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Neue jüdische Presse · 1910-08-19 · Heft 32 (19.8.1910) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 32 (19.8.1910)
Date
1910-08-19
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Frankfurter Israelitisches KmÄienblatt. Nr. 32. So lebte sie 7 Jahre hier, bei allen beliebt, von allen geehrt, selbstzufrieden, sich' mit wenigem begnügend, im Bewußtsein vollster Pflichterfüllung, sellffhändig Lenkend, ihren eigenen Weg verfolgend, ein Weib, eine Jüdin, ein Mensch im schönsten Sinne des Wortes. Dann verließ sie Frankfurt, verließ das Golnth, um jn jenes schönere Zand zu gehen, das sie als begeisterte Jüdin mit der ganzen Kraft ihrer jugendlichen Begeisterungsfähigkeit liebte. Dort in Petach- Tikwah erwartete sie ein Gatte, wie sie einen besseren nicht hätte finden können,. ihr in vielem gleich, ein Gatte, der sie innigst liebte und von ihr wiedergeliÄt wurde, an dessen Seite sie das schönste Glück fand. Und die Liebe, mit der ihr hier alle begegneten, fand sie auch dort; nur 9 Monate war sie Hort und war schon bei allen beliebt und gechrt. Und nun, als sie ihr Ziel erreicht hatte, als sie kamn aus der Epoche harter Arbeit in die ruhigen Glückes, idyllischer Zufriedenheit getreten war, da geschah das Furchtbare, und sie wurde vom unerbittlichen Tode entrissen. So war ihr Leben und Sterben eine Verbindung Munterbrochenenen Schaffens, selbständigen Vorwärtsstrebens mit furchtbarster, erschütternder Tragik. Ihr Gatte klagt nun um sie, ihre Familie beweint sie, und auch unsere Pflicht ist es, sie zu betrauern, da wir sie näher kannten, ihre glänzende Eigenschaft zu schätzen wußten und sie uns auch als Verfasserin der Briefe einer ehemaligen Frankfurterin in Petach-Tikwah eine liebe Mitarbeiterin war. Und so sei das Andenken dieser freudigen Schafferin, aufopfernden Lehrerin, vorbildlichen Tochter, liebevollen Gattin, dieser ungewöhnlichen Frau, dieser begeisterten Jüdin, dieses Menschen in seiner schönsten Verkörperung für die Dauer der Zeiten gesegnet. Berlin. Dr. Julius Heller. Privatdozent der Dermatologie, erhielt den Charakter als Professor. -— ' " Der Kaiser verlieh Jacques Rosenthal in München das Prädikat eines Hofantiquars. Diese Auszeichnung dürfte zum ersten Male verliehen worden sein. Berlin. Bon den im vergangenen Jahre verzeichneten insgesamt 4779 Verbrennungen in den 24 Einäscherungsstätten Deutschlands entfallen nicht weniger als 220 auf jüdische Tote, während es nach dem Anteil der Juden an der Bevölkerung nur SO hätten sein sollen. BreSlao. Landgerichtsrat Dr. H. Saling er ist zum Oberlandesgerichtsrat befördert worden. Lasse!. Kommerzienrat Gustav Plaut erhielt den Roten Adlerorden 4. Klasse. Hamm i. Wests. Hier verschied der seit 1902 als Stadtverordneter fungierende Bankier Max G'ersou. Beuthen. Der kürzlich vostorbene Rentier David Goldmann hat dem Israel. Altersheim 45000 JL testiert. Mülhausen i. Elf. Vorigen Freitag starb hier der in weitesten Kreisen' bekannte Gabboi d'Erez Jisroel Herr Jacques Meyer im Alter von 84 Jahren. Die Beerdigung fand am Sonntag statt. Im Trauerhause hatte zunächst sein langjähriger Freund Herr Rabbiner Schüler-Bollweiler den großen Verlust geschildert, den die Schar der Frommen in Mülhausen erlitten, deren Mittelpunkt der Verewigte gewesen war, und gezeigt, wie dessen ganzes Leben gewidmet war der Tauroh, Awaudoh und Gemiloth Chassodim. Dann setzte sich der Leichenzug — eine schier unübersehbare Menge, wie man sie hier noch selten gesehen — in Bewegung. Auf dem Friedhofe angekommen, sprachen Herr Rabbiner Dr. Cohn-Basel als Vertreter des Vereins zur Förderung des gesetzcstreuen Judentums in der Schweiz und die Herren Rabbiner Blum-Mülhausen und Bloch-Dornach. Aus allen Reihen llang der Schmerz wieder, den das alte, wahre Judentum mit dem Tode des Herrn Meyer erlitten, und der Wunsch, es möge ein würdiger Ersatz auf dem Gebiete der Wohltätigkeit gefunden werden. (l>.) Posen. Antiquitätenhändler Aron Michel erhielt vom Kaiser Friedrich-Museum ein Denk- und Ehreuschreiben für sein seit Begründung des Museums im Jahre 1894. betätigtes Interesse. — In Glogau verunglückte der 85 jährige Handelsmann Fränkel tödlich, indem er aus dem Fenster stürzte. — In Schrimm verschied — 74 Jahre alt — der Kaufmann Louis K u n tz, geschätzt wegen seiner Betätigung auf humanitärem Gebiete. London. Die ^Britische und Ausländische Bibelgesellschaft hat seit dem Jahre 1804 220 Millionen Exemplare der Bibel verkauft. Paris. General Maurice D e n e r h ist zum Generalmajor befördert worden. Aoaftantinoliel. Em. Salem erhielt den holländischen O r a n i e n .Nassau-Orden und wurde in den Verw altungsrat d er Dam as H a m a - E i s e n b a h n gewählt. A«s der zionistische» Bewegung. Berlin. Der bekannte Nationalökonom Dr. Franz Oppenheimer, Privatdozcnt an der Berliner Universität, plant in Palästina die Schaffung einer großen genossenschaftlichen Ackerbausiedlung, für welche der Jüdische Nationalfonds einen wesentlichen Teit der Mittel bereit gestellt hat, während ein anderer Teil durch ' private Zeichnungen bereits gesichert ist. Der diesjährige deutsche Zio nisteutag, der am 11. und 12. September in Frankfurt a. M. stattfindet, wird dadurch sein besonderes Gepräge und eine Bedeutung erhalten, die weit über die engeren zionistischen Interessen hinausgeht, daß Dr. Oppenheimer dort zum ersten Male vor einer größeren Oeffentlichkeit die Grundlagen der von ihm beabsichtigten Bodenreform in Pa - lästina klarlegen wird Dr. Oppenheimer, der erst kürzlich von einer mehrmonatigen Studienreise aus Palästina zurückgekehrt ist, hat in Palästina in Gemeinschaft mit den dort bereits .tätigen jüdischen Faktoren eines der günstigst gelegenen Terrains Palästinas für die neue Genossenschaftssiedlung erworben, hat einen hervorragend qualifizierten Oekonom zur technischen Leitung des Betriebes gewonnen und einen Arbeiterstab zusammengestellt. Es lind somit alle Vorbedingungen gegeben, um allmählich mit Hilfe der genossenschaftlichen Siedlungsmcthode viele tausende jüdische Bauern in Palästina seßhaft zu machen. Da die Zurückführung der Juden zum Ackerbau eine der wichtigsten Aufgaben der modernen jüdischen Kolonisationsbestrebungen ist. darf man auf die Begründung der Oplpenheimer'schen Siedlung sgenossenschaft die größten Hoffnungen setzen. Ihre Erfüllung hängt jetzt freilich davon ab, ob die jüdische Oeffentlichkeit der Sache genügend Verständnis entgegenbringen wird. Dann könnte in wenigen Jahren statt der jetzt existierenden 30 jüdischen Kolonien in Palästina vielleicht die dreifache Anzahl blühender jüdischer Gemeinwesen bestehen. Aus -er Lehrerwelt. (L.) Pose». Herr Rosenfeld aus Hamburg ist ziun Kantor des „Vereins dxr wohltätigen Freunde" gewählt worden. Paris. In Frankreich wurden — einem Beschlüsse der Vereinigung der französischen Rabbiner zufolge— dieses Jahr zum ersten Male w ä h r e n d der drei Wochen Trauungen vorgenommen. Die französischen Rabbiner sind konsequent. Da für sie die Tage der Eroberung Jerusalems keine Tage der Trauer über den Untergang unsrer nationalen Selbständigkeit, sondern Tage der Freude wegen des Beginns der^ „Mission" des jüdischen Volkes sind, so haben sie die drei Wochen abgeschafft. Wie wäre es, wenn sie ihre Konsequenz bis zu Ende denken und Simchas - Thora . auf Tisch» - bo - Aw verlegen würden? Huszt (Ungarn). Eine Trauerbotschaft, die die ganze Orthodoxie Ungarns ergreifen wird, ist von hier zu melden: Oberrabbiner Mosas Grünwald ist nicht mehr! Mit Oberrabbiner Grünwald ist ein phänomenales Talmndwissen dahingcgangen. Ursprünglich Kaufmann, wählte ihn die Gemeinde Homonno wegen seiner Gelehrsamkeit zum Rabbiner, er amtierte dann in Klein-Wardein und kam dann nach hier. Briefkaste«. I). E. Der zum Mitglied«: der spanischen Kammer gewählte jüdische Bankier Gustav Bauer stammt aus Wien und ist der Neffe des verstorbenen Abbe Bernhard Bauer, des Beichtvaters der Kaiserin Engenie. Kunst und Literatur. Racines Davidpsakmen.. Abbe Joseph Bonnet hat in der Bibliothek in, Petersburg ein umfangreiches Manuskript entdeckt, das er für eine Arbeit Racines hält. Dieses Manuskript hat den Titel „Der Geist Davids, eine neue Uebersetzung der 150 Psalmen," und enthält eine sehr genaue Uebertragung der Psalmen. Der Name des Autors fehlt zwar auf dem Manuskript, indessen will der gelehrte Abbe an dem Stil und der subtilen Ausdrucksweise den Geist Racines unzweifelhaft erkennen. Diese Annahme hat auch aus dem Grund viel für sich, weil der Sohn Racines in seinen Memoiren erzählt, daß sein Vater sich während seiner Krankheit viel mit den Psalmen König Davids .beschäftigte und mehrfach die Absicht aussprach', die Psalmen ins Französische zu übersetzen. Joseph Bonnet wird das aufgefunbene Manuskript drucken lassen.und der Pariser Akademie der Wissenschaften zur Prüfung übergeben. Die Entstehung des Talmuds von Dr. S. Funk (Sammlung Göschen Nr. 474). Preis in Leinwand 0,80 JL Leipzig, G. I. Göschen'sche Verlagsbuchhandlung. Daß heute in der jüdischen Menge Westeuropas eine völlige Unkenntnis inbetreff des Talmuds herrscht, daß man ihn mit Vorurteilen, die mau zum Teil von unsern christlichen Gegnern übernommen hat, entgegentritt, ist leider eine traurige Tatsache. Um so größeren Dank ist man daher der Göschen'scheu Verlagsbuchhandlung dafür schuldig, daß sie einem positiven Rabbiner Gelegenheit gegeben hat, das große Publikum mit der Geschichte des Talmuds bekannt zu machen. In den vier ersten, sehr interessanten Kapiteln behandelt der Verfasser die mündliche Ueberlieferung von der vormosaischen Zeit bis zum Exil, um dann im 5. Kchntel uns ' in sehr klarer Weise die Entwicklung der Tradition von der Rückkehr aus dem Exil bis zur Redaktion der Mischna vorzuführen. Die beiden letzten Kapitel behandeln den palästinischen und den babylonischen Talmud. Dieses Buch wird vielen neue Anregungen geben und manchen veranlassen, sich auch einmal näher mit dem Talmud zu beschäftigen: F. G. Barmizwohs. Max, Sohn des' Herrn Ch. Eisenberg, Langstraße 25; Max, Sohn des Herrn Baruch Bodenheimer, Theobaldstraße 4 und Julius, Sohn des Herrn Salomon Löb, Ostendstraße 33 in der Synagoge Friedbergeranlage. Josef, Sohn des Herrn Emil Fiebermann, Hermesweg 43 in der Synagoge Börneplatz. Max, Sohn des Herrn David Reis, Heilbronn am Neckar in der Synagoge zu Heilbronn. Max, Sohn des Herrn Isidor Kahn, Wiesenau '48, in der Westendsynagoge Unterlindau 23. Spende«. Bei dem Frkf. Jsr. Fmbl. gingen ein: Emma Schmidt, Altona und Saly Geis, Frankfurt a. M., anläßlich ihrer Verlobung, deren Mitteilung nur auf diesem Wege erfolgt, für die Oppenheimersche Siedlungsgenossenjchaft in Palästina 50,— JL Familie S. H. Goldmann dem Brautpaare Einma Schmidt/Saly Geis 1 Oelbaum - 6,— „ Telcgramnrablösung Hochzeit Jcidel— Blum, Pfungstadt von Flörsheim u. Co., Hier 0,50 „ von Hermann Würzburger 0,50 „ Bei der Nationalfondskommission gingen ein: Zion. Stammtisch zum 9. Aw' 1 Oelbaum im Herzlwald 6,— M Bereins-Kaleuder. Samstag. Verein „Mekor Chajim", 12 Uhr, Hörsaal Friedberger Anlage: Vorlesung aus Sefer Schemuel (Prof. A. Weyl); 4«/* Uhr, Schiitzenstraße 2: Mikro-Vortrag (Hermann .Goldschmidt). Mittwoch. „Montefiore"-Berein, 9Uyr, Seilerstr. 22: Wilhelm Busch (Siegfried Bauer). HAS SIA- S PRUDEL E‘VIL.BEL~ Kur-u.Tafel-WasserLRanoes^^ä tr: CW.HOFFMANN Frankfurt^Ml S Jede jüdische Küche muss es haben!! s D’ttö A. 1S/L I JK/Lm fün MaggU Beste u. wohlschmeckendste Koscherwfirze, die in Qualität den besten nichtritneU hergestellten Marken vollkommen gleichwertig ist. Hergestellt unter Aufsicht der Herren Rabb. Dr Kohn in Ansbach u. Dp. Berliagerin Bpaunsbach. Wiederverkäufen auf allen Plätzen des In- und Auslandes gesucht; Wo kein Wiederverkänfer vorhanden, belieben sich Restaurateure, Pensionsinhaber und Private direkt an uns zu wenden. Anthur Moyor & O/e,, Gelnhauaon.

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