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Neue jüdische Presse · 1910-12-09 · Heft 47 (9.12.1910) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 47 (9.12.1910)
Date
1910-12-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Maflo M Hc. 47 des Icanfcfttttet Ifmetiftfto IflmtMtofe. Eine entscheidende Wendnng in der Alliance-Krists. Berlin, 7. Dezbr. Geh. Justizrat Ti mendorfer, der Präsident der .deutschen Konferenzgemeinschast der tzllliauce Jsraelitc Universelle, hat demissioniert. Zur Erklärung dieser überraschenden Nachricht wird berichtet, dass die Pariser Zentralleitung in ihrer Sitzung vom 30. Nvv. ans Liquidation der deutschen Konferenzg.emeinschaft und Wiederherstellung des Zustandes )von Begründung der Konferenzgemeinschaft gemäß .ihrer Forderung vom Mai b e st a n d e n hat. Beleuchtung dieser Wendnng behalten wir uns für die nächste Nummer vor. Aus aller Wett. Rumänien. Jassy. Der zielbewußten und aufopferungsvollen Arbeit des hiesigen Rabbiners Dr. Niemirower ist es gelungen, einen großen Erfolg in der Frage des sogenannt e n I u d e u e i d s zu erzielen. Der vereinigte Kassationshof, die höchste richterliche Instanz des Landes, hat sich im Prozesse Niemirower, gegen die Vereidigung jüdischer Zeugen nach der mittelalterlichen more judaico-Form e l ausgesprochen. Auf Grund dieser Entscheidung des Kassationshofs hoffen die jüdischen Notabeln und Rabbiner Rumäniens eine ministerielle oder legislatorische Verfügung zur endgültigen Abschaffung des schmachvollen Jndeneids erwirken zu können. So wird nach 40 jährigem Kampfe die Beseitigung dieses Ileberbleibsels aus dem finstersten Mittelalter, die einzelnen mutigen Männern schon früher gelungen war, jetzt hoffentlich für das ganze rumänische Staatsgebiet durchgesetzt werde». Palästina. Haifa. Am 8. und 9. November hat hier aus Initiative des Herrn Agronomen K r a u s c aus Sedschera eine Konferenz jüdischer Agronomen stattgefunden. Großes Interesse erweckte das reiche Material, welches Herr Aaronsohn bezüglich der Arbeitsmethoden in den verschiedenen Kulturländern vorlegte. An der Beratring nahmen noch die Herren Beermann, Wilkansky, Dr. Levite Blumenfeld und Dr. Pickholz teil. Es wurde beschlossen, eine zweite Konferenz am Schlüsse des Winters einzuberusen, in welcher über folgende Gegenstände Referate erstattet werden sollen: 1. Bodenbewertung und Klassifizierung, 2. Arbeitsmethoden ans wasserarmen Böden. 3. Getreidewirtschaft, 4. Oraugegärtcu. 5. Viehzucht, 6. Milchwirtschaft und Futterban. Bis jetzt haben 17 fachwissenschastlich ansgebildete Landwirte ihre Teilnahme an der geplanten Konferenz zugesagt. — In der sechsten Jahresversammlung der Arbeiterorganisation „Hapoel hazair". die unlängst in Jaffa stattgefunden hat, Ivurde über die Lage der jüdischen landwirtschaftlichen Arbeiter verhandelt. Namentlich wurde der Auswanderung, die in letzter Zeit um sich gegriffen hat, viel Aufmerksamkeit zugewandt. Die Versammlung nahm folgende Resolution an: „Die in letzter Zeit verstärkt auftretende Auswanderung ist keine Folge der geringen Nachfrage nach Arbeitern in Palästina; die Nachfrage ist im Gegenteil in jüngster Zeit bedeutend gestiegen. Ebenso haben sich oie Arbeitsbedingungen wesentlich gebessert. Es ist deshalb die Pflicht der Organisation „Hapoel hazair", gegen . die betrübende Erscheinung der Auswanderung sowohl durch Aufklärung über die in- und ausländischen Arbeitsverhältnisse, wie auch durch planmäßige Organisierung der Arbeiterschaft in ökonomischer Beziehung anzukämpfen." Amerika. New- Kork. Der Bericht der Einwanderungskommission an den Kongreß, der nach dreijähriger Arbeit nunmehr in 40 Bänden vorliegt, erklärt, die Einwanderung sei nicht mehr eine wirtschaftliche Notwendigkeit und trage eher zur Benachteiligung des amerikanischen Arbeiters bei. Die Kommission verlangt e i n st i m - mig den Ausschluß unverheirateter ungelernter Arbeiter, ferner den Ausschluß von Analphabeten, auch die direkte Beschränkung der Kopfzahl der. Einwanderer aus gewissen Ländern. Auch soll jeder Einwanderer ein Heimatzeugnis vorweijen. . _U : I Sollte das Verlangen der Kommission Gesetz werden, so würde die Einwanderung der osteuropäischen Juden in Amerika außerordentlich erschwert werden. - Personalien n. Kleine Mitteilungen. Frankfurt a. M. Geh. Obermedizinalrat Prof. Dr. Ehrlich erhielt das Großkrenz des S av a-Ord e us, des höchsten serbischen Ordens, der für Kunst und Wissenschast verliehen wird. Frankfurt a. M. Die Milglicocrvciiamm.ung des „F r e i s i n n i g e n Vereins für j ü d. G emeindelebcn" beschloß, dem mit dem „Centralverein israel. Gemeindemitgliedcr" seitens des Vorstandes verabredeten Komprvmis; für die diesjährigen A u s s ch u tz w a h l e ii zuzustimmen und dü Herrerr Leo I s a a c, Hugo F r ä u k e l u. Dr. Ludwig Hanau gemeinsam auszustellcn. Frankfurt a. M. Die dieser Tage verschiedene Frau Rosa Scherer geb. Eppinger verdient ein Gedenken in diesen Blättern, deuu in ihr ist eine Frmr dahingegangen, in der Ich die echt jüdischen Franentugenden harmonisch zusammenfanden. Frankfurt a. M.» 8. Dez. In Rüstigkeit und umgeben von einem großen Kreise Kinder, Eiikeln und Urenkeln feiert Frau M a y e r Bock Wwe. geb. Bachrach (Ostendstr. (5) morgen ihren SO. Geburtstag. Frankfurt a. M. Wilhelm Hackenbrock ist nicht mehr; — das orthodoxe Judentum Deutschlands hat einen seiner überzeiigungstreuesten Söhne, die Frankfurter Israel. Religionsgesellschast einen bewährten, hingebungsvolleu Führer verloren!^ Geboren zu Köln im Jahre 1840 als Sohn hochangesehener Eltern — seine Mutter war eine Tochter des berühmten Bankier? Wolf Wertheimber und somit mit Baron Hirsch, dessen Frau ebenfalls eine Wertheimber war, verwandt —, kam er bereits als Knabe nach Frankfurt und trat in eine der höheren Klasse der Realschule der Jsr. Religionsgesellschast ein, hier durch Samson Raphael Hirsch den von Hause mitgebrachteu jüdischen Idealismus noch vcrtiesend. Dieser sein Idealismus trug reiche Früchte, als er als reifer Manu in die Leitung der Relrgionsgesellschaft eintrat, für die er zwei Jahrzehnte hindurch in rastloser Tätigkeit und glühendem Eifer gctvirkt hat. Was er hier alles leistete, das wissen nur seine nächsten Mitarbeiter und läßt sich nicht in Worten sagen. Es sei nur kurz gesagt, daß er viele Jahre das äußerst arbeitsvolle Amt des «christsührers versah, sowie, daß er in allen hervorragenden Ereignissen der Israel. Religionsgesellschast — so der Erlangung der Genleindcrcchte, wie des Baus der neuen Synagoge —, ferner in allen Kommissionen — wie Schulrat der Realschule, Volksschule, Bankommission, Spitalkomitee •— in hervorragender Weise wirkte. Außerdem war er Vorsteher der Klaussynagogc, im Vorstand des „Schaaree Zedek"- Hospitals und im Komitee des Vereins für die osteuropäische» Brüder, auch sonst noch in einer Reihe anderer Hilfsvercine. Mit allen Fasern seiner Persönlichkeit war der Verstorbene mit den Prinzipien der Religionsgcsellschasi verwachsen und trug während seines ganzen Lebens die Fahne des orthodoxen Judentums hoch. Auch im Privatleben verwirklichte er auf Schritt und Tritt die Prinzipien des orthodoxen Judentums, war menschenfreundlich, wohltätig, bescheiden und von aufrichtiger Wahrheitsliebe, wie cs einem echten Juden geziemt. So genoß er denn in den weitesten Kreisen das höchste Unsehen, und so rief sein Hinschciden überall schmerzlichste Teilnahme hervor. In den Annalen der Israelit. Religionsgesellschaft aber hat er sich ein ewiges Denkmal gesetzt. Berlin. Der frühere Direktor der Nationalbank für Deutschland Regierungsrat a. Dl E r n st M a g - n u s, Zentralkomitee - Mtglied des Hilfsvcreins der deutschen Juden, ist im Alter von 60 Jahren verschieden. Berlin. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat zu den Beratungen über das Technikum in Haifa den bekannten hebräischen Essayisten Ach ad Ha am zugezogen. Berlin. Eme Trauernachrimt, die in der ganzen Judenheit Deutschlands Bestürzung Hervorrufen wird, ist von hier zu melden. Dr. Hirsch Hildesh e im e r ist in der Nacht von Dienstag zum Mittwoch verschieden, ein gesegnetes Leben hat sein Erdendasein vollendet. Er war zum Segen für das Judentum, für die Judenheit. Als Dozent des von seinem Vater s. A. gegründeten Rabbincrseminars, als Herausgeber der Jüd. Presse, als Mitglied der Leitungen der größten jüd. Organisationen Deutschlands ging von ihm Segen, Segen für Judentum und Judenheit aus. Eine eingehendere Würdigung dieser prominenten Persönlichkeit in der nächsten Nummer. Fritzlar Joel Boleh, der 40 Jahre das Amt, eines Rechnungsführers in hiesiger israelitischer Gemeinde verwaltete und aus Altersrücksichten sein Amt niederlegte, erhielt das Allgemeine Ehrenzeichen. Breslau. Michaelis Silber st ein, der frühere Inspektor der Israel. Waisenanstalt und Gründer des Israel. Mädchenheims, ist im 88. Lebensjahre verschieden. Er hat eine größere Anzahl literarischer Arbeiten veröffentlicht. — D r. d e Haas, bisher Rabbinatskandidat am Breslauer Rabbinerscmiuar, wurde zum Sekretär der „Freien Vereinigung für die Interessen des o r t h o d. I u d e n t u m s" (Sitz Posen) mit einem Gehalte von 3600 Jk gewählt. -t. Stratzburg. Landgerichtsdirektor Levi wird seine neue Stellung als ^-enatspräsidcnt am Obcrlandesgericht in Colmar anr 1. Januar autreten. Basel. Hier verschied — 56 Jahre alt — Dr. Phil. 'Alfred R a t h a u, ein Bruder des Bürgermeisters von Rom. Er war bis zu Mazzini's Tode dessen Privatsekretär und wirkte dann als Professor der modernen Sprachen an der Universität Cambridge. Durch schwere Schicksalsschläge veranlaßt, siedelte er 1893 nach hier über, wo er als Lehrer der modernen Sprachen tätig war. Prag. OverlanoesgeriLtsrar Dr. Ferdinand Unger ivurde zum Wirklichen Hosrate des Oberlaudesgerichts für Böhmen und David Tr oller zum Kaiserl. Rat ernannt. Der bekannte Frauenarzt Dr. Wtlh. Fischel ist g e st o r b e u. Er war Direktor des israelit. Spitals und gehörte der Repräsentanz der israel. Gemeinde au. Die zionistische Bewegung verliert in ihm einen Freund. Czernowitz. Der Rechtspraktikant Heinrich S ch apira wurde snb auspiciis imperatoris zum Doktor der Rechte Promoviert und erhielt das übliche Geschenk des Kaisers, einen kostbaren Brillautring. Klausenburg > Ungarn). Die medizinische Fakultät hat Prof. Ehrlich-Frankfurt a. M. zum Ehrendoktor gewählt. New Aork, 6. Dez. Gestern ist Isaak Stern, Chef der großen Warensirma Stern Brothers, im Alter von 68 Jahren gestorben. Er bekleidete mehrere Ehrenämter, u. a. die Stelle des Vizepräsidenten des Mount Sinai Hospitals. Auch war er Mitglied des Newyork Jacht-Clubs. Aus deu Vereinen. Frankfurt a. M. Dem 28. Jahresbericht der Israel. H i l f s v e r c i n s (Vorsitzender: Lucien Picard) entnehmen wir folgendes: Die Unterstützungen und Verteilungen beliefen sich auf 40 973 Jk gegen 35 868 Jk im Vorjahre. Die Zahl der Durchreisenden verringerte sich von 3945 auf 3442; die Aufwendungen für sie betrugen 9247 Jk Aus dem Georg und Franziska Speyer'scheu Nachlaß erhielt der Verein 50 000 Jk Frankfurt a. 9K. Montefiore-Berein. Die diesjährige C h a n u k a - F e i e r am 17. Dezbr. erfreut sich eines so außerordentlich regen Interesses seitens der Vereins-Mitglieder, daß die Karten zu dem Feste bald vergriffen sein dürften. Das reichhaltige und geschickt zusammengestellte Programm hat seine Anziehungskraft damit bewiesen, ebenso interessiert die Uebcrnahme der Fest-Ansprache durch den ncugewählten Frantfnrter Rabbiner Dr. Nobel lebhaft. Die Ausgabe der bestellten Eintrittskarten erfolgt programmäßig im Vereinslokale von Samstag - Abend ab, ebendort findet der Verkauf der noch vorhandenen Plätze statt. Nächsten Mittwoch spricht an Stelle des verhinderten Dr. Rudolf Geiger das Vorstandsmitglied des Vereines Dr. B. May über das Thema: „Napoleon und die Juden". Die „Freitag-Abend"-Veranstaltungen erfreuen sich eines derartig starken Besuches, daß z. B. am vergangenen Freitag eine große 'Anzahl junger Mitglieder wegen Uebcrfüllung sämtlicher Räume keinen Zutritt finden konnte. Die Bereinsleituug geht daher mit der Absicht um, auch diese Veranstaltung in deu großen Vortragssaal zu verlegen, obwohl damit der Reiz der Intimität, welcher diesen Abenden ein besonders wertvolles Gepräge gab, eine gewisse Einbuße erleiden würde. Der starke Besuch wird aber auch gerechtfertigt durch die gediegenen geistigen Genüsse, welche au deu Freitag - 'Abenden den jungen Leuten geboten werden- und zu deren Bestreitung sich „geistliche" und „weltliche" Freunde des Vereins in erfreulicher Quantität und Qualität zur Verfügung stellen.' Die 'Vereinsleitung darf mit Stolz die Urheberschaft dieser Freitag-Abcud-Veranstaltungeu für sich in Anspruch nehmen, einer Einrichtung, welche Dank der Initiative des „Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands" heute in zahlreichen Jugendvereinen mit großem Erfolg eingeführt ist. Frankfurt a. M. Der „Verein selbstständiger Israel. Handwerker" feierte am 4. Dezbr. in sämtk. Räumen der Frankfurt-Loge

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