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Neue jüdische Presse · 1910-11-04 · Heft 42 (4.11.1910) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 42 (4.11.1910)
Date
1910-11-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Bilder ans der Tachkemoui-Schnle.*) Nicht den äußeren Aufbau der Tachkemoni Schule wollen wir hier beschreiben, nicht ihre Geschichte erzählen, sondern in ein paar'schlichten Bildern zeigen, wie Schule mtö Schüler arbeiten, was sie leisten und wie sie es leisten. Zur Ilebersicht nur zuerst kurz einige Zahlen. Die Schule, die mit 70 Schülern begonnen hatte, zählt jetzt — nach lVs Jahren — 200 Kinder — darunter mehrere Amerikaner und Europäer —. und könnte die doppelte Anzahl haben, wenn die Mittel für den Barr eines eigenen. Hauses zu erhalten wären. Als Lehrkräfte snld neun Lehrer vorhanden, davon zwei Eeuropäer, ein weiterer mit europäischer Bildung. Auch diese Kräfte müssen in allernächster Zeit vermehrt werden, da schon jetzt niehrere Herren statt ihrer 26 Pflichtstunden 35 bis 40 Stunden wöchentlich unterrichten. Eine Prüfung findet vierteljährlich unter Vorsitz Oberrabbiners Kuk (Jaffa) statt und am Ende jedes Schilljahres außerdem noch, ein öffentliches Examen in Anwesenheit der Eltern und anderer Gäste. Das Schulgeld beträgt pro Monat 1—12 Frcs., je nach der Wohlhabenheit der Eltern, volle Freischnle bildet die Ausnahme. Ter Lehrplan ist der gleiche tvie der einer europäischen Realschule —' nur wird statt Englisch Arabisch gelehrt —, außerdem wird auf eine gediegene Ausbildung in den jüdischen Wissenschaften Wert gelegt, welche die Kinder befähigt, nach Wsolvierung der Schule, ohne Mühe die literarischen Quellen altjüdischer Kultur zu lesen und zu verstehen. Das bietet keine Schtvierigkeit, da die Begabung der Kinder besonders auf sprachlichem Gebiete liegt und die Unterrichtssprache natürlich von vornherein in allen Fächern die hebräische ist. Soviel über das Program der Schule. Das Charakteristische an ihr ist aber nicht das auf dem Papier stehende Programm, sondern die Art und Weise, tvie cs in die Wirklichkeit nmgeseht wird: Wir dürfen uns da keine preußische Schule vorstellen, deren höchstes'Ideal es ist, jedem Schüler das - gleiche Quantum an Wissen beizubringen und die Kinder während der Schulzeit in.sklavischem Gehorsam zu. erhalten, sondern hier ist das Ideal, daß der Lehrer deni Schüler zum Freunde werde und so — während und nach der Schulzeit — -auf ihn cintvirke. Und dieses Ziel — das dürfen wir mit Stolz sagen — ist heute erreicht. Ein paar Bilder mögen das zeigen. Bei Einrichtung der Schule hatte sich hcrausgcstcllt, -daß viele Kinder durch ihre ungünstigen Wohnungsverhältnisse häufig an Fieber und Augenkrankheiten litten. Sofort erklärten sich die Lehrer bereit, auch außerhalb der Lehrstunden ihre Kräfte der Schule zil widmen und gestatteten den Kindern, auch ihre freie Zeit im Schiiterhausc zu verbringen. Wenn man heute zu einer solchen Zeit die Schule betritt, so. findet man sie voll fröhlicher Kinder. Treiben die einen kindliches Spiel, so sitzen die älteren über den Büchern der «chnlbibliothek, — vergnügen sich die einen lrntcr einander, so sitzen dort andere mit den Lehrern im Gespräch und lassen sich erzählen von der großen Vergangenheit der Ahnen oder von ihren Brüdern .in fernen Ländern. — Zeigt es sich, daß ein Kind zu Hause nicht genügend ernährt werden kann, so bekommt cs auch hier Speise und Trank, svdaß bis auf den Schlaf im elterlichen Hause die Kinder freiwillig hier ihren ganzen -Tag zubriugen. So auch am Sabbat. Da ist. zuerst eine kleine Synagoge, bei der eins von den Kindern das Vorstehcramt bekleidet, eins ist Vorbeter, eins verliest den Wochenabschnitt usw. Zu den Ehrenämtmn tvählen die Kinder selbst ihre beliebtesten Kameraden, sodaß sie hier ein Feld v o l l k o m m e- » e r kindlicher S e l b st v e r w a l t u n g haben, ein Verfahren, das von unfern namhaftesten Pädagogen nachdrücklich empfohlen wird. Wird ein Kind zur Thora aufgerufen, .so macht' cs seinem liebsten Kaineraden einen Mischcberach und spendet aus seiner Sparbüchse ein paar Pfennige für die Schulbibliothek. Am Sabbat-Vormittag hatte man ursprünglich probeweise eineil freiwilligen Unterricht nngesetzt, um den Kindern in ungezwungener Weise solchen jüdischen Lehrstoff, zu dem sonst weniger Zeit ist (Psalmen, Wochenabschnitte usw.), vorzutragen. Heute beteiligen sich an diesen freiwilligen Stunden beinahe Alle Kinder, — gewiß ein gutes Zeichen! Eine noch engere Verbindung zwischen Lehrer und Schülern .tvird dadurch bewirkt, daß einige Kinder auswärtiger Eltern unentgeltlich bei Oberlehrer Schlesinger und Dr. Engel —> den beiden europäischen Lehrern —, wohnen. Kommen dann einmal schulfreie Tage, so unternehmen Lehrer und Schüler zusammen Ausflüge, deren großer Wert wohl nicht erst auseinandergesetzt zu werden braucht. So toanderte man am letzten Chanuka . in acht Tagen über Jericho nach dem Toten Meere, *} Nach einem Vortrage, den Dr. Engel-Jaffa letzten Donnerstag in der Berliner Msrachigruppe hielt. eine Reise, deren Eindrücke heute noch den Kindern fröhlichen Gesprächsstoff bieten. Und wahrlich! Das sind Bilder, die auch de» Lehrern unvergeßlich bleiben werden.- Die Kinderschar, gelagert auf dem Felde vor Jericho oder vor dem Salzmeere, um sie herum die brennenden Chanukalichter, ei» Bild, das' uns an die Zeit gemahnen konnte, ha dies noch unser eigener Boden war! Wenn die Kinder solche Eindrücke in ihr Jünglingsalter herübernehmen, damr sverden sie zu dem werde», was wir aus ihnen machen wollen: zu jüdischen Juden! Zu diesem Ziele ist aber noch' eins nötig: der Zusammenhang mit den älteren, besonders den der Schule entwachsenen Kindern. Llber auch dafür tvird »jetzt Sorge getragen. Soeben ist däs Schulkonritee bei der Gründung eines Klubs, in dem die älteren Kinder angemessene Lektüre und Fortbildungsunterricht erhalten. - Ist erst dieser Schlußstein. gelegt, so haben wir ein Gebätlde vor uns, das vielleicht noch klein, aber schon in sich gefestigt ist, und das denen, die es bewohne», ein Heim> bietet, in dem sie das 'mit auf de» Lebensweg bekommen, was sic für Geist und Herz gebrauchen. Das erste "'Ziel .ist nun erreicht. Doch schon heißt es, die Ziele weiter »stecken, den Kindern eigene Räume bieten und daim die immer dringender tverdenden Wünsche der Gleichgesinnten in Jerusalem befriedigen! Möge die Schule bald auch die hierzu nötigen Mittel erhalten, dann werden wir wieder eine Strecke zurückgelegt haben auf dein Heimweg ins Land unserer Väter! H. B. Bom Aufblühen des hebräischen Kulturlebens. Nach Mitteilung der Organisation „Histadrutb Jbrith" existieren gegenwärtig folgende hebräische Zeitschriften: 1. Haschiloah. Monatsschrift für Literatur, Wissenschaft und Leben. Vor elf Jahren begründet und redigiert durch II. Ginzberg (Achad Haam); jetzt redigiert von Dr. Josef Klausner. Odessa (Postfach 31g). Abonnementspreis 6 Rubel jährlich. 2. „Haoläm." Zionistisches Wochenblatt. IV. Jahrgang. Wilna (Soldatskaja 3). Abonnementsbetrag für Deutschland g JL jährlich. 3. Hecd-Hasmau. Tageszeitung in Wilna. IV. Jahrgang. Jährlich 12,60 Rubel. Diese Zeitung gibt auch ganze hebräische Werke als Monatsbeilagen heraus. (Extrapreis 8 Rubel jährlich.) Die Abonnenten des „Heed-Hasman" erhalten außerdein in Lieferungen den „Aruch Completum" von Kohnt in einer Reuausgabc von 12 Bänden, für 1,80 Rubel pro Band. 4. „Hamoidia." Orthodoxes Wochenblatt. Jahrgang I. Redigiert und herausgegeben von Rabbiner A. E. Rabinowitz in Poltawa (Rußland). Jährlich 5 Rubel. 5. Reschofim. Sammclhefte. Redigiert von David Frischniann. Verlag „Safrus." Warschau, Zlota 83, IV. 13. Preis 20 Kopeken per Heft. 6. Haperochim. Wochenschrift für die Jugend. Herausgegcb. von I. Lewner. Lugansk (Rußland). 7. „Hechoiver." Illustrierte Jugendwochenschrift. Redigiert von I. Eh. Tawjew in Riga. Jährlich 15 Fr. 8. Heatid. Samnielschrift für Literatur und Wissenschaft des Judentums. .Herausg. vom Verlag „Sinai" in Berlin (S. Hurwitz, Kurfürstendamm 51). Bisher 2 Bücher erschiene». Dritter Band jetzt im Drucke. Preis 3;/£. per Band. 9. Hamicpe. Wochenblatt. Herausg. von S. Lofar. Jahrg. VII. Krakau. Jährlich 8 Kronen. 10. Hahehoody. Wochenblatt. Herausg. von I. Süwalsky. Jahrgang 14. Jährlich 8 Jf. London E. (116 Brick Laue.) 11. Haor. Tageszeitung. Redigiert von Bcn- Jehuda in Jerusalem. Jahrg. I. Jährlich 25 Fr. 12. Ahcrout. Erscheint dreimal wöchentlich in Jerusalem. Jahrg. II. Jährlich 15 Fr. . 13. Haachdut. Poalei - Zionistisches Organ in Jerusalem. Preis bis Ende d. I. 1 Fr. 14. Moriah. Orthodoxes Wochenblatt in Jerusalem. Jahrg. l. 8 Fr. jährlich. 15. Hapoel Hazair. Halbmonatsschrift. Arbeiterorgan in Jaffa. Jahrg. Hl. 6 Fr. jährlich. 16. Hachinuch. Pädagogische Monatsschrift in Jaffa: (Herrn I. Oserkowsky). Jahrg. I. 8 Fr. jährl. 17. Hamevasser. Wochenblatt in Konstantinopel. (Deutsche Post, Postfach 216). Jahrg. I. 10 Fr. jährl. Außerdem erscheinen drei neue hebräische Blätter: die Tageszeitung „Hazesirah" in Warschau, herausgegeben von N. Sokolow; ein Wochenblatt „Haibri" in Berlin (N. 24), und eine Halbjahresschrift „Haibri Hechadasch," redigiert von Dr. Jacob Cahan, Verlag „Sinai", Berlin. Was nun das hebräische Verlagswesen anbetrifft, so haben sich um die Entwicklung des neuhebräischen Schrifttums besonders verdient gemacht die Berlagsinstüute „Tuschia" und „Achiasaf," beide in Warschau. Die von ihnen herausgegebenen Werke wissenschaftlichen und belletristischen Inhalts, Originale und Uebersetzungen, bilden den Hauptbestandteil der modernen hebräischen Literatur. Besonderer Beachtung für Westeuropäer verdienen namentlich die in der „Tuschia" erschienenen Lese- und Lehrbücher der hebräischen Sprache für verschiedene Mtersi- und Kenntnisstufen, nach der Uebersetzungsmethvde sowie nach der „Jbrith beibrith"-Methode (von D. Jellin. I. Grasowsky, M. Krinsky, N. Pines, S. L. Gordon, I. CH. Tawjew u. a.) — Bon großer literarischer Bedeutung ist die seit Beginn dieses Jahres von der „Tuschia" edierte .Bibliothek« gedolah," welche eine Auswahl aus der alten und ,neuen hebräischen Literatur darstellt und auf mehrere Jahre (50 Bücher in jedem Jahr) berechnet ist. Bon den anderen hebräischen Verlagen in Rußland sind besonders hervorzuheben „Moriah" in Odessa und „SafruS" in Warschau, die ein« Reihe von guten Werken und Sammelschriften herausgegeben haben. Das hebräische Verlagswesen in Palästina befindet sich noch im Anfangsstadium. Der Verlag „Leam" in Jaffa pflegt die naturwissenschaftliche Literatur, während der „Kohelet" sich dem pädagogischen Gebiet zuwendet, und der im Entstehen begriffene Verlag „Jephet" in Jaffa Uebersetzungen der besten Kunstwerke aus der WelÜiteratur herausgeben will. Einen Versuch zur Schaffung eines großen hebräischen Berlagsunternehmens für Palästina stellt der Appell betreffs des ,B«rkoi" dar. Von weitreichender Bedeutung ist die durch die „Histädruth Jbrith" veranlaßte Begründung einer neuen hebräischen Berlagsgesellschaft „T'chia" mit Sitz in Berlin. Es ist eine auf kommerzieller Grundlage basierende Gesellschaft m. b. H. mit einem Grundkapital von einer halben Will. Mark, wovon bisher etwa der fünfte Teil gezeichnet worden ist. Die Tätigkeit der neuen Gesellschaft wird alle Gebiete der hebräischen Literatur umfassen. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. In der von dem Comits der Hebr. Mittelschule Tachkemoni in Jaffa einberufenen Versammlung beleuchtete der Redner, Dr. I. Engel-Jaffa, einleitend das jetzige Aufblühen Palästinas nach zwei Jahrtausendeil der Oede. Doch nicht nur blühen wieder Wemstock und Feigenbaum inr Lande der Väter, sondern es wird auch wieder jüdisch gedacht, gefühlt und gesprochen auf seinem Boden. Die jüdische Arbeit in Palästina darf aber nicht stille stehen, sie muß unaufhaltsam fortschreiten, denn Palästina ist für Tausende von Juden die letzte Hoffnung. Unter diesen Umständen ist es grade für Palästina ganz besondere Pflicht, der Jugend die Aufmerksamkeit zuzuwenden. Ohne eine zielbewußte Erziehung keine Aussicht auf Konsolidierung des neuen Jischuw in Palästina. Bisher lag das Erziehungswesen in Palästina noch sehr im argen. Die französischen Schulen erzogen eine der jüd. Tradition entftemdete Generation. Mit Ansnahme der Kreise der Alliance wird das heute allgemein anerkannt Es wäre nun aber verkehrt, zu glauben, daß es genüge, wenn die Schulen in Palästina nur in jüdisch-nationalem Geiste geleitet werden. Bestand, dock der Hauptfehler der Alliance darin, daß sie durch ihr unjüdisches Gebahrcn, durch Entfernung vom Quell des Judentums den Weg zum Herzen des jüdischen Volkes nicht finden konnte und den Zusammenhang igit dlemselben verlieren mußte. Hier erlvächst dem gefetzestreuen Judentume eine, große Aufgabe. Bisher hatten die gesetzestreuen Juden Palästinas aus Furcht vor dem äußeren. Feind sich mit einer Mauer umgeben. Das geht nicht mehr so weiter. Es müssen heute auf gesetzestreuem Boden stehende Erziehungsanstalten gegründet werden, die die Jugend zu selbsttätigen und selbständigen, zu erwerbs- und berussfähigen Menschen heranbilden. Daß eine derartige Erziehung von der jüd. Bevölkerung Palästinas als ein großes Bedürfnis empfunden wird, zeigte sich bald nach der Gründung der hebräischen Mittelschule Tachkemoni in Jaffa. Leider konnte die Leitung der Tachkemoni diesen Wünschen nicht entsprechen, da sie noch um ihre eigene Lebensexistenz schwer zu kämpfen hat. Bon den 1200 jüd. Schülern besucht die Hälfte Missions- oder antireligiöse Schulen, — und die Tachkemoni hat nur 200 Schüler aufnehmen können. Redner richtet zum Schluß einen Appell an die Versammlung, das große Werk durch materielle Leistungen zu unterstützen. In der anschließenden Diskussion sprachen Dr. I. H einem aun, der Vorsitzende, Professor A. Wehl und Professor A. Sulzbach. Besonders eindrucksvoll waren die eingehenden Ausführungen Professor Weyls, die manche neue Momente dm« Bortrage ergänzend hinzufügten. Frankfurt a. M. Der Verein „Tiferes B.achurim" sieht jetzt auf ein 15jähriges Bestehen zurück^ und zahlreich sind die Männer, die sich 4785

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