Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 36 (16.9.1910)
- Date
- 1910-09-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Israitkfrtrte? Ifrnrlitifdiro fnrailirnlilntt i- - Diese Zeitung erscheint wöchentlich Abonnementspreis pro Vierteljahr: In Frankfurt a. M. Mk. 1.— frei ins Haus. Bei der Post abonniert im In- und Ausland Mk. 1,02 ^einschließlich Bestellgebühr). Unter Streifband bezogen: Deutschland und Oesterreich-Ungarn Mk. 1,80, sonstige Länder Mk. 2.— --:- HedaKtton Md Geschäftsstelle Srsnkfurt 2. IR., vilbelerstraße 4/6, Ecke Lleichstraße Tekefo« 10507. Herausgeber: Kalzz Gei-s. Jnfertionspreise: Die viergespaltene Petitzeile.25 Psg. Die Reklamezeile.100 „ Platz- und Daten-Borschrift ohne Verbindlichkeit. Beilagen: Preis nach Uebereinkunfi. 8. Jahrgang. Freitag, den 12. EUul 5670 (16. September 1910). Rr. 36. .-^ Inhalt des Hauptblattes. Artikel: Die Ergebnisse des 12. Delegiertentages der deutschen Zionisten. — M. A. Klausner's letztes Wort zur Reinach-Affaire. — Der Präsident der deutschen Konferenzgemeinschaft über die „Alliance". — Zur galizischea Landesenquöte in der Judenftage. — Delegiertentag der deutschen Zionisten. — Aus aller Welt. —Feuilleton: Das fünfte Gebot. —Kunst u. Literatur.—Wochen-Kalender. — Familiennachrichten. — Barmizwohs. Die Ergebnisse des 12. Delegiertentages der deutschen Zionisten. Der Delegiertentrg ist vorüber, und der Eindruck, den er unterschiedslos auf jeden — einerlei ob Anhänger der zionistischen Bewegung oder nicht — gemacht hat, war ein tiefer. Das spiegelt sich in den Berichten einer sonst dem Zionisnrus fernstehenden Tagespresse ivieder. Das zeigt sich in den zahlreichen 'Anmeldungen zur zionistischen Organisation. Das ist zu vernehmen ans dem Gesprächsthema der verschiedenen sozialen Schichten und religiösen Richtungen der Frankfurter jüdischen Bevölkerung. Und der Eindruck hat ein gewaltiger, tiefgehender sein müssen! Wenn Männer, die noch vor nicht einem Jahrzehnt ganz außerhalb jedweder jüdischen Interessen standen, heute öffentlich das Bekenntnis ihres Glaubens an die Größe des jüdischen Volkes und des Judentums ablegen, so zeugt das von einer regenerierenden Kraft der zionistischen Bewegung sondergleichen und muß besonders in unserer Zeit des schwersten Kampfes aller jüdischen Richtungen um ihre Sclbsterhaltung den Blick magnetisch auf diese Bewegung lenken. Zu einem Franz Oppenheimer kam — wie er es auf dem Delcgiertentag aussprach — der Zionismus, weit er dieses hervorragenden Gelehrten Rat bedurfte; heute konimt Franz Oppenheimer zum Zionismus, denn dieser hat ihm, indem er ihn für das jüdische Volk gewann, seinen wahren Persönlichkeitswert gegeben. Und wie ein Franz Oppenheimer in seinem jüdischen Bewußtsein wächst und wächst, so auch;eder Delegiertentag. Es drängt sich immer mehr ein Streben nach jüdischer Vertiefung durch. Wohl ist es häufig noch unbewußt mrd nur erst bei den Besten, deren Wahrheitsstreben sie am meisten von den Schlacken des Golus befreit hat, z. B. bei diesem prächtigen Menschen dem Parteisekretär Blumenseld, zu festen Formen verdichtet; — aber es ist als Wille der Gesamtheit da und wartet der Direktive von oben. Deshalb ist auch die Verlegung des Sitzes der Leitung nach Berlin, in sein sich doch jüd. Leben konzentriert, zu begriißen. Und wir sind dessen sicher, daß der neugewätzlte Präsident Dr. Hantke diesen Willen der Gesamtheit fest im Äuge behält und gegen eine, dem Hebräischen und seiner Literatur unbegreiflicher Weise noch unfreundlich gesinnte Minorität behauptet. Es ist gerade jetzt eine Organisation gegründet worden, die auf dem -Gebiete der jüdischen Vertiefung hervorragende Dienste zu leisten berufen ist; möge die. Histadrus, die Organisation für hebräische Sprache und Literatur, durch Dr. Hantke die energischste Förderung finden! Eines haben wir auch auf diesem Delegiertentag noch vermißt: das Eingehen auf soziale Fragen. Dieser Mangel ist verständlich, denn das ganze soziale Interesse der Zionisten richtet sich nach Palästina. Da aber das soziale Arbeiten in den Ländern des Golus ein wichtiges Mittel zur Förderung der zionistischen Organisation ist, so sollte auch dieses Gebiet frnktifiziert werden. Auf die einzelnen Beschlüsse des Delegiertentagcs in diesem Resümee einzugehen, erscheint uns nicht von nötcn. Alle Beschlüsse werden davon abhängen, inwieweit es die Zentrale in Berlin versteht, durch Förderung der Kenntnis der hebräischen Sprache und Literatur und unserer Geschichte die Tradition des Judentums, das originale Judentum, den originalen jüdischen Menschen wieder Wirklichkeit werden zu lassen. Wird sie das verstehen, dann wird allüberall, dann wird selbst dem Blindesten offenbar werden, daß der Zionisnms die moralische Kraft des jüdischen Volkes ist und zur einzig möglichen Zukunft eines jüdischen Volkes, das leben will, führt! M. A. Klausner's letztes Wort zur Reinach-Affaire. Sehr geehrte Redaktion! An der Spitze der Nr. 34 Ihres geschätzten Blattes vom 2. d. Mts. veröffentlichen Sie die Ausführungen, die ich Ihrem hiesigen Vertreter gegenüber auf dessen Wunsch in Sachen Ihrer Meinungsverschiedenheit mit Herrn Salomon Reinach in Paris gemacht habe. Ihr Herr Vertreter stellt mich den Lesern Ihres geschätzten Blattes als den Geschäftsführer der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Jsraslite Universelle vor. In diesem Zusammenhang könnte es den Anschein haben, als sollte damft ausgedrückt werden, daß die von mir vertretene Meinung die Meinung der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der A. I. U. wäre. Diese Meinung wäre irrig. Ich weiß nicht und kann nicht wissen, wie die Mitglieder der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der A. I. U. über Herrn Reinach und seine Stellung in der Alliance und über die Handhabung der Satzungen der Alliance denken. Ich kann nur wissen, wie sie nach meiner Meinung denken sollten, sofern sie Männer von deutschem und jüdischem Ehrgefühl sind. Namens der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der A. I. U. zu sprechen, habe ich seit der neuen Aera kein Recht und mich keine Neigung; denn ich müßte dann Ansichten aussprechen, die ich nicht blos nicht teile, sondern verwerfe, als Jude und als Deutscher verwerfe. Mit ausgezeichneter Hochachtung M. A. Klausner. Der Präsident der deutsche» Konserenzgemeinschast über die „Aüiauce". (Interview unseres Korrespondenten.) Es ist allgemein bekannt, daß der gegenwärtige Präsident der Deutschen Konferenzgemeiwschaft der Alliance Jsraslite Universelle bemüht ist, die zur Zeit herrschende Spannung innerhalb der Mliance zu beseitigen und das Verhältnis dieser großen und ältesten jüdischen Gesellschaft zu den anderen jüdischen Organisationen, wie dem „Hilfsverein" und dem Zionismus, in freundschaftlichster Weise zu gestalten. In Anbetracht des lebhaften Interesses weiter jüdischer Kreise an den Vorgängen in der „Alliance" wandte ich mich an Herrn Geheimrat Timendorfer mit der Bitte um gesl. nähere Mirteilungen über den bisherigen Erfolg und die wefteren Aussichten seiner angedeuteten Bestrebungen. Der Präsident der deutschen Alliancabteilung halle daraufhin die Freundlichkeft, in einer Unterredung folgende Bemerkungen mir gegenüber zu äußern: Ich kann es nur bestätigen, daß wir auf dem besten Wege sind, den Konflikt innerhalb der „Alliance" aus der Welt zu schassen und einen dauernden Frieden herbeizuführen. Die Gegensätze zwischen der Deutschen Konferenzgemeinschaft und dem Zentralkomitee in Paris sind vornehmlich finanzieller Natur. Es handelt sich in erster Reihe um die Frage, ob auch die Beiträge der Mlianzniitglieder in Deutschland für das allgemeine Schnlwerk der A. I. U. verwendet werden sollen. Eine Einigung in dieser Hinsicht ist umso eher zu erwarten, als auch wir diese Forderung des Pariser Zentralkomitees im Prinzip als berechtigt anerkennen und der Meinung sind, daß ein Teil unserer deutschen Mitgliederbeiträge für den genannten Zweck zu verwenden sei. Allerdings können wir uns nicht dazu verständigen, die gesamten Allianceeinnahmen in Deutschland dafür zur Berftigung zu stellen und auf eine besondere Wirksamkeit hierzulande gänzlich zu verzichten. Wir haben hier wichtige jüdische Aufgaben zu erfüllen, die wir nicht außer acht lassen dürfen. Wir sind hier näher zu den großen jüdischen Beoölkernngszcntren und sind von hier aus mehr als die Pariser Herren in der Lage, die Bedürfnisse der jüdischen Massen kennen zu lernen und zu berücksichtigen. Unsere Freunde in Paris werden dies sicherlich auch einsehen und die Notwendigkeft und Ersprießlichkeit der Alliancetätigkeit in Deutschland anerkennen. Nach der gegenwärtig herrschenden versöhnlichen Stimmung darf man mit Bestimmtheit eine allseitig beftiedigende Lösung in der Richtung einer vollen Einigung erwarten. Prinzipielle Differenzen bestehen zwischen Berlin und Paris nicht. Die Frage des Sprachenunterrichts an den Mlianceschulen wird wÄer hier noch dort von chauvinistischen Gesichtspunften aus, t i '! •1 'I I U