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Neue jüdische Presse · 1910-11-25 · Heft 45 (25.11.1910) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 45 (25.11.1910)
Date
1910-11-25
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr 45. liches Zeichen eben dafür, wie gut sich die jüdischen Kolonisten mit den Arabern .verständigen können. Jerusalem. Anläßlich seines 30 jährigen Aufenthaltes in Palästina wurde am 4. November zu Ehren Ben-Jehuda's eine Feier veranstaltet. Nach der Ansprache Dr. S e g a l l' s, des Chefarztes des Rothschild-Hospitals, würdigte der junge hebräische Schriftsteller Z e m a ch die Bedeutung Ben-Jehuda's für die Wiederbelebung der hebräischen Sprache und behandelte Dr. M,e t - m a n n den Entwickelungsgang der hebräischen Sprache, die niemals im jüdischen Volke zu leben aufgehört hat; Ben-Jehuda's Verdienst sei es, die neueste Phase der Wiederbelebung der hebräischen Sprache auch in Haus und Schule eingeleitct zu haben. Sodann wies Dr. Thon auf Ben-Jehuda als ans den Typus des wiederverjüngten Hebräers in Erez Jisroel hin. In ihm habe sich die Umwandlung vom Golusjuden zum modernen hebräischen Palästinenser jäh und unvermittelt vollzogen. Er faßte den Entschluß, nach Palästina überznsiedeln, um .sich hier national anslcben zu können, und hat sofort seine ganze Lebensweise diesem Programme gemäß verändert und eingerichtet. Den neuen Stil depalästinensischen Lebens, den alle andern, die hierher kommen, sich langsam erringen, habe Ben-Jehuda durch kraftvolles Wollen mit einem Schlage für sich gesunden. Im Namen derjenigen Kreise, deren Standpunkt von dem Ben- Jehuda's abweicht, sprachen Teminarlehrer Dr. Rabin, der den idealen Charakter des Jubilars pries, und Schriftsteller K. L. S i l m a n n. Ben - Zwi, der Präsident der Poale-Zion, gab der Huldigung der Arbeiterschaft Ausdruck. Jaffa. Welche große Notwendigkeit die Erbauung des neuen Stadtviertels Tel Awiw sür die jüdische Bevölkerung gewesen ist, wird am besten durch den Umstand 'illustriert, daß auch jetzt, nachdem bereits in Tel Awiw ca. 50 Häuser mit mehr als SO Wohnungen erbaut sind und auch außerhalb Tel Awiws eine rege Bautätigkeit herrscht, dennoch eine gewisse Wohnungsnot noch immer vorhanden ist. Die vom Palästiuaaint bor etwa einem halben Jahre veröffentlichten Sätze für Wohnungspreise in Palästina treffen zum Teil für Jaffa nicht mehr zu. Dies gilt nicht bloß 'von Tel Awiw, wohin sich der Sauberkeit, gesunden Luft und verschiedener hygienischer Vorkehrungen wegen die Wohlhabenden wenden, sondern auch in Rweh Zedek und Nweh Schaloin, den znin ' Teil recht ungesunden jüdischen Stadtvierteln, ist ein starkes 'Steigen der Wvhnungsmiete zu konstatieren. Da nun im verflossenen Jahre Einwanderung und Answanderimg einander mrgefähr die Wage hielten, so ist diese Wohnungsnot nicht etwa auf Zuzug von auswärts zurnckznführen, vielmehr scheint der Grund der zu sein, daß die Familien, die .in frühern Jahren eiugewandert sind und in der ersten Zeit'mit jeder Wohmmg, die sie bekounncn konnten, vorliebnahincn, nunmehr sich hier eingebürgert haben und größere Beqneinlichkeit beanspruchen. In jedem Falle ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die. Erbauung und Ber- . m ie tun g von W o hn h ä n s e r n in I a f f a für Jahre hinaus ein sicheres und einträgliches Geschäft sein tvird. G fßinllefoii. 0 Aus der Zukunft. Bon Friedrich Rott. lFortsetzung.) Als der Arzt den Kranken am Morgen besucht hatte, war das Fieber zwar noch nicht vollständig geschwunden, aber doch mäßig, er hatte trotzdem geraten, einen Barmherzigen Bruder kommen zu lassen, der auch bereits vormittags sein Amt angetreten hatte, denn es ließ sich nicht voransfehen, wie die nächste Nacht sich gestalten würde. Irma war daher durch die Pflege des Kranken nicht in Anspruch genommen, hatte vollauf Zeit, mit ihm zu plaudern, und das Hauptthema ihrer Unterhaltung während des ganzen Tages war der gestrige Unfall und der Helfer in der Not. „Papa, weißt Tu, was mir eingefallen ist? Herr Müller will sich doch im Sommer in seiner Heimat etablieren, dann könntest Tn .Herrn Jakobson an seiner Stelle nehmen, dabei hättest Du die beste Gelegenheit, ihm Deinen Dank zu bezeigen." „Mir Ivärc er schon recht," erwidert Doktor Blau, „tvenn er bei dem Adam arbeitet, muß er nichtig sein. Mer daß ich dadurch Mehr Gelegenheit hätte, ihm meinen Tank zu bezeigen, das ivüßtc ich nicht, und ich weiß auch nicht, ob er seinen jetzigen Posten mit dem bei mir vertauschen möchte." „Warum nicht, tvenn Du ihm ein größeres Gehalt bieten würdest —" -~ „Tas geht nicht, Kind, ich darf ihn seinem EHef nicht abwendig machen, und ich würde wohl Frankfurter Israelitisches Familienblatt. auch ihn beleidigen, wenn ich durch ein höheres Gehalt, also quasi durch Geld, ihm lohnen wollte, was er mir getan." „Das ist wahr," sagte Irma, „daran habe ich nicht gedacht. Aber es hätte mich gefreut, wenn er zu uns gekommen wäre." „Zu uns," wiederholte. der Doktor spöttelnd, „wenn Du auch mein Schäfchen bist, so wärest Tu doch noch nicht seine Chefin." „Ach Papa, Tn machst 'Dich schon wieder lustig über mich. Aber bitte, tue mir nur den einzigen Gefallen, 'wenn Herr Jakobson kommt, nenne mich in seiner Gegenwart nicht Huhn und nicht Maus und nicht Schäfchen." Der Alte lachte. „Warum soll ich das'nicht?" „Weil er mich sonst für dumm halten könnte, und das wäre mir sehr unangenehm, denn er scheint sehr gescheidt zu sein." „Dumm sieht er nicht aus und sehr, sehr gut muß er sein, wenn ich mir denke, wie er mich schweren Kerl geschleppt hat." „Daran 'mag ich nicht denken", sagte Irma, in sich erschauernd, während ihr liebliches Angesicht um einen Schein bleicher wurde. „Aber er dürfte schon hier sein, Herr Müller ist schon vor länger als einer Viertelstunde forigegangen." „Er hat einen weiten Weg zurückzulegen. Aber da lvird die Glocke gezogen, vielleicht ist er das." Er ivar's in der Tat. Das Mädchen hatte bereits "Auftrag, lvenn der Herr, der die Nacht dort dnrchlvacht hatte, kommen würde, denselben ohne lveiteres in's Zimmer zu führen. Während er an die Zimmertür klopfte, riß Lisette dieselbe auf und .er trat ein. Mit ansgcstreckter Hand eilte Irma ihm entgegen. „Willkommen Herr Jakobson! wir haben Sie mit Ungeduld erwartet." Er verneigte sich tief, aber das Herz pochte ihm so laut, ' daß er im Augenblick außerstande war, auch nur ein Wort hervorzubringen. Mer das junge Mädchen und ihr Vater geivahrten seine Verlegenheit nicht, da letzterer ihm gleichfalls die Hand entgegenstreckte und ihn bat, sich zu 'ihm bemühen zu wollen, da er sich danach sehne, die Hände zu drücken, die ihm gestern so viel Gutes erwiesen. „Aber ich bitte sehr, Herr Doktor, Sie beschämen mich, was ich getan habe, war doch nicht mehr als pieine Pflicht, das hätte ein jeder an meiner Stelle getan." „Sie scheinen den Kreis Ihrer Pflichten weit auszudehnen und scheinen nur mit sehr guten Menschen zu Verkehren", sagte Irma. „Die Kleine hat recht," stimmte der Doktor bei, dem Töchtcrcben freundlich zunickend, „so scheint es allerdings, denn auch ich zweifle sehr, daß es gar so viele als ihre Pflicht betrachtet hätten, die ganze Nacht hindurch, statt zu schlafen, sich von mir anknurren zu lassen." Jakobson ließ sich auf den Sessel dicht neben dem Bette nieder, Irma setzte sich gegen das Fußende desselben, und sehr bald war eine lebhafte Unterhaltung im Gange. Das 'junge Mädchen plauderte so unbefangen und so lieblich, der alte.Herr gab, wie er sich ausdrückte, .zu allem seinen Senf in einfachen heitern Worten, so daß auch der junge Mann bald seine Befangenheit schwinden fühlte. Wie im Fluge war ihnen die Zeit vergangen, als der Barmherzige Bruder sich auffallend laut räusperte. Unwillkürlich sah Jakobson auf die Uhr, __ nahezu anderthalb Stunden weilte er bereits in dem Krankenzimmer. Hastig stand er auf. „Ich 'muß sehr um Entschuldigung bitten, daß ich Sie so lange belästigt habe." „Aber lieber Freund, wie können Sie von belästigen reden! — Sie haben mich im Gegenteil von neuem zu Dank verpflichtet dadurch, daß Sie mir Gelegenheit gegeben haben, wenigstens in Worten dem Gefühl meiner Verpflichtung "Ausdruck zu leihen. Wenn Sie uns noch mehr verpflichten wollen, so mache» Sic uns recht bald wieder das Bergungen." Jakobson verneigte sich. „Ich ivecdc mir erlauben, mich morgen wieder nach Ihrem Befinden zu erkundigen, hoffentlich schreitet die Besserung rasch fort." „Hoffentlich," wiederholte Irma, indem sie ihm zum Mschied die Hand reichte. Nahezu trunken vor Wonne trat er den Heimweg an. Raschen Schritts legte er den Weg zu feiner Wohnung zurück. Schon ans der Ferne gewahrte er, daß sein Zimmer erhellt war, er war daher nicht überrascht, als er seinen Freund Egon dort an traf. „Wilkommen Viktor!" rief dieser ihm entgegen, „wo treibst Du Dich herum? länger als anderthalb Stunden habe ich ans Dich gewartet." „Das tut mir leid, verzeihe! — wenn ich das gewußt hätte —" „Wärest Du früher nach Hause gekommen?" Eine helle Röte überzog" für einen Moment das intelligente Angesicht des andern. „Es wäre Gesinnnngsdiebstahl, wenn ich diese Frage bejahen würde.". Seite 5. „Das heißt Offenheit! Wer auf halbem Wege darf man nicht stehen bleibeil, jetzt mußt Du niir sagen, wo Tn gewesen bist." „TaS sage ich Dir gern, ich glaube, wenn Tu jetzt nicht hier wärest, würde ich Dich aufsuchen, um es Dir zu sagen." „Halt!" unterbrach ihn Egon, „lasse mich raten, wo Du gewesen bist: ich glaube, ich weiß es schon und weiß auch, was Du mir sonst noch sagen möchtest." „Wirklich? — wärest Du ein Prophet?" „Das weniger, aber Deine Wirtin, Frau Levi, erzählte mir, daß Du in der vorigen Nacht bei dem Doktor Blau, der ein Bein gebrochen hat, gelvacht hast, und von anderer Seite weiß ich. daß der Doktor Blau eine wunderschöne Tochter hat! Nun kombiniere ich, daß Du heute Abend den Patienten besucht hast und bei der Gelegenhcit Dich Knall und Fall in sein schönes Töchterlein verliebt hast. Hab' ich's erraten?" „Tn kannst in Wirklichkeit gut raten, ich habe mich in der Tat heute "Abend nach dem Befinden des Doktors erkundigt, — er ist ein netter, lieber Herr." „Und seine Tochter ist eine liebreizende junge Dame." „Also kann man es keinem übelnehmen, sich auf den ersten Blick in sie zu verlieben." „Gewiß nicht, ich nehm's Dir auch nicht übel, im Gegenteil, ich freue mich darüber. Wir haben doch erst gestern davon gesprochen, daß Tu bald heiraten solltest. Du meintest, daß Du das schon bei Deinem gegenloärtigem Einkommen könntest, ich meinte, daß cs darauf ankoimne, wen Tu heiraten möchtest. Aber gescheidter hättest Du Dich gar nicht verlieben können als in die Tochter eines Zahnarztes, die könntest Tn meinethalben gleich morgen heiraten." „Deinethalben — nun freilich, warum nicht? Du bist niem Freund, Du gönnst sic mir, das Mädchen und ihr Vater, die werden nicht gefragt. Was Du für Unsinn redest!" „Ich rede keinen Unsinn, denn es kommt mir nicht in den Sinn, dem Fräulein und dem Doktor gegenüber Zwangsmaßregcln. anwenden zu wollen, sie werden überglücklich sein, wenn Du ihnen mittcilst, das; Du ihnen die Ehre erweisen willst, das Fräulein zu Deiner Gattin zu erheben." „Ach hör' doch ans mit Deinem Geschwätz! Wenn ich auch zngebe, daß ich die Dummheit begangen habe, mich in das unvergleichliche Mädchen zu verlieben, so bin ich noch nicht sv von Sinnen, mir cinznrcdeii, daß ich sie heiraten könnte." „Möchte wissen, weshalb Du sie nicht solltest heiraten können? Sie ist die Tochter eines Zahnarztes, Du bist Zahntechniker, da passet Ihr ausgezeichnet zu einander. Zuerst trittst Du bei ihm als Techniker ein, dann heiratest Du seine Tochter und er übergibt Dir seinen Kundenkreis." Jakobson wechselte wiederholt die Farbe. „Ach. sprich nicht so, sprich nicht so!" „Warum soll ich nicht so sprechen? ich bin überzeugt, so wird es gehen, ich inöchte meineir Kopf darauf verwetten." „Tann wärest Du ein leichtsinniger Mensch." „"Rein, ich bin nicht leichtsinnig, aber ich bin überzeugt, kein Mädchen, dem Du Deine- Neigung zuwenden würdest, würde Dir einen Korb geben, gtffo Irma Blau auch nicht." „Ta hast Du recht, denn ich iverde nicht die Kühnheit haben, mich um sie zu bewerben." (Fortsetzung folgt.) „Zu Geschenken eignen sick meine Overngläser, Feldstecher Lo-gnons, Barometer Thermometer. Brillen, P ncenez; Sv-zialwcrkstätte iür Optik, Mechanik, Elektrotechnik Physikalische 8 hrmittel" „I. W. Albert, Inh. Paul Wanderey, Haus Neptun, Ecke Neue Mcnnzerstr. und Weißfrauenstr. 11. Tel. 7254. Amt I." Kaiser Friedrich Quelle - üffenbacn a. M. ■ — Gegen Gicht and Bheumatiamns bewährt. Mleinieer General -Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. M., Stallhurgstr. 9. Tel. 259 u. 71. J. EMMEL & SOHN Schillerstrasse 28. Spezial-Geschäft für Hain Zeichen-Utensilien.. Holzbrand-.Kerbsebnitt-.Tarso-a. Batik-Artikel. Wochea-Kalender. (Zeitangaben nach dem Laach.) Samstag, den 26 November (=24 Cheschwank Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 05 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 20 Min., in Berlin 4 Uhr 50 Min. Wochenabschnitt: E haje-T o ro. — Ter Tod Saras, die 127 Jahre alt wurde. Ter Kauf der Höhle Machpela. Mraham erwirbt diese Höhte

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