gefaßt ivurdc: , „1. Tas Zentral-Komitee bestätigt, nachdem cs die Darlegungen der Herren Justizrat B. Timendorfer, H. Gumpertz, Lucien Picard, Philipp Schiss, Th. Schlesinger, Machiels und Sse entgegengenoinmcn, die in der Sitzung vom 20. April gesüßten, sämtlichen deutschen Mitgliedern des Zentral-Komitees durch Schreiben vom 2. Mai übermittelten Beschlüsse. Es beschließt ferner, die Organisation der Alliance in Deutschland, ivic sie im Jahre 1904 bestand,' wiederherzustellen und beauftragt seinen Vorstand, die zur Ausführung — nach Recht und Billigkeit — obiger Beschlüsse erforderlichen Maßnahmen zu treffen. 2. Tie in Paris wohnhaften Mitglieder des Zentral-Komitees appellieren an ihre Herren Kollegen in Deutschland und bitten sie inständig, ihnen ihre wertvolle Mitwirkung auch in Zukunft angedeihen zu lassen." Ter erste und der dritte Präsident der Deutsche» Konferenz-Gemeinschaft, G e h e i m r a t Timendorfer-Berlin und Lucien Picard-Frankfurt a. M., haben hierauf ihre A e m t e r n i e d e r g e l e g t. Justizrat M a x Fuchs I - Berlin, der stellvertretende Vorsitzende, hat die p r o v i s o r i f ch e Leit u n g der Gcsch äste üb ernomm cn. Auf den 20. ds. M. ist eine außero r d e n t l i ch e Tagung nach Berlin einberufen worden, die Stellung z u den einschneidenden Pariser Beschlüssen nehmen soll. Tie Unterzeichneten werden den Antrag stellen, die Verhandlungen in voller Oesfentlichkeit stattfinden zu lassen. In der Anlage fügen wir einen Bericht bei, den die deutschen Teilnehmer an der Pariser Sitzung ihren Kollegen von per Deutschen Konferen-Gemeinschaft erstattet haben. Ai an hat, wie Sie aus dieser» Bericht ersehen, keinen Zweifel darüber gelassen, daß die Pariser Mitglieder des C. C. auch nicht das g e r i n g st e E n t g e g c n k o m m e n g e g e n ü b e r d e n Wünschen der deutschen Mitglieder zeigen wollten und überhaupt die Mitarbeit dieser deutschen Mitglieder als etwas Neues und Unerwünscht es empfanden. Indem wir uni Aufnahme der obigen Mitteilung bitten, zeichnen wir mit vorzüglicher Hochachtung Deutsche Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Jsraelite Universelle. F n ch s, stellvertretender Präsident. Tr. Apfel, Geschäftsführer im Ehrenamt. An das Präsidium der C. Cf., Berlin. Tic ergebenst Unterzeichneten gestatten sich hierdurch, einen kurzen Bericht über ihre Teilnahme an der Sitzung des Pariser Cf. Cf. der A. I. U. am 30. November a. c. zu erstatten. Wir schicken voraus, daß, nachdem das von der Siebenerkommission ausgearbeitcte Statut den Frankfurter Mitgliedern der D. E. G. als in den der D. C. G. eingcräumten Rechten etwas zu weitgehend erschienen war, einige Abänderungen seitens der Frankfurter Kollegen vorgeschlagen wurden und zur Feststellung eines so abgcändcrtcn Entwurss Gcheiinrat T i m c n d o r f c r zweimal in Frankfurt amvescnd ivar. In diesen beiden zwischen den fünf Frankfurter Mitgliedern der D. C. G. und Geheiinrat T i m e n d o r s c r stattgchabten Konferenzen ivnrde dann ein vollständiges Einverständnis bezüglich eines neuen Statutenentwurfs erzielt, von dem wir glaubten annchmcn zu sollen, daß er, ohne der Würde der D. E. G. etwas zu vergeben, den Ansprüchen des Pariser Zentral-Komitees soweit cntgegengekommen sei, um dessen Annahme seitens des C. C. zu sichern. Nachdem dieser letzte Entwurf die Billigung fast sämtlicher T. C. 01. - Mitglieder erhalten hatte, ging er zur Beratung auf die Ko nf e r c n z v v m 30. November a. c. nach Paris. Zn dieser Konferenz ivaren die Pariser Herren des C. C. fast vollständig erschienen, im ganzen ungefähr 25 Herren, und ferner die Unterzeichneten fünf deutschen Herren. Tie Sitzung begann um 7 >/- Uhr abends und währte bis kurz nach Mitternacht. Ter Vizepräsident des Zentral-Komitees, S al o m o n R e i n n ch, begrüßte die Erschienenen, und namentlich die Deutschen, in sehr liebenswürdiger Weise. Darauf dankte Oieheimrat Time n o o r f e r für den freundlichen Empfang und drückte den Wunsch aus, daß die heutige Beratung zu einer Verständigung über die seitherigen Tiffcrenzpunkte führen möge. Er führte namentlich aus, daß der neueste Satzungsentwnrf der D. C. G. das äußerste Entgegenkommen gegenüber dem E. C. bedeute und ließ insbesondere durchblicken, daß, abgesehen von allenfalls zu wünschenden formellen Abänderungen der materielle Sinn der Vorlage nach Ansicht der T. C. G. nicht weiter abgeändert werden dürfe. Die Hoffnung auf ein befriedigendes Resultat stütze sich aber, wie Geheimrat Timendorf e r ferner ausführte, nicht nur auf das weite Entgegenkommen bezüglich des Statntenentwurfs, sondern auch ferner darauf, daß die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft selbst die Berechtigung einer Anzahl Beschwerden bei aller Anerkennung der Verdienste der bisherigen Verwaltung anerkannt habe. Die Leitung der D. C. G. habe die feste Absicht, nach Möglichkeit sparsam die Verwaltung anszuüben, und sie stehe auch auf dein Standpunkt, daß für das Hauptwerk der Alliance, für die Schulen, ein erheblicher Teil der Einnahmen zur Verfügung stehen müsse. Deshalb habe man sich auch entschlossen, bei dem Entwurf des Etats für 1911 nur diejenigen Forderungen aufrechtzuerhalten, welche auch die Frankfurter Herren als berechtigt anerkannt hatten, und welche sich ans bereits übernommenen Verpflichtungen ergaben. Das Jahr 1911 sei ein llebergangsjahr, und in späterer Zeit könnten selbst Positionen, die für .das Jahr 1911 verlangt worden Ivaren, noch wegfallen. Der Präsident der D. C. G. fiihrte nun iveiter aus, daß er mit vollster Gewißheit das Versprechen abzugeben in der Lage sei, daß schon im Jahre 1911 vielleicht 45—50,000 Mk. für das Schulwerk der Alliance aus den Einnahmen in Deutschland frei sein würden. Hierbei sei noch nicht einiiial der Aufschwung berücksichtigt, der sicherlich im Jahre 1911 cintreten würde, wenn es zu einer Einigung känie und eine Propaganda da entwickelt würde, welche im Jahre 1910 naturgemäß vollständig geruht habe. Er bäte deshalb, den Statutencntwnrf in den einzelnen Bestiminungen zu beraten. Würde cs zu einer Einigung über die Statuten kommen, dann könne auch die Einigung über den Etat nicht ausbleiben, da es bei diesen Punkten sich lediglich um Zweckmäßigkcitsfragen handele. Bon Seiten der Pariser Herren wurde auf diese Ausführungen erwidert, daß das Zentral- Komitee bereits am 20. April Beschlüsse gefaßt habe, die den Mitgliedern der D. C. G. durch Brief vom 2. Mai übermittelt worden seien, und die folgenden Wortlaut hatten: „2. Mai 1010. Geehrter Herr! Wir haben die Ehre, Sie zu benachrichtigen, daß nach langer und aufinerkfamer Prüfung der in Jhrenr Schreiben vom 12. April aufgeworfenen Fragen das Zentral-Komitee folgende Beschlüsse gefaßt hat: Die uns ailferlegte Pflicht, die unbedingte und lückenlose Einheit der Alliance nach dem Geist ihrer Statuten und ihrem Zweck gemäß aufrechtzuerhalten, gestattet uns nicht, die Deutsche Konferenz - Gemeinschaft als eine selbständige und gesonderte Organisation zu betrachten. Unsere Beziehungen zu dem Präsidium der D. C. G. und zu dem Bureau in Berlin inüssen von diesem Gedanken notwendiger Einheit durchdrrmgen sein. DaS Berliner Bureau muß .gleichsam eine Filiale des Pariser Bureaus sein und (ich in seiner Tätigkeit