Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 31 (12.8.1910)
- Date
- 1910-08-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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»■ ■ i ■ i ----- - ii i i ■•- — ■ ■■ -- 'r " FuMsMürs. «. •";**•' ... vWCpTiCi* ' Vs« esp. P s rl» u t t e r, Gksuksirrt a, JüdischiL m*f 'Ranfceijn. —Die zionistische SMnminn. — Thnffthim nnh ZivRiStan«. — Bei« Flebben" — Dn« ffrnelitische Si^erheinu Die Borliede für die StattstL der Jode» zieht »eite Kreise. Ei» „Israelit", der vor kurze» verstnrh. hinl erließ eine größere Sramr, d»«ä zn« Heile de» Judentum» ..ftatiftiich" nach- (OBttKi »erde, daß de» Mischehe» „Kaalsrrhüttende" Elemente «tsprSffe». Vielleicht findet sich «och einmal ein judeutnmssrenndlicher Verehrer der Statistik für Juden, der feststelle« läßt, welche Folge» die' schmachwürdige Behandlung i» gewisse» Länder» auf die GesundheitdüerhLltnisse unserer „Glanbensgcnossen" «eftatt hat. I» eine» Bade wie Nauheim kommen, unwillkürlich solche Gedanke». Tenn, da e» kein .ZnxnSbad" ist, treffen sich hier alljährlich veritadle ^ankt aus alle» Teile» der Welt. Und da» tzanptkontingent stelle» natürlich jene mit ..mehrerlei Elend" behafteten Kranke« — russische and panische „Glaubensgenossen". De» Beschauer, der sich als Passant hier anfhält und Zeit und Muße hat, zu beobachten, «nämillt kick ei» Bild, da» sein -jüdische» Interesse i» Bewegung hält. Außer ver ei »gelte» deutsche», österrrichischeu, amerikanische» und türkischen Juden findet «a» so ziemlich alle Typen au» dem russisch-jüdischen Milieu. Bo« chassidischen Rebbe an» irgend eine» Städtchen Polen» mit der äußerst lange» Libezze" und dito PeieS bi» zum selbstverständlich kurz geNeidete» Großkaufmann au» Odessa, von der noble» Fabrikantin an» Lodz bi» znr einfachen Händlerin au» der Provinz. La» lag näher «l» der Versuch, diese verschiedengeanete» Jude» in einer sie alle gleich ütterrssierende» Veranstaltung zusammeazuführen? Sie schon berichtet, ist dieser vom Zionistische» Gr»ppe»verband, Franffurt äm Main, gemachte Versuch gelungen. . Die .zionistische RSunion" führte ei« Pnbliknm zusammen, vtnt dem die meisten über de» Zio»i»m»» »och nicht allznviet gehört hatten. Desto größer war der Erfolg, die wirksame Propaganda für die Bewegung. Und vielen,, die daheim durch .Fieschäft", da» in' Rußland heute »och weit «ehr de» ganze» Mensche» in Beschlag uimntt wie etwa hier, sich «enig. um jüdische Tinge kümmern, ist eine Ahnung aufgedämmert» wo einzugreis«» ist. Wirhatten Gelegenheit, die verschiedenste» Juden später zu spreche». Und nicht nur bei de» .^veltlichen" Jude», wie bei eine« Lodzer Bankdirektor, der zu Hanse »arme Propaganda versprach, traf man ans Verständnis, sondern auch bei „Ehassivim", die oft sehr verwundert aufhorchten, al» sie vertu« die 8HVt^ Gier hüßtE Uni» wen» "dieser Ab-, besonder» angelegt sind. Tie rührende Fürsorge fallwewer^s» »» sich greift wie biöhrr, dannI desselben Mannes, der in Frankfurt a. M. da« werden? hie ^iusicht^«»"Chsssrdi». de« sind wir | Waisenhaus als Schmuckkastcu erstehe» liest, des sicher, sich doch nach Mittel» umfetze» müsicu. die dre ^Meddes^ in ihrer Srltnnerfahrenheit in ihrem- ^Etübl" heute ' »och nicht kennen. Um studiere» zu können, scheuen die „Jungen" selbst »ich» dre Tsnsr (SchsbbsSentseihnng aus den Gymnasien ist schon etwa» Selbstverständliches). Tic „Äe&Sc’»". aber wissen nichts vom Leben. Sre sitzcuim„2tüol"und empfangen „Chsssidim". ' Ich war begierig, einen solchen „Rebbe" ja sehen. - Da gerade ei« sehr berühmter Rebbe au« Parsczow (in Pole») in Bad Nauheim weilt, wollte ich nicht die Gelegenheit vorübergehen hlseu. Man führte «ich rin. E« war gegen Schabb»«-Au«-aug. Der ,^Rebbe" sitzt in voller Tracht, aus dem Kopse den „Straimel". Um ihn herum im Dämm erschein die Ehassidim. Ter „Rrbbe" ist eine ehrfuvchtgedieteude Erscheinung. Alle» schneigt. . Man hört die tjefen Atemzüge der einzelne» i« Zimmer? Dann und wann beginnt der Rebbe zu sprechen. Immer kurz. Jetzt bittet er eine» Anwesenden, einen „Psallüm" zu singe». Ich habe selten eine solche Webmut in der Stimme gehört, wie bei 'dem „Lhossid", der mit?.»Mw a)f.iiXM.M cnu i ::t'V t tn» *» ü »r Leise sprechen die Amvesenden die Schlußworte nach. Daun wieder tirsste StUle im Zimmer. Bi» der Rebbe ein „Wort Tauroh" sagt. Alles rückt eifrig zusammen, um den „Pschatt" zu erfassen. Fast lustig - sagt er'», unter überlegenem Lächeln. Leider Knute ich sastnichl» verstehen, ra er Jargon, und recht undeutlich spricht. E» must aber schr gut gewesen sei», denn die Ed isfidim waren entzückt. 7-;Da» Zusammensein dauerte bi» in die Nacht hinein.'. Auf mich hat e* einen großen Eindruck gemacht.? Und wenn auch manches, wie das gemeinsame Effm'äst» dem Teller de» Redbet, nicht Zehr Mystisch wirkt, - so ist doch die ganze Art und. Weise, "in der bei solchen Zusammenkünsten die Verehrung für den großen Gelehrten und die innige Ueberzeugung der Lhassidim zum Ausdruck kommt, ein Monteur, das uns feierlich anmuten und wahrhaft erh^en kann. Von dem jüdischen . Leben der Gemeinde selbst in Bad Nauheim, die ja auch, sehr klein ist, ist nicht viel zu sage». . Dagegen sind in Nauheim jüdische Stiftungen, in der Hauptsache von Frankfurt au-gehend, von denen man mir berichtete, daß sie sehenswert seien. Ein Zufall brachte mich eine» Hage« bei einem erweiterten Rundgang um de» große»-Teich an ein in der schön sten Lag«? NauheiuG gelegenes, durch seine ein fache, habet aber vornehme Fassade ausfallende» große» Gebäude: die .Israelitische KinoerheU stätte". Ich kann jedem, der jüdische» Interesse hat, nur rate», sich nicht, erst aus den Zufall eine» Spaziergang» zu' verlassen, der ihm am nHww fcift e* «1uh andere aia i t r t (i a i Mef ffinhe der Aranklurterstroüe hn« mm Besuche ein- «!««>««»»•»* •**»«», Mnm hört in diesen Kreise» ein Lob über dir dentsche» ..Ars»»«" und eine Hochachtung vor diese» bei sämttiche» russische» und polnische» Inden, die wir sprachen, daß man wirk- Sch bezweifeln darf, ob «an über de» Unterschied an „jüdische« Wisse»" dieser „Gesetze», trene»" ^messen an de« der russischen „Je- «lim" «vch nnr einigermaßen informiert ist. „Fraukfnrt'* hat eine» gar - große» Wie gerne »Achte» sich jene Kreise »ach ihre» Mansche»" Vorbilder» richte»! Vir hoben innerlich herzlich lache» müffe» über die Ironie, die dari» liegt, daß gescheite, gesetze»- tum Führer, die feget. da» Pastnlat de» Ratioanerkenne», desholb dem Ztoni«mn» z» müsse» glanben. »eil die Gesetze», t-enev in «nßland in Wer «ehrzahl gegen tz bm fHamÜmai leie». VLAtt de» «bfeU fest her gesamten russisch jüdisch« Ingenb HSrt mm» »fefe Klage», «iw mm ti». an« WarsMur «ch Lab». m Utuut n»d sum>&SU« »vrLthSLnnd ladend- Kinderheim vor Augen führt, sondern, sobald nur etwa» freie - Zeit, die« Juwel eine« jüdischcn Kinderinftitnt» aufzusuchen. Geräumige, lustig« . Auseuthaltsraume, mit allen Errungenschaften hygienischer Fürsorge au«- geftattete Echlassäle, entsprechende Wasch- und Toi letteeinrichtnngen, Eßhalle im Freien, großer Hof und prachtvolle Gartenanlagen. Die »sinder (heu tige Besucherzahl 60) bade» fast täglich, der Anftaltsarzt, Dr. «ed. Hirsch, untersucht sämtliche ZSgltuge mehrmial» in der Woche, in der ganzen Art der Behandlung, -sowie t» der äußerst glück' ltche» Auswahl se» Anstaltr-Pkrssual»: — dir Leitung liegt in den Hände» der tüchtigen und fach verständige» Vorsteherin Frln. vaith, sowie de» Lehrer» Gotdschmtdt, der den Kindern die Bünsch« von den Auge» ebltest: -7übqeall offenbart sich der ans da» Wohl der- Zöglinge t» Wahrbett bedachte Geist,, der nicht» Ktfafc ton» eine solche Anstalt nnr irgendwie zn ihrer Vervollkmnmnnng benStigte: »0« - K»»ktt»tztmmer mit Operation», saat sür «üe ^«»tnaksälle, bt» hinab z» tze» Herr« Michael R. Mainz, hat auch hier eine wahre ,?Heil ' -Stätte geschafirn- Man sollte jedem jüdische» Kurgast oirse Anstalt zeigen, damit er sehe, was geeinter jüdischer Geist tu schaffen imstande ist und mir ser Kunde hiervon auch das Streben nach »scheifernder Betätigung im Srvue J?* ,.??! xiSrokl arönnm sc lose" in die Länder trage, in denen er heute zu Hause ist. ^Nodrr »7K4> der länger mm «,»tefi»re. DaS jüdische Bolk dat es von »elirr vermieden. das Bild feiner Grofte« in Erz nnd Marmelftrin aufzustetten. Es dielt die Denkmäler, die sich die Toten in den Herzen des Botke» errichtet ballen, für würdiger und dauernder. Bo» diesem Brauch ist der jüdische Stamm dw dente nicht abgewithen» und seine Gros«» irden in seinem Andenken fort, und da» Andenken dieser Gerechten bleibt zur» Segen. Am siebenten de» Monat» Ab -'>«>7» tti. August 19\»M ist ein Bierteliadrtiundert verjlojje». seitdem ein Marr» tut atlerlröchsten patriarchalischen Alter un» entrissen wurde, de» unsere Bäter und Groswüter für da» jüdische Bolk haben rastlo» wirken sehen, und dessen segensreirtie und unermüdliche Arbeit iür uniern unktrtrn L-andrrstamm di» weit hinein in unsere Lage renyte. Mose» Montesiore. der Sprüstling einer hochangesehenen AdelSsanrilie au» den» spanisäre» Gatuih. der am 8. Lbrschrvan i seinem Volke geschenkt imirde. und al» ein Jahrhundert lebte, hat sei» ganzes lnnm» und unermüdlich tätige» Veben der nationalen Arbeit für da» jüdische Volk genndmet. Wo e» galt, für die unterdrülktr Nation einzutreten, da rvar Moniejiore zur Steile, vaiv »» eisige» Rufiland, bald nnler der alüliender» So,ine der Berberei, l-eute in seiner sreieu englischen Heiinat. morgen in dem von Krisen nnd Kriegerr durchwühllen arabischen Orient. Die Macht seines Namen», der grobe Einjins;, sein hohes Anjehe» und seine rastlose» Beinülnrngen rmrren oft genug von Erfolg gekrönt, und selbst dir erfolglos verlause»rn Bersurlre hatte» als Achtungserfolge erheblirlren Werl. Montesiore war in: vollste» Sinne de» Wortes ein^karionaljude. Jkn» ging die Ehre und die Wohlfahrt feines Stamme» über alles. Selbst feine Heirat must in diesem Srnne betrachte» iverden. Al» er Judith Evhen heiinsulrrre, dnrnrbrach er da» Vorurteil der jeplmrdisch»'» Jude» Rordcuropa«, die e« bi» dahin »-'rschmählen, mit aschkenasische» Jude» eheliäw Verbinbungen einzugehe». Er hatte es nicht zu bereue». Den» Judith Montesiore war die würdige nnd gleichwertige Gattin, die ihm süntzrg Jahre lang eine Eser kenegdau. eine timt gleichstrebende l-üesaln - tin war. In seinem Vaterlande England >»ar er au der Erringung der Bürgerrechte für die dortige« Juden voll beteiligt. Die Würden, die ihn» zuteil wurden. er wurde bereit» 1n:i7 - neun von London und Middle-Ser übernahm er. indem er nicht blos, sei» Indent,»» »ich, »>e>- steckte oder gar verleugnete. sonder» ,i,ve,„ er gerade al« Jude diese Ehren annah»,, durch die er weniger sich selbst al» seinen Stamm geeint (»(NIM **••*111« -»kr«» Iw!*• nill.« it.ielt IgNd. hiii fein .iriKiihiianl S»l,ir« fiir iiufrrr -Mruhrr in die Wagschale fallen zu lasse» Er erreichte einen Ufa«, wonach den Inden gestiittel wuide. Liegenschaften. Graiidegzenturr: zu rri>>erdrn und in die Handetsgilden «-iii.tHiiele». Abu ,m >»>- gemeinen hatte er hier kaum mehr Erfolg als später, w» er von der katholische» Kirche das seinen Ellern gewaltsam geraubte Kind Edgar Mortara zurüllforderte. Auch ,n andern Länder«, wo die Juden nach dem Rechte der Barbar.-, behandelt wurden und .»id< werde», in Rumänien und Marokko, bemühte sich Montesiore bei Fürsten und Landesherren, da» Los keiner Brüder zu erleichtern. Alle diele Mühen ertrug er gern und willig um leine« Stamme» willen, dem er mit b»r gli'iheadsten Liehe anhing. Au« seiner innigen Liebe z»> keiner Nation entsprang die gleiche Anhänglichkeit an da» Land, t» de« ble glorreiche Geschnhie der tzedrLer sich abgespielt und de« sie. in allem Elend nnd aller No», ln der groulamstrn Unterdrückung und den blntlgften Versalg«»«» ungeminder» »reu geblieben waren. Im Jahre!#27 konnte er zum erstenmal der Sehasuch» s»lge». die ihn und seine Gemahlin »ach de« Lande Jtraei al» «aft tührte. Die mit dem Khedtv« Muhammed Alt hierbei geschlostene nähere Vetännckhnst diente ihm bei seiner zweiten Reis« «M Iahen MS tectit» dazu, von diele» rtun MiUtElK-eeKtrich» Svnzcffion sür die «rünh^ug