Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 41 (28.10.1910)
- Date
- 1910-10-28
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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- Beirut 1× ep/1047833
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Seite 4. Nr. 41. Frankfurter ZsraclttisHes FanMenblati. in den letzten Jahren war den jüdischen Studenten der Eintritt in die Gymnasien erschwert worden. Infolgedessen sahen sich die jüdischen Gemeinden von Bukarest, Jassy, Galatz und letzthin Braila veranlaßt, eigene Gymnasien zu errichten, denen jedoch der Staat nicht das Oeffentlichkeitsrccht erteilte. Palästina. Jerusalem. Am 19. September sind hier die in Damaskus, Beirut, Haifa und Nazareth ausgehobenen jüdischen Rekruten eingetroffen. Sie wurden auf dem Bahnhof mit MilitLrnrusik empfangen. - Jaffa. Die Orangen-Ernte ist dieses Jahr eine recht günstige, mid der Export der Orangen hat bereits begonnen.' Amerika. New-Aork. Die letzte Nummer der ,K'näi B'rity News" berichtet u. >a. über das Bankett anläßlich der Tagung der Konstitutionsgroßloge, dem der Präsident der Bereinigten Staaten Taft, der englische Botschafter Bryce, der Staatssekretär Foster, der Präsident des Abgeordnetenhauses Cannon nsw. beiwohnten. Taft würdigte in längerer Rede die Tätigkeit des' Ordens B. B.: „Ich kenne den Orden B'nai B'rith schon seit vielen Jahren und schätze ihn als das Muster einer jüdischen Gesellschaft; und wenn ich sage „Muster einer jüdischen Gesellschaft", so meine ich damit eine Gesellschaft, die allen Gesellschaften zum Muster dienen kann. . . Ich hege die höchste Bewunderung für den jüdischen Stamm, weil er außer seinen vielen anderen Vorzügen in hervorragendem Maße kunstbegabt ist und alles Künstlerische schätzt. Die Inden sind ausgezeichnete Staatsbürger; sie sind immer auf seiten des Rechtes und der Ordnung, 'und ich freue mich,' wenn sie in unser Land kommen. Ich wollte gar nicht so viel sagen, liebe Freunde; wenn Sie aber aus' meinen Wcwten meine .hohe Bewunderung für die Rasse, die Sie vertreten, herauslesen — für die älteste Rasse der Welt, die sich mit Recht die Aristokratie des Menschengeschlechtes nennen darf und trotzdem die besten Republikaner abgibt, —> dann hat meine Rede ihren Zweck erfüllt." Der englische Botschafter begrüßte die Vertreter des Ordens mit den Worten: „Seien Sie versichert, es gewährt mir ein wahres .Vergnügen, einer Versammlung dieses großen internationalen Bundes beiwohnen zu dürfen, der so viel Gutes geleistet hat. Es ist mir dies ein um so größeres Vergnügen, als ich gleich dem Präsidenten den Vorzug habe, sehr viele Juden zu meinen persönlichen Freunden zu zählen. . In England wird niemarw wegen seiner Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben irgendwie zurückgesetzt. Ich bin hierauf stolz. Ebenso kmnr ich mit Stolz erklären, daß es keine besseren Menschen gibt, die wir höher achten, und die wegen ihres Charakters und ihrer persönlichen Eigenschaften sich einer größeren Wertschätzung erfreuen, als die Angehörigen Ihrer Glaubensgenieinschaft in England... Ich wünschte, die Länder, in denen diese Grundsätze der Freiheit und Gleichheit noch nicht völlig anerkannt sind, würden cinsehcn, wie viel sie durch ihre Intoleranz verlieren." Unter den weiteren Reden der Gäste war besonders die von Wendel! P. Stafford bemerkenswert, denn er sprach über den Antell Israels an der Ausbildung der Gerechtigkeitsidee. Seine Rede war ein Hymnus auf das Judentum; -sie schloß mit den begeisterten Worten: „Den Juden verdankt das Menschengeschlecht seine Auffassung von Recht und Gerechtigkeit!" Aus der Zukunft. Von Friedrich R o t t. (Fortsetzung.) Als Reb Mordche nach beendetem Abendgottesdienst heim kam, sprang ihm sein vierjähriges Bübchen entgegen. „Ich bin brav gewesen, Vater, ftag' nur die Mutter, ich darf die Hawdalahkerze halten." Und dabei zog es den Vater mit sich in das Zimmer zu dem Bette, in dem die bleiche Wöchnerin ruhte. „Gut' Woch', mein Lieb'!" sagte Mordche, indem er sich über das Bett neigte. ,Mie geht es Dir?" „Mir geht es nicht schlecht," erwiderte sie, liebevoll lächelnd und doch mit einer gewissen Aengstlichkeit zu ihm emporschauend, ^wenn ich nur wüßte, daß alles in Ordnung ist." „St, Kind'lieb, st, an so was darfst Du nicht denken, sonst könntest Du unscrm Kindchen schaden. Und überhaupt, über was sorgen? Der Heilige — gelobt sei Er! — wacht über uns!" Die Wöchnerin blickte mit unverhohlener Bewunderung zu ihm auf. „Wenn man Dich hört, ist alles gut." ,Linne cl jeschuoßi, Gott ist meine Hilfe, auf Ihn vertraue ich, darum fürchte ich nicht. — Aber es ist Zeit, Hawdalah zu machen. — Kati, geben Sie den Wein her, das Büchschen und die Hawdalahkerze!" „Ist schon alles bereit, Herr," erwiderte die Magd. Nachdem der übliche Segen gesprochen und die Kerze in einigen Tropfen Wein aufflammend und zischend erloschen war, sang der Hausherr in gedämpftem Ton das bekannte innige Lied: „Der unterscheidet zwischen dem Heiligen und dem Werktätigen, Er möge unsere Sünden verzeihen." Nachdem er geendet hatte, legte er die Hände segnend auf seines Sohnes Haupt. Dem Kleinen schien es, als ob der Vater heute länger als sonst den Segen spreche, fragend blickte er zu ihm ans, — da hob ihn der Vater empor, drückte ihn an sich und küßte ihn auf die klare Kinderstirn. Dann trat er an die Wiege, in der sein drei Tage altes Töchterchcn schlummerte, hielt' seine Hand vorsichtig auch über das zarte Wesen und sprach flüsternd den üblichen Segen. ,Last Du das Kleine auch gesegnet?" fragte seine Frau lächelnd. „Gewiß," erwiderte er, gleichfalls lächelnd; dann aber wandte er sich rasch seitwärts, denn er fühlte, daß seine Augen sich init Tränen gefüllt hatten. Trotz seines felsenfesten Gottvertrauens war er keineswegs so sorglos, wie er sich der Wöchnerin gezeigt hatte. Mitternacht war längst vorüber, alles im Hause lag in tiefem Schlaf, — nur der Hausherr wachte. Er ging unablässig auf und ab, denn es duldete ihn nicht an einem Ort. Beständig hatte er das' fremde Kind vor Augen, das weinend nach der Mutter gerufen. — Man hatte allerdings bereits beschlossen, am folgenden Tage in den umliegenden Ortschaften nach den Eltern des Kindes forschen zu lassen,, aber würde man sie finden? weilten sie noch unter den Lebenden? — Wer konnte das wissen! — Waren doch in den Magst vergangenen Wochen Hunderte und Hunderte jüdischer Männer und Frauen hingeschlachtet worden. — Wenn nun die Eltern des Kindes unter den Gemordeten? — Wenn das Kind eine Waise unbekannter Eltern und namenlos? — Wenn — wenn — wenn nun auch seine Kinder, die Lieblinge seines Herzens, ein gleiches Los treffen würde? — Ein halblautes Aechzen entrang sich der Brust des Mannes, seine weitgcöffncten Augen starrten in's Weite, als wollten sie schauen in konnnende Tage. — . . ■ Ohne daß er es wußte, war er stehen geblieben, wie in sich' zusammengesunken; jetzt aber richtete er sich wieder stramm auf. „Wie Gott tvill" — sprach er flüsternd mit dein Ausdruck innigster Ergebung, indem er seine Ziunnerwanderung von neuem begann. Hin und "wieder blieb er stehen und fuhr sich mit der Hand über die Stirn; man konnte sehen, er sann und sann. — Endlich blieb er abermals stehen, atmete wie erleichtert tief aus, als hätte er gefunden, was er gesucht. — Dann trat er zu einem Wandschrank und schloß ihn aus. Gold und Silber glänzte ihin entgegen, denn er handelte mit Edelmetallwaren. Der Wandschrank barg jedoch nur Kleinigkeiten und minderwertige Gegenstände, das Wertvolle hatte er längst im Keller vergraben. Ohne lange zu wählen, nahm er aus dem Schrank zwei lleine goldene Medaillons. Dann setzte er sich 'an den Schreibtisch, nahm zwei kleine Stückchen dünnes Papier und schrieb auf jedes Blättchen einige Zeilen in zierlicher hebräischer Quadratschrift; faltete die Papierblättchen möglichst Kein zusammen und barg in jedem Medaillon ein Blättchen. — Nun erst begab er sich zur Ruhe. Als die Hebamme am folgenden Morgen mit dem Ankleiden der Neugeborenen beschäftigt war, trat der Vater herbei und legte eine an einer Seidcnschnur befestigte lleine Kapsel um den Hals des Kindes. „Aha, eine Kamee,"*) sagte die erfahrene Frau, „die wird das Kind schützen vor dcni bösen Blick!" „Gib mir auch so etwas," bat der kleine Knabe, der der Toilette des Schwesterchens mit großem Interesse beiwohnte, und der Vater willfahrte seinem Wunsche. — Gleich am frühen Morgen hatte der Gemeinde- Vorstand einen Boten in die benachbarten Orte gesandt, um die Eltern des fremden Kindes ailsfindigzumachen. Dieses schien sich indessen ganz behaglich zu fiihlen bei den freundlichen Leuten, die es allsgenommen hatten und sich bemühten, ihm Liebe und Güte zu erweisen. Auch andere kamen, teils aus Teilnahme, teils aus Neugierde, um beii *; Am ule t . hübschen kleinen Fremdling zu sehen, und womöglich aus seinem Kauderwälsch klug zu werden. Das wollte indessen keinem gelingen. In den ersten Stunden des Nachmittags entstand jedoch eine Belvegung in der Gemeinde, die das Interesse für das fremde Kind in den Hintergrund drängte. Zwei init Juden befreundete Christen waren zu denselben gekommen und hatten ihnen mitgeteilt, daß mehrere Hooligans gekoinnlen wären, und sich benlühten, die Christen gegen die Inden zu Hetzen. Noch hätten die bisher Harmlosen sich allerdings nicht verführen lassen, aber die Strolche hatten zahlreiche Beteiligung von. auswärts in Aussicht gestellt und Zusuhr von Waffen und Branntwein. Und sobald letzterer seine Wirkung getan, könne man für llichts cinstehen, namentlich da Polizeiagenten jedem, der es hören wollte, versicherte», daß der Zar selbst Ordre gegeben habe, sämtliche Juden in seinem Reiche. zu vernichten. Ratlos sahen die Gewarnten einander an. — Was sollten sie beginnen? — Die Stadt zu verlassen, hatte keinen Zweck, denn wohin sollten sie sich wenden? — Die ganze Umgegend war bereits vom Judenhaß nnterwühlt. Einer der Warner war Besitzer einer Sägemühle, kaum zehn Minuten von dem Ort entfernt. Er hatte dem uns bereits bekannten Reb Mordche den Vorschlags gemacht, nach Einbruch der Dunkelheit mit -seiner Familie zu. ihm zu kommen und in der Mühle zu bleiben, bis die Gefahr vorüber. Dankerfüllt hatte Reb Mordche das Anerbieten angenommen, wenngleich er sich bewußt war, einen großen Teil seiner Effekten dadurch preiszugeben. Doch als einsichtsvoller Mann hatte er die Möglichkeit eines Pogroms längst ins Auge gefaßt und seine Maßnahmen getroffen. Der Mühlenbesitzer hatte ihn jedoch gebeten, die vollständige Dunkelheit abzuwarten, damit sein Haus nicht auch gefährdet tverdc. Mordche hatte cs versprochen und beschlossen, seine Fran vorläufig in Unkenntnis der Sachlage zu lassen. Vorbereitungen hätte sie doch nicht treffen können, Iveshalb sie nutzlos vorher aufregen? Aber sie kannte ihn allzu gut, und das Auge der Liebe sieht scharf. „Mr machst Du nichts weiß, und mich täuschest Dir nicht, imd 'wenn ich Dir auch sonst alles glaube, heute weiß ich, daß Du mir etwas verschweigst; und daß das nichts Gutes ist, das weiß ich auch. Darum erzeige mir die Liebe, sei, wie immer,. aufrichtig gegen inich, sonst könnte ich ank Ende noch mehr fürchten, als zu fürchten ist." Er sah ein, daß sic recht hatte und setzte sic in schonendster Weise in Kenntnis von der Sachlage. Sie nahm seine Mitteilung mit inehr Ruhe, entgegen, als er erwartet hatte. „Ich habe Derartiges gefürchtet," entgegnete sie, schwer aufatmcnd, „mein Gott, mein Gott!" „Riwka, ich bitte Dich, sorge nicht! ich schwöre Dir, wir haben nichts zu fürchten! Du weißt, ich habe denk Wasilow dainals aus großer Verlegenheit geholfen, dafür ist er mir noch heute dankbar, und er ist froh, mir seinen Dank beweisen zu können. Du hättest ihn hören sollen! Er hat schon alles ausgeklügelt, Dein Bett ist schon bereit in seinem besten Zinnner. Er hat gesagt, sobald wir kommen, mußt Du Dich sofort wieder niederlegen. Das Schlimmste, meint er, wird sein, daß wir vielleicht einige Tage kein Fleisch haben werden, aber er hat zwei Mhe, Milch können wir haben, soviel >vir Ivollen und Eier und alles niöglichc. Also sei ruhig, Kindlieb, ich bitte Dich!" „Ich Ivciß nicht, was Du willst, ich bin doch ruhig." „Dil bist nicht ruhig; Deine Wangen glühen und Deine Lippen zittern! Und weswegen? — Draußen in der Sägemühlc sind!vir sicher." (Fortsetzung folgt.) Haiser Friedrich Quelle - Offenbach a. M. — — Gegen Gicht and Rheumatismus bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Frledrioh Stahl, Frankfurt a. M., Stallhnrgstr. 9. Tel. 259 n. 71. J. EIHMEL & SOHN Schillerstrasse 26. Spezial'Gesehiff für Hain Zeieben-Utensilien. Holzbrand-. Kerbsehnllt-, Tarsoo. Batik-Artikel. Wachen-Kalender. (Zeuangaven nach dem Laach.) SamStag, den 29 Oktober (=26. Tischrii. Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 40 Min. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr S5 Min-, in Berlin 5 Uhr 28 Min. Schabbos B c r e i s ch i s. Der Wochenabschnitt erzählt die Erschaffung der Welt, Adam und Eva im Paradiese und deren Vertreibung aus den: Paradiese, Kain und Abel, die Menschengeschlechter bis zu Noahs Geburt. Es wird der Monat Cheschwan cingcsegnet (Rausch-chaudcsch Mittwoch und Donnerstag).