Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 43 (11.11.1910)
- Date
- 1910-11-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Bestehen — Lank ihrer tüchtige» Lehrkräfte — diese Anstalt in ganz hervorragender Weise ihre Zöglinge für die höheren Lehranstalten unserer Stadt vorbereitet. Um die.Segnungen des Institutes auch weiteren Kreisen zukommen zu lassen, soll damit im Frühjahr ein Internat verknüpft werden. Wir hoffen, so der Klagen abzuhelfen, die oft darüber laut geworden sind, daß in Deutschland sich keine Anstalt befindet, die auf streng-gesetzestreuer Grundlage Schule und Haus verbindet Ausgenommen werden Kinder vom 6. Jahre ab, die bis zur Quarta unsere Schule besuchen müssen und dann einer der obenerwähnten Anstalten zugewiesen werden, bis wir in der Lage sind, die Anstalt weiter auszubauen. Anmeldungen für das Internat nehmen jetzt schon Rabb. Dr. Auerbach und Dr. Rothschild entgegen. Rhina. Sein bOjähriges Jubiläum als Kultusbeamter beging Herr Levi Buxbaum. Der Jubilar hat es verstanden, durch sein bescheidenes, treues und hingebungsvolles Wirken sich die Liebe und Wertschätzung aller Gemeindemitglieder zu erwerben. Mit seltener Treue und Gewissenhaftigkeit wandelte er stets den geraden Weg der Pflicht, dabei zuvorkommend, freundlich und gefällig gegen jedermann, nach seines Lebens Wahlspruch „Aichew scholaum, weraudes scholaum." iL) Posen. Durch den Tod vrS L-tirerk Isidor Jacobsohn hat die Posener Judenheit einen harten Verlust erlitten. Seit zwei tährzehnten wirkte er segensreich als Lehrer und ortragender im Verein „Leschaum Limudim"; seine Lehren und sein vorbildliches Leben begeisterten seine Schüler für Thora-Studium und treue Pflichterfüllung. Verschiedenen jüd. Institutionen hat er als eifrig tätiges Vorstandsmitglied angehört. Kurth David Goldberger ,wu de zum VoEand und Dr. S. Rosenblüth zumKlausrabbiuer der sogenannten „Mannheimer Schul" gewählt. — In B ahreuth trat nach 40jähriger Dienstzeit Lehrer Dachauer in den Ruhestand. Budahekt. LeopoldGrünberger, seit 35 Jahren Direktor des isr. Taubstummeninstituts, ist am 30. Oft. im Alter von 70 Jahren gestorben. Er war hier einer der ersten, der die Zeichensprache, aus dem Unterrichte der Taubstummen verbannte und die Lautsprache einführt. — Moses Freudiger, der Begründer und Präses der hiesigen vrth. Gemeinde, hat das Ädelsdiplom mit dem Prädikat: „Obuday" erhalten. — Er ist ein gebürtiger Altofner; steht im "77. Jahre und hat noch um die Mitte, des vorigen Jahrhunderts in Ofen /eine höhere Bürgerschule gegründet. Er ist auf dem Gebiete der Wohltätigkeit im Geiste echt jüdischer Zedoko tätig und genießt als Talmid Chochpm auch außerhalb Ungarns großes Ansehen. Zioni. Paris, «n Stene des verstorbenen Rabbiners Lubetzky wurde Herr Rabbiner H. Stourdzö zum Dajan von Paris und Mitglied des Consistoire ernannt. Aus -er Zukunft. Don Friedrich Rott. lFortsetzung.) „Aber doch nicht seltsamer, als jene grauenvollen Fantasien an und für sich. Ich hatte nämlich einen kleinen Spielgefährten, seine Eltern nannten ihn Awrohmele, er war vermutlich in meinem Alter, ich glaube ihn noch vor mir zu sehen, ein Keiner blonder Krauskopf mit großen dunkeln Augen. Ich hatte erfahren, daß mein armer kleiner Freund mit seinen Eltern vor den Hooligans hatte flüchten müssen,^aß seine Eltern vor seinen Augen erschlagen worden waren und schließlich er auch. Die ftrrchthare Aufregung soll mir die schwere Krankheit zugezogen haben, ich soll viele Wochen bewußtlos gewesen sein, doch erinnere ich mich genau, daß ich mich 'während dieser Zeit beständig mit meinem verstorbenen Spielgefährten identifiziert habe, immer habe ich geschrien, daß sie meinen Vater erschlagen hätten, selbst wenn mein Vater an meinem Bette gestanden ist, denn lange Zeit habe' ich niemanden erkannt, nicht einmal meine Eltern." Der andere junge Mann atmete schwer auf. „So traurig Deine Erinnerungen sind, so könnte ich Dich um dieselben doch beinahe beneiden, denn ich erinnere mich weder an meine Mutter noch an meinen Vater, meine früheste Erinnerung knüpft sich an das Waisenhaus, ich kenne keine Verwandten." „Armer Junge," sagte Egon, dem Freunde die Hand drückend, „aber wenn Du auch keine Verwandten hast, so hast Du doch Freunde, die Dich herzlich lieb haben, und glaube mir, gute Freunde sind mehr wert als Verwandte, die sich nicht um einen kümmern." - „Das ist selbstverständlich, und daß ich gute Freunde habe und in Dir den besten Freund, davon bin ich überzeugt, und dafür danke .ich. Gott.- Aber ßt ist eigentümlich, .in früher» Jahren habe ich. mir Frankfurter Jsracklmsches Fauülienblatk. Nr 43 nicht viel daraus gemacht, daß ich doch eigentlich allein stehe in der Welt, denn ich erinnere mich nicht, daß mir je ein Mensch unfreundlich begegnet wäre. „Wer hätte Dir auch unfreundlich begegnen können, Du lieber guter Junge." „Ich sage, doch, es ist mir nie jemand unfreundlich begegnet, und das hat mir ehedem vollauf genügt. Aber in jüngster Zeit —" „Genügt Dir das nicht mehr, das ist aber durchaus nicht eigentümlich, das finde ich sehr begreiflich." „Ich nicht." „Lasse es Dir genügen, daß ich es begreiflich finde und befolge meinen Rat." „Wenn ich Deinem Rat folgen soll, so mußt Du ihn vor allem laut werden lassen, erraten kann ich ihn nicht." „Brauchst Dich nicht anzustrengen, ich stelle mein Licht nicht unter den Scheffel, sondern rate und empfehle Dir zu heiraten, sobald Du imstande bist, eine Fanlilie zu ernähren." , . Eine aufsteigende Blutwelle überzog im Moment das intelligente Angesicht des andern jungen Mannes mit heller Röte. „Daran habe, ich auch schon gedacht," sagte er halblaut: „Wenn man heiratet, steht man doch nicht mehr allein in der Welt, man weiß, für wen man arbeitet und weiß, daß man ^ermißt wird, wenn man fern vom Hause ist, und weiß, daß »nan willkommen ist, wenn man heimkommt." Egon nickte zustimmend. „Jawohl, so ist's, — ich würde mich aufrichtig freuen, wenn Du sehr bald heiraten könntest. Aber bist Du denn schon imstande, eine Familie zu ernähren?" „Du meinst demnach, daß ich noch nicht daran, denken dürfte, bald zu heiraten?" „Das habe ich nicht gesagt, daß käme darauf an, wen Du heiraten wolltest. Doch hier trennen sich unsere Wege." Sie drückten einander die Hand, und jeder ging seines Weges. Beide gingen zu, doch, jetzt rascher als vorhin, denn es hatte zu schneien begonnen, und ein scharfer Wind trieb die hernieder fallenden Schneeflocken gleich Eisnadeln den uächllichen Wanderern in das Gesicht. Viktor schlug den Kragen seines Mantels aufwärts und beschleunigte seine Schritte noch mehr,, als er die Wahrnehmung machte, daß es an manchen Stellen überaus glatt war. „Seien wir vorsichtig," flüsterte er in sich hinein. Kaum harte er diese Worte gedacht, als er Schritte hinter sich, vernahm und gleich darauf einen, lauten Schrei. Hastig wandte er sich um und erblickte einen Herrn der Länge nach auf dem Erdboden liegen. Viktor war sofort an seiner Seite und versuchte, ihm auszuhelsen. Doch das war überaus schwer, denn der Gestürzte war ein großer korpulenter Mann, der sich überaus schwerfällig bewegte. .Laben Sie Schmerzen?" fragte der junge Mann voll Teilnahme. „Ra, und ob!" versetzte der Andere, mit den Zähnen knirschend „ich fürchte, das Bein ist gebrochen — Herr Gott im Himmel! wie komme ich nach Haus?" ,Mohnen Sie weit von hier?" „Das nicht, die Entfernung dürfte kaum drei Miimten betragen, aber ich kann das Bein nicht bewegen, nicht zu einem Schritt. —. Was fange ich an?" „Beruhigen Sie sich und machen Sie keinen weiteren. Besuch aufzustehen. Dort bei dem Eckhaus fährt soeben ein Wagen, den hole ich her, und dann bringen wir Sie. nach Hause. Sie werden sehen, es wird gut gehen." „O mein Herr, wie soll ich Ihnen danken!" Der andere hatte seinen Dank nicht gehört, er war bereits fortgerannt, und nach kaum zwei Minuten war er mit dem Wagen zurück. „Nun mein Herr, wollen Sie mir sagen, welches Bein halten Sie für gebrochen? Es kommt Ihnen das hoffentlich nur so vor, aber wir müssen doch vorsichtig sein, uni Ihnen nicht noch größere Schmerzen zu bereiten." Der Verunglückte bezeichnete die Bruchstelle, er schien sehr zu leiden, und mit größter Vorsicht und überaus großer Anstrengung hob der junge Mann mit Hilfe des Kutschers den schweren Mann in den Wagen, der sich langsam in Bewegung setzte. ,Mo wohnen Sie?" „Hcgelstraße Sechs."- „Da sind wir doch gleich. Hoffentlich ist Ihre Wohnung dem Himmel nicht zu nahe." ,Hch wohne parterre." . . - „Gott sei Dank! Aber der Wagen hält, — sind wir schon bei Ihrer Wohnung?" Der Verletzte nickte bejahend uiit dem Kopfe, indem er sich aufzurichten suchte. .Bewegen Sie sich noch nicht. Sie könnten sich überflüssige Schmerzen verursachen'. —> Ich werde vor allem an den Schellenknopf drücken, daß das Haus aufgemacht wird, dann tragen wir Sie in einer Tour in Ihr Zimmer." . - Der andere erwiderte nichts, obgleich sich seine Lippen bewegten. - Die Tür. war aufgegangen,, vorsichtig Phöben die Atänner den Verunglückten aus dem Wagen und trugen ihn in das Haus; .ein gellender Schrei, tönte ihnen entgegen. „Großer Gott! Papa! was ist Dir geschehen?" „Nichtsarges, liebes Kind, Du siehst ich bin ganz munter, ich, habe mir nur--das Bein verstaucht, darum war dieser Herr so freundlich, mir einen Wagen zu desorgen und mir beim Ein- und Aussteigen behilflich zu sein. — Am besten wird es sein, mich gleich in mein Schlafzimmer tragen zu lassen." Das junge Mädchen zitterte wie- Espenlaub, dennoch ellte sie voraus, öffnete eine Tür und winkte denen, ' die ihren Vater trugen. „Bitte, hier hinein", und dann sich an den Vater wendend. „Ich werde Lisette zum Doktor schicken, er muß sofort kommen.". , „Ach, das ist nicht notwendig, so gefährlich ist die Geschichte nicht —" Aber so sehr er bestrebt war, den wütenden Schmerz zurückzudrängen, so konnte er. es doch nicht hindern, daß derselbe seine Gesichtszüge verzerrte; seine Tochter bestand darauf, bas Mädchen sofort zum Arzt zu schicken. .„Sind Sie nicht auch der Ansicht, mein Herr, daß es notwendig ist, den Arzt sofort kommen zu lassen?" „Für Ihren Herrn Vater würde ich das nicht unbedingt notwendig halten; doch zu Ihrer Beruhigung wäre es wünschenswert, 'baldigst ärztliche Hilfe herbei zu schaffen." „Gewiß, Sie haben recht, ich würde vergehen vor Angst, wenn nicht bald ein Arzt zur Stelle wäre, ich werde das Mädchen sofort —>" „Entschuldigen Sie, mein Fräulein, daß ich Sie unterbreche; aber wäre es nicht richtiger, den Kutscher '-mit dem Wagen zum Arzt zu -schicken? da hätten Sie ihn am raschesten hier." „Das ist wahr, ich werde —" „Gestatten Sie, daß ich den Kutscher verständige. Wer ist Ihr Arzt?" „Doktor Gustav Schmid, Friedrichstraße vierzehn." Der junge Mann eilte hinaus, den Kutscher aufzufordern, schleunigst den Arzt herbei zu holen und - demselben mitzuteilen, daß es sich! wahrscheinlich um einen Beinbruch handele; dann kehrte er zurück in das Zimmer. Das junge Mädchen kam ihm weinend entgegen. „O mein Herr, ich schulde Ihnen so vielen Dank für Ihren guten Rat, ich bin ja ganz kopflos' vor Angst, Papa leidet entsetzlich." . „Sprich keinen Unsinn, Irma, ich leide gar nicht." Trotzdem war das sonst gewöhnlich gerötete Angesicht des alten Herrn vollständig farblos und in seinen Zügen zuckte es unaufhörlich. (Fortsetzung folgt.) „Zu Geschenken 'eignen sich meine Operngläser, Feldstecher Lv'gnons,Barometer. Thermometer. Brillen, P ncenez; Sprzialwrrkstätte für Opnk, Mechanik, Elektrotechnik. Physikalische L hmuttel" „I. W. Albert, Inh. Paul Wanverey, Haus Neptun, Ecke Neue Mamzeistr. und Wcißfrauenstr. 11. Tel. 7254, Amt I." a&aiser Jb'rieclricti Quelle ——— UffenDaten <k M. - Gegen Ment and BbenmatiBmaH bewährt. - alleiniger General-Vertreter : Frledrloh Stahl, Peantfnrt a. H- Stal Ihn rgatT- 9. Tel. 3S9 11 71. J. EMMEL de SOHN Schillerst rasse 26. SpezIal-GesehSft für Hain Zeleben-DlrnslHen. Holzbrand-. Kfrbsebnilt'. Tarso-u. Balik Artikel. Wöcheu-Kaleuver. (Seuouuapni nuai oem '■ G mislag. den 12 November l—10. Odesehwsnl: Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 20 Min. Säbbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 35 Min., in Berlin 5 Uhr 05 Min. . Wochenabschnitt: Lech-lecho. -^Gottes Aufforderung an Abram — so hieß et damals —, die Heimat zu verlassen und sich in fremdem Lande anzusiedeln. (Eine der vielfachen Prüfungen!) Abram kommt dem Befehle nach. Sara und Lot ziehen mit. Ueberall verkünden sie Gottes Namen. Im Lande Kanaan -offenbart sich ihm Gott von neuem, ihm Land und Nachkommen verheißend. Wegen der f ungersnot zieht Abram nach, Egypten. Der dortige önig raubt ihm Sara, muß sie aber, nachdem Gott ihn mit Strafen heimgesucht, wieder Abrmn zurückgeben. Abram erhält reiche Geschenke, zieht wieder nach Kanaan zurück. . : . ' Wir hören von Abram's Streit mit seinem Neffen Lot wegen der Weideplätze. Abram will stets nachgeben. Lot zieht an den Jordan, wohnt bei den schlechten Sedomitern. Dazu kommt, ein Krieg in jener Gegend. Lot verliert Hab'und Gut und wird mit allen Leuten SÄwms in Gefangenschaft geführt.. Abram befreit ihn sowohl, wie alle Sedomiter. Für diese große und edle Tat bietet der . König - von Sedom>Sbram dieLabe d.er>Fanzen.