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Neue jüdische Presse · 1910-10-07 · Heft 39 (7.10.1910) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 39 (7.10.1910)
Date
1910-10-07
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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N». 39: Frankfurter JfrsEWeS KsmMenVkatt. Seite 11. Ein seltsam'es Gesühl stieg in mir auf, als ich unter den Trümmern des Palastes einen zerbrochenen Ziegel sah, aus dem der vollkommene Abdruck einer menschlichen Hand war, der Hand eines Arbeiters, der vor 6000 Jahren den noch warmen Stein in den Asphalt gemauert hatte und so seine Spur dem Bau auf ewig eingeprägt. — „Das ist noch gar nichts!" sagte mein deutscher Führer. „In einem alten Teil des Palastes sah ich, als wir ein altes Grab öffneten, noch deutlich die Fußspuren der Arbeiter, die sie in den Staub eingedrückt hatten, als'sie das Grab zumauerten. In den Gräbern sind besonders die mannigfachen Formen der Särge von Interesse. In der babylonischen Frühzeit wurden die Toten in sitzender Stellung begraben und die zusammengekrümmten Körper in ein Ton- oder Steingefäß gesteckt. Andere dieser Särge sind große, runde Behälter. Die meisten Gräber sind bereits von den Deutschen erbrochen vorgefunden worden, als sie Babylon entdeckten. Nur wenige Edelsteine oder Gold sind ans Licht gebracht worden. Vandalen hatten hier vor Jahrhunderten gehaust. Ich sab eine große Steingans, deren Rücken mit seltsamen Keilinschristen bedeckt war. „Diese Steingans war ein Normalmaß," erklärte mir Prof. Wetzel, der vorzügliche Keilschristkenner. „Die Inschrift auf ihrem Rücken besagt, daß alle in Babylon in Gebrauch befindlichen Wagen nach diesem Gewicht reguliert werden müssen, und daß jemand, der diese „Gewichtgans" beschädigt oder fortträgt, des Todes sterben soll." Die Deutschen haben Tunnels gegraben, die wie die Schächte eines Bergwerkes durch die Straßen des alten Babylon laufen. Mit kleinen Handlampen machten wir nns auf den Weg durch diese langen Straßen, die nun still und leer sind, aber einst erfüllt waren von einer geschäftigen Menge. An 300 arabische Arbeiter, fast ganz nackt, graben in diesen Trümmern und befreien die Reliquien dieser ersten Weltkultur von dem Sand, den die,Jahrhunderte darüber gehäuft. Wir wanderten durch die große Festhalle des Palastes, wo dem Belsazar die feurige Inschrift an der Wand erschienen, die ihm den Untergang vorhersagte. Ueberall in den Ruinen sah ich prächtige dekorative Verzierungen, Eulen und Eidechsen in leuchtenden Farben und eine besondere, dem Kuckuck ähnliche Bogelart. Etwa vier englische Meilen südlich von den Ruinen des Nebukadnezar - Palastes steht ein himmelanstrebender Bau, majestätisch auch noch im Verfall, der nach der Ueberlieferung die Stätte des wirklichen Turmes zu Babel bezeichnen soll. Er wird von den Arabern Birs Nimruo genannt und soll von dem frevlerischen Nimrud erbaut sein, der die Sonne für die wahre Gottheit hielt und mit diesem Riesenbau dem leuchtenden Gestirn näher kommen wollte. Eine andere Tradition sucht die Stätte des Turms von Babel nicht weit von dem Palaste Nebukadnezars, wo noch heute eine gewaltige viereckige Basis von Tip-Top der Kochtopf der Zukunft ln reiner extra starker Aluminium- und Kupfer-Ausführung. Ziegeln vorhanden ist. Xerxes soll diesen Turmbau zerstört haben." Hebräische Geheimschrift in Japan. Wiederholt haben Reisende auf den Umstand hingewiesen, daß die Japaner nicht nur in ihren Legenden, sondern in manchen Gegenden auch körperlich viele Aehnlichkeiten mit den Juden ausweisen. lieber eine sehr interessante Beobachtung, die er in Japan gemacht haben will, berichtet jetzt H. I. Philipp im „Jcwish Spcctator,. .Ich habe 4 Jahre in Japan gelebt", schreibt Philipp „und hatte während dieser Zeit Gelegenheit, eine große Anzahl jener Inseln zu besuchen, die das Reich des Mikado ausinachen. Diese außerordentliche Aehnlichkeit der Eingeborenen mit dem jüdischen Typus erweckte meine Neugierde und regte mich zum Studium ihrer Sitten und Lebensgewohnheiten an. Die auffallende Eigenart aller jenen Eingeborenen, die Juden gleichen, bestand zunächst in ihrer Vorliebe für den Handelsstand. Bauern, Arbeiter oder Handwerker waren unter ihnen nicht zu finden. Sie wohnen zumeist in irgend einem Vororte einer großen Stadt. Manche von ihnen hatten große Geschäfte in der Stadt. Wo ich eine solche judenähnliche Familie fand, war ich sicher, neben ihr noch ein Dutzend solcher zu finden, mit denselben charakteristischen Gesichtsausdrücken: „Auffallende Nase, volle Lippen, kluge Augen und das Gesicht im Allgemeinen nicht so geformt, wie dasjenige, eines reinen Japaners. Die Männer waren schlanker als die übrigen Japaner, und ihre Frauen weißer und viel hübscher Sie waren gute Eltern und wußten, mehr als die übrigen Japaner, die Traulichkeit des Familienheimes zu schätzen. Eines Tages ging ich durch die Hauptstraße der Stadt Kobe, die Motomachistraße und betrat eines der größten Galanterie-Geschäfte, das einem Eingeborenen gehörte. Sein Besitzer war ein Mann von prononziertem japanisch-jüdischem Typus. Ich betrachtete eine Porzellanvase, für welche er fünf Jen verlangte. Ich war nicht wenig überrascht, als ich auf dem Zettel, der auf die Vase geklebt war, zwei hebräische Buchstaben bemerkte. Der Geschäftsinhaber erklärte mir, dies seien seine Privataufzeichnungen und stellen den Kostenpreis dar. Scherzend machte ich die Bemerkung, ob es nicht zuviel sei, für einen Gegenstand, der ihm selbst 32 Cents gekostet habe, fünf Dollar zu verlangen Der Japaner war ordentlich erschrocken, als er sein Geschäftsgeheimnis verraten sah. Lächelnd fragte er auch dann, wie es möglich sei. daß ein Fremder, noch dazu ein Ausländer, die Zeichen habe entziffern können, von denen er glaubte, daß sie sein und seines Sohnes Geheimnis bildeten. Im Verlaufe des weiteren Gespräches erzählte nun der Geschäftsmann, daß diese „seltsamen. Schriftzeichen seit vielen Generationen vom Vater auf den Sohn überliefert worden seien. Woher sie stammten, wissen sie nicht; sie gebrauchen sie blos als Geheimschrift im Geheimgefchäfte. Sie dachten blos oft mit Staunen daran, daß die höchste Ziffer in dieser Geheimsprache 400 sei. Wenn sie eine höhere Ziffer als 400 bezeichnen wollen, so stellen sie mehr Buchstaben geringeren Wertes zusammen. Nach längerem Drängen rückte der Kaufmann schließlich mit der Mitteilung heraus, daß die Familie eine Reliquie besitze, die in großen Ehren stehe, da sie stets Glück bringe. Nach vielem Zureden brachte er die Reliquie hervor. Sie bestand in nichts Anderem, als ein mit Silberglöckchen umgebener Silberschmuck, wie er als Schmuck der Thorarollen verwendet wird. Um keinen Preis hätte sich die Familie dieser Reliquie, die infolge ihres Alters schon schwarz geworden, entäußert. Meine weiteren Forschungen in dieser Familie führten zu keinem weiteren Resultat. Von einem Sohne des Kaufmannes erhielt ich dann die Abschrift der hebräischen geheimen Schriftzeichen. Einige Zeit später entdeckte ich eine andere Familie in Hugo, bei Kobe, die gleichfalls die hebräischen Schristzeichen als Geheimschrift benützte. Es ist sehr unwahrscheinlich, daß diese Schriftzeichen erst in den letzten Jahren bei ihnen eingeführt worden seien, da jüdische Kaufleute in Japan von diesen Schriftzeichen keine Kenntnis haben, andererseits ist von dem Aufenthalt von Juden vor 30 Jahren in Japan nichts bekannt, währmd die genannten Familien die Kenntnis der hebräischen Schristzeichen als geheime Geschäftsschrist auf viele Generationen zurückführen. _ Zur Ablösung der Rausch-haschonoh-Glückwuuschkarteu spendeten fiir die Oppenheimersche Sredlungsgenosschuft in Palästina: Dr. Griinbaum 1 J£, Frau Dr. Weinberg 2 Karl Lehmann und Frau, Darmstadt, Landwehrstraße 12 3 JL, Frau Johanna Stern geb. Bergs, Zeit 34 (nicht wie in voriger Nummer: Johanna Bergs) 2 JL Für Erez-Jisroel: I. Lehmann und Frau, Darmstadt 5 JLt Hermann Lehmann u. Frau, Lengfeld i. O. 3 JL Spende«. Für den Nationalfonds gingen ein bei dem Frankfurter Israelitischen Familienblatt: Familie Rosenheimer 1 Oelbaum aus den Namen S. H. Goldmann aus besonderem Anlaß 6,— JL Georg Freudenstein 1 Oelbaum auf den Namen Rita Hichenberg anläßlich deren 2. Geburtstag _ 6,— s Vereins-Kalender. Samstag. Verein „Mekor Ctzajrm", 3U Uhr, Langestr. 18: Mikro-Vortrag (Noa Bender). Sonntag. Verein „Mekor Chajim", 6 Uhr, Langestr. 18: Piutim aus dem Machsor von Jaum- Kippur (Tr. Joseph Breuer). Tip-Top Dampf kochtopf - Fabrik Frankfurt a. >. 3S\37 Stlftstransm 3B/37- Verhindert jedes Anbrennen und Ueherkochen der Speisen, sei es Milch, Suppe, Reis, Mehlspeisen, Fleisch, Gemüse, Früchte, Confltüren etc. Erzielt bis 50°|o Brennmaterial-Ersparnis. Kocht Stoff- und Nähnsalaerhaltond! xtöerr rrcrer Hergestellt unter Aufsicht des Babbinats der Israelitischen Religions-Gesellschaft Frankfurt a. M. per Packet 25 Pfg. Wiederverkäufer erhalten hohen Rabatt. Alleiniger Vertrieb: David Bauer, Frankfurt a. M. 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