Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1910-09-16 · Heft 36 (16.9.1910) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 36 (16.9.1910)
Date
1910-09-16
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2692297-2692665-2692701--05663-2700596
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 11. Nr. 36. Frankfurter JsraeMWeS FmrrikteiÄatt. New-Aork. Der älteste Mann in den Vereinigten Staaten zn sein, beansprucht der aus Rußland zugewanderte Louis Abraham Kallinsky in Baltimore. Er gibt sein Alter auf 116 Jahre an, und wiewohl er sich setzt noch in guter körperlicher Verfassung befindet (nur etwas sehr schwerhörig ist er), hat es doch den Anschein, daß er die Zahl seiner Lebensjahre nicht überschätzt. Er ist in Kiew geboren, behauptet zur napoleonischen Zeit in Moskau gewesen zu sein und selbst bei der Inbrandsetzung der Stadt geholfen zu haben. Schuhmacher von Gewerbe, entschloß er sich unter dem Druck der antisemitischen Bewegung in Rußland zur Auswanderung. New-Uork. Uriah Herr mann hinterließ einer größeren Anzahl jüdischer Institutionen Summen von 500 bis 1000 Dollars. Aus der zionistischen Bewegung. Johannesburg. South Asrican Zionist Federation veranstaltete in diesem Jahre zum drittenmal einen Bazar zu Gunsten des Jüdischen Nationalfonds. Das Komitee hatte nun den Premierminister General Louis Bot ha eingeladen, den Bazar und die damit verbundene Bezalel-Ausstellung zu eröffnen. General Botha leistete dieser Einladung Folge und sagte in seiner Einweihungsrede u. a. folgendes: „Dieser Bazar ist hauptsächlich zum Besten des Jüdischen Nationalsonds und teilweise auch zugunsten der Oelbaumstiftung für unfern verewigten Köirig Eduard VII. veranstaltet worden. Ich! brauche Ihnen kaum zu sagen, daß beide Zwecke meine tief st «Sympathie haben."Der Jüdische Nationalfonds will die erforderlichen Mittel schaffen, um den unglücklichen Juden, die in den Ländern ihrer Geburt grausam verfolgt und unterdrückt werden, die aus diesen Ländern systematisch verjagt werden, eine Heimstätte in Palästina zu bereiten. Es ist wahrhaftig ein niedcrdrückender Gedanke, daß es im 20. Jahrhundert noch Staaten gibt, die man oft noch als 'Kulturstaaten bezeichnet und in denen dennoch eine Klasse von Bürgern, die jüdische Bevölkerung, nicht nur den schmachvollsten Erniedrigungen, sondern auch den grausamsten Verfolgungen ausgesetzt ist. Die traurige Lage des jüdischen Volkes in den verschiedenen Weltteilen hat also zur Gründung des Jüdischen Nationalfonds Veranlassung gegeben, und ich wiederhole darum, daß ich diesem Fonds 'die herzlichsten Sympathien entgegenbringe. Es wird mich aufrichtig freuen, wenn dieser Bazar dazu beitragen sollte, die Kasse dieser edlen Institution erheblich zu füllen. "Es ist mir auch bekannt, daß Ihr Nationalfonds die Aufgabe hät, in Palästina ein großes Jüdisches Zentrum zu schaffen, welches als die Heimat Ihres Volkes angesehen werden soll. So' mögen Sie denn wissen, daß auch dieser Zweck meine vollste Sympathie besitzt. Ich möchte Ihnen jedoch im Zusammenhänge damit einige Worte sagen: Es ist eine historische Tatsache, daß Zhre.Vorfahren, als sie überall in Europa verfolgt und vertrieben wurden, in England und Holland gastliche Aufnahme und gute Behandlung "gefunden haben. Die weiße Bevölkerung Südafrikas besteht hauptsächlich aus Engländern und Holländern. Es ist also kein Wunder, daß unsere jüdischen Mitbürger in diesem Lande die vollste Freiheit und Gleichberechtigung genießen. Wenn es irgendwo ein Land gibt, das den Inden eine vollwertige Heimat bietet, so ist es unser Land. Ich hoffe also, meine Damen und Herren, daß dieser Fonds, für dessen Vermehrung ich heute mitwirke, nicht dazu dienen wird, die jüdische Emigration von Südafrika nach Palästina zu fördern. In andern Gebieten, wo es jüdische Not und jiidische Rechtlosigkeit gibt, dort hat Ihr Nationalfonds ein großes Wirkungsfeld. Wir jedoch wollen nicht, daß südafrikanische Kolonisten uns 'verlassen. Im Gegenteil, wir werden die Angehörigen Ihres Volkes stets bei uns willkommen heißen. Wir bauen sogar auf die Mithilfe unserer jüdischen Freunde, die uns sicherlich unterstützen werden in unserni Bestreben, .hier ein großes südafrikanisches Genieinwesen zu begründen. Mit dem größten Vergnügen erkläre ich den Bazar für eröffnet .und'wünsche Ihnen einen recht guten Erfolg." Aus -er Lehrerwett. Berlin. In einigen antisemitischen Zeitungen stehen Nachrichten über das Lehrerseminar des Hilfsvereins der Deutschen Inden in Jerusalem. Die Behauptungen, die dort ansgestellt sind, sind, dem Charakter der Zeitungen entsprechend, so absurd verlogen und gehässig, daß sich ein Eingehen darauf erübrigt. Selbstverständlich sind die Mitteilungen nichts weiter als eine Kette von Entstellungen und Unwahrheiten. Wahr ist nur, daß einige Schüler des Lehrerseminars, wie es wohl an allen Schulanstalten der Welt vorkommt, wegen Ungehörigkeiten disziplinarisch bestraft werden mußten. Ueber die Schulen des Hilfsvereins in Palästina sei hier ein unbefangenes Urteil aus der neuesten Zeit angeführt, das des Großrabbiners der Türkei Chaim Nahum, der kürzlich eine Reise nach Palästina gemacht hat und mit fürstlichen Ehren dort empfangen worden ist. In einem Interview, das in der Jerusalemer Zeitung „Haor" vom 12 Ab (17. August) 1910 erschienen ist. spricht der Großrabbiner der Türkei, der.bekanntlich früher der „Alliance Jsraelite Universelle" sehr nahe stand, über die Schulen des Hilfsvereins. Es heißt dort: „Und welche Schule (in Jerusalem) machte auf Sie den besten Eindrucks" fragte ich ihn (den Chacham Baschi). Der Rabbiner dachte ein wenig nach. Man konnte es ihm ansehen, daß meine Frage ihn etwas in Verlegenheit brachte. Nach einer Weile antwortete er jedoch: „Ich muß die Wahrheit sagen, daß die Schulen des Hilfsvereins auf mich einen größeren Eindruck gemacht haben, als die Schulen der Alliance, sowohl wegen ihrer Lehrmethode, als auch wegen ihrer Leistungen. Aber auch die letzteren Schulen (der Alliance) sind gut." Elbing. Dr. Silberstein ist zum Landesrabbiner von Mecklenburg-Schwerin gewählt worden. Prenzla«. Das 25 jährige Amtsjubiläum unseres Rabbiners Dr. Bähr gab allgemein die Veranlassung, diesem würdigen Mhrer unserer Gemeinde zu zeigen, welcher Schätzung er sich erfreut. Me Stadtverordneten und der Landrat brachten ihre Gratulationen in herzlichen Schreiben dar. Die israel. Gemeinde und die in ihr bestehenden Vereine, die jetzigen und die früheren Schüler entsandten Deputationen. Die Bereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner hatte sich durch Dr. Hildesheimer - Berlin vertreten lassen. Des Nachmittags fand ein Festgottesdienst statt, bei dem Rabb. Dr. Petuchowski-Berlin die Rede hielt, und des Llbends ein Festmahl. Breiten. Anläßlich des40jährigen Dienstjubiläums des Herrn Bezirksrabbiners Schlesinger fand hier ein Bankett statt, dem Dr. Appel als Vertreter der israelitischen Kirchen-Behörde, Oberamtmann Hofmann und Oberamtsrichter Dr. Strobel als Vertreter der Staatsbehördedie Stadtpfarrer Wurth und Dreher als Vertreter der beiden hiesigen Kirchengemeinden, Vertreter der israelitischen Gemeinden des Bezirks usw. beiwohnten. Erseknjvür (Neuhäusel). Auf wirklich tragische Weise starb vorigen Donnerstag unser vielgeliebter Rabbiner Josef Richter. Eines feiner würdigsten Gemeindemitglieder, Adolf Stern, wurde an diesem Tage zu Grabe getragen. Rabbiner Richter begann die Trauerrede; plötzlich wurde er blaß und sank tot hin. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende bereitet. Er hinterläßt 11 Waisen und eine ehrlich trauernde Gemeinde. Budapest. Eine seltene Trauerfeier fand heute, am 12. d., statt: 8 gewesene Rabbiner und Rabbinatsverweser der Pester Gemeinde wurden aus dem nun aufgelassenen alten Friedhofe auf der WaiHenerstraße exhumiert und unter .imposanter Teilnahme der Gemeinde auf den neuen Friedhof überführt. Bei dem Aus- und Eingraben der irdischen Ueberrcste fungierten alle 5 derzeitigen Rabbiner der Kultusgemeinde, die in beredten Worten die Verdienste ihrer Vorgänger aus dem 19. Jahrhundert schilderten, unter denen sich zwei Rabbiner Wahrmann, Simon Oppenheimer- Asriel Elepite Himi-kleiiliwr IR 1.1 Unser Lager bietet eine hervorragende Answahl UnTDIlIlnD deutscher und englischer Stoffe, welche in grossen, £ jJ hellen, der Neuzeit entsprechenden Räumen zur richtigen Geltung kommen. Mehrere erstklassige Zuschneider und bewährte Arbeitskräfte verbürgen einen tadellosen Sitz der von uns gefertigten Kleidung. Es ist ratsam, uns schon jetzt Herbst-Anfträge zu geben, weil in der Saison selbst die Bestellungen bekanntlich so zahlreich erfolgen, dass es dann oft beim besten Willen nicht möglich ist, die gewünschte prompte Bedienung zu ermöglichen. Wir empfehlen: Herren-Anzüge . , von Mk. 65—1X5 Herren-Hosen . . . von Mk. 18—36 Herren-I*aletots . . von Mk. 54—165 \ — Die festen, billigen Preise sind an jedem Stück mit deutlichen Zahlen sichtbar. — Gustav Carseh & Co* .. — •- - Liebfrauenstrasse 8—10.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.