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Neue jüdische Presse · 1910-08-26 · Heft 33 (26.8.1910) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 33 (26.8.1910)
Date
1910-08-26
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 33. Seite 11. Der Religionsverband, in dem auch wir Lorbeeren zu erkämpfen suchen, erhält heute das Judentum in einer Weise, wie es sicher unser nationaler Verband nicht so gut könnte. Mischehe und Taufe sind gerade in Deutschland' die äußeren Zeichen der Assimilation. Wir wollen und müssen gegen sie .Stellung einnehmen. Denn die beiden Faktoren bedingen den Untergang der deutschen Judenheit. Und nun seht gar einen Nationaljuden, der eine Mischehe eingeht, an! National bezieht sich doch aus die Abstammung. Oder inan kann vielleicht erklären, daß das Kind aus dieser Mischehe, das zur Hälfte nichtjüdisch ist, infolge der jüdischen Erziehung zum Volljuden wird. Aber was heißt denn heute bei uns Zionisten meist jüdische Erziehung: das Vorsagen von ein paar Phrasen, die Suggestion von einigen Gefühlen. Früher, wo unsere Großeltern in einer jüdischen Welt lebten, da gab es eine jüdische Erziehung. Das ganze Leben richtete sich nach dem jüdischen Jahr (Geburtstag, Jahresschluss usw.), der Sabbat war der Feiertag, das hebräische Gebet die Einleitung zu allen wichtigen Verrichtungen, die Gedankenwelt war jahrelang durch Mischnah, Gemarah und die Bibel (in der Ursprache) beeinflußt worden, die Begehung jüdischer Sitten beeinflußte das Leben den ganzen Tag. Unsere Vorfahren hatten nie den Gedanken, sie könnten was. anderes als Juden sein. — Und unsere heutige jüdische Erziehung? Sie besteht meist in den großen Städten aus zwei ganzen Stunden in der Woche, wo Glaubenslehre, Geschichte, Sprache kunterbunter (und wie!) gelehrt wird. Biele,' vielleicht die meisten der Zionisten hatten keine jüdische Erziehung, außer man schreibt einer solchen Erziehung tiefgehendere Wirkung zu als der mächtigen national - deutschen Kultur, die mit jedem Moment bewußt und unbewußt auf uns einstürmt. Nein, wären wir nicht durch das Blut, das in uns rollt, zum Juden kräftig disponiert, das deutsche Milieu, die deutsche Sprache, die deutsche Kultur hätte alles hinweggcwischt. . . Danken wir dem religiösen Verband, daß die Nichtzionisten noch nicht für uns verloren sind. Wir brauchen sie nur zu sichern und zu holen. Danken wir übrigens dem Schicksal, daß wir außer den nationalen Verbänden noch den religiösen besitzen, der so fest das Judentum znsammeichält. Seien wir nicht so kurzsichtig. Stützen wir diese kräftige Stütze des Judentums. Eine Erhaltung der. jüd. Religion ist dringend geboten. Sie ist eine Emanation des jüd. Volkes, sie ist das Selbstverständliche mit am Judentum. Die jüdische Religion hält unsere heiligsten Bolksfeiertage, die wichtigsten Tage unserer Geschichte in Ehren. Es W eine Kurzsichtigkeit sondergleichen, wenn man glaubt, man könne die Religion abschaffen und dann noch, in der alten autoritativen Weise diese Feste feiern. Gewiß braucht man als Zionist nicht orthodox zu sein, aber zweierlei müssen wir öffentlich bekennen: 1. die Notwendigkeit der Erhaltung des religiösen Verbandes mit Betonung der Wichtigkeit der hebräischen Sprache, der Feierober Volksfeiertage usw., 2. die Anerkennung der jüdischen Satzungen für alle offiziellen zionistischen Unternehmungen. Proklamieren wir diese Erkenntnis. Die orthodoxen Rabbiner haben in ihrer Marburger Konferenz uns einen weiten Weg entgegengemacht, machen auch wir uns auf, zu ihnen zu stoßen. Treiben wir endlich Volkspolitik. Felix A. Teilhaber. (Schluß folgt.) Das neue Genesungsheim für mittellose kranke Israeliten in Meran (Tiroy. Es ist bereits das zweite Jahr verflossen, seitdem sich die Tore des neuen Genesungsheimes in Meran den armen jüd. Kranken geöffnet haben, die von den mildtätigen Strahlen der heilsamen UvRikfurker jUrLÄMWeS FamiKenAatt. Sonne des Südens Genesung für ihre Leiden erhoffen. Unter den Wohlfahrtseinrichtungen, die das' gute jüdische Herz geschaffen hat, gebührt dem Genesungsheim in Meran eine erste Stelle. Denn es zeichnet sich nicht nur durch die herrliche Anlage, den bedeutenden Belagraum von 100 Betten, der allen Anforderungen neuzeitlicher Gesundheitspflege entsprechenden Einrichtung und einer — nicht zuletzt — tadellosen und musterhaften Führung aus, sondern ist durch seine streng rituelle, unter Aufsicht des' Räbbinates stehende Haushaltung der einzige Platz, wo im Süden Oesterreichs ein armer kranker Jude Aufnahme finden kann, wenn er in seinem Leiden an den Vorschriften der Religion festhalten will. Das neue Genesungsheim, das aus dem alten kleinen Asyle der Königswarterstiftung entstanden ist, dankt seine Entstehung besonders der Initiative und Tatkraft des Herrn Dr. Wilhelm Hersch s. A.. der durch rastlose Sammelarbeit und persönliche Opfer den Bau ermöglicht hat. Der zur Erhaltung und Führung dieses Heimes ins Leben gerufene Verein „Asyl für mittellose kranke Israeliten in Meran," dessen erster geschäftsführender Vizepräsident genannter Herr bis zu seinem leider zu früh erfolgtem Ableben war, ist gemäß der Internationalität des Heimes über alle Länder verbreitet. Doch ist es bis heute noch hauptsächlich Oesterreich, das für die kranken Juden, die aus allen Ländern nach Meran kommen, sorgt. Selbst Deutschland weist noch lange nicht die Mitgliederzahl auf, welche gemäß.der Beschickung von deutschen Kranken (30°/o) zu erwarten wäre. Mit Beginn der neuen Saison, das ist September, erscheint der neue Jahresbericht des Vereines, der über die segensreiche Tätigkeit des Genesungsheimes weiteren Kreisen Aufschluß bieten wird. Es wär dringend zu wünschen, daß in Erkenntnis der schweren Schädigung unseres Volkes durch die Lungenkrankheit dem Vereine reichlich Unterstützung und Hilfe geboten toürde, unr im vollsten Umfange segensreich zu wirken. Nicht unerwähnt darf die mühevolle Arbeit des Vorstandes bleiben, an dessen Spitze Herr Dr. med. M. Koref als Präsident und leitender Arzt und Frau Dr. Rosa Hersch als geschästsführende Bizepräsidentin stehen. Das Beispiel selbstloser Tätigkeit im Dienste der Nächstenliebe möge dem Genesungsheime in Meran zahlreiche Freunde und Förderer erwerben. 'S FMM i&i Spende«. Bei dem Frkf. Israel. Familienbl. gingen ein: a) Für den Nation also nds: Ablösung von Glückwunschtelegrammen: 1. Hochzeit Agathe Jeidel — Julius Blum, Pfungstadt: Julius Wiesbader Nchfg., Frankfurt am Main, Mainzerlandstr. 145 5,—116. Strauß u. Co., Cannstatt 3,— „ Moritz Mayer 23t»., Oberingelheim 1,— „ S. Morgenstern, Frankfurt a. M., Neue Zeit 19 1.—- „ Rosenthal li. Co., Frankfurt a. M., Räineckstraßej 9 1,— „ Gebr. Loebenberg, Frankfurt a. M., Neue Zeil 32 0,50 „ Ungenannt, Frankfurt a. M. 1,— „ A. Bendheim, Prokurist bei Aumann u. Rapp, Frankfurt ä. M. 1»— „ Nathan Levi, Frankfurt a. M., Neue Zeil 64/66 5,— „ Z. u. W. Levy, Frankfurt, Kaiserstr. 1 3,— „ 2. Verlobung Emma Schmidt-Altona — Saly Geis-Frankfurt a. M.: Josef Bamberger 0,50 „ Dr. Siegftied Schwarzschild und Frau 1 Oelbaum auf den Namen des Brautpaares 6,— „ Desgleichen Dr. S. M. Melamed u. Frau, London 6,— „ I Ch. u. S. Sarin 1,— Samuel Weinberg 1,— „ S. Jakob Rosenberg, Bierstadt 0,50 „ 3. Verlobung Dr. Martha Goldberg,Karlsruhe i. B. — Dr. Gustav Löffler, Frankfurt a. M.: Saly u. Selmar Geis je 1 J6, — 2,— „ David Kroll, Habsburger - Allee 22 2,— „ A. G. 0,50 „ b) Für die Tachkemonie schule: - Sammlung auf der Hochzeit Paula Kroll, Frankfurt a. M. — Heinrich Mendel,Antw ersten 25,— „ Leöp. Oppenheimer u. Frau gratulieren zur Hochzeit Rose Spangenthal, Spangenberg - — Moritz Rosenberg, Hann.-Münden 0,50 „ zur Verlobung Emma Schmidt, Altona — Saly Geis, Frankfurt a. M. 0,50 ,, c) Für den Verein „Montefiore": Dr. Gustav Löffler gratuliert Saly Geis, Frankfurt a. M. zur Verlobung 1,— ,, Bereius-Kaleuder. Samstag. Verein „Mekor-Chajim", 4i/t Uhr, Schützenstr. 2: Mikro-Vortrag (Schachnowitz). — Hatchijoh, 5"/i Uhr, Hcrmesweg 25/7: Diskussion. Mittwoch. „M ontefiore"-Verein, 9 Uhr, Seilerstr. 22: Mark Twain (Arnold Gerstle). Reich assortiertes Lager in Beleuchtungskörpern für Gas- und elektr. Licht, elektr. Heiz- und Koch-Apparate, Glühlampen, Schwachstrom-Artikel etc. UmSndann und Aufanbeiten von Lüstern. fteyer L Corenz elektrisches ünstaHatious-Seschäft, Tel. 7039. Kronprinzenstraese 8. Tel. 7039. Spezial-Atelier für Scheitel and PerrBcken Friedrich Schiefer, Frankfurt a. H., Königstr. 85 Scheitel und PerrBcken in allen Preislagen. Ständig Neuheiten. Zöpfe und Locken in grosser Auswahl. Clemens Kahn, Bau- und Kunstglaserei Rachnalorabanstr. 10. (Wohnung, L) Telephon 0848. Rinrahnienv.ltiMern. Reparaturen v. Glasarbeiten. Scheitel und Perrüchen Friedrich Kriitzfeldt Frankfurt a. M., BergwegS. K X X X X X X X X X 8 Mittelweg 6. JLelt. Frankf. Fernspr. 1634. 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