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Neue jüdische Presse · 1910-11-04 · Heft 42 (4.11.1910) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 42 (4.11.1910)
Date
1910-11-04
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 42 in ihm zu denkenden, guten Juden herangebildet haben. Denn nach vielen Richtungen hat er bestimmend auf ihr Werden eingewirkt, besonders, indem er ihr jüdisches Wissen bereicherte, sie vor falscher Geschichts- und Religionsauffassung bewahrte und ihnen eine eigene, säbständige jüdische Anschauung gab. Nur selten wird in einem jüdischen Verein all dieses in einer solchen Fülle wie im Tiferes Bachurim erreicht, denn was hier das Interesse der jungen Leute stets lebendig erhalten und fortgesetzt angefeuert hat, ist der Umstand, daß sie unter einander sind und sich an einander bilden. Wie religiösen Eltern, die es gut mit ihren der Schule entwachsenen Söhnen meinen, seien deshalb aufs eindringlichste auf diesen Verein hingewiesen. Der erste Bortrag der diesjährigen Wintersaison findet Sonntag-Abend 8sh Uhr, Hermesweg 25/27 statt, x. Aravkfurt a. SR. „Jwriah", Verein zur Pflege der Hebräischen Sprache und Kultur. — Die hervorragende Bedeutung dieses neu gegründeten Vereines' spricht sich schon in seinem Titel aus. Ist doch die hebräische Sprache, der er seine Tätigkeit widmen will, als Grundlage ' unsrer gesamten Kultur und unseres Geisteslebens die natürliche Basis, auf .der eine Einigung unseres heute leider so zersplitterten und gespaltenen Kolkes erzielt werden kann, und zugleich der unentbehrliche Schlüssel zur vollen E r - fassungund Erkenntnis des-Judentums. Ter Verein wird je 1 Kursus für Anfänger und Fortgeschrittene eröffnen, in denen nach der Berlitz-Methode unterrichtet wird, nyd einen Lehrgang, der die Blütezeit der hebräischen Literatur in Spanien behandelt. Außerdem wird er 14tägige Vorträge über die yebräischeLiteratur mit anschließender Diskussion veranstalten. Der Mitgliedsbeitrag, der zur kostenlosen Teilnahme . an allen Veranstaltungen berechtigt, betragt; 4.-rr JL das Jahr. Für. NichtMüglieder kostet die. Teilnahme S.— JL baS Halbjahr. Anmeldungen bei dxr Redaktion des Frankfurter Israelitische» Familienblattes. ' Montag, abend 9 Uhr findet Hermesweg 25/27 die erste Versammlung statt. Fraukfurt a. M. Die Mitgliederversammlung des Zentralvereins israelit. Gemeinde- Mitglieder befaßte sich, mit der A e n detun g der Statuten. ' Ter. Ausdruck „volljährig" wird in der Aufnahmebedingung für Mitglieder gestrichen. Der Jahresbeitrag, bisher 50 Pfennig, beträgt proJahr von jetzt ab mind estenseine Mark. Die Einladung zu Vorstandssitzungen soll nunmehr möglichste zwei Tage vor der Sitzung erfolgen. Der Passus „Propaganda-Ausschuß" erfährt dahin eine Erweiterung, daß dem Ausschuß das Recht der Zuwahl zusteht. Bei den A u s - schußwahlen der israelitischen Gemeinde soll künftighin der Vorstand den Mitgliedern eine Vorschlagsliste von Kandidaten vorlegen, über welche die Mitgliederversammlung abzustimmen hat. Die Auflösung des Vereins ist fernerhin nur bei der Zustimmung von drei Vierteln der Mitglieder, nicht der Anwesenden, möglich. Die Gesamtabstimmung über die vorgeschlagene Statutenänderung ergibt die.einstimmige Annahme. In der weiteren Diskussion wird angeregt, die Ergänzung und Vermehrung der Mitglieder der.Synagogeninspektion unter Mitwirkung der Gemeindemitglieder erfolgen zu lassen. Diese An- . regung wurde dem Vorstand zur weiteren Behandlung anheimgestellt. Schließlich wurde, noch eine Anregung zur Mitgliederwcrbung lebhaft besprochen. Mit den Gemeinderatswahlen wird der Zentralverein sich demnächst befassen. 7- Frankfurta. M., 3 Nov. Der„Montefiore"- Berein eröffnete gestern seine Wintertätigkeit im überfüllten großenSaale der „Frankfurt - Loge" mit einem musikalisch-dellamatorischen Abend.' Dr. Löffler, der erste Vorsitzende, begrüßte die Anwesenden .und erbittet deren Unterstützung in einer Zeit, da der schwere Kampf ums Dasein die Jugend zum Materialismus gradezu zwingt. . Es folgt darauf eine an Inhalt,' sowie an Form ' gleich vollendete Ansprache Rabbiners Dr. I. Horovitz. Er gedachte einleitend des großen Toten, des Begründers des vor 25 Jahren entstandenen Montcfiore -.Vereins,. Rabbiners Dr. M. Horovitz s. A., sowie -gleichzeitig des großen Juden Sir Moses Montefiore, dessen Namen der Verein trägt. Der Kernpunkt der Rede gipfelte in dem Gedanken, daß das Judentum sowohl dem einzelnen Individuum, als auch der Gesamtheit gerecht wird, es ist menschlich und sittlich lebensfroh und ernst gleichzeitig, „Schem" stellt sich in. keinen Gegensatz zu „Jcfet". An den Midraschsatz anknüpfend „Wenn dich der böse Trieb erfaßt, dann -gehe in die .. Synagoge", richtete er an die Jugend einen' warmen Appell, eifrig den Montefiore-Verein, der sowohl die ernste Arbett wie auch die gesellige Freude pflegt, zu unterstützen und , sich an seinen. Veranstaltungen tzu beteilig«!. w Die Ansprache wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Sodann enttollte sich das musikalisch-deklamatorische Programm, das hervorragende künstlerische Leistungen bot. Wir nennen die Damen ClaireBauer. Lisbeth Lorsch, Martha Hetzer, Ella Cahn rmd die Herren M. Salden, Julius Pohle und Siegfried Oppenheimer. Ans der Lehrerwett. Bingen. Dr. Ernst Appel, Sohn des Karlsruher Stadtrabbiners, ist zum Rabbiner der hiesigen israelitischen Gemeinde gewählt worden. Gailingen. Lehrer Jakob Eisenmann feierte sein 25jähriges Amtsjubiläum. Zirndorf bei Fürth. Lehrer Michel Kahn kann am 5. Novbr. auf eine 25jährige Tätigkeit als Kantor, Schächter und Lehrer unserer Gemeinde zurückblicken. A«s der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M.» 2. Nov. In der gesttigen Mitgliederversammlung der Zion. Vereinigung gedachte Dr. Siegsr. Schwarzschild, der Vorsitzende, eingangs der jüngst verstorbenen Zionisten Schrijtsteller Lewinski-Odessa und Berlowitz-Bern, letzterer früher ein tättges Mitglied der Frankfurter Zion. Vereinigung. Sodann wurde für den verzogenen Dr. Steinmarder MaxWolffin den Vorstand gewählt und in eine läng andauernde Debatte über die infolge der Erhöhung des Ländesbeitrages von 1 Mk. aus 3 Mk. notwendig gewordene Erhöhung des Mitgliedsbeitrages eingetreten. Es wurde schließlich der Mitgliedsbeitrag auf 4 Mark halbjährlich festgesetzt. Welcher Betrag von dieser Summe der Misrachi-Ortsgruppe für die misrachistischeN Mitglieder der Zion. Vereinigung zurückzuzahlen ist, wurde der Vereinbarung zwischen den beiderseitigen Vorständen überlassen. Es kamen noch verschiedene Angelegenheiten zur Sprache, und als dann die Debatte geschlossen wurde, war der Zeiger bereits so weit vorgerückt, daß die Referate über den Delegiertentag vertagt werden mußten. Frankfurt a. M. Der Share-Club bittet uns um Ausnahme folgender Mittel ln n g a n die Aktionäre der Jüdischen Kolonialbank: Nachdem nunmehr der letzte der den Aktien beigegebenen Dividendenscheine (Nr. 6) bezahlt wird, können die neuen Couponsbogen bezogen werben. Ohne seitens der Kolonialbank beaufttagt zu kein, sind wir bereit, für unsere Mitglieder und Freunde die Besorgung der neuen Couponsbogen zu übernehmen. Die Koloniallbauk berechnet 20 Pfg. per Zertifikat für Spesen, die wir zuzüglich unserer Portvauslagen in Anrechnung bringen werden. Die Aktien sind bei dem Unterzeichneten einzureichen. Der Share-Klub, i. A.: Karl Rosenheimer, Feststr. 2. Frankfurt a. SR., 3. November. Die Zion. Jugendgruppe hielt gestern ihre erste Versammlung ab. Nach einigen einleitenden Worten des Vorsitzenden, Herrn Perlmutter ergriff der Referent des Abends, Herr Zahnarzt Nußbaum-Hanau, das Wort zu seinem Bortrage über Wesen und Geschichte des Zionismus. Er schilderte das merkwürdige, tragische Schicksal des jüdischen Volkes im Goluth, ging dann auf die neueste Geschichte des jüdischen Volkes ein, auf die Emanzipation zur Zeit Mendelssohns, auf die folgende Assimilation, auf die Versuche, eine Besserung herbeizuführen (Kulturverein) und kam sodann auf die Entstehung des Zionismus zu sprechen, der den Willen zum Judentum, der bei allen Juden stets latent geschlummert, habe, erst zum vollen Ausdruck brachte. Nach einer Darlegung der Notwendigkeit des Zionismus schloß der Redner mit einen: warmen Appell zur Unterstützung der zionistischen Bewegung und ganz besonders der zionistischen Jugendgruppe. Herr Selka las' sodann einige Stücke aus Pinslers „Aütoemanzipation" vor. In der folgenden, lebhaften, laugen Diskussion sprachen die Herren N. G 0 l d m a n n, R a p p, Nußbanm, Fischer, Fritz Weinberg Dr. Gott,lieb und F. Selka. Nach einem Schlußwort des Referenten schloß die sehr interessante Versammlung in später Stunde. Offenbach. Zion. Ortsgruppe. Sonntag nachmittag 4Hs Uhr wird * im Rheinischen Hof (Französ. Gäßchen) Herr Martin Levigard- Frankfurt überdas Thema: „Der Zionismus, was er geleistet und zu leisten Hat" sprechen. Wilna. Nachdem durch daS Aufrollen der SchmittaH-Frage in diesem Jahre durch einige Rabbiner Jerusalems den Kolonisten große Schwierigkefte» entstanden si§d, Hat in Rußland eine heftige Bewegung gegen die Chlaluka eingesetzt," die sich sogar schon in erregten Manifestationen geäußert bat. Das russische Zentralkomitee hat daraufhin öffentlich vor derartigen planlosen Kundgebungen gewarnt, und das EÄK. hat mit Rücksicht darauf, baß die Frage der CHaluka eine allgemeine, die zionistische Gesamtorganisation betreffende ist, beschlossen, dieselbe auf die Tagesordnung der AK-Srtzung tzu sehen. Kunst nud Literatur. Die Juden in Arabien zur Zeit Mohammeds von Rudolf Leszynsky, Berlin, Mayer u. Müller, 1910. Schon der Titel dieses Büches ist dazu angetan, unsere Neugierde wachzurufen: In welchem Verhältnis standen die Juden zu einem Manne, der eine Religion hervorgerufeu, die heute einige hundert Millionen Bekenner zählt? Ja, aber hat uns denn ein Geschichtsschreiber wie Grätz oder die epochemachende Schrift Geigers: „Was hat Mohammed aus dein Judentum ausgenommen?" nicht genügend aufgeklärt? Sie haben uns viele wichtige Tatsachen geboten, aber abgesehen davon, daß die Forschung seitdem nicht stille stand, fehlte uns doch ein Werk, das uns wissenschaftlich und doch allgemeinverständlich in das innere Leben jener arabisch-jüdischen Stämme einführt, in die Kulturzustände, unter denen sie lebten, in die Schicksale, die sie bettafen, die geschichtlichen Zusammenhänge, die sie hervorriefen. Was uns Leszynsky in dieser Beziehung bietet, glaube ich am besten damit charakterisieren zu können, daß ich sage: Sein Buch ist ein Drama, dramattsch der Aufbau, dramatisch, erschütternd, ergreifend, spannend der Inhalt. Und wie frisch, wie aktuell mutet' dieses .Drama an, wenn man sieht, wie der Verfasser hier auf dem Gebiete, wo er ganz zu Haufe ist, die Voreingenommenheit eines Wellhausen und seiner Anhänger so schlagend widerlegt: „Wenn von Goldschmiedekunst die Rede ist, so ist das jüdisch! Landban ist arabisch,'Handel und Wucher echt jüdisch, Tapserkeit arabisch, semper cidem!" „So könnte man beweisen," fährt der Verfasser fort, „daß Mekka, die fast ausschließlich von heidnischen Arabern bewohnte - Stadt, völlig verjubet war, denn die Mekkaner waren ganz geriebene Handelsleute. Und die Kainukä (jüd. Stamm in Arabien), die zugleich Goldschmiede und tapfere Krieger wären, sind ein Widerspruch in sich!" (S. 10.) Und wie diese, so widerlegt der Verfasser im Laufe seiner Schrift (vgl. S. 38 ff.) Punkt für Punkt alle Beweise, die Sprenger und Wellhausen auf- . bringen, um dem Einfluß des Christentums auf die - Entstehung des Islam die erste Stelle anzuweisen.- Aber dies alles liest sich nicht trocken, sondern' ebenso flüssig und leicht, als wenn ' uns der Ver- ' fasset erzählt von Sitten der arabischen Juden, von ihrer Gastfreundlichkett, ihrer Wohltätigkeit, ihrer Treue zum Lande, von der Eitelkeit und Putzsüchtigkeit der schönen jüdischen Araberinnen, aber auch von der Uneinigkeit der jüdischen Stämme untereinander, die sich der politisch mehr schlaue als kluge, der rachsüchtige undrücksichtslose Prophet Wlah's zu Nutzen machte, um auch hier das . Drama eines Volkes zu Ende zu führen, dessen'Urkraft ihn geboren hatte.; ‘ ' Mit Wehmut und Stolz erfüllt dieses Buch,, wenn man es liest, — und kein Lehrer oder Leh-. rerin, ja fein gebildeter Jude sollte versäumen,, es zu lesen. Es wäre ein trauriges Zeichen für die jüdischen Interessen, der deutschen Juden, wenn dies Buch nicht bald in zweiter Auflage erschiene. Der Verfasser wird dann sicherlich nicht 'versäumen, . kleine Druckfehler zu berichtigen und: zur bessern . Uebersichtlichkeit eine genauere Inhaltsangabe vorauszuschicken. Dr. M, ' Mafteach hatalmud. Clavis talmirdica sive encyclopaedia. Auctöre Prof. Dr. Michael Guttmann, Budapest. Von der großangelegten talmudischen Reälenzyttopädie Prof. Guttmanns /liegt bereits das" siebente Heft, das vorletzte des 1.-Bandes, vor: Es' umfaßt die .Seiten 481 bis -560 und-.behandelt die Schlagworte Agronimus bis Odom in aphabettscher Reihenfolge. Aus dem Inhalte seien nur hervorgehoben die Zusammenstellung aller Texte des talmudischen Schrifttums über Agripäs, igeres (nicht weniger als 62 Stellen), edom (53 Stellen), odaun (53 Stellen). Der Artikel odom der ' uns im nächsten Hefte zu Ende geführt wird, weist ' bisher bereits 343 Stellen auf. Es ist tvvhl überflüssig, nochmals auf die vorzügliche Technik und Uebersichtlichkeit der Enzyklopädie hinzuweisen. Es wäre dringend zu wünschen,, daß alle, die der talmudischen Literatur Interesse entgegenbringen, die Enzyklopädie subskribieren und so. ihre Fertigstellung sichern. . S. H. L. Prag: Briefkasten. 8. M. Wie jetzt verschiedene Zeitungen Mitteilen, wurde Josef Kainz als Söhn der jüd. Familie Singer in Wieselburg (Ungarn) geboren. Äer beretts als Kind getauft. II. Der in der vorigen Nummer besprochene „L i b a n 0 n" kostet, wie uns nachträglich m itgeteilt wttd, Mk. 7,25 Ladenpreis und für Lehrer Mk. 4.50. DSs Ruch ist 560 ©fetten stark. ' ' ' ü Weinheini. Ihre Anfrage können wir nicht beantworten.

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